mini|„Kost nix“-Laden, Radenthein, Kärnten (2021) mini|Zum gehobenen Angebot der Online-Shops zählen auch Designer-Secondhandkleider Als Secondhandkleidung oder Second-Hand-Kleidung bezeichnet man gebrauchte Kleidung, die kommerziell oder privat zum Kauf angeboten wird. Auch die Begriffe Secondhand-Mode, Secondhand-Fashion oder Vintage-Mode sind im Zusammenhang mit Kleidung aus zweiter Hand geläufig.
Während das Marktsegment bald nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Österreich und der Schweiz eher unbedeutend war und von Secondhandläden und Flohmärkten dominiert wurde, gewann es immer mehr an Bedeutung. Gesteigerte Verfügbarkeit und Auswahl durch den Onlinehandel, der Anspruch auf modische Individualität in Abgrenzung zu Fast Fashion und ein gesteigertes Umweltbewusstsein sind Hauptauslöser für diesen Trend.Stefanie Neumann, Swantje Paelitschek, Marlena Scheuer: Live & Love Secondhand (2018), ab S. 16 "Aus der Nische ins Rampenlicht"
Einige Institutionen sammeln Kleiderspenden, um diese für gute Zwecke zum Kauf anzubieten. Innerhalb von Familien wurde Kleidung früher oft weitergereicht, insbesondere Kinderkleidung oder aufwändig gefertigte Trachten. Mittlerweile lebt ein ganzer Wirtschaftszweig vom Weiterverkauf hochwertiger Secondhandkleidung. Nach der Jahrtausendwende trugen Re-commerce-Geschäftsmodelle wie eBay zur Popularität und zum Handel mit gebrauchter Kleidung bei und ermöglichten es auch Privatmenschen, ihre gebrauchte Kleidung weiter zu verkaufen. Mittlerweile sind zahlreiche Anbieter nicht nur offline, sondern auch online vertreten, wo sie neben Secondhandkleidung unterschiedlicher Marken auch Designerstücke, Schuhe und Accessoires (wie Handtaschen) anbieten.
Durch ein gesteigertes Bewusstsein für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und den geringeren Kaufpreis, im Vergleich zu Neuware, liegt gebrauchte Kleidung zunehmend im Trend. In Deutschland könnte, laut einer Prognose des Jahres 2020, Secondhandkleidung bereits 2030 einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent ausmachen.Studie – Fashion 2030: Trend-Guide für die Zukunft der Modebranche in Deutschland KPMG, aufgerufen am 6. September 2022
Geschichte mini|Wurden früher über Generationen getragen: die Trachten im Heimatmuseum Nellingen Bevor Kleidung industriell und in großem Maßstab produziert wurde und zu Preisen erhältlich war, die sich nahezu jeder leisten konnte, war es üblich, gebrauchte Kleidung weiterzugeben, umzuändern oder zu verkaufen, bis diese schließlich aufgetragen, verschlissen, zerstopft oder fadenscheinig war.
Durch die Notwendigkeit, sparsam mit vorhandenen Materialien zu wirtschaften, wurden im ländlichen Raum insbesondere in Handarbeit hergestellte Trachten innerhalb der Familie vererbt. Dies konnte die historische Kleidungsforschung unter anderem mit Hilfe von Inventarlisten, die bei der Verheiratung angefertigt wurden, belegen.Lioba Keller-Drescher: Die Ordnung der Kleider. Ländliche Mode in Württemberg. 1750–1850 Eberhard Karls Universität Tübingen, aufgerufen am 7. September 2022.
In Deutschland sowie in vielen anderen Ländern war es in der Nachkriegszeit, aufgrund der allgemeinen Materialknappheit, üblich, Kleidung wiederzuverwerten und diese gegebenenfalls auch abzuändern, um ihre weitere Nutzung zu ermöglichen.Bekleidung als Spiegel der Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Braun-gemustertes Kleid Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, aufgerufen am 6. September 2022 Um die Wiederverwertung von Rohstoffen zu ermöglichen, wurden zudem Strickwaren aufgetrennt, um die Wolle anschließend zu neuen Kleidungsstücken zu verarbeiten.
Das Weitergeben von Kleidung innerhalb von Familien und Freundeskreisen wird zwar nach wie vor praktiziert, aber dabei geht es mittlerweile nicht mehr in erster Linie darum, Kosten einzusparen. Im Bereich Kinderkleidung sehen manche Eltern einen Vorteil darin, dass getragene Kleidung Baby- und Kleinkinderkleidung öfter gewaschen wurde und dadurch eventuell vorhandene Schadstoffe reduziert wurden. Für Secondhandkleidung spricht neben der höheren Nachhaltigkeit auch die eventuell bessere Qualität im Vergleich zu billig produzierter Neuware. Alles fürs Kleine. Eltern-Tipps: Was geht wo am besten – Secondhand oder neu? Eltern, aufgerufen am 7. April 2023.
Viele, gut erhaltene Kleidungsstücke werden auf Flohmärkten sowie im Bereich des Kauf- und Leihhandels angeboten. Eine nicht kommerzielle Möglichkeit ist der Tausch von Secondhandkleidung im Freundes- und Bekanntenkreis oder innerhalb von Betrieben sowie Veranstaltungen zum Kleidertausch.
Allgemeines und Hintergrundinformationen Zwischen 2000 und 2015 hat sich die Anzahl der Kleidungskäufe weltweit verdoppelt, von etwa 50 Milliarden Kleidungsstücken auf mehr als 100 Milliarden Einzelstücke.Billigmode. Darum ist uns Kinderarbeit beim Kleiderkauf egal. Quarks, aufgerufen am 7. September 2022. Da unterhalb einer gewissen Preisgrenze die Qualität nachlässt – insbesondere im Bereich Fast Fashion – werden viele Kleidungsstücke darüber hinaus früher aussortiert und die Tragedauer ist nur noch halb so lang wie noch vor 15 Jahren.Rohstoffe im Blick: Was tun mit ausrangierter Kleidung? VerbraucherService Bayern, aufgerufen am 7. September 2022.
Nach Angaben des Umweltbundesamtes wird in Deutschland pro Person und Monat ein durchschnittlicher Betrag von 78 Euro für Bekleidung und Schuhe ausgegeben. Dennoch wird jedes fünfte Kleidungsstück nahezu nie getragen, wie eine Umfrage im Auftrag von Greenpeace darlegt. Pro Jahr kauft jede Person in Deutschland hochgerechnet etwa 18 Kilogramm Kleidung, mehr als doppelt so viel wie im internationalen Durchschnitt, der bei einem Konsum von acht Kilogramm Bekleidung pro Person und Jahr liegt.Bio, Secondhand, Nutzungsdauer: Was bei nachhaltigem Umgang mit Kleidung wichtig ist Umweltbundesamt, aufgerufen am 7. September 2022. Laut Statista wurden 2018 etwa 4,7 Milliarden Kleidungsstücke in Deutschland verkauft, also durchschnittlich 56 Teile pro Person, wobei auch das Produktionsvolumen von Kleidungsstücken noch immer ansteigt (vor 2023 um jährlich 2,7 Prozent).Abwärtsspirale statt Kreislaufwirtschaft Profashionals.de, aufgerufen am 29. November 2022
mini|Textilherstellung in Bangladesch Die heutzutage übliche industrielle Herstellung von Kleidung geht mit einem hohen Einsatz von Ressourcen einher und hat ökologische Auswirkungen auf Mensch und Natur in zahlreichen Produktionsländern. Der Bedarf an virtuellem Wasser und Energie sowie der Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln und Chemikalien in der gesamten Produktionskette belasten die Umwelt. Zu den sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen zählt, dass in Produktionsländern mit niedrigem Lohnniveau Arbeits- und Gesundheitsschutz häufig weniger beachtet werden und dabei oft sehr viel mehr Arbeitsstunden pro Arbeiter geleistet werden müssen. Auch Kinderarbeit und das Verbot, sich gewerkschaftlich zu organisieren, sind vielerorts noch immer üblich. In Asien, wo ein Großteil der Textilien für den Rest der Welt produziert wird, müssen geschätzt sieben Prozent aller Kinder (was über 62 Millionen entspricht) arbeiten. Dabei sind zunehmend weniger Kinder in den Nähfabriken anzutreffen, während der größere Anteil mit dem Anbau und Ernte von Baumwolle sowie in Spinnereien beschäftigt ist.
Allein in Deutschland werden jährlich 1,1 Millionen Tonnen Kleidung aussortiert, wobei Ausrangiertes noch immer vorwiegend in Altkleidercontainern entsorgt wird.Gebrauchte Kleidung verkaufen. Portale für Second-Hand-Klamotten im Check Stiftung Warentest, aufgerufen am 7. September 2022 Der Anteil der getragenen Bekleidung, der gebraucht weiterverkauft wurde oder an Bedürftige abgegeben, lag dagegen bei nur zehn Prozent. Insgesamt werden rund 55 Prozent der Alttextilien noch immer vernichtet; entweder kommen sie, dem Müll beigemischt, in die Müllverbrennung oder gelangen als Ersatzbrennstoff nach Osteuropa, wie Greenpeace berichtete.
Ein umfangreiches Angebot an qualitativ hochwertiger Secondhandkleidung kann perspektivisch dazu beitragen, dass mehr Augenmerk auf Verarbeitungsqualität und Markenware gelegt wird. Zudem verändert sich der Umgang mit der eigenen Kleidung durch das Bewusstsein, sie nach der Nutzung noch verkaufen zu können.
Der Markt In der von der KPMG gemeinsam mit dem EHI Retail Institute veröffentlichten Studie Fashion 2030: Sehen, was morgen Mode ist, zum Thema Zukunft der Modebranche in Deutschland, gaben 34 Prozent der Kunden in Deutschland an, bereits gebrauchte Mode zu kaufen, während weitere 28 Prozent es sich vorstellen können. Durch den Aspekt der Nachhaltigkeit liegt Second-Hand im Trend und könnte nach Schätzungen der Experten bis 2030 einen Marktanteil von 20 Prozent ausmachen. Da außerdem die Bedeutung des Onlinehandels weiter zunehmen wird und eine Flächenreduktion bei den stationären Händlern erwartet wird, wird insbesondere das Onlineangebot an gebrauchter Kleidung zunehmen. Es hieß 1922, wobei die Größenordnungen zu beachten sind, dass das Geschäft mit Secondhandkleidung 21-mal so schnell wächst, wie die gesamte Modeindustrie.
Secondhandkleidung kaufen Secondhandkleidung wird in der Regel günstiger als vergleichbare Neuwaren angeboten, wobei der Markt insbesondere im Luxussegment sowie bei fair oder ökologisch produzierter Mode stark wächst. Hierzu zählen auch Kleidungsstücke, die mit dem Grünen Knopf oder anderen Gütesiegeln gemäß Global Organic Textile Standard und der Fair Wear Foundation gekennzeichnet sind.
Im stationären Handel wird gebrauchte Kleidung teilweise nach wie vor von karitativen Unternehmen wie Oxfam oder Humana angeboten, die regelmäßig über die Verwendung der erwirtschafteten Gelder Bericht ablegen.Secondhand-Kleidung: ausgefallen, nachhaltig und günstig Oxfam, aufgerufen am 6. September 2022Humana. Second Hand and Vintage. Konzept Humana, aufgerufen am 7. September 2022 Für eine leichtere Orientierung wird die Kleidung dabei in der Regel vorsortiert nach Art des Kleidungsstücks, Farbe und Größe angeboten.
Zu den kommerziellen Anbietern, die bereits seit den 1980er Jahren im stationären Handel mit Secondhandmode tätig waren, zählt unter anderem die Texaidtochter ReSales, die nach eigenen Angaben über 50 Ladengeschäfte in Deutschland betreibt. Seit 2020 wird das Konzept ebenfalls durch einen Onlinehandel ergänzt, der auch Nichtmarkenware im Sortiment hat.ReSales. Konzept ReSales, aufgerufen am 6. September 2022 Zu den ersten Onlinehändlern, die Secondhandkleidung im deutschsprachigen Raum online anboten, gehörte Ubup, später umbenannt in Momox Fashion. Der Shop ist nach eigenen Angaben noch immer der größte Onlineanbieter für Secondhandkleidung und kauft gebrauchte Kleidung von Privatpersonen an, um die Einzelstücke anschließend online anzubieten.Momox Fashion (Ubup) Utopia.de, aufgerufen am 6. September 2022
Zahlreiche Modemarken haben bereits damit begonnen, ein eigenes Secondhandangebot aufzubauen. Die Branchenzeitung Textilwirtschaft berichtete, dass unter anderem Adidas, About You, Dr. Martens, Farfetch, Hugo Boss, H&M, Levi’s, The North Face und Zalando bereits ein Sortiment an eigener Secondhandkleidung anbieten und nun auch Tommy Hilfiger die Ausweitung des Geschäftsmodells auf Secondhandkleidung angekündigt hat.Tommy Hilfiger steigt in den Recommerce ein Textilwirtschaft, aufgerufen am 6. September 2022
Secondhandkleidung spenden mini|Altkleider-Container in Berlin (2015)