Der Schrecken vom Amazonas (Originaltitel: Creature from the Black Lagoon) ist ein im 3D-Format gedrehter Horrorfilm-Klassiker des US-amerikanischen Regisseurs Jack Arnold aus dem Jahre 1954. Er handelt von einer Forschungsexpedition, die in einem Seitenarm des Amazonas auf einen „Kiemenmenschen“ stößt, der halb Meeres- und halb Landlebewesen ist und zur tödlichen Bedrohung für die Expeditionsteilnehmer wird.

Inhalt

Handlung Eine Gruppe von Geologen findet bei Grabungen am Amazonas eine versteinerte Hand, die von einem fehlenden Verbindungsglied zwischen Meeres- und Landlebewesen stammen könnte. Um nach weiteren Funden zu forschen, rüstet Dr. David Reed, ein Ichthyologe, eine neue Expedition aus, die neben ihm aus den Wissenschaftlern Williams, Thompson und Maia besteht. Reeds Freundin Kay Lawrence schließt sich der Expedition ebenfalls an.

Mit dem kleinen Dampfer „Rita“ macht man sich auf den Weg zum alten Lager, findet aber die zurückgelassenen Expeditionsmitglieder nur noch tot vor. Kapitän Lucas von der „Rita“ vermutet, dass sie von einem Jaguar getötet wurden, doch die Wissenschaftler können sich der Vermutung nicht anschließen. Als ein Besatzungsmitglied verschwindet, breitet sich unter den Forschern Unbehagen aus.

Weil weitere Grabungen kein Ergebnis bringen, entschließt man sich, weiter stromaufwärts zur sogenannten Schwarzen Lagune zu fahren, aus der der bisherige Fund herausgespült worden sein könnte. Unbemerkt ist ihnen ein „Kiemenmensch“, der sowohl an Land als auch unter Wasser atmen kann, bis in die Lagune gefolgt. Der Kiemenmensch beobachtet unter Wasser, wie Kay Lawrence ein Bad in der Lagune nimmt, und gerät in ein Fischernetz, aus dem er aber entkommen kann. Nachdem er zwei weitere Besatzungsmitglieder getötet hat, gelingt es den Forschern, ihn in einem Käfig zu fangen. In der Nacht kann er erneut entkommen und verletzt Dr. Thompson schwer.

Als sich die Forscher entschließen, die Expedition abzubrechen, finden sie den Ausgang der Lagune von Baumstämmen blockiert. David Reed versucht, die Blockade zu entfernen, wird aber vom Kiemenmenschen angegriffen. Dr. Williams ertrinkt beim Versuch, die Kreatur zu fangen. Kurz danach entführt der Kiemenmensch Kay in seine Höhle an Land. Bei der Befreiungsaktion wird er durch mehrere Gewehrschüsse verletzt und versinkt in den Tiefen der Schwarzen Lagune.

Thematik Der Schrecken vom Amazonas gilt als Musterbeispiel für das Subgenre des Monsterfilms. Kritiker und Filmhistoriker zogen Parallelen zu King Kong und La Belle et la Bête (Hahn/JansenRonald M. Hahn, Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films, 5. Auflage, Wilhelm Heyne Verlag, München 1992.) sowie zu Der weiße Hai (Phil HardyPhil Hardy (Hrsg.): The Aurum Film Encyclopedia – Science Fiction, Aurum Press, London 1991.):

Entstehung mini|Ricou Browning, einer der beiden Darsteller des Kiemenmenschen Der Schrecken vom Amazonas entstand auf dem Studiogelände des Produktionsstudios Universal und an verschiedenen Drehorten in Kalifornien und Florida. Die Unterwasseraufnahmen wurden von einem Second-Unit-Team unter Leitung von James C. Havens in Wakulla Springs, Florida, gedreht.Der Schrecken vom Amazonas in der Internet Movie Database.

In dem Kostüm des Kiemenmenschen steckte in den Unterwasseraufnahmen der professionelle Taucher Ricou Browning, der später unter anderem bei der Fernsehserie Flipper mitwirkte und für die Unterwasseraufnahmen in den James-Bond-Filmen Feuerball und Sag niemals nie verantwortlich zeichnete. Der Darsteller Ben Chapman spielte den Kiemenmenschen an Land.

Das Design für Maske und Kostüm des Kiemenmenschen wurde offiziell Bud Westmore, dem Leiter von Universals Make-up-Department, zugeschrieben, stammte aber tatsächlich von der Maskenkünstlerin und Schauspielerin Milicent Patrick (1915–1998), die unter anderem auch, ebenso ungenannt, die Aliens und Mutanten in den Jack-Arnold-Filmen Gefahr aus dem Weltall und Metaluna IV antwortet nicht entworfen hatte. Patrick wurde vom Studio auf Promotiontour für den Film geschickt, unter dem Titel „The Beauty Who Created the Beast“. Auf Betreiben Westmores wurde der Name der Tour dann aber bald auf „The Beauty Who Lives With the Beast“ geändert, um zu verhindern, dass Patrick als Urheberin aufschien.Mallory O’Meara: The Lady from the Black Lagoon: Hollywood Monsters and the Lost Legacy of Milicent Patrick, Hanover Square Press, Toronto 2019, ISBN 978-1-335-93780-3, S. 204–207 Das Aussehen der Kreatur war unter anderem inspiriert von alten Darstellungen zweier mittelalterlicher Fabelwesen, des Meermönchs und des Seebischofs.

Gleich fünf Musiker waren an der Komposition der Filmmusik beteiligt: Hans J. Salter, Henry Mancini, Herman Stein, Milton Rosen und Robert Emmett Dolan. Keiner von diesen wurde in den Titeln genannt, stattdessen fand Joseph Gershenson Erwähnung für „Musical Direction“. Mancini erklärte in einem Interview, dass es zu jener Zeit bei Universal üblich war, dass Gershenson, Leiter der Musikabteilung, mehreren Musikern gleichzeitig die Komposition für ein Projekt übertrug, um so Zeit zu sparen.John Stanley: , Dark Corridors Vol. 1, No. 8, 2000, abgerufen auf thecolumnists.com am 3. März 2012.

Ursprünglich wurde der Film für das Polarisationsverfahren in 3D aufgenommen.Technische Daten bei der IMDb3D-Filme in diesem Verfahren Bei der Projektion wird hierfür jedoch eine teure silberbeschichtete Leinwand benötigt, die in der Lage ist, das polarisierte Licht zurückzustrahlen. Zwei mechanisch gekoppelte Projektoren müssen beide Filme (einen für das linke und einen für das rechte Auge) bildgenau aufführen. Dabei passierte es immer wieder, dass einer der Filme riss und dann eine passgenaue Aufführung kaum mehr möglich war und der Film in der normalen „flachen“ Version fortgesetzt werden musste. Aus diesen Gründen wurde der Film umkopiert in das billigere anaglyphe Rot-Grün-Verfahren, das mit nur einem Film auskommt und auf eine normale Kinoleinwand projiziert werden kann. Diese Fassung wurde am 28. August 2010 von dem TV-Sender ARTE ausgestrahlt. Auch im WDR-Fernsehen wurde der Film im Anaglyphen-Verfahren Anfang der 1980er gezeigt. Vielfach wurde der Film (im Kino, im Fernsehen und auf Video/DVD) aber auch nur in flachem Schwarzweiß gezeigt.

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Rank Film Synchronproduktion in Hamburg. Für Dialogbuch und Dialogregie war Edgar Flatau verantwortlich.

Veröffentlichungen Kinostart Der Schrecken vom Amazonas startete am 5. März 1954 in den amerikanischen und am 24. September 1954 in den bundesdeutschen Kinos. In Österreich startete der Film im selben Jahr unter dem Titel Das Ungeheuer der schwarzen Lagune.Illustrierter Film-Kurier (Wien), Wien August 1954.

Rolle Darsteller SynchronsprecherDavid ReedRichard CarlsonHermann LenschauKay LawrenceJulie AdamsGertrud MeyenCarl MaiaAntonio MorenoRudolf FennerMark WilliamsRichard DenningRolf MameroDr. ThompsonWhit BissellFriedrich Schütter DVD/Blu-ray/Super-8 In den USA erschien Creature From the Black Lagoon 2000 als Einzel-DVD und 2004 als Teil einer Box mit allen drei Teilen unter dem Titel Creature From the Black Lagoon: The Legacy Collection. In Deutschland erschien Der Schrecken vom Amazonas als Einzel-DVD 2004 und 2010 mit wechselndem Cover und dem Zusatz „Monster Collection“ beziehungsweise „Universal Horror“. Alle diese Veröffentlichungen präsentieren den Film in nicht-stereoskopischem Schwarzweiß und enthalten neben dem Hauptfilm eine Dokumentation und einen Audiokommentar des Filmhistorikers Tom Weaver.

2012 erschien Creature From the Black Lagoon auf Blu-ray als Teil der „Universal Monsters Collection“-Box. Diese Veröffentlichung enthält den Film in einer 3D- und einer nicht-stereoskopischen Version. Gegenüber früheren Fassungen werden beide Versionen statt im 1,33:1-Normalbild- bzw. Open-Matte-Format in einem abgekaschten 1,85:1-Breitwandformat präsentiert.

Piccolo Film veröffentlichte in Deutschland eine 110-Meter-Kurzfassung des Films in 3D auf Super-8 (ca. 15 Minuten lang).

Filmmusik Hans J. Salters Filmmusik erschien wiederholt auf Kompilationsalben, wobei diese zumeist nicht die Originalaufnahmen, sondern Neueinspielungen enthielten.Übersicht der Veröffentlichungen der Filmmusik auf Soundtrackcollector.com 1994 erschien ein 15-minütiger Auszug aus den Originalaufnahmen auf dem Album Creature From the Black Lagoon. A Symphony of Film Music by Hans J. Salter auf dem US-Label Intrada. Das Label Monstrous Movie Music veröffentlichte 2000 das Kompilationsalbum Creature from the Black Lagoon (and other Jungle Pictures), das erstmals alle Kompositionen der fünf beteiligten Musiker enthielt, eingespielt vom Radiosinfonieorchester der Slowakei.

Buch zum Film 1954 erschien eine Romanfassung, verfasst von John Russell Fearn unter dem Pseudonym Vargo Statten. Eine weitere, stärker vom Film abweichende Romanadaption erschien 1977, verfasst von Walter Harris unter dem Pseudonym Carl Dreadstone.Eintrag zur Ausgabe von 1954 auf Isfdb.orgEintrag zur Ausgabe von 1977 auf Isfdb.org.

Kritik Die ersten drei Rezensionen datieren nahe zum Filmstart, die nachfolgenden entstanden in zeitlich größerem Abstand:

Für den Schriftsteller Stephen King war Creature from the Black Lagoon der erste Horrorfilm, den er als Kind gesehen hatte. Er begleitete seine Mutter und ihren damaligen Freund zusammen mit seinem Bruder dafür ins Autokino, wo sie sich den Film gemeinsam ansahen. Er schrieb, er erinnere sich nur an eine Szene aus dem Film, die aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe, und in der das Monster den Hauptdarstellern auflauert, die sich mit ihrem Schiff in der Lagune befinden. Er schrieb, in diesem Moment sei das Monster zu „seinem Monster“ geworden und er wusste, dass es ihn „später an der schwarzen Lagune seiner Träume besuchen und dort wesentlich realistischer aussehen würde. Er konnte im Schrank warten, wenn wir zurückkehrten; er konnte zusammengekauert in der Dunkelheit des Badezimmers am Ende des Flurs hocken und nach Algen und Sumpffäulnis stinken und bereit sein für einen kleinen Jungen als Nachmitternachtssnack.“Stephen King: Danse Macabre. Wilhelm Heyne Verlag, München 2010 (Übersetzung von Joachim Körber), ISBN 978-3-453-43573-5, S. 221–223.

Rezeption und Nachwirkungen mini|Lebendrekonstruktion von Eucritta melanolimnetes

Fortsetzungen Aufgrund des kommerziellen Erfolgs des Films entstanden zwei Fortsetzungen: Die Rache des Ungeheuers (Revenge of the Creature, 1955), der ebenfalls von Jack Arnold in 3D gedreht wurde, und Das Ungeheuer ist unter uns (The Creature Walks Among Us, 1956) vom Regisseur John Sherwood, der als reiner Schwarzweißfilm in die Kinos kam. In beiden Fortsetzungen spielte wieder Ricou Browning den Kiemenmenschen in den Unterwasseraufnahmen. Für die Aufnahmen an Land schlüpften in Die Rache des Ungeheuers Tom Hennesy, in Das Ungeheuer ist unter uns Don Megowan in das Kostüm. Nestor Paiva, der im ersten Teil Kapitän Lucas verkörperte, trat auch in Die Rache des Ungeheuers auf.

Rezeption im Filmbereich Daneben taucht der Film oder das Ungeheuer auch in anderen Zusammenhängen auf. So kommen Marilyn Monroe und ihr Filmpartner in Billy Wilders Komödie Das verflixte 7. Jahr aus dem Jahr 1955 aus einem Kino, in dem Der Schrecken vom Amazonas gezeigt wird. 1964 tauchte der Kiemenmensch in der Fernsehserie Die Munsters in der Folge Love Comes to Mockingbird Heights auf und erhielt den Namen „Onkel Gilbert“ (von „Gill Man“, deutsch „Kiemenmensch“).