Das Tal des Himmels (Originaltitel: The Pastures of Heaven) ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck, der im Frühherbst 1932 erschien. Er ist eine der ersten größeren Veröffentlichungen Steinbecks. Der Roman besteht aus zwölf in sich abgeschlossenen Geschichten, die über einzelne wiederkehrende Charaktere teilweise miteinander verbunden sind. Inhaltlich beschreibt er Szenen aus dem Leben verschiedener Bewohner eines Tals in Kalifornien.

Entstehungsgeschichte mini|hochkant|John Steinbeck in den 1930er-Jahren Der 1902 im kalifornischen Salinas geborene Steinbeck bemühte sich seit den 1920er-Jahren um eine Karriere als Schriftsteller. Er besuchte Kurse in kreativem Schreiben an der Stanford University, erwarb aber keinen Abschluss. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Journalist, Touristenführer und Gelegenheitsarbeiter auf Farmen und im Straßenbau. Die Menschen dieses Milieus stellte er später vielfach ins Zentrum seiner Bücher.

1929 veröffentlichte Steinbeck seinen ersten Roman. Eine Handvoll Gold (Originaltitel: Cup of Gold: A Life of Sir Henry Morgan, Buccaneer, with Occasional Reference to History) ist ein historischer Roman, der die Geschichte des Freibeuters Henry Morgan nachzeichnet. Er blieb in der Öffentlichkeit und in der Kritik weitgehend unbeachtetJeffrey D. Schultz, Luchen Li: Critical Companion to John Steinbeck. A Literary Reference to His Life and Work, Facts On File Inc., 2005, ISBN 978-1-4381-0850-6, S. 54 f. und war ein finanzieller Misserfolg. Steinbeck wandte sich daraufhin der Erzählform Kurzgeschichte (Short Story) zu, die in dieser Zeit ihren ersten Höhepunkt erlebte und als „besonders amerikanische Form der Literatur“ wahrgenommen wurde;Gavin Jones: Reclaiming John Steinbeck: Writing for the Future of Humanity, Cambridge University Press, 2021, ISBN 978-1-108-84412-3, S. 20. viele amerikanische Zeitungen veröffentlichten zu dieser Zeit regelmäßig Kurzgeschichten in ihren Feuilletons. Das Tal des Himmels, Steinbecks zweites Werk, enthält wesentliche Elemente der Kurzgeschichte, wurde aber als Roman bezeichnet. Das Buch erhielt positive Kritiken, war aber kommerziell erfolglos. Gleiches gilt für die 1933 erschienenen Bücher Das Rote Pony (The Red Pony) und Der fremde Gott (To A God Unknown). Erst mit Tortilla Flat (1935) gelang Steinbeck der Durchbruch als Schriftsteller. In diesem Buch wiederholte er einige Elemente aus dem Tal des Himmels, unter anderem die Darstellung ungewöhnlicher Charaktere.

Örtlichkeiten mini|Landschaft im Monterey County Das von Steinbeck beschriebene Tal des Himmels liegt im Monterey County an der kalifornischen Pazifikküste, einer Region, in der Steinbeck den überwiegenden Teil seines Lebens verbrachte und in der viele seiner späteren Geschichten angesiedelt sind. Die konkrete Vorlage für das Tal des Himmels gab das zwischen den Städten Monterey und Salinas gelegene Tal Corral de Tierra Valley.

Charaktere Bert Munroe, seine Frau, sein Sohn Jimmie und seine Tochter Mae Edward Wicks, genannt Shark, und seine Tochter Alice Tularecito, ein Landarbeiter Helen van Deventer und ihre Tochter Hilda Junius Maltby und sein Sohn Robbie Rosa und Maria Lopez, zwei Prostituierte Molly Morgan, eine Lehrerin Raymond Banks, ein Farmer Pat Humbert, ein Farmer Richard Whiteside, sein Sohn John und sein Enkel William

Inhalt Das Tal des Himmels besteht aus zwölf Kapiteln. Es gibt keine Kapitelüberschriften oder Titelzeilen; die Kapitel sind lediglich mit römischen Zahlen fortlaufend durchnummeriert. Inhaltlich lassen sich aber zumindest zehn Kapitel einer Person oder einer Familie zuweisen, die jeweils schwerpunktmäßig beschrieben wird.

Erstes Kapitel (Prolog) Im Jahr 1776 entdeckt ein spanischer Korporal, der sich mit seinem Trupp auf der Suche nach entflohenen indianischen Sklaven befindet, zufällig ein in den Bergen verstecktes, von Menschen unberührtes fruchtbares Tal, das er für das von Gott verheißene „Tal des Himmels“ hält. In den folgenden Jahren vergisst er das Tal nicht. Er stirbt an den Folgen der Beulenpest, bevor er wieder dorthin zurückkehren kann.

Zweites Kapitel (Bert Munroe) Das zweite Kapitel beschreibt die Geschichte der Battle Farm, die in der Mitte des Tales gelegen ist. Nach dem Tod George Battles, der die Farm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgebaut hat, übernimmt dessen Sohn John das Anwesen. Der an „Epilepsie und religiösem Wahnsinn leidende“ John hat zuvor als Missionar und Wanderprediger gelebt. Er lässt die Farm verkommen und widmet sich ganz dem Kampf gegen Dämonen. Er stirbt letztlich an dem Biss einer Klapperschlange, die er für einen Dämon gehalten hat. Nachdem die Farm zwei Jahrzehnte lang leer gestanden hat und das Gebäude in der Fantasie der Talbewohner zu einem Geisterhaus geworden ist, kauft Bert Munroe das Anwesen, der nach mehreren privaten und beruflichen Schicksalsschlägen hier zur Ruhe kommen will.Gavin Jones: Reclaiming John Steinbeck: Writing for the Future of Humanity, Cambridge University Press, 2021, ISBN 978-1-108-84412-3, S. 28. Er zieht mit seiner Frau und seinen drei Kindern – dem geistig zurückgebliebenen Manny, der attraktiven, koketten Mae und dem draufgängerischen Jimmie – auf die Battle Farm. Bert Munroe wird zu einer Kernfigur der folgenden Kapitel.

Drittes Kapitel (Shark Wicks) Edward Wicks, genannt Shark, erzählt, dass er mit Unternehmensanteilen spekuliert. Er verfolgt die Kursentwicklungen und dokumentiert Gewinne und Verluste in einem Kassenbuch. Er gibt den anderen Talbewohnern Empfehlungen zu Anlagemöglichkeiten und gilt als der wohlhabendste Mann des Tals. Seine Tochter Alice ist außerordentlich schön, aber einfältig. Shark achtet peinlich genau auf die Wahrung ihrer Jungfräulichkeit. Als er überraschend für ein Wochenende verreisen muss, um eine Erbschaft anzutreten, verabredet sich Alice mit dem als Wüstling verschrienen Jimmie Munroe zum gemeinsamen Besuch einer Tanzveranstaltung. Nachdem Shark davon erfahren hat, versucht er, Jimmie Munroe zu erschießen, wird aber, bevor es dazu kommt, von den Männern des Tals überwältigt. Der Sheriff setzt eine „Friedensbürgschaft“ in Höhe von 10.000 $ gegen ihn fest, denn „Shark ist ein wohlhabender Mann“. Tatsächlich kann Shark die Bürgschaft nicht erbringen, weil er „keinen Cent“ hat: Seine Spekulationen waren reine Scheinbuchungen gewesen, denen keine wirklichen Aktiengeschäfte zugrunde lagen. Nach Aufklärung des Sachverhalts verlässt Shark mit seiner Familie das Tal.

Viertes Kapitel (Tularecito) Im vierten Kapitel geht es um das Findelkind Tularecito (deutsch etwa: kleiner Frosch), einen verwachsenen, geistig zurückgebliebenen, aber äußerst starken Jungen unklarer, möglicherweise indigener oder mexikanischer Herkunft. Tularecito ist als Säugling auf die Farm von Franklin Gomez gekommen, wo er nach einigen Jahren für körperliche Arbeit eingesetzt wird. Als Sechsjähriger kann er die Arbeit eines Erwachsenen verrichten, entwickelt sich aber geistig nicht über das Stadium eines Kleinkinds hinaus. Er ist gutmütig, wird aber zornig und gewalttätig, wenn jemand ein Werk, das er geschaffen hat, vernichtet. Zwangsweise eingeschult, lernt er in der Schule trotz der Bemühungen der Lehrerin Molly Morgan nichts und beschäftigt sich nur damit, naturgetreue Bilder von Tieren an die Tafel zu malen. Wenn seine Bilder abgewischt werden, wird er aggressiv. Tularecito glaubt, er stamme von Gnomen ab, die unter der Erde leben. Nachts gräbt er unbemerkt tiefe Löcher, um im Erdreich nach „seinen Leuten“ zu suchen. Als Bert Munroe eines seiner Löcher wieder mit Erde auffüllt, schlägt Tularecito ihn fast tot. Ein Gericht weist ihn daraufhin dauerhaft in eine Anstalt für kriminelle Geisteskranke ein.

Fünftes Kapitel (Helen van Deventer) Das fünfte Kapitel erzählt die Geschichte von Helen van Deventer und ihrem „Hunger nach Tragik“. Sie ist drei Monate lang verheiratet, als ihr Mann Hubert, ein passionierter, aber erfolgloser Jäger, überraschend stirbt. Sechs Monate nach seinem Tod bringt sie die gemeinsame Tochter Hilda zur Welt, die im Laufe der Kindheit eine schizophrene Psychose entwickelt. Das Kind hat Visionen von Menschen und Tieren, schreit und wird aggressiv. Statt sie, wie der Hausarzt empfiehlt, in eine Anstalt zu geben, betreut Helen van Deventer ihre Tochter zu Hause; sie gefällt sich in der Rolle der aufopfernden Leidenden. Um dem Kind eine Änderung des Umfelds zu ermöglichen, ziehen beide aus der Stadt ins Tal des Himmels. Sie leben dort mit einem geduldigen chinesischen Diener in einem teuren, abgelegenen Haus mit vergitterten Fenstern. Die inzwischen 15-jährige Hilda fantasiert immer stärker. Sie lebt eingeschlossen in einem Zimmer, versucht, durch Schreie auf sich aufmerksam zu machen, und will jeden, der sie befreit, heiraten. Am Abend nach einem Höflichkeitsbesuch Bert Munroes auf der Farm der van Deventers bricht Hilda aus und verschwindet. Ihre Mutter nimmt daraufhin eine Jagdflinte ihres verstorbenen Mannes und verlässt ebenfalls das Haus. Am nächsten Tag wird Hilda van Deventer mit einer Schussverletzung tot an einem Bach gefunden, das Gewehr neben sich. Der Richter behandelt den Fall als Suizid, ausgelöst durch die Erkrankung des Kindes. Ob Hilda van Deventer in Wirklichkeit von ihrer Mutter getötet wurde, bleibt offen.

Sechstes Kapitel (Junius Maltby) Junius Maltby arbeitet als Büroangestellter in San Francisco, als gesundheitliche Einschränkungen einen Wechsel aufs Land angezeigt erscheinen lassen. Er kauft im Tal des Himmels eine Farm. Bald entwickelt Maltby eine ausgesprochene Trägheit, wegen derer die Farm verkommt. Maltby verbringt die Tage lesend und philosophierend am Fluss. Er heiratet eine Witwe, mit der er den gemeinsamen Sohn Robert („Robbie“) bekommt. Da sie kurz nach der Geburt des Kindes stirbt, zieht Junius Maltby das Kind allein auf; Robbie übernimmt den Lebensstil seines Vaters. Beide leben in extremer Armut, ihre Kleidung ist heruntergekommen. Robbie entwickelt sich zu einem intelligenten Jungen. In der Schule wird er, auch wenn er erkennbar anders ist als die anderen Kinder, respektiert und geschätzt. Die Lehrerin Molly Morgan besucht Junius Maltby mehrfach auf seiner Farm; gemeinsam philosophieren sie am Fluss. Die Familien Munroe und Whiteside bringen Robbie gegen den Rat der Lehrerin ordentliche Kleidung. Als Robbie diese Kleidung in der Schule sieht, wird ihm erstmals bewusst, dass er arm ist. Er läuft weinend aus der Schule. Junius Maltby erkennt, dass sein Sohn „schon zu lange wie ein Tier gelebt hat“, und entscheidet sich, mit Robbie nach San Francisco zu ziehen, um dort wieder einer Arbeit nachzugehen und seinem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen.

Siebtes Kapitel (Rosa und Maria Lopez) Die Schwestern Rosa und Maria Lopez bewohnen den am wenigsten fruchtbaren Teil des Tals des Himmels. Der Boden gibt nicht genug her, um den Lebensunterhalt der beiden zu sichern. Um eine neue Einnahmequelle zu erschließen, eröffnen sie ein kleines Restaurant. Darin bieten sie Tortillas nach Art ihrer verstorbenen Mutter an; sie halten sie für die besten Tortillas der Welt. Weil auch dieses Geschäft schlecht läuft („Der Umsatz kam nicht sturmartig; tatsächlich kam er fast überhaupt nicht“) entscheidet sich Rosa, Geschlechtsverkehr mit ihren Kunden zu haben, um sie zu „ermuntern“, mehr Tortillas zu bestellen. Wenig später schließt sich Maria an. Auf diese Weise haben sie schließlich Erfolg, der ihnen einen luxuriösen Lebensstil ermöglicht. Nach jeder Ermunterung beichten sie ihre Sünden der Jungfrau Maria, denn „Sünden dürfen sich nicht anhäufen“. Beschwerden der Anwohner zwingen den Sheriff allerdings dazu, das Etablissement zu schließen. Rosa und Maria Lopez verlassen daraufhin das Tal des Himmels und arbeiten künftig in der Stadt als Prostituierte.

Achtes Kapitel (Molly Morgan)