mini|Berlin 1536, mit Galgenberg ganz links Hinrichtungsstätten gab es in und bei Berlin vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert.

Geschichte Berlin und Cölln mini|Verurteilung im Hostienschändungsprozess 1510 vor der Marienkirche

Im Mittelalter gab es verschiedene Richtstätten in den beiden Städten Berlin und Cölln. Die Verurteilungen fanden öfter auf dem Neuen Markt an der Marienkirche statt, 1573 wurde dort der jüdische Münzmeister Lippold Ben Chluchim hingerichtet.

Die Todesarten waren Enthaupten oder Hängen am Galgen, oft gab es vorher die Torturen des Räderns von unten oder von oben, wobei langsam die einzelnen Knochen gebrochen wurden.

1666 wurden zwei Soldaten am Mulken Markt gehängt.

Rabenstein vor dem Georgentor mini|Berlin 1757, Gericht am Frankfurter Tor (b3), mit Gottes Acker (Karte ist nach Süden ausgerichtet; bei d7 ist auch die Scharfrichterey am Wedding angegeben)

Der zentrale Richtplatz der Stadt Berlin war der Rabenstein vorm St. Jürgens Thor, an der Fernstraße nach Frankfurt/Oder am jetzigen Strausberger Platz.Helmut Zschocke, Alt-Berliner Bauten auf Wanderschaft, 2014, S. 68, beschrieb den Standort etwa am jetzigen nordwestlichen U-Bahn-Ausgang; in der älteren Literatur wurde er am älteren Frankfurter Tor (das es im 17. Jahrhundert noch nicht gab) in der Nähe der Markuskirche (die es jetzt nicht mehr gibt) lokalisiert, was denselben Standort meinte; das Georgentor (am Alexanderplatz) war zwar relativ weit vom Hinrichtungsort entfernt, von dort verließen aber die Verurteilten mit ihren Begleitern die Stadt, deshalb gab es diese Richtungsangabe, es gab im 17. Jahrhundert keine weiteren markanten Orientierungsorte dahinter 1510 wurden dort 39 jüdische Frauen und Männer im sogenannten Hostienschändungsprozess verbrannt. Der Chronist Peter Hafftitz schreibt, dass dort 1540 Hans Kohlhase gerädert wurde. Dieses ist nicht nachweisbar, da die Prozessakten verloren sind. 1614 wurde der Galgen repariert, von 1653 bis 1656 und 1666 sind weitere Hinrichtungen bekannt.Wochenblatt der Johanniter Ordens-Balley Brandenburg vom 24. Dezember 1889, S. 310 (linke Spalte); zitierte Nachricht über das Reparieren von 1614, ohne Herkunftsangaben Wendland'sche Chronik, in Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin, Band 1, 1856, S. 48, 50, historische Angaben zu den Jahren 1653–1655 und 1666 1688 war das Gerüst auf einer Karte eingezeichnet.Karte von Bernhard Schultz von 1688, über dem rechten letzten Teil der Festung Berlin ist auf der Horizontlinie ein kleines Gerüst eingezeichnet, das wie ein M mit einem oberen Querstrich aussieht, darüber ist eine besonders hohe Wolke; die Lage ist vor dem Georgentor (mit dem Georgenhospital), etwas entfernter nach rechts, also etwa am späteren Frankfurter Tor/Strausberger Platz Viele Hingerichtete wurden auf dem dortigen Gottes Acker bestattet. Es ist unklar, ob es auch am Georgenkirchhof Beerdigungen und möglicherweise vereinzelte Strafmaßnahmen gab. In dessen Nähe wurde mindestens ein Verurteilter auf seinem Weg zum Rabenstein bereits das erste Mal gemartert.Chronicon Berolinense (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, IV), 1870, S. 32; die Berlinische Chronik berichtete zum Jahre 1654 über einen Verurteilten, der bereits dicht hinter dem Georgentor das erste Mal geradebrecht (gefoltert) wurde, dann noch einmal am Rabenstein (es waren also zwei verschiedene Orte), er hatte seine Frau, seine Geliebte und ihr gemeinsames Kind ermordet Hans Jahn, Berlin im Todesjahr des Großen Kurfürsten, Berlin 1935, S. 40, lokalisiert einen angeblichen Rabenstein am Georgenfriedhof an der Landsberger Straße 27 (bzw. 48, an der späteren Rückerschen Freischule und Hospital armer Lazarus, also an der südwestlichen Straßenecke mit der Kleinen Georgenkirchgasse (später Katharinenstraße), etwa an der Westseite des jetzigen Hauses der Statistik); wahrscheinlich eine Verwechslung, es gibt keine historischen Hinweise auf eine Hinrichtungsstätte an diesem Ort; es war auch in keiner zeitgenössischen Karte ein Hinweis darauf zu erkennen; ebenso gibt es für angebliche Bestattungen von Hingerichteten auf dem Georgenkirchhof keine historischen Belege; der Autor Hans Jahn behauptete auch irrtümlicherweise, es sei an einem Ort enthauptet und an dem anderen gehängt worden, in den historischen Chroniken wurde für 1666 aber alles am selben Ort vollzogen!

1701 ordnete König Friedrich eine Verlegung des Gerichts vor dem St. Georgischen Thor an einen entfernteren Ort an, vorher sollten aber die dort noch hängenden Körper abgenommen werden.Vahldiek, Berlin und Cölln im Mittelalter, 2011, S. 141, mit Zitat aus eine Originaltext im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem

Gerichtsplatz an der Bergstraße Der neue Standort für das Gericht war auf einem Sandberg rechter Hand des Hamburgischen Weges.Ferdinand Meyer: Das ehemalige Hochgericht in der – Oranienburgerstraße?, in Der Bär, 1885, S. 518f; zitiert diese Ordre, bezieht sie aber wahrscheinlich irrtümlich auf einen angeblichen Sandhügel in der Auguststraße, für den es bisher keine weiteren Belege gibt, diese Gegend wurde auch bereits 1705 zu Berlin eingemeindet, vgl. Linienstraße Dieses war wahrscheinlich der Hügel zwischen der jetzigen Berg- und Gartenstraße. (An der Oranienburger Straße gab es nie eine Richtstätte.)Ernst Fidicin: Berlin topographisch dargestellt, 1843, S. 83; verwies auf einen Flurnamen Schinderberg für den Weinberg hinter den Häusern Oranienburger Straße 24–27 und hielt den Platz für eine Hinrichtungsstätte für möglich. Die Umgebung wurde allerdings schon um 1701/04 mit Wohnhäusern bebaut, vgl. Fidicin, S. 92. Es gibt keine Hinweise auf eine mögliche Richtstätte an dieser Stelle, die bereits um 1705 zu Berlin eingegliedert wurde, in den Adressbüchern sind dort Gärten angegeben, auch auf allen Karten aus dieser Zeit und den nachfolgenden Jahrzehnten gibt es keinerlei Hinweise darauf. Trotzdem wurde in zahlreichen Veröffentlichungen ohne jeden historischen Beleg behauptet, dort habe um 1710 ein Galgen gestanden, teilweise mit weiteren erfundenen Details; vgl. Helmut Zschocke: Alt-Berliner Bauten auf Wanderschaft, 2014, S. 70; dieser verweist auch auf die Gärten in den Adressbüchern Am 17. Juni 1718 wurden der Hofkastellan Valentin Runck und der Schlosser Daniel Stieff gerädert, weil sie Wertgegenstände und Geld aus dem Schloss mit Hilfe von Nachschlüsseln gestohlen hatten.

1737 erließ König Friedrich Wilhelm I. eine Anordnung, dass jede Person, die mehr als drei Thaler stiehlt, vor der Tür des betreffenden Hauses an einem Galgen aufgehängt werden sollte. Dieses wurde auch einige Male vollstreckt, vor allem an Dienstpersonal.Friedrich Christoph Förster, Ausführliches Handbuch der Geschichte, Geographie und Statistik des preußischen Reichs. Band 2. 1824. S. 111f. (PDF); mit einigen bekannten Beispielen; diese wurden übernommen in Adolph Streckfuß: 500 Jahre Berlin, 1864, S. 141

Galgenberg und Gerichtsplatz südlich des Gesundbrunnens mini|Berlin 1802, Galgen-Berge und Gericht südöstlich des Wedding, direkt über dem oberen Klebestreifen in der Mitte

1752 wurde in einer feierlichen Prozession der Galgen mit vielen Anwesenden auf eine Anhöhe südöstlich des Weddings und Gesundbrunnens gebracht, die danach Galgen-Berge hieß. Einige Jahre später wurde er einige hundert Meter nach Westen versetzt, auf den jetzigen Gartenplatz, in der Nähe der späteren St. Sebastians-Kirche.Der Berliner Galgen, von Albert Henry Payne, nach Alexander Carse, um 1810/1835, Bildindex der Kunst (vollständige Abbildung ohne Kopf)Der Galgen stand wahrscheinlich an einer Stelle, wo jetzt das Seniorenheim steht

1813 wurden die Brandstifter Luise Delitz und ihr Kompagnon auf einem Scheiterhaufen in der Jungfernheide verbrannt. 1837 wurde Charlotte Sophie Henriette Meyer als letzte Person auf dem Rad getötet. Die letzte öffentliche Hinrichtung in Berlin gab es 1839 für Johann Gurlt.Udo Bürger: Morde im preußischen Berlin, 2021, S. 25, 27 (Leseprobe PDF) Zu diesen Veranstaltungen kamen jeweils viele hundert Menschen, bei der letzten brach eine Zuschauertribüne unter deren Gewicht zusammen.

Danach wurde auf weitere öffentliche Hinrichtungen verzichtet. 1842 wurden der Galgen abgebaut und dort ein Markt eingerichtet.

Hinrichtungen von 1841 bis 1964 Ab 1841 fanden die Berliner Hinrichtungen in Spandau statt, ab 1846 in Moabit. Von etwa 1934 bis 1944 wurden auch in Plötzensee Hinrichtungen vorgenommen.

Ab 1945 wurden in Moabit weiter Todesstrafen vollstreckt, die letzte 1949.Berliner Fallbeil Museum digital, wurde auch in Moabit angewendet Die Todesurteile im sowjetischen Sektor im Militärgefängnis Lichtenberg wurden wahrscheinlich außerhalb der Stadt vollstreckt.Roland Erler: Tjurma Nr. 6, 2019, S. 104 (PDF); verweist darauf, dass es keinen einzigen gesicherten Hinweis auf Erschießungen im Gefängnis gibt, einige Zeugen hörten von einer Kiesgrube (möglicherweise die bei Biesdorf?); unwahrscheinlich ist Döberitz wegen der großen Entfernung und der entlegenen Lage hinter den Westsektoren, dort agierte Smersch, eine andere Organisation

Beschreibungen 1799 wurde eine öffentliche Hinrichtung auf dem Galgenberg am Wedding beschriebenPeter Preisendörfer: Staatsbildung als Königskunst, 2000, S. 234, u. ö.:

Literatur Hansjürgen Vahldiek: Berlin und Cölln im Mittelalter. 2011. S. 138– 142 Udo Bürger: Morde im preußischen Berlin. 1815–1918. Elsengold Verlag, Berlin 2020

Einzelnachweise

Berlin Kategorie:Rechtsgeschichte (Berlin) Kategorie:Liste (Recht)