Die Moritzburg ist eine als Museum rekonstruierte Burgruine in Halle (Saale). Im Jahr 1484 wurde der Grundstein für die spätere Residenz der Magdeburger Erzbischöfe gelegt. Sie wurde im Stil der Spätgotik errichtet und ist heute eines der imposantesten Bauwerke der Saalestadt Halle.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Moritzburg 1637 durch ein Feuer in weiten Teilen beschädigt und 1639 sprengten sächsische Truppen die Südwest-Bastion mit einer Mine, um die schwedische Besatzung zur Aufgabe zu zwingen. Danach blieb die Burg weitgehend Ruine und der Wohnsitz des Magdeburger Erzbischofs wurde auch offiziell in die benachbarte, 1531 erbaute Neue Residenz verlegt.
Seit 1904 beherbergt die Moritzburg vor allem ein Kunstmuseum mit überregionaler Ausstrahlung. Von 2005 bis Dezember 2008 wurden Nord- und Westflügel von den Architekten Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto zur Erweiterung der Ausstellungsfläche ausgebaut. Seit dem 13. Dezember 2008 ist das erweiterte Kunstmuseum zugänglich. Die Moritzburg ist eine Liegenschaft der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt.
Entstehungsgeschichte mini|Altes Burgtor an der Nordseite (2013) mini|Tür im Nordflügel (2014) mini|Mittelrisalit des Westflügels (2014)
Die Geschichte der Moritzburg ist eng mit der Geschichte der Stadt Halle verbunden. Bereits im 13. Jahrhundert gelang es der starken Pfänneraristokratie, die Stadt durch den Kauf von Freiheiten und Privilegien immer mehr vom Einfluss des Landesherren, dem Erzbischof von Magdeburg, zu befreien. 1263 hatte Halle praktisch schon die politische Autonomie erreicht.
Im 15. Jahrhundert entwickelte sich aus den wichtigen Handwerksinnungen eine Opposition, die nach Sitz und Stimme im Rat strebte, der vom alten städtischen Patriziat, den Pfännern, beherrscht wurde. Die Opposition verbündete sich mit dem Landesherren und öffnete 1479 den erzbischöflichen Truppen die Stadttore. Nach kurzer Gegenwehr zog der erst 14-jährige Erzbischof Ernst von Wettin in die Stadt ein. Den Untergang der städtischen Freiheit besiegelte die auf dem Calber Landtag 1479 erlassene Regimentsordnung. Der Beschluss lautete: … sondern Verzug bei oder in Halle ein festes Schloss zu erbauen, um die Stadt besser in Gehorsam, Unterwürfigkeit und Ruhe zu erhalten.
Baugeschichte Unverzüglich wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Im April 1479 begannen erste Vermessungsarbeiten. Die Suche nach einem passenden Standort gestaltete sich aber aufgrund der schlechten Bodenbeschaffenheit als schwierig. Man fand ihn dann nicht mehr außerhalb, sondern unter Einbeziehung der Stadtmauer auf dem Gelände des ehemaligen Judendorfes im Nordwesten der Stadt. In einer festlichen Prozession am 25. Mai 1484 legte Erzbischof Ernst persönlich den Grundstein zu seiner neuen Residenz, einem festen Schloss, das nach dem Schutzpatron des Landes, St. Mauritius, Moritzburg benannt wurde. Ernst von Wettin und, die Pläne erweiternd, sein Nachfolger Albrecht von Brandenburg haben mit der Moritzburg erstmals in Deutschland ein Residenzprogramm entwickelt.
Die Moritzburg zeigt Formen der ausklingenden Gotik. Doch der fast regelmäßige Grundriss, das einheitliche Geschossniveau und die repräsentative Wirkung der horizontal betonten Fassaden belegen, dass es sich um eine frühneuzeitliche Anlage handelt. Die Moritzburg kombiniert die Begriffe Festung und Schloss. Sie vereint die repräsentativen Wohnbedürfnisse und den Wehrzweck.
Die Bauleitung hatte zu Beginn der aus Ostpreußen stammende Peter Hanschke inne. Andreas Günther, Generalbaumeister der Erzbistümer Mainz und Magdeburg, legte ab 1533 erweiterte Wälle und Schanzen und wohl auch die niedrigen runden Bastionen an der Ostseite an. Der Entwurf für die Magdalenenkapelle wird Ulrich von Smedeberg zugeschrieben.
Am 25. Mai 1503 konnte Erzbischof Ernst in den imposanten Bau einziehen. Seine ARX INSUPERABILIS (unüberwindliche Festung) finanzierte er vor allem aus den 1479 eingezogenen Solgütern der Halleschen Pfänner. Der Bau hatte, so verkündete Ernst auf dem Landtag 1507 gegenüber den Ständen, über 150.000 Gulden gekostet.
Schloss Beschreibung Der Grundriss bildet ein fast regelmäßiges Viereck von etwa 72 mal 85 Metern Seitenlänge. Als Baumaterial für die Moritzburg wurden hauptsächlich Bruchsteine verwendet. Ein 20 bis 25 Meter breiter und 10 Meter tiefer, früher sumpfiger Graben umgibt die Süd-, Ost- und Nordseite. Die Westseite war durch ein gestaffeltes Zwingersystem zur Saale hin geschützt. Vor der Nordfront liegt der 1536–1538 aufgeworfene Wall der Jägerschanze.
Der Innenhof, groß genug für Festlichkeiten, Prozessionen oder Ritterspiele, ist auf das Niveau der Straßen der Stadt aufgeschüttet.
Westflügel mini|Westflügel (2014)
Der Westflügel ist die Haupt- und Schauseite der Burg. Seine Obergeschosse waren zu prächtigen Hallen ausgebaut. Die Gewölbe des oberen Untergeschosses werden heute vom Museum für Ausstellungen genutzt. Dort befanden sich vermutlich auch die Räume für die Besatzung. Darüber lagen, heute zum größten Teil Ruine, zwei Geschosse: die erzbischöflichen Prunk- und Staatsgemächer. Im nördlichen Teil befanden sich die Wohnräume des Fürsten und die erzbischöfliche Bibliothek. Äußerst bemerkenswert ist das nur noch rudimentär erhaltene Treppenhaus in der Mitte der Hoffront. Es handelt sich hier um eine der ersten Treppen im deutschsprachigen Raum überhaupt, die in den Baukörper hineingreift und nicht außen vorgebildet ist.
Nordflügel mini|Maria-Magdalenen-Kapelle und Nordostturm mit Studentenclub „Turm“ (2013)
Im Nordflügel der Burg lag der ursprüngliche Hauptzugang. Er ist noch heute durch ein sehr schönes Wappenfries erkennbar. Dieser Zugang wurde 1616 aufgegeben und vermauert. Über den Kellergeschossen lagen zwei Stockwerke, die als Kanzlei für die Beamten und als Archiv dienten. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Halleschen Universität wurden 1894 Fecht- und Turnsäle eingebaut und bis 1990 für den Sportunterricht genutzt. Neben den Wohngebäuden war die Schlosskapelle die wohl wichtigste Bauaufgabe an der Moritzburg, auch wenn der Baubeginn erst zwei Jahre nach dem Einzug im Jahr 1505 zu datieren ist. 1509 wird sie Maria Magdalena geweiht.
Ostseite In der Mitte der Ostseite befindet sich der Eingangsturm zur Stadt hin. Der Turm war ein Wohnturm mit einer Kapelle im untersten Geschoss. Um einen direkten Beschuss der Toranlage zu verhindern, wurde die Einfahrt in einem leichten Bogen gebaut. Der Ostflügel bestand ursprünglich aus einem schmalen zweistöckigen Wehrgang. Das untere Geschoss war mit Arkadenbögen geöffnet und mit Schießscharten ausgestattet. Im Jahr 1777 wurde für die preußische Garnison im nördlichen Teil das barocke, nach der Funktion „Lazarettbau“ genannte Gebäude auf den alten Grundmauern des Wehrgangs errichtet. Die südöstliche Bastion wurde 1913 für das Museum ausgebaut. Im nordöstlichen Turm befindet sich heute der Studentenclub „Turm“, der 1972 anlässlich der X. Weltfestspiele in Berlin als FDJ-Studenteninitiative ausgebaut wurde.
Südseite Die Südseite ist heute nicht mehr original erhalten. Hier befanden sich die Wirtschaftsgebäude, die Küche außerdem die Wohnung des Burghauptmanns und die lebensnotwendigen Brunnen. Die Stallungen sind ebenfalls hier zu vermuten. In dem hohen Gewölbe unter der Hofebene war von 1582 bis 1680 die erzbischöfliche Münzstätte eingerichtet. Auf den Grundmauern des in Fachwerk ausgeführten Wirtschaftsgebäudes wurde von 1901 bis 1904 das Talamt als Museumsneubau wiedererrichtet. Zwei Prunkräume aus dem ursprünglich am Hallmarkt stehenden und bereits 1881 wegen Straßenerweiterungen abgerissenen Talamt, das Gerichts- und das Festzimmer, wurden in den Neubau integriert. Das Talamt der Halloren, von 1594 bis 1607 erbaut, war der Sitz des Salzgrafen und des Talgerichtes sowie das Zunfthaus der Halloren.
Geschichte mini|Johann Gabriel Friedrich Poppel nach Karl Würbs, Moritzburg und Stadt Halle (Saale) vom Jägerberg gesehen um 1855
Die Regierungszeit des Bauherren, Ernst von Wettin, ist zum einen durch den Sieg über Halle 1479, zum anderen auch durch seine vielfältige Förderung der neuen Residenzstadt charakterisiert.
Anfänge bis zur Reformation Sein Nachfolger war der 1513 gewählte Albrecht V. von Brandenburg. Als Erzkanzler des Reiches, Kardinal, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Erzbischof von Magdeburg, und Administrator von Halberstadt stand er mit seiner Lieblingsresidenz, der Moritzburg, im Brennpunkt der europäischen Geschichte. 1517 holte er den Dominikaner Johann Tetzel in die Moritzburg und veranlasste einen Aufschwung des Ablasshandels. Er finanzierte damit seine große Reliquiensammlung, das sogenannte Hallesche Heiltum. Das in der Burgkapelle aufgestellte und dann in den Dom überführte Heiltum umfasste nach intensiver Sammlung 353 Reliquiare mit 21.484 Einzelreliquien, darunter 42 Ganzkörperreliquien. Es war die bedeutendste Sammlung dieser Art in Deutschland. Nach der Durchsetzung der Reformation in Halle gab Albrecht die Stadt verloren und zog sich nach Mainz zurück.
Während des Schmalkaldischen Krieges wurde die Moritzburg von kaiserlichen Truppen besetzt. Am 10. Juni 1547 zog Kaiser Karl V. nach seinem Sieg in der Schlacht bei Mühlberg in Halle ein. Sein Heerführer, Herzog von Alba, besetzte die Moritzburg.
Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg zogen die Stadt Halle und die Moritzburg immer wieder Truppen an. Im Oktober 1625 besetzte Wallenstein die Stadt und die Festung. Nach der Niederlage von Breitenfeld zog sich Tilly, von den Schweden verfolgt, zunächst in die Moritzburg zurück. Im September 1631 erschien der Schwedische König Gustav Adolf vor Halle und konnte die Stadt und die Moritzburg kampflos für längere Zeit besetzen. Mit dem Frieden von Prag (1635) erkannte der Kaiser den Herzog August von Sachsen-Weißenfels als neuen Erzbischof an. Während einer erneuten Belagerung durch die Schweden brach am 6. Januar 1637 ein Feuer in der Burg aus. Die gesamten oberen Stockwerke der West- und Nordseite sowie die Kapelle wurden zerstört. Die Besatzung kapitulierte daraufhin.
Am 19. März 1639 sprengten sächsische Truppen die Südwest-Bastion mit einer am Fundament angebrachten Mine um die jetzt schwedische Besatzung zur Aufgabe zu zwingen, was drei Tage später dann auch geschah. August, der Sohn des sächsischen Kurfürsten wurde daraufhin als Erzbischof eingesetzt. Er setzte bei seinem Vater Johann Georg von Sachsen durch, dass die sächsischen Truppen die Festung räumten, um der Burg ihre strategische Anziehungskraft zu nehmen. Ein Neutralitätsvertrag zwischen August und den Schweden hielt den weiteren Krieg von Halle ab. Die Moritzburg wurde nicht wieder aufgebaut, nur die Kapelle wurde später zum Teil rekonstruiert, so dass sie wieder für Gottesdienste nutzbar war.
Übergang an Brandenburg / Preußen mini|Talamt auf der Südseite des Hofs bei Konzert der Staatskapelle Halle (2013) mini|Burgtor, Dezember 1982
Mit dem Tod Augusts im Jahr 1680 fiel Halle durch die Bestimmungen des Westfälischen Friedens an Brandenburg. 1686 erhielten die in Halle angesiedelten Hugenotten für ihre Gottesdienste die Kapelle im Torturm der Moritzburg. Am 26. Oktober 1690 konnte die Gemeinde die Magdalenenkapelle in Besitz nehmen.
Im Jahr 1717 bekam das preußische Anhaltische Regiment mit etwa 3.500 Soldaten die Moritzburg. Vor der Anlage entstand ein Paradeplatz, auf dem der Feldherr Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der „Alte Dessauer“, die Soldaten drillte.
Sowohl im Siebenjährigen Krieg als auch in den Befreiungskriegen diente die Moritzburg als Lazarett. Die Gewölbe wurden später an eine Bierbrauerei verpachtet und die Kapelle, von der französischen Gemeinde bis 1808 genutzt, diente als Lagerhalle. Der preußische Staat kaufte die Ruine für 24.800 Taler in den Jahren 1847 bis 1852 von den Pächtern zurück.