mini|Dionysiuskirche mit Kirchplatz Die evangelische Dionysiuskirche ist ein Wahrzeichen von Grunbach, einem Ortsteil der Gemeinde Remshalden im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Ihre Verbundkirchengemeinde Remshalden gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die 1481 fertiggestellte Pfarrkirche ist eine ursprünglich dem Heiligen Dionysius (1451) und später Veranus (1537) gewidmete Wehrkirche.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg, Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, Band III, S. 539

Geschichte mini|Die Dionysiuskirche vor 1895 Ein Leutpriester wurde in Grunbach bereits 1238 erwähnt, was auf das Vorhandensein einer Kirche vermutlich aus dem 11. oder 12. Jahrhundert hindeutet. Das erhaltene Taufbecken stammt wohl aus dieser Kirche. Für die heutige Chorseitenturm-Kirche wurde 1481 an ihrer Stelle mit dem Bau begonnen. Im Jahre 1738 wurden (erstmals?) Emporen eingebaut und 1780 ist von einer großen Renovierung, auch des Turms, die Rede. 1863 wurde die Kirche durch Christian Friedrich von Leins gotisierend korrigiert und verändert: die südlichen Außentreppen zur Empore wurden durch Innentreppen ersetzt, die sehr unterschiedlichen Fensterformen gotisch vereinheitlicht und über dem Südeingang eine Maßwerkrosette verwirklicht, die Flachdecke des Schiffs durch ein Gips-Tonnengewölbe ersetzt, der Chorbogen erhöht und die Orgel auf eine neue Westempore gesetzt, um die Chorempore abbauen zu können. Oberbaurat Heinrich Dolmetsch leitete 1905 mehrere Instandsetzungen, im Erdgeschoss den Einbau eines neuen Bodens und Gestühls und die Vergrößerung der Westempore.Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Stuttgart 2008, S. 291 f. Der in Grunbach ansässige Architekt Gerhard Fetzer (1925–1993) leitete 1964 den Innenumbau zum jetzigen Aussehen des Kirchenraums.

Baubeschreibung Die Kirche ist eingebunden in eine Wehrkirchenarchitektur mit umgebender Ringmauer, die wegen des abfallenden Geländes auf der Ost- und Südseite starke Stützpfeiler aufweist. In der südlichen Mauer befinden sich zwei Steinkreuze (vermutlich Sühnekreuze) mit eingemeißeltem Winzermesser („Horbe“) und ein mittelalterlicher Ortsarrest (dem sog. „Karräsperle“). Der dreigeschossige und 37 Meter hohe Turm besitzt Schießscharten und Lichtschlitze, sein achtseitiger Turmhelm ist noch spätgotisch. Der eingezogene Chor hat einen 3/8-Chorschluss und ist mit einem einzigen Rippenstern gewölbt. Das Langhaus des Kirchenschiffs hat ein Holztonnen-Gewölbe von 1964, dessen Schablonenmalerei auf den Deckleisten romanischem Dekor nachempfunden ist.

Ausstattung mini|Innenansicht mit Kanzel, Altar und Chorraum

Kirchhof Das schmiedeeiserne Tor zum Kirchhof stammt von dem vielseitigen Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Es ist nach dem Psalmvers „Der Vogel hat ein Nest gefunden“ gestaltet.

Taufbecken Ältestes Zeugnis der Kirche ist das tiefe und weite romanische Taufbecken stammt aus der Zeit um 1200. In Gebrauch ist der 1964 von Grunbacher Bürgern gestiftete moderne Taufstein unterhalb der Kanzel.

Wandmalerei Bei den großen Renovierungsarbeiten im Jahre 1964 wurden im Schiff in bescheidenem Umfang Wandmalereien freigelegt und erhalten: Auf der Südwand sind zwei kniende Engel und Schriftbänder zu sehen. Die erneuerten Bildteile sind nach heutiger Art gestrichelt. Alt sind Kontur, die Hände, die gefiederten Flügel, sowie die Schriftbänder. Die Malerei stammt aus der Zeit um 1500.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder

Sakristei mini|Sakristeitür Die spätgotische Sakristeitür, mit Eisenblech und Eisenbändern beschlagen und mit großem Türschloss gesichert, ist noch heute wehrhaft – und doch keine Seltenheit. Nicht nur in mittelalterlichen Wallfahrtskirchen war Sicherheit für die Reliquienschätze in Reliquiaren und Monstranzen wichtig. Jede Kirche brauchte einen guten Platz für die wertvollen Gegenstände des gottesdienstlichen Bedarfs (Kelche, Kännchen, Weihrauchfässer, Schalen, Leuchter, Bücher, die Opfergeldtruhe) in tresorartigen Wandschränken, kapellenartigen Turm-Schatzkammern oder Sakristeien ohne Außenzugang („Archiv“, „Bibliothek“, „Reliquienkammer“). Sie konnten neben kirchlicher auch kommunaler Nutzung dienen.Anne Schaich: Mittelalterliche Sakristeien im deutschsprachigen Gebiet. Architektur und Funktion eines liturgischen Raums. Schleswig-Holsteinische Schriften zur Kunstgeschichte 17. Dissertation Dresden 2005, Kiel 2008.

Altarkreuz Der Kruzifixus ist ein bedeutendes Schnitzwerk des frühen 16. Jahrhunderts aus dem Umkreis von Hans Seyfer.

Kanzel mini|Kanzel Die Renaissance-Sandsteinkanzel ist vom Anfang des 17. Jahrhunderts,Karl Halbauer: Predigstül. Die spätgotischen Kanzeln im württembergischen Neckargebiet bis zur Einführung der Reformation. In der Reihe: Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe B: Forschungen, Band 132; Stuttgart 1997, S. 450. deren Schalldeckel gut hundert Jahre jünger (um 1520). In den sechs auf Stein gemalten Bildfeldern sind – jeweils mit Bibelworten – dargestellt:

Paulus () Petrus () Christus () Moses () Aaron () Die eherne Schlange ()

In den Zitaten der Schriftbänder 3 bis 6 spiegelt sich dogmatisch das dreifache Amt Christi: das prophetische Amt, das hohepriesterliche oder Hirtenamt und das königliche Amt.Reinhard Lieske: Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst des Herzogtums Württemberg. Forschungen und Berichte der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg Band 2. München 1973, S. 110. Der hölzerne Barock-Schalldeckel trägt geschnitztes und vergoldetes Laubwerksgehänge und -beschläge mit Muschelmotiven und Engelsköpfen, und in der Deckel-Untersicht eine geschnitzte vergoldete Taube, Symbol für den Heiligen Geist. Laubwerksgesprenge und -voluten tragen die abschließende Plattform für Johannes den Täufer.

Epitaphien Im Chor befindet sich das Grabmal für Johannes Lins, Priester aus Winnenden (gest. 1517), mit der Darstellung des Verstorbenen in flachem Relief. Zwei weitere Epitaphe, 200 Jahre später entstanden, stehen an der südlichen Chorwand.

Glasgemälde mini|Glasbild von Hans Gottfried von Stockhausen (1999) Die drei Bleiglasfenster im Chor sind von Wolf-Dieter Kohler 1964 in der Stuttgarter Glaswerkstatt Gaisser gefertigt. Die Bildthemen sind – ausgehend vom zweiten Artikel des Glaubensbekenntnisses – links: Geburt Jesu, Versuchung Jesu, Heilung des Gelähmten; Mitte: Christi Auferstehung, Majestas Domini; und rechts: Passion JesuRemshaldener Ortsgeschichten - Pfarrkirche. Im Schiff befinden sich zwei Nordfenster von Hans Gottfried von Stockhausen aus dem Jahr 1999: Im „Gleichnisfenster“ acht Medaillons mit einer Reihe von Gleichnissen Jesu, im „Stifterfenster“ das Wirken des Hl. Geistes (Die Geschichte Gottes mit den Menschen) – aus der Stuttgarter Glaswerkstatt V. Saile.Alle Fenster sind ausführlich beschrieben und interpretiert auf den Seiten 13 bis 19 im Kirchenführer der Museumsvereins Remshalden von 2010 (Die evangelische Dionysiuskirche in Grunbach)

Orgel mini|Orgelprospekt Eine erste Orgel wurde 1772 durch ein neues Instrument ersetzt, dessen Prospekt mit einer Darstellung des harfespielenden Königs David bis heute erhalten blieb und mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Das heutige Orgelwerk geht zurück auf eine Spende einer nach Amerika ausgewanderten Grunbacher Familie aus dem Jahr 1926. Im Jahr 1964 wurde das Instrument vom Chorraum an seinen heutigen Standort ganz oben auf der zweiten Westempore versetzt und im Jahr 1987 erfolgte eine Erneuerung und Erweiterung auf insgesamt 24 Register und drei Manuale.

Glocken Das Geläut besteht aus 4 Glocken, dies sind die Dominica (es1), Betglocke (f1), Kreuzglocke (as1), Taufglocke (c2). Die älteste der Glocken stammt aus dem Jahr 1786 und wurde von C. L. Neubert (Ludwigsburg) gegossen, die anderen wurden 1954 bei Kurtz in Stuttgart beschafft. GlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonDurchmesserI.DominicaHeinrich KurtzStuttgart1954es1132,3 cmII.BetglockeChristian Ludwig NeubertLudwigsburg1786f1123 cmIII.KreuzglockeHeinrich KurtzStuttgart1954as197,5 cmIV.TaufglockeHeinrich KurtzStuttgart1954c276,7 cm

Literatur

Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983, S. 776–794.

Weblinks

Website der Verbundkirchengemeinde Remshalden Kirchbau-Datenblatt auf kirchbau.de

Einzelnachweise

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