mini|hochkant=1.3|Blick über den Stresow vom Turm des Rathauses Spandau

Der Stresow ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Spandau. Er liegt südlich der Spreemündung am östlichen Ufer der Havel, gegenüber der Altstadt Spandau, mit der er über zwei Straßen- und eine Eisenbahnbrücke verbunden ist.

Lage mini|Spreemündung am Stresow

Definiert ist Stresow als Ortslage im Ortsteil Spandau im Norden und Westen durch SpreeDer Spreelauf wurde im 20. Jahrhundert nördlich und im Nordosten des Stresow geändert, verblieben ist beispielsweise der Ruhlebener Altarm. und Havel. Die Darstellung auf dem Urmesstischblatt um 1835 begrenzt nach Süden der Bogen am alten Havellauf (nach der Havelregulierung liegt dafür der Südhafen). Nach Osten ist die FreiheitDie Freiheit gehörte zum Freiland des 1239 gegründeten Benediktiner-Nonnenklosters St. Marien und blieb lange Zeit ein gesonderter Teil des Stresow. zum Stresow eingeschlossen, jedoch nicht das Gelände zum 700 Meter entfernten Vorwerk Ruhleben. Diese Landmarken sind südlich in Höhe der (kleinen) Freiheitswiesen zur Ortslage Tiefwerder fixiert und gehören nunmehr zum Ortsteil Wilhelmstadt. Nach Osten gehört der Spandauer Anteil an Ruhleben nicht zum Stresow, sodass die Führung der S-Bahn-Trasse oder die Kleingartenanlage ‚Charlottenburger Chaussee‘ den östlichen Rand markieren. Als 1887 die Anzahl der Einwohner Spandau 25.000 überstieg wurde der Stadtkreis SpandauProvinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam aus dem Kreis Osthavelland ausgegliedert. Die Vorstadt „Stresow“ wurde ein Stadtteil.Stadtkreis Spandau

Die Bezeichnung Stresow soll im Slawischen „gesicherter Flussübergang“ bedeuten. Mit strategischer Bedeutung war der Havel-Übergang zur Stadt Spandau zunächst wohl eine Fähre. 1433 wurde eine Holzbrücke und ab 1319 auf der Spandauer Seite ein mit einem Turm geschütztes Tor. Die Charlottenstraße führte auf das bewehrte Ströhsower Thor zu, 1812 hieß es Charlottenburger Thor. 1864/1865 wurde die Holzbrücke erneuert, 1886 eine aufklappbare mehrteilige Bogenbrücke und 1926–1929 die bestehende Charlottenbrücke erbaut.Stresow auf dem Großen Verkehrs-Plan Berlin und seiner Vororte 1907 (Beilage zum Adressbuch)

Der Stresow gehört in der Gliederung der lebensweltlich orientierten Räume (LOR in der Stadtplanung)Mit Beschluss vom 3. Juni 2004 erteilte das Abgeordnetenhaus von Berlin dem Senat den Auftrag, „Planungsregionen für Fachplanungen in Berlin zu vereinheitlichen“. Die neue lebensweltlich orientierte Raumhierarchie sollte ressortübergreifend, bezirklich und gesamtstädtisch verwendbar sein. zur Bezirksregion 050103 Spandau-Mitte und innerhalb dessen mit dem gewerblich betonten OstenAm Schlangengraben, An den Freiheitswiesen, teilweise Charlottenburger Chaussee, Freiheit, Gewerbehof, Heidereuterstraße 17–40, Hempelsteig nur Nr. 2, Klärwerkstraße, Obermeierweg Nordost 16–18, Pichelswerderstraße nur Nr. 1–15, Ruhlebener Straße nur Nrn. 1a, 17–21 und 201–205, Schürstraße Ostseite // zum Planungsraum aber nicht zum Stresow gehören: Ostabschnitt der Freiheit mit Nummer 16–44 (fortlaufend), Sophienwerderweg, Spandauer Damm nur Nrn. 274 und 280, Stendelweg nur Nr. 2a, Werkring, Wiesendamm (außer Nrn. 4, 12 und 15 zu Westend) zum Planungsraum 39 Freiheit. Die Wohnbebauung im westlichen Stresow gehört zum Planungsraum 14 Carl-Schurz-Straße.Der Stresower Anteil am Planungsraum 14 umfasst definitionsgemäß nur das Gebiet östlich der Havel mit Grenadierstraße, Grunewaldstraße, Heidereuterstraße nur Nord Nrn. 30–42, Obermeierweg Nrn. 2–8, Plantage, Ruhlebener Straße nur Nr. 1a Ecke Heidereuterstraße, Schürstraße Westseite Nrn. 9–17, Stresowplatz und Stresowstraße Der Stresow reicht im Süden (eigentlich und im Gegensatz zur aktuellen Bezirksgliederung) in den Ortsteil Wilhelmstadt hinein. Durch die Ortsteilgrenze entlang der Ruhlebener Straße liegt so die Stresow-Siedlung Heidereuterstraße in Wilhelmstadt. Im Rahmen der stadtplanerischen EinteilungBerliner Raumbezüge: „Das Raumbezugssystem der Lebensweltlich orientierten Räume hat das Raumbezugssystem der Statistischen Gebiete / Verkehrzellen für sozialräumliche Planungszwecke abgelöst. Für die Vergleichbarkeit über lange Zeiträume werden aber beide Systeme weiterhin fortgeschrieben.“ gehört der Stresow zum Statistischen Gebiet 30 (Charlottenburger Chaussee) und er liegt im Postleitzahlenbereich 13597.

Geschichte mini|Stresow mit der Gertraudenkirche (links) vor der Stadtansicht Spandaus auf dem Merian-Stich, 1633

Der Stresow lag im Bereich der slawischen Anlage am Behnitz,AG Altstadt Spandau die Burg diente der Sicherung des vorbeiführenden Handelsweges, der die Havel zum Stresow überquerte.Bereits 1161 und 1168 wird er in Urkunden als „strata publica“ erwähnt. Auf dem Stresow lag schon vor 1330 ein Ackerbauern- und Gemüsegärtnerdorf östlich der Havel (im Süden der Spree). „1584 schlichtete Kurfürst Johann Georg die Streitigkeiten über die Gerichte die zwischen dem Rat und dem Amt Spandau entstanden waren; dabei wurden unter anderem Hufe, Gärten und Äcker vor dem ‚Stresowischen Thore uff dem Stresow‘ genannt.“Günter Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. Walter de Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3-11-014086-1. Es war die durch den Schlangengraben abgetrennte Insel besiedelt, östlicher lagen die Wiesen und „Die Freiheit“. Vor Ort wurden Gegenstände aus der Steinzeit und der Bronzezeit gefunden, der „Hortschatz vom Stresow“. Der Ort mag schon früher als die Gegend im Bereich der ersten Burganlage besiedelt gewesen sein.

Nach dem Merian-Stich von 1633 steht die alte Gertraudenkirche – möglicherweise in idealisierender Darstellung – auf dem Stresow, zu der auch das Gertrauden-Hospital, ein Siechenhaus, gehörte. 1464 war an dieser Kapelle ein Kaplan angestellt, 1515 war die Kommende an die St.-Nikolai-Kirche übertragen, weil die Pfründe zum Unterhalt eines eigenen Geistlichen nicht ausreichte. Im 17. Jahrhundert hielten die Priester an St. Nikolai Gottesdienst in der Gertraudenkapelle.Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 17. Am 27. April 1640 befahl Kurfürst Georg Wilhelm den Abriss der Gertrauden-Kirche wegen der Neuordnung der Festungsanlagen, der Kirchturm in Feindeshand hätte Einsicht und Beschuss in die Festung geboten. 1604 hatte Gräfin Lynar einen hölzernen Altar für die Kirche gestiftet, möglicherweise eine verkleinerte Nachbildung des Altarretabels in der Nikolaikirche. Dieser Altar wurde nach dem Abriss in der Moritzkirche aufgestellt.Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1971, S. 191.

Die Stresower hatten das Bürgerrecht von Spandau. Mit der Spandauer Altstadt ist der Stresow (wohl schon) seit dem 14. Jahrhundert mit der Stresowbrücke über die Havel verbunden. Der Landpostweg in den Teltow führte darüber.Rainer Fliegner: Spandau – Geschichte und Gschichten. Erfurt 2007, Sutton Verlag, ISBN 978-3-86680-122-6. Sie wurde 1747 auf Veranlassung des Prinzen von Preußen in Charlottenbrücke benannt. Zwischen 1864 und 1865 folgte ein Neubau in Holz, während des Baus gab es eine Floßverbindung.Die Brücke besaß einen von Spandau bezahlten Brückenwärter, der dafür zu sorgen hatte as Schiffe auf der Havel passieren konnten. Um 1900 hatte der Gastwirt Quast diese Aufgabe. Seine Kneipe hatte er am Lindenufer.

Seit 1722 führte die Verbindung über den Stresow nach Charlottenburg und Berlin, während die alte Verbindung vom Berliner Tor der Stadtfestung Spandau über die Jungfernheide aus militärischen GründenDer Verkehr sollte nicht mehr an der Zitadelle und der Gewehrfabrik vorbeiführen. einige Jahre für den öffentlichen Fernverkehr gesperrt war. „Am flachen Ufer des Stresow befanden sich bereits seit dem Jahr 1790 Schiffsbauplätze. Die Heydereiterey am Eichelberg war der Standort der Heidereiter, welche die Heyde und Wälder um Spandau herum kontrollierten – später wurden das die Förster.“Hans Weil: Die Stresow-Kaserne in Spandau. Berlin 2013. Nach dem Einmarsch napoleonischer Truppen wurde 1811 der Stresow mit vier großen Erdwerken verschanzt (Burgwall-Schanze, Garten-Schanze, Brücken-Schanze und die Vorder Schanze, wo später die Eisenbahn den Schlangengraben querte).

mini|hochkant|Kriegerdenkmal auf der Plantage um 1900

Auf Weisung von Prinz August Wilhelm wurde 1751 nahe der Havel ein Paradeplatz für die Spandauer Garnison errichtet. Der Spandauer Magistrat hatte ihn mit Linden zu bepflanzen, Linden kamen auch an den Kirchhof der für die Straße verkürzt wurde. Die Fundamente der Gertrauden-Kirche wurden ausgegraben. Auf dem Urmesstischblatt 3445 als „Wiesen hinter den Gärten“ aufgenommen. Mit dem Bebauungsplan erhielt dieser Platz 1855 seinen Namen Plantage (französisch für Pflanzung), der auf die Lindenpflanzen begründet ist.

Im Jahr 1832 wurde der Elsgraben zum Kanal umgebaut und erhielt einer Brustwehr, damit sollten die Grundstücke an der Spree vor Überschwemmungen geschützt werden. Die Verkehrsführung im 19. Jahrhundert lag von der (Charlotten-)Brücke in die Stresowstraße und über den Stresowplatz und die Grunewaldstraße. An der Ecke Heidereiterei führte am östlichen Havelufer die Straße nach Tiefwerder (Tiefwerderstraße) südlich ab, von da 600 Meter nach Osten am Wirtshaus zur Grünen Linde und um die Wiesen an dem Faulen See führte der Landweg zur Teltower Schanze und Murellenberg (Havelchaussee). Nach Osten führte die Chaussee vorbei am Vorwerk Ruhleben und der Spandauer Spitze nach Charlottenburg (Spandauer Damm). Die alte Fernstraße nach Berlin über die Jungfernheide wurde 1722 durch Königliche Order verboten, um die Verkehrsbedeutung von Charlottenburg zu fördern.

mini|Industriekomplex Spandau-Stresow 1869 mit Gewehrfabrik, Geschützgießerei, Pulverfabrik, Munitionsfabrik, Artillerie-Werkstatt

Auf und am Stresow (der Schlangengraben war kanalisiert) entstand 1855 die Geschützgießerei, ab 1862 das Geschützbohrwerk mit der Artilleriewerkstatt, die Zündspiegelfabrik, die Patronen- und der Geschossfabrik, dazu bestand die alte Pulverfabrik. Stresow war von 1722 bis 1918 bedeutender Standort der preußischen und reichsdeutschen Waffenproduktion. Keimzelle war die Königliche Preußische Gewehrfabrique Potsdam-Spandau, die von Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig, 1722 als Manufaktur gegründet worden war. Im Jahr 1850 wurde die Fertigung in Potsdam aufgegeben und die Produktion in Spandau zum modernen Rüstungsbetrieb ausgebaut. Nach Ansiedelung weiterer waffentechnischen Betriebe und Heereswerkstätten galt der Stresower Komplex als wichtigster Arbeitgeber Spandaus. 1897 Zur Belegschaft zählten 7600 Arbeiter bei einer Gesamteinwohnerzahl Spandaus von 55.800.Meyers Konversations-Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1897, S. 138 Entsprechend dem Versailler Vertrag wurden die Kasernen geräumt und alle Militär-Fabriken stillgelegt, dadurch wurden über 60.000 Menschen arbeitslos.

Im Jahr 1859 reaktivierte sich die Johannisloge „Victor zum goldenen Hammer“ in Spandau (in Delitzsch 1823 gegründet, nach Generalleutnant Wilhelm Ludwig Victor Graf Henckel von Donnersmarck). 1866 baute sie sich auf dem Stresow nahe vom Bahnhof ihr Logenhaus.Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland

Auf dem Stresow wurden zwischen 1913 und 1928 die Industrieanlagen entwickelt, während des Ersten Weltkriegs die Heeres-Werkstätten erheblich erweitert. Im letzten Kriegsjahr (1918) sollen 90.000 bis 130.000 Menschen gearbeitet haben, davon 50.000 Frauen. Die Maschinen der Waffen- und Munitions-Herstellung wurden unter Kontrolle von französischen Offizieren und Beamten demontiert. Das Verbliebene wurde von der neu gegründeten Deutschen-(Industrie)-Werke AG übernommen und auf Friedensproduktion umgestellt.

Stresow-Kaserne