mini|Meredith Whittaker, 2023|230x230pxMeredith Whittaker ist eine US-amerikanische Forscherin und Beraterin, die sich mit den sozialen Auswirkungen und ethischen Fragen von künstlicher Intelligenz (KI) und Datenschutzfragen auseinandersetzt. Sie ist Präsidentin der gemeinnützigen Signal-Stiftung, die den Messenger Signal entwickelt. Seit Sommer 2025 ist sie zudem Mitglied im Verwaltungsrat von Hubert Burda Media. In einem Interview mit der taz vom 10. Oktober 2025 warnte Whittaker vor einer Aushöhlung der Privatheit durch die geplante EU-„Chatkontrolle“ und vor KI-Agenten, die für ihre Funktionalität weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten benötigen. Zugleich betonte sie, dass Signal sich ohne Werbe- und Tracking-Erlöse über Spenden finanziert und an einer kostenpflichtigen Premium-Backup-Funktion arbeitet.

Karriere Meredith Whittaker hat einen Bachelor-Abschluss in Rhetorik von der University of California, Berkeley. Ab 2006 war sie dreizehn Jahre lang bei dem US-amerikanischen Unternehmen Google beschäftigt, wo sie die Google Open Research Group gründete. 2018 war sie eine zentrale Organisatorin der Proteste von Google-Mitarbeitern gegen Diskriminierung und Überwachung und schied im Juli 2019 aus dem Unternehmen aus.

Whittaker hatte daraufhin eine Professur an der New York University inne. Sie ist zudem Mitbegründerin, ehemals Fakultätsdirektorin, und jetzt Beraterin des 2017 gegründeten AI Now Instituts der New York University.

Vom November 2021 bis September 2022 war sie Senior Advisor für Künstliche Intelligenz für die US-amerikanische Federal Trade Commission. Vgl. auch mini|294x294px|Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Meredith Whittaker und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa (2024) Seit September 2022 ist sie neben ihrer Rolle als Mitglied im dreiköpfigen Aufsichtsrat der gemeinnützigen Signal-Stiftung auch deren Präsidentin. Vgl. auch Ebenso Diese Non-Profit-Organisation trägt die Verantwortung für die gleichnamige Messenger-App Signal. Im Herbst 2025 bestätigte Whittaker, dass sich der jährliche Betriebsaufwand in der Größenordnung von 50 Millionen US-Dollar bewege, der ohne Werbe- oder Tracking-Erlöse vor allem durch Spenden gedeckt werde; ergänzend werde eine kostenpflichtige Premium-Backup-Funktion vorbereitet.

Das Time-Magazine zählte Whittaker 2023 zu den 100 einflussreichsten Menschen im Bereich der KI-Entwicklung. Im Mai 2024 wurde sie für ihre Arbeit zu Künstlicher Intelligenz und Datenschutz in Hamburg mit dem Helmut-Schmidt-Zukunftspreis ausgezeichnet.

Positionen Whittaker beschreibt die systematische Überwachung von Nutzerinnen und Nutzern sowie das Sammeln personenbezogener Daten als ökonomischen Motor der Tech-Industrie und damit als fundamentalen Widerspruch zum gesellschaftlich hochgehaltenen Wert der Privatheit. Sie sieht die anhaltende Beliebtheit von Datenschutz auch darin bestätigt, dass große Anbieter wie Apple oder Meta ihre Produkte gezielt mit Privatsphäre-Versprechen vermarkten. Als besondere Bedrohung bewertet sie gesetzgeberische Vorhaben wie die EU-„Chatkontrolle“, die starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterlaufen und vertrauliche digitale Kommunikation praktisch verunmöglichen würden. Darüber hinaus warnt sie vor KI-Agenten, die als „Robo-Butler“ weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten und Apps bündeln, Privatheit aushöhlen und die Marktmacht dominanter Plattformen weiter verfestigen könnten. Gesellschaftlich befürchtet sie dadurch „chilling effects“, also eine Einengung dessen, was Menschen zu denken, zu sagen und zu diskutieren wagen.

Mit Blick auf die Debatte um digitale Souveränität kritisiert Whittaker eine späte politische Einsicht und warnt vor Scheinlösungen wie Gigafabriken oder einer sogenannten „souveränen Microsoft-Cloud“; stattdessen fordert sie die Förderung offener Technologien, sicherer Kommunikationsmittel und eines gesunden Medien-Ökosystems als Grundlage demokratischer Meinungsbildung. Zugleich lehnt sie die Abwälzung der primären Verantwortung für Datenschutz auf den Einzelnen ab, da gesellschaftliche Teilhabe in vielen Bereichen faktisch an die Nutzung der Dienste großer Plattformen gebunden sei – etwa bei Jobsuche, sozialen Kontakten oder in Schule und Verwaltung.

Literatur

Andreas Proschofsky: Neue Signal-Chefin: "Werden uns nicht am Geschäftsmodell der Überwachung beteiligen" In: Der Standard. 6. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023. Simon Hurtz: "Whatsapp ist weder wirklich sicher noch privat" In: Süddeutsche Zeitung. 7. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023. Ruth Fulterer: "Künstliche Intelligenz kommt direkt aus dem Überwachungsmonopol der Tech-Firmen" In: Neue Zürcher Zeitung. 6. September 2022, abgerufen am 9. Februar 2023. Meredith Whittaker bei einer Diskussion mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa zum Thema "Digitale Öffentlichkeit – brauchen wir eine neue Aufklärung?" (Video-Aufzeichnung), abgerufen am 15. Juli 2024.

Weblinks

Profil bei AI Now Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juni 2025, abgerufen am 2. Juni 2025 Offizielle Webseite der Signal Foundation Meredith Whittakers Twitter Präsenz Meredith Whittaker auf Mastodon

Einzelnachweise

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