mini|Helena Steinhaus (2025) Helena Sophia Kilian-Steinhaus (* 8. August 1987 in Bochum) ist eine deutsche Sozial-Aktivistin und Autorin; bekannt wurde sie als Kritikerin von Hartz IV und Bürgergeld sowie als Gründerin des Vereins Sanktionsfrei in Berlin.

Leben

Helena Steinhaus wuchs in Bochum und Witten als Tochter einer alleinerziehenden Mutter auf, die als Erzieherin arbeitete und zeitweise erwerbslos war.Lea Hampel: Nahaufnahme. Hilfe bei Sanktionen. In: Süddeutsche Zeitung. 14. Juni 2020. Steinhaus studierte Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Sozialwissenschaften und Linguistik in Frankfurt (Oder) an der Europa-Universität Viadrina. Seit 2008 lebt sie in Berlin; dort gründete sie 2015 gemeinsam mit anderen den Verein Sanktionsfrei und ist dessen Geschäftsführerin. Der Verein unterstützt Armutsbetroffene, die von einer Sanktion betroffen sind und Probleme mit dem Jobcenter haben.

Positionen und Rezeption Steinhaus setzt sich für ein Ende von Hartz-IV-Sanktionen und für eine menschenwürdige Grundsicherung einTobias Kaiser: Aus Hartz IV wird Hartz plus. In: Die Welt. 6. Dezember 2018, S. 19Jörg Wimalasena: „Für mich sind das neue Worte für das Gleiche“: Ein neuer Begriff, ein Jahr lang keine Sanktionen. Überwindet das „Bürgergeld“ der Ampelkoalition wirklich Hartz IV? Sozialaktivistin Helena Steinhaus ist skeptisch. In: Die Tageszeitung, 26. November 2021, S. 7 und will Armut und Erwerbslosigkeit entstigmatisieren. Bei ihrem Engagement für den Verein Sanktionsfrei verweist sie auf eigene Erfahrungen. In ihrer Jugend waren sie und ihr Bruder zeitweise von Hartz IV betroffen,Martin Rücker: Armutsspirale. Warum in Deutschland Kinder hungern und die Bundesregierung heute schon die Armut von morgen fördert. In: ders.: Ihr macht uns krank. Die fatalen Folgen deutscher Ernährungspolitik und die Macht der Lebensmittellobby. Econ Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-430-21070-6, S. 23. als ihre Mutter nach jahrelanger Festanstellung einen Burn-out erlitt und längere Zeit nicht arbeiten konnte. Auch nach Abschluss ihres Studiums bezog sie zwei Mal Hartz IV, da sie nur saisonweise arbeitete und im Winter ohne Erwerbsarbeit war. In dieser Zeit habe sie miterlebt, welcher Druck auf Leistungsbeziehende ausgeübt werde und von welcher Stigmatisierung diese betroffen seien. Sie würden oft für arbeitsunwillig bzw. für selbst schuld an ihrer Situation gehalten und würden so zum „Sündenbock der Leistungsgesellschaft“. Die Stigmatisierung führe ihrer Ansicht nach dazu, dass Empfänger von Hartz IV „ihre Situation oft geheim“ hielten. Die Sanktionen hält sie für das „Kernproblem“ von Hartz IV. Auch bereits die Androhung von Sanktionen übe großen psychischen Druck auf die Betroffenen aus. Sie kritisiert ferner die niedrigen Regelsätze: „Um die Würde des Einzelnen zu wahren, braucht es vor allem einen höheren Regelsatz“.

Einem breiteren Publikum wurde sie durch zahlreiche Medienauftritte bekannt, darunter auch in der politischen Interview-Sendung Jung & Naiv von Tilo Jung. Als das Bundesverfassungsgericht einige Sanktionen 2019 für verfassungswidrig erklärte, kommentierte Steinhaus das Urteil in mehreren Medien. Sie gilt als Expertin und Kritikerin des Bürgergeldes, das seit 2023 Hartz IV ersetzt. Die Frankfurter Rundschau nannte sie 2020 „Die Hartz-4-Hackerin“ bezugnehmend auf ihre Vision, mithilfe des Vereins Sanktionsfrei den im Sozialsystem vorgesehenen Druck auf Erwerbslose zu beseitigen. In der Sendung Frau tv im WDR wurde ihr Werdegang als „Heldengeschichte“ bezeichnet. Sie war 2020 für den durch Edition F zusammen mit Zeit Online und dem Handelsblatt vergebenen 25 Frauen Award nominiert, bevor dieser durch den Rücktritt einiger Nominierter abgesagt wurde. In Brigitte wurde Steinhaus 2022 als „Macherin“ porträtiert für ihren Vorstoß, „Hartz IV-Sanktionen den Schrecken [zu] nehmen.“ Am 12. September 2022 war sie zu Gast in der Bundespressekonferenz, wo sie die Studie „Hartz-Plus“ vorstellte und Handlungsempfehlungen für das künftige Bürgergeld gab.

Publikationen mit Claudia Cornelsen: Es braucht nicht viel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397557-4.

Auszeichnungen 2025: Marburger Leuchtfeuer für soziale Bürgerrechte für ihre Gründung und Arbeit mit der Initiativbewegung SanktionsfreiHelena Steinhaus erhält „Marburger Leuchtfeuer“ 2025, Stadt Marburg, abgerufen am 30. Mai 2025

Weblinks

Helena Steinhaus auf Twitter Helena Steinhaus: Bundesverfassungsgericht zu Hartz IV-Sanktionen. Menschen sind keine Zahnpastatuben. In: Cicero, 14. Januar 2019 (Text ist Teil eines Pro und Contras) Helena Steinhaus: Hartz IV ist offener Strafvollzug. In: Frankfurter Rundschau, 6. Januar 2019

Einzelnachweise

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