Bövinghausen ist der Statistische Bezirk 71 und zugleich ein Stadtteil der kreisfreien Großstadt Dortmund. Er grenzt im Norden an Castrop-Rauxel, Stadtteil Merklinde, im Osten an Westrich, im Süden an Lütgendortmund und im Westen an Bochum, Stadtteil Gerthe. Er ist zusammen mit Holte-Kreta der westlichste Vorort Dortmunds, hat 5.785 gemeldete Einwohner (Stand: 31. Dezember 2025) und umfasst eine Fläche von etwa drei Quadratkilometern. Er ist damit ein relativ kleiner Vorort Dortmunds.

Bövinghausen wurde erstmals 882 urkundlich erwähnt.Rudolf Kötzschke (Hrsg.): Die Urbare der Abtei Werden a. d. Ruhr (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde XX: Rheinische Urbare). Bd. 2: A. Die Urbare vom 9.–13. Jahrhundert, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 3: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 4,I: Einleitung und Register, I. Namenregister, hrsg. von Fritz Körholz, Düsseldorf 1978; Bd. 4,II: Einleitung, Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden, Sachregister, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1958. Das Industriedenkmal Zeche Zollern II/IV zieht zahlreiche Besucher an.

Bövinghausen zählt heute zu den 13 sozial benachteiligten Stadtteilen Dortmunds. Aktionsplan Soziale Stadt

Geschichte mini|Erste Erwähnung Bövinghausens in der Hebeliste des Klosters Werden

Mittelalter Im Heberegister des Klosters Werden aus dem Jahr 882 findet sich die erste urkundliche Erwähnung Bövinghausens gemeinsam mit der Dortmunds: In Throtmanni liber homo Arnoldus VIII denarios solvit (In Dortmund zahlt uns der freie Mann Arnold acht (Silber-)Pfennige). Es heißt weiter In Bövinghausen zahlt Waldger von einer halben Hufe (halbe Hofstelle) 10 Scheffel Roggen und acht Pfennig Heerschilling.

Eine zweite Erwähnung fand aufgrund der Eingemeindung zu Castrop im Jahr 890 unter dem Namen bovink husun statt.

19. Jahrhundert Vor Beginn des 19. Jahrhunderts bestand Bövinghausen lediglich aus einigen Bauernhöfen und Bürgerhäusern an der 1808 von Napoleon erbauten Provinzialstraße. Im Jahr 1818 lebten in der Bauerschaft Bövinghausen 147 Personen in 16 Häusern, 1849 waren es 181 Einwohner in 21 Häusern. Verwaltet wurde die Bauerschaft durch das Amt Mengede. In der Gastwirtschaft Provinzialstraße 398 wechselte man die Pferde der Postkutsche.

Zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte der Kohle-Aufschwung auch in Bövinghausen ein, da zwischen 1853 und 1858 in der näheren Umgebung insgesamt vier Zechen eröffnet wurden. Ein weiterer wichtiger Faktor war der Bau der Emschertalbahn durch Bövinghausen im Jahr 1878, welche zum Kohle-Abtransport benötigt wurde. Zu dieser Zeit entstand auch die Bövinghauser Brücke, die bei steigender Frequentierung der Gleise notwendig wurde. Über sie führt heute die Bövinghauser Straße.

20. Jahrhundert mini|Provinzialstraße (etwa 1910) mini|Luftbild Bövinghausens um 1950 mini|Zeche Zollern II/IV (Anfang 20. Jh.)

Die stärkste Phase des Aufschwungs setzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bau der Zeche Zollern II/IV (1898–1904) ein. Die im Stil der Backsteingotik errichtete Zeche galt als eine der modernsten im Lande. Sie besaß die erste elektrische Fördermaschine der Welt, deren Generatoren auch in den Straßen Bövinghausens eine elektrische Straßenbeleuchtung ermöglichten. Als Folge setzte ein Zuwanderungsboom – vor allem durch Arbeiter aus Preußen und Schlesien – in den aufblühenden Industrieort ein. Die Einwohnerzahl stieg so von 531 im Jahr 1895 auf 1124 zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bereits kurz nach der Jahrhundertwende erhielt Bövinghausen mit der Straßenbahnlinie 27 auch eine Anbindung an das Netz der Westfälischen Straßenbahn, heute Bogestra. Sie verlief nach Süden über Lütgendortmund nach Langendreer, nach Norden zum Bahnhof Rauxel. Durch diese Streckenführung wurden drei Bahnstrecken im 20-Minuten-Takt miteinander verknüpft: die Ruhrgebietsstrecke der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft, die Emschertalbahn sowie die Ruhrgebietsstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Dies entsprach auch der Strecke der alten Postkutsche von Witten nach Castrop. Die Strecke der Schmalspurbahn war vollständig elektrifiziert. Die Verwaltung befand sich in Gerthe, ein Depot an der Ecke Provinzialstraße / Lütgendortmunder Hellweg. Heute fährt die Buslinie 378 die Strecke der Straßenbahnlinie 27.

Am 1. April 1909 wurde das heutige Westrich nach Bövinghausen eingemeindet. Es kamen 980 Westricher zu den 3602 Einwohnern Bövinghausens hinzu. Diese Zahl stieg bis 1910 auf 4698 gemeldete Einwohner an, was u. a. den Ausbau des Bahnhofs notwendig machte.

In dieser Phase entstand um die Zeche herum eine Arbeitersiedlung im Gartenstadt-Stil, die Kolonie Landwehr. Als diese Siedlung durch weiteren Zuwachs durch neue Arbeitskräfte nicht mehr die notwendigen Kapazitäten bot, wurde in den 1920er Jahren eine zweite Siedlung an der Ober- und Unterdelle errichtet. Beide Siedlungen bestehen bis heute.

Nachdem bereits 1911 eine evangelische Kirchengemeinde gegründet wurde, errichtete man mitten im Ersten Weltkrieg eine neue katholische Jugendstilkirche, welche am 5. September 1915 feierlich eingeweiht wurde. Dies machte bisher notwendige weite Wanderungen zur nächsten Gemeinde nach Lütgendortmund unnötig.

Nach langem Tauziehen wurde Bövinghausen am 1. April 1928 schließlich nach Dortmund eingemeindet. Castrop-Rauxel, Bochum und Dortmund hatten allesamt Interesse, das wirtschaftlich wichtige Dorf aufzunehmen; die Einwohnerschaft entschied sich jedoch für Dortmund. Folgender Text erschien zur Eingemeindung Bövinghausens:

Schließlich bekam Bövinghausen auch eine eigene Post, da bis zu diesem Zeitpunkt das Hinterzimmer der Gaststätte „Leßmöllmann“ als Poststelle dienen musste. In Bövinghausen abgegebene Sendungen erhielten jedoch weiterhin den Dienststempel von Merklinde. Gleich neben der Dienststelle der neuen Post entstand eine Polizeistation mit einer Ausnüchterungszelle, das sogenannte „Pittermännken“.

1954 wurde die Zeche Zollern II/IV stillgelegt, weil der Betrieb aufgrund steigender Förderkosten nicht mehr wirtschaftlich war. Am 1. Oktober brachte man den letzten Kohlenwagen zu Tage. 1966 wurden auch die Seilfahrt sowie die Materialförderung eingestellt.

21. Jahrhundert mini|Ehemalige Großbaustelle B 235

Im Zuge einer Umbruchaktion wurde von 2006 bis 2013 die Provinzialstraße (B 235) von vier Fahrspuren auf zwei Fahrspuren mit beidseitigen Radfahrstreifen und Parkbuchten sowie mittigem Mehrzweckraum umgebaut sowie die Gas- und Abwasserleitungen erneuert.

Auf dem Gelände zwischen Bövinghauser Brücke, Bahnhof und Provinzialstraße wurde ein neues Einkaufszentrum mit Artikeln des täglichen Bedarfs errichtet. Hier finden sich heute ein Supermarkt, ein Discounter, ein Drogeriemarkt, ein Tierartikelhändler sowie ein Schuhgeschäft.

Östlich des Bahnhofs liegt ein Neubaugebiet.

Bevölkerung Am 31. Dezember 2025 lebten 5.785 Einwohner in Bövinghausen.

Bevölkerungsstruktur Strukturdaten der Bevölkerung Bövinghausens: Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 19,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 16,2 % (2018)]Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen. In: Stadt Dortmund (Hrsg.): Statistikatlas Dortmunder Stadtteile 2019 – Bevölkerung. S. 13–39, hier S. 21 und 23. Auf Dortmund.de (; 9,52 MB), abgerufen am 27. Mai 2023. Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 17,7 % [Dortmunder Durchschnitt: 20,2 % (2018)]Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen. In: Stadt Dortmund (Hrsg.): Statistikatlas Dortmunder Stadtteile 2019 – Bevölkerung. S. 13–39, hier S. 31–33. Auf Dortmund.de (; 9,52 MB), abgerufen am 27. Mai 2023. Ausländeranteil: 22,0 % [Dortmunder Durchschnitt: 22,3 % (2025)]Staatsangehörigkeiten in den statistischen Bezirken am 31. Dezember 2025 (PDF; 44 kB) Arbeitslosenquote: 16,3 % [Dortmunder Durchschnitt: 11,0 % (2017)] Auf Dortmund.de (PDF; 257,5 kB), abgerufen am 27. Mai 2023.

Einwohnerentwicklung Im Folgenden ist die Einwohnerentwicklung Bövinghausens grafisch sowie tabellarisch dargestellt. Der Verlauf zeigt die ungefähre Entwicklung zwischen 1818 und 2006. Der plötzliche Anstieg ab dem Jahr 1900 kam durch die Eröffnung der Zeche Zollern II/IV zustande.

400px|Bevölkerungs Entwicklung Bövinghausens 1818–2006 Dem Diagramm liegt die nebenstehende Tabelle zugrunde. Jahr Einwohner 1818 147 1849 181 1895 531 1901 1124 1907 3602 1908 4582 1910 4698 2006 5489 2008 5387 2011 5416 2016 5601 2018 5748 2020 5737 2022 5766 2024 5760

Politik und Verwaltung Verwaltet wird Bövinghausen durch die Verwaltungsstelle des Stadtbezirks Lütgendortmund.

Infrastruktur

Straßen mini|Provinzialstraße Richtung Lütgendortmund

Bövinghausen liegt an der B 235 (Provinzialstraße), welche gen Norden nach Merklinde, gen Süden nach Lütgendortmund und Bochum-Langendreer führt.

Die nächsten Autobahnanschlussstellen gehören zur A 45 zwischen Kirchlinde und Marten bzw. zur A 40 in Lütgendortmund. Die schnellste Verbindung in die Innenstadt bietet sich durch letztere Anschlussstelle an die A 40 bzw. durch die Verbindungsstraße OWIIIa (umgangssprachlich „Hafenzubringer“ oder „Tangente“) in Kirchlinde.

Viele Bövinghauser Straßen tragen den Namen der Planeten des Sonnensystems. So existieren beispielsweise eine Saturnstraße, eine Erdestraße, eine Neptunstraße sowie eine Uranusstraße.

Öffentliche Verkehrsmittel mini|Bahnhof Dortmund-Bövinghausen

In Bövinghausen gibt es sechs Bushaltestellen, die von drei Linien (378, 20-Minuten-Taktung, Bogestra; 462/NE9, 20-Minuten-Taktung/täglich, DSW21) bedient werden, sowie einen Bahnhof der Deutschen Bahn AG, an dem die Regionalbahn der Linie 43 (Emschertal-Bahn an der Strecke Herne–Castrop-Rauxel Süd–Dortmund) stündlich verkehrt und Bövinghausen mit dem Stadtzentrum oder unter anderem mit Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel Hauptbahnhof und Dorsten verbindet. Die Linie wird seit Dezember 2015 durch DB Regio NRW betrieben, nachdem zuvor für die Jahre 2007 bis 2015 die NordWestBahn die Ausschreibungen zum Betrieb der Bahnlinie gewonnen hatte.

Linie Verlauf Takt

In Planung ist seit Jahren die Weiterführung der S-Bahn-Linie 4 über den Bahnhof Dortmund-Lütgendortmund hinaus via Bövinghausen nach Castrop-Rauxel, was eine viel schnellere Verbindung ins Dortmunder Stadtzentrum und nach Gelsenkirchen sowie Essen böte.

mini|hochkant=1.5|Haltestelle An der Brandheide bei Nacht

+ HaltestellenübersichtHaltestelleLinienBövinghauser Dorfstraße378, 462, NE9Bövinghausen Friedhof378, 462Bövinghausen Oberdelle378, 462, NE9Bövinghauser Straße378, 462, NE9Bövinghausen Bahnhof462, RB 43Industriemuseum Zollern462, NE9An der Brandheide462

Die Reihenfolge der Haltestellen versteht sich von Süden nach Norden sowie von Westen nach Osten.

Wirtschaft mini|Hotel Commerz (jetzt Days Inn) an der B 235 mini|Förderturm der Zeche Zollern II/IV

Während der zentral gelegene Teil Bövinghausens eher städtisch geprägt ist, gibt es im westlichen Teil mehrere landwirtschaftliche Betriebe, sowie Reithöfe. Der östliche Teil besteht aus der historischen Siedlung um die Zeche Zollern und, wie der überwiegende Teil des Vorortes, aus Wohnbebauung.

Tourismus Der wohl wichtigste touristische Ort ist das Industriedenkmal Zeche Zollern II/IV an der Grubenstraße, die 1898 eröffnet wurde. Sie ist eine wichtige Station auf der Route der Industriekultur.

Händler und Lokale In Bövinghausen finden sich Geschäfte für den alltäglichen Bedarf.

Sehenswürdigkeiten mini|Eingang zur Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV

Die Zeche Zollern ist mit ihrem Jugendstil-Eingangsbereich und der marmornen Elektromaschinenhalle einzigartig im deutschen Steinkohlenbergbau ist. Diese frühere Zeche beherbergt das LWL-Industriemuseum. Der bunt verglaste Eingang zur Fördermaschinenhalle führt in eine Veranstaltungshalle für kulturelle Ereignisse.