Die Evangelische Kirche Barczewo stammt aus den 1870er Jahren und war bis 1945 die Pfarrkirche für das Kirchspiel Wartenburg in Ostpreußen. Heute dient sie nicht mehr sakralen Zwecken, sondern beherbergt als „Schatzkammer der europäischen Kultur“ eine Kunstgalerie, einen Konzertsaal, Werkstätten und Seminare.

Geographische Lage Barczewo liegt im Westen der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, 15 Kilometer nordöstlich der Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn (Allenstein). Dorthin führen die Schnellstraße S 16 und die Woiwodschaftsstraße 595. Die Stadt ist Bahnstation an der Bahnstrecke Posen–Toruń–Skandawa (–Tschernjachowsk).

Das Kirchengebäude steht in der Stadtmitte an der ulica Grundwaldzka zwischen der St.-Andreas-Kirche und dem Mühlengraben. mini|Die Wartenburger evangelische Kirche im Jahre 1909

Kirchengebäude Wartenburg in Ostpreußen war ein alter Kirchort. Doch erst im Jahre der Gründung einer evangelischen Gemeinde 1836Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 1, Göttingen 1968, S. 276 reifte auch der Plan, in der Stadt eine evangelische Kirche zu errichten. Das Baugebiet stiftete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf dem Gelände des einstigen Gartens des Franziskanerklosters. Zunächst aber musste das am 15. Oktober 1826 eingeweihte Bethaus als gottesdienstlicher Versammlungsraum dienen.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 147 Und der Neubau ließ noch lange auf sich warten.

Dann allerdings gab es eine nahezu einmalige Initiative, die der Wartenburger Kirche den Beinamen „Pastorenkirche“ einbrachte: für ihren Bau in den Jahren 1870 bis 1871 spendeten einige tausend evangelische Pastoren im gesamten Deutschen Reich je 1 Taler. mini|links|Ostgiebel und Apsis der Kirche

Man begann mit dem Bau eines massiven rechteckigen Gebäudes im neugotischen Stil aus hellem Backstein mit einem abgetreppten Giebel und Apsis.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 118, Abb. 536 Ein 30 Meter hoher Turm mit spitzem Dach wurde angefügt. Ein Satteldach deckte das Kirchenschiff, in dessen Seitenfassaden vier Buntglasfenster eingelassen wurden. Das Geläut der am 28. September 1871 eingeweihten Kirche bestand aus zwei Glocken.

Im Jahre 1945 wurden die evangelischen Einwohner vertrieben oder mussten fliehen. Die bescheidene Ausstattung der Kirche wurde verwüstet und die Glocken ausgebaut. Im Jahre 1960 wurde die Kirche geschlossen, und sie begann langsam zu verfallen. Das Kirchengebäude wechselte in den Besitz des Staates und wurde an das Museum für Ermland und Masuren in Olsztyn übergeben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fanden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Im Jahre 2009 stellte dann die Stadt Barczewo den Antrag auf eine gebührenfreie Übernahme der Kirche für kulturelle Zwecke. Im Jahre 2013 wurde sie mit Mitteln eines Europäischen Regionalprogramms zur „Schatzkammer der Europäischen Kultur“ () mit Kunstgalerie und Konzertsaal. Die feierliche Einweihung fand am 10. November 2014 statt.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Die Entstehung einer evangelischen Gemeinde in Wartenburg nahm schon im 18. Jahrhundert ihren Anfang. Damals nahmen Katecheten vor Ort ihren Dienst auf, den sie noch bis in die Zeit nach der offiziellen Gemeindegründung im Jahre 1836 fortsetzten. Im gleichen Jahr begannen dann auch eigene Geistliche in Wartenburg ihren Dienst.

Gehörte Wartenburg 1823 noch zur Inspektion Heilsberg, so war sie dann bis 1945 dem Superintendenturbezirk Allenstein im Kirchenkreis Ermland innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugehörig.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 490

Pfarramtlich mit Wartenburg verbunden war die 1904 erbaute Kapelle in (Groß) Ramsau (polnisch Ramsowo).

Im Jahre 1925 gehörten 900 Gemeindeglieder zu dem über 50 Orte und Ortschaften verteilten Kirchspiel der Wartenburger Kirche. Das Patronat oblag den staatlichen Behörden. Ein besonderer Arbeitsbereich der Wartenburger Pfarrer war die Seelsorge in der städtischen Strafanstalt bei etwa 250 männlichen Insassen und einer gesonderten Anstaltskirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 509

Heute in Barczewo lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur Christus-Erlöser-Kirche Olsztyn, die in die Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen eingegliedert ist.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Wartenburg: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Alt Vierzighuben Stare Włóki Kirschlainen Kierzliny Neu Maraunen1928–1945 Maraunen Biedowo Alt Wartenburg Barczewko Klein Bartelsdorf Bartołty Małe Neurode Żarek Bärenbruch Niedźwiedź Klein Cronau Kronówko Odritten Odryty Daumen Tumiany Klein Damerau Dąbrówka Mała Ottendorf Radosty Debrong Dobrąg Klein Gillau Giławki Podlassen1938–1945 Klausenhof Podlazy Gillau Giławy Klein Lemkenhof Lamkówko Preylowen1938–1945 Preiwils Prejłowo Grabowo Grabowo Klein Ramsau Ramsówko Prohlen Próle Graskau Groszkowo Klein Wartenburg Barczewski Dwór Ruszajny Reuschhagen Groß Bartelsdorf Bartołty Wielkie Klutznick1938–1945 Klausen Klucznik Sapuhnen Sapuny Groß Cronau1929–1945 Cronaumit:Grünheide Kronowomit:Zielonka Kollacken1938–1945 Kallacken Kołaki Schippern Szypry Groß Lemkendorf Lamkowo Krämersdorf Kromerowo Schönau Szynowo Groß Leschno1938–1945 Leschnau Leszno Kroplainen Krupoliny Tengutten Tęguty Groß Maraunen Maruny Kutzborn Studzianek Tollack Tuławki Groß Ramsau1928–1945 Ramsau (mit eigener Kapelle) Ramsowo Lapkaabfindung Łapka Wallen Wały Hirschberg Jedzbark Lengainen Łęgajny Wartenburg, mit: Bark(h)eim,Gayhof,Grünheide,Kaminskiruh,Karolinenhof,Robertshofund: Terka Barczewo,mit:Bark,Gaj,Zielonka,Kamieńsko,Rejczuchy,Wrócikowo Jadden Gady Mokainen Mokiny Wessolowen1938–1945 Frohwalde Wesołowo Kaplitainen Kaplityny Nerwigk Nerwik Wieps Wipsowo

Pfarrer Es amtierten als evangelische Geistliche in Wartenburg:

Pfarrkirche Carl Friedrich Zimmermann, 1836–1854 Theodor August Keßler, 1855–1866 Otto Haß, 1866–1873 Johannes Richter, 1874–1887 Wilhelm Carl Hildebrandt, 1887–1904 Heinrich Otto W. Vossius, 1904–1908 Friedrich Wilhelm Konrad Klatt, 1909–1925 Georg Braunschmidt, 1926–1945

Anstaltskirche Ludwig von Siemienowski, 1852–1859 Wilhelm Fr. A. von Popowski, 1859–1862 Alexander Rud. Albert Gerß, 1862–1868 Theodor Heinrich Adolf Schulz, 1870–1874 Franz Szczybalski, 1875–1879 Gustav Friedrich Bercio, 1881–1887 Gustav Adolf Will, 1887–1894 Robert Paul Sczesny, 1895–1909 Gerhard Bartz, 1932–1934

Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen des Pfarramts Wartenburg blieben erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 114

Taufen: 1791–1797, 1802–1944. - Strafanstalt: 1852–1908 Trauungen: 1811–1944. - Strafanstalt: 1852–1858 Begräbnisse: 1796–1944.- Strafanstalt: 1853–1917, 1940–1944 Kommunikanten: 1883–1944

Literatur Urząd Miejski w Barczewie: Skarbiec Kultury Europejskiej/Kościół poewangelicki (polnisch/deutsch)

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Einzelnachweise

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