mini|hochkant=1.5|Ruth Gröne und der Holocaust-Überlebende Henry Korman vor der Gedenktafel für die ehemalige Neue Synagoge in Hannover, 2013

Ruth Gröne,o. V.: Gröne, Ruth in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Version vom 24. Juli 2014, zuletzt abgerufen am 29. August 2022 geborene Ruth Ester Julie Kleeberg (geboren am 5. Juli 1933 in Hannover)Vom Landrat des Landkreises Hannover am 6. März 1944 ausgestellter und mit dem Buchstaben J gekennzeichneter Personalausweis der Schülerin „Ruth Sara Kleeberg“, Kennort Hannover-Ronnenberg ist eine für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in der Erinnerungskultur mehrfach geehrte Zeitzeugin des Holocausts.Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne ( = Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, Sonderedition, Bd. 10), mit verschiedenen Kurzbiographien zu Persönlichkeiten aus dem Leben Grönes und der Beilage Stammbaum Familie Beck und Familie Kleeberg, hrsg. im Auftrag der Region Hannover, Zentrale Steuerung Gedenkstätte Ahlem, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 B und ISBN 3-86525-810-7, passim

Leben Familie mini|Mit dem „J“ für Jude gekennzeichneter Personalausweis der am 6. März 1944 in Ronnenberg untergebrachten Schülerin Ruth „Sara“ Kleeberg

Ruth Grönes Vater war der aus jüdischer Familie stammende Erich Kleeberg (geboren am 3. Mai 1902Ruths Vater Erich Kleeberg und seine Geschwister, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne ( = Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem, Sonderedition, Bd. 10), Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 B und ISBN 3-86525-810-7, S. 21–25 in Boffzen;Stammbaum Familie Beck und Familie Kleeberg, Beilage in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 B und ISBN 3-86525-810-7 deportiert zum Konzentrationslager Neuengamme und am 10. April 1945 im KZ-Auffanglager Sandbostel an Typhus verstorben.) Er war der Sohn von Hermann Kleeberg (geboren am 7. Mai 1873 in Boffzen;Die Großeltern Hermann und Frieda Kleeberg, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 B und ISBN 3-86525-810-7, S. 19–20 nach der Deportation im Dezember 1941 vermutlich ermordet im KZ Riga), dessen Stammbaum bisher bis zu Abraham Kleeberg (1799–1856) und dessen Ehefrau Rebecca Höllenstein nachgewiesen werden konnte. Ihre Mutter war die aus christlicher Familie stammende Maria BeckRuths Mutter – Maria Beck, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 B und ISBN 3-86525-810-7, S. 26 (Maria Berta Beck; geboren am 20. Januar 1901 in Kassel, gestorben 1978 in Hannover), Tochter des Hermann Beck (1873–Dezember 1942) und der Caroline Schulz (1876–?).

Ruth heiratete Ludwig Gröne (geboren 1927 in Lingen; gestorben 2016 in Hannover). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.

Kindheit im Nationalsozialismus Ruth Gröne kam 1933 im Israelitischen Krankenhaus in Hannover zur Welt.Ruths Kindheit in Hannover, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 30–34 Ihr Vater, der seit 1925 im Kaufhaus Lindemann gearbeitet hatteTrotz aller Widerstände, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 27–29 – die Warenhauskette hatte unterdessen mit der Karstadt AG fusioniertIm Zuge eines Wiedergutmachungsverfahrens stellte die Rechtsnachfolgerin der Lindemann & Co. GmbH, die Firma Theodor Althoff GmbH mit Sitz in der Georgstraße 41–47, für Erich Kleeberg posthum am 31. Juli 1947 ein positives Arbeitszeugnis aus; vergleiche die kommentierte Abbildung in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 30 – war kurz vor Ruths Geburt im Zuge der von den Nationalsozialisten geforderten Arisierungen aus rassistischen Gründen entlassen worden und konnte seine Familie zunächst nur durch Gelegenheitsarbeiten ernähren. Zeitweilig konnte noch Ruth Grönes Mutter als Gouvernante für die Kinder des Rechtsanwaltes Fränkel arbeiten (Georg Fraenkel am Wohnsitz Ferdinand-Wallbrecht-Straße 20).Adreßbuch der Stadt Hannover. Zugleich Adreßbuch, Stadt- und Geschäftshandbuch 133. Ausgabe unter Benutzung amtlicher städtischer Quellen, Teil 1: Einwohner und Firmen nach Namen geordnet, S. 123; Digitalisat der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek über den DFG-Viewer der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1936 zog die Familie von der Lavesstraße in die Yorkstraße 5; im selben Jahr bot die Reichsvertretung der Deutschen Juden Ruths Vater eine Stellung als Hausmeister mit Wohnsitz in der Wißmannstraße 11 an; ein Haus, das damals ausschließlich von Juden bewohnt wurde,Laudatio von Matthias Düsterhoff anlässlich der Verleihung der Ehrennadel der Region Hannover an Ruth Gröne (27. April 2014), in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 140–143 da es ebenso wie das Nachbarhaus Nummer 13 der jüdischen Alexander und Fanny Simonschen Stiftung gehörte.Davon abweichend wird die Heineman-Stiftung genannt; vergleiche Matthias Horndasch (Hrsg., Red., Bearb.), Ruth Gröne: Spuren meines Vaters. Das Zeitzeugnis der Ruth Gröne, geb. Kleeberg, Hannover: Region Hannover, 2006, ISBN 978-3-00-020565-1 und ISBN 3-00-020565-9, S. 7 Im Dezember 1936 bezog die dreiköpfige Familie Kleeberg dort eine Zweizimmerwohnung; das „Hausmeister-Ehepaar“ wurde für beide Häuser zuständig und verfügte nun wieder über ein festes Einkommen. Als Kleinkind erlebte Ruth Gröne diese Zeit vergleichsweise unbeschwertAnsprache von Ruth Gröne anlässlich der Stolperstein-Verlegung für ihre Mutter Maria Kleeberg vor dem Haus Wißmannstraße 11 (26. September 2018), in: Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 150–151 und nahm die in der Stadt zunehmenden Verfolgungen und Entrechtungen von JudenPeter Schulze: Juden, in: Stadtlexikon Hannover, S. 326–328; hier v. a. S. 327 zunächst nicht wahr. Sie genoss eine von zwei Religionen geprägte Erziehung durch die vom Christentum geprägte Mutter, die unterdessen zum Judentum konvertiert war, ebenso wie die Besuche mit ihrem jüdischen Vater in der Neuen Synagoge in der Bergstraße, dem sogenannten „Tempel“.

Erst am Nachmittag nach der sogenannten „Reichskristallnacht“ in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kamen uniformierte Männer in schwarzen Stiefelschäften; trotz geöffneter Wohnungstüren hob im ganzen Haus ein Klirren, Schreien und Weinen an.Die Pogromnacht, in Stefanie Burmeister (Hrsg.), Marlis Buchholz (Red.), Anja Schade (Text): Sachor! - Erinnere Dich! Aus dem Leben der jüdischen Hannoveranerin Ruth Gröne, Hannover: Wehrhahn Verlag, 2021, ISBN 978-3-86525-810-6 und ISBN 3-86525-810-7, S. 38–40 Das Ehepaar Kleeberg, das seit 1935 nach den Nürnberger Rassegesetzen in einer sogenannten „nichtprivilegierten Mischehe“ lebte,Unwörter, in Matthias Horndasch (Hrsg., Red., Bearb.), Ruth Gröne: Spuren meines Vaters. Das Zeitzeugnis der Ruth Gröne, geb. Kleeberg, Hannover: Region Hannover, 2006, ISBN 978-3-00-020565-1 und ISBN 3-00-020565-9, S. 11–13 hatte vorsorglich Gütertrennung vereinbart. Das gesamte Wohnungsinventar gehörte demnach Ruths Mutter, die amtliche Bescheinigung darüber war auf dem Küchentisch bereitgelegt. Zwar blieb die Kleebergsche Wohnung deshalb von der Zerstörungswut verschont, dennoch nahmen die Nazis den Fotoapparat, den mütterlichen Schmuck und das Radio mit.

Dem Schock dieser Übergriffe folgten die plötzlich einsetzenden Beschimpfungen und Zurückweisungen der ehemaligen Spielgefährten: Ihrem Vater konnte die fünfjährige Ruth Gröne anstelle der zerstörten Synagoge nur noch in die gegenüberliegenden Räume der Alten Synagoge in der Bergstraße 8 folgen. Die Verwandten in Boffzen an der Weser waren unterdessen enteignet, im Gefängnis in Holzminden inhaftiert und von dort aus in das KZ Buchenwald deportiert worden. Nach langen Verhandlungen durften Ruth Grönes Großeltern mit Sondergenehmigung der Gestapo mit in die von den drei Kleebergs bewohnte Zweizimmerwohnung in der Wißmannstraße einziehen.Matthias Horndasch (Hrsg., Red., Bearb.), Ruth Gröne: Spuren meines Vaters. Das Zeitzeugnis der Ruth Gröne, geb. Kleeberg, Hannover: Region Hannover, 2006, ISBN 978-3-00-020565-1 und ISBN 3-00-020565-9, S. 16–29

Ruth Grönes Einschulung 1940 durfte nicht mehr in der von den Eltern ursprünglich vorgesehenen christlichen Schule stattfinden. Obwohl ihre Eltern sie noch im November desselben Jahres evangelisch-lutherisch taufen ließen und damit gleichzeitig auf einen besseren Status einer „privilegierten Mischehe“ hofften, durfte Ruth Gröne schließlich nur noch auf die jüdische Schule in der Lützowstraße 3.Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover (Hrsg.), Theodor Unger (Red.): Hannover. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Festschrift zur fünften Generalversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Klindworth, Hannover 1882; als Nachdruck: Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86741-493-7, S. 16; Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden bald Lebensmittelkarten ausgegeben. Diejenigen für Ruths Familie waren mit dem Buchstaben „J“ gekennzeichnet, mit denen nur noch in einem für Juden bestimmten Geschäft eingekauft werden durfte. Im August 1941 wurde die nun fünfköpfige Familie zum sofortigen Umzug mit begrenztem Gepäck und nur einem Teil ihrer Möbel in ein Haus in der Sedanstraße gezwungen.

mini|links|Das 1990 errichtete Mahnmal zur Erinnerung an jüdisches Leben in der Ohestraße

Nach weiteren vier Wochen mussten die Kleefelds innerhalb von 24 Stunden in das für Juden vorgesehene Lager in der Ohestraße, alle fünf zusammengepfercht in einen nur 16 Quadratmeter großen Raum, in den auch noch das später in Riga getötete Ehepaar Bein eingewiesen wurde. Allerdings durfte Ruths Mutter, die als „Arierin“ galt, sich nur tagsüber und auch nur besuchsweise im Ohelager aufhalten, worüber ein dafür eingesetzter jüdischer Ordnungsdienst zu wachen hatte. Ruths daher nun eigentlich obdachlose Mutter versteckte sich deshalb aus Angst um ihre Familie Nacht für Nacht zusammengequetscht zwischen einer Wand und einer als Bettstelle genutzten Chaiselongue. Da der Ordnungsdienst jeden Abend durchzählte, brach bei Ruth aufgrund der ständigen Anspannung irgendwann ein kaum enden wollender Schreikrampf aus.

mini|Herschelstraße 31; zum ehemaligen „Judenhaus“ wurde 2024 eine Gedenktafel am Gebäude angebracht