Peter Ingemann (* 6. November 1943 in Gävle, Schweden) ist ein dänischer Bassist und Sänger, Songschreiber, Drehbuchautor, Film- und Musikproduzent sowie gelegentlich auch Schauspieler. Ingemann gilt als einer der einflussreichsten und wohlhabendsten Rockmusiker in Dänemark. mini|hochkant|Peter Ingemann auf dem Skanderborg-Festival 2007

Leben Musikalische Karriere Peter Ingemann spielte in den späten 1960er Jahren, während er eine Ausbildung zum Buchprüfer machte, anfänglich u. a. als Gast im Contemporary Jazz QuintetThe Contemporary Jazz Quintet (anfänglich ein Quartett) ist der Name der ersten Avantgarde-Jazzgruppe in Dänemark. Es wurde am Beginn der 1960er Jahre von dem Altsaxofonisten Franz Beckerlee und dem Trompeter Hugh Steinmetz gegründet und war inspiriert durch Ornette Colemans Quartet. mit Hugh Steinmetz,Hugh Steinmetz (* 1943) ist ein dänischer Trompeter und Komponist des Modern Jazz., Trompete, Niels HarritNiels Harrit (* 1945) ist ein dänischer Musiker und Chemiker. Tenorsaxophon und Säge, und Franz Beckerlee. Im Frühjahr 1967 wurde Ingemann als Bassist Mitglied bei der kurzlebigen ambitiösen Gruppe Peter Belli & Seven SoundsPeter Belli (* 1943 als Georg Peter in Kiel) ist ein dänischer Sänger und Schauspieler. Peter Belli & Seven Sounds war eine von Peter Bellis weniger bekannten 1960er Jahre-Bands. Bei ihr spielte eine eindrucksvolle Reihe dänischer Musiker, darunter der Jazz-Trompeter Hugh Steinmetz, Peter Ingemann und Wili Jønsson.Wili Jønsson (* 1942) ist ein dänischer Bassist, Keyboardspieler und Chorsänger, der besonders für seine Zeit bei Gasolin’ bekannt ist. Gasolin' war eine dänische Rockband aus Christianshavn in Kopenhagen, die 1969 von Kim Larsen, Franz Beckerlee und Wili Jønsson gegründet wurde.Gasolin' in: Discogs (englisch). mit Wili Jønsson an der Orgel. Weitere Mitglieder waren der Schlagzeuger John Wood (bald ersetzt durch Bjørn Uglebjerg) sowie der Saxofonist Peter Mandorf. Nach der Auflösung von Seven Sounds im April desselben Jahres gründete Peter Ingemann zusammen mit Ole Poulsen,Ole Poulsen ist ein dänischer Gitarrist. Er war von 1971 bis 1974 Mitglied der Rockband Alrune Rod und ersetzte danach Peer Frost in der Band Gnags, mit der er 1976 und 1977 spielte. Gitarre, und Bjørn Uglebjerg (1948–1994), Schlagzeug, die Gruppe U.F.O. Mit dabei waren Henrik Carlsen,Henrik Carlsen (* 1959) ist ein dänischer Pianist, Komponist, Sänger und Kapellmeister. Gitarre, und Ole „Frø“ Frederiksen,Ole „Frø“ Alstrup Frederiksen (1945–2006), Künstlername Ole „Frø“, war ein dänischer Musiker und Keyboardspieler. Keyboard. U.F.O. war Dänemarks erste Psychedelic-Rock-Band. Sie existierte nur einige Monate. Aufmerksamkeit erregte Ingemann in Dänemark mit dem psychedelisch angehauchten Power-Trio Young Flowers,Torben Bille: Dansk Rockleksikon 1956–2002. S. 553–554 (dänisch). das er 1967 zusammen mit Peer Frost und Jens Dahl, der schon bald durch Ken Gudman ersetzt wurde, gründete. In dieser Band blieb Ingemann bis zu deren Auflösung im Frühjahr 1970. Über die Entstehung seiner Liedtexte sagt Ingemann:

Ingemanns Lieder sind seinem Publikum so gut bekannt, dass sie bei ihm wie altbekannte Zitate wirken, sind aber auch insgesamt nur Fragmente eines umfangreichen Werks, das Spuren in der dänischen Musikkultur hinterlassen hat, weil sie von vielen Musikern zusammen mit Peter Ingemann in den verschiedensten Gruppen immer wieder gespielt worden sind. Immerhin umfasst seine Diskografie 148 Titel, was schon für sich eine herausragende Leistung ist. Er hat aber nie ein Soloalbum veröffentlicht, was er folgendermaßen begründet: „Ich gehe nicht so sehr in mir selbst auf, und der [Soloalbum-]Staffellauf ist nicht so meins.“ Für Ingemann gehören seine musikalische Entwicklung und seine politische Bewusstseinsbildung untrennbar zusammen.

Während eines Arbeitsprojekts von Young Flowers mit dem Jomfru Ane Teatret (Jungfrau-Ane-Theater) in ÅlborgJomfru Ane Teatret wurde 1967 von einer Gruppe junger Intellektueller zusammen mit Schauspielern vom Ålborg-Theater gegründet. Die Existenz des Theaters war viele Jahre immer wieder in Gefahr, u. a. wegen eines angespannten Verhältnisses mit den örtlichen Autoritäten und einem sehr ambitionierten Programm. traf Ingemann 1969 den Schauspieler und Sänger Niels Skousen (* 1944 in Köln). Mit ihm formte er 1970 in Kopenhagen die Gruppe Skousen & Ingemann. Diese neue Band bestand aus Stig Møller (* 1942), Gitarre und Gesang, Claus Clement Pedersen alias Tømrerclaus (dt. etwa „Claus der Zimmermann“; * 1945), Gitarre, Tenorsaxofon und Flöte, und mit Bjørn Uglebjerg, Schlagzeug. Skousen & Ingemann waren inspiriert durch alte dänische Volksweisen sowie von der in Dänemark legendären Band Steppeulvene (Die Steppenwölfe, nach Hermann Hesses Roman Der Steppenwolf).Steppeulvene war eine dänische Rockband aus den späten 1960er Jahren. Kurz nach der Veröffentlichung ihrer einzigen LP Hip reiste der Sänger, Lyriker und Frontmann der Gruppe, Eik Skaløe (1943–1968), nach Indien, tauchte dort unter und wurde später, verhungert und mit einer Selbstmord-Notiz an sich geheftet, gefunden. Sein Tod, die Kurzlebigkeit der Band und ein sehr beeindruckendes Album machten Steppeulvene zu einer der wenigen Rocklegenden Dänemarks. Die dänische Organisation für Musik-Kritik hat ihre Auszeichnung „Steppeulven“ nach der Band benannt. Steppeulvene sind der Beatnik- oder Hippiebewegung zuzurechnen und Stig Møller hatte in den Jahren vor 1970 bei ihnen gespielt. Skousen & Ingemann veröffentlichten 4 LPs: Herfra hvor vi står (1971; Von hier aus, wo wir stehen)Text und Musik des Titelsongs von Niels Skousen. – eines der markantesten und meistgespielten Lieder aus der Zeit der Studentenbewegung –, Musikpatruljen (1972; Musikpatrouille), Lykkehjulet (1976; Glücksrad) und Forbryderalbum (1978; Verbrecheralbum).

Peter Ingemann verfolgte in den 1970er Jahren zeitgleich mehrere Musikprojekte. Es war auch ein Versuch, eine neue Band-Kultur zu etablieren, eine Art Dauer-Workshop, an dem Musiker – ohne feste Bindung an eine Gruppe – immer wieder wechseln. So erklärt sich auch sein zu Skousen & Ingemann gleichzeitiges Band-Projekt No Name, eine der ersten dänisch singenden Bands, dem er in den Jahren 1969–1973 angehörte. „Ich kam aus dem Skousen-&-Ingemann-Projekt und das, was wir machten, war ja, eine ganz andere Art, eine Band zu begreifen. Ein wenig so wie das, was die Band The William Blakes mit Kristian LethKristian Leth (* 1980) ist ein dänischer Musiker, Schauspieler und Schriftsteller und Leadsänger der Gruppe The William Blakes. und den „Nordsø Tvillingerne“ [Nordsø-Zwillingen Frederik und Fridolin Nordsø] heute macht – wir machten damit den Anfang, das war ein fortwährender Workshop, wo die Leute ein und aus gingen mit dem, was sie dabei hatten [an Ideen, Instrumenten und musikalischem Material].“ 1972 formte Peter Ingemann Skousen & Ingemann zur Gruppe Musikpatruljen um, in der Claus Clement Pedersen Stig Møller ersetzte. Im Frühjahr 1972 ergänzte er die Band um den Saxofonisten und Flötisten Knud Bjørnø. Musikpatruljen existierte nur bis 1973. Die Gruppe spielte Rockmusik, Folk und politische Lieder, für die er die Texte schrieb, und veröffentlichte ihr einziges Album, ebenfalls mit dem Titel Musikpatruljen, bereits im Gründungsjahr.

mini|Peter Ingemann in Århus, 2018 Zusammen mit Henrik Strube (* 1949) spielte Ingemann mit No Name die LP Herfra Hvor Vi Står – Fødelandssange (Von hier, wo wir stehen – Heimatlandlieder) ein, bis er 1973 Mitglied von Røde Mor wurde. Mit dieser Kollektiv-Rockband veröffentlichte er 7 LPs. Er arbeitete auch an den Solo-Alben von Troels Trier, dem Frontmann von Røde Mor, in den Jahren nach 1978 mit.

1973 gründete er unter dem Einfluss der damals neuen Jazz/Rock-FusionmusikDie Geburtsstunde von Jazz/Rock-Fusion war 1972 die Veröffentlichung der LP On the Corner von Miles Davis. Zur Entstehung von „Jazzrock“ schreibt Adrian Kreye: Alle hassen dich? Dann ist gut – Wie Miles Davis mit dem Album On the Corner die Fans, die Plattenfirma und die Radiostationen frustrierte – und so den Jazzrock erfand. In: „Süddeutsche Zeitung“, 3. Februar 2022, S. 3. die Gruppe Drops. Ursprüngliche Mitglieder waren, neben ihm selbst am Bass, Peter Strømberg, der schon bei No Name dabei war, Altsaxophon, und Jesper Thorup, Schlagzeug. Ab ihrer Premiere im April 1973 ergänzten die Band Henrik Langkilde (* 1949), Keyboard, Jesper Nehammer, Tenorsaxophon, und Poul Freiber, Gitarre. Im Dezember 1975 spielten Drops eine LP mit dem Titel ihres Gruppennamens ein. Die Gruppe wurde 1977 aufgelöst.

Ingemann wirkte 1976 bei Henrik Strubes Album Ven og Fjender (Freund und Feinde) mit. Während seiner Zeit bei Røde Mor spielte Ingemann nebenbei mit Copenhagen Jazz, u. a. mit dem Pianisten Ole Matthiesen.Ole Matthiessen (* 1946) ist ein dänischer Jazzpianist, Musik-Produzent, Komponist, Orchesterleiter, Musiklehrer, Radiomoderator, Journalist und Schriftsteller. Nach der Auflösung von Røde Mor 1978 war er ein Jahr später kurzzeitig bei Troels Triers Trio Triers Triste Trio (Triers Trauriges Trio) dabei, einer Gruppe, deren Stil als „dekadente Cabaretmusik“Jens Jørn Gjedsted: Rock in Dänemark. bezeichnet wurde. Danach spielte er mit Erik GripErik Grip (* 1947), dänischer Sänger und Songschreiber in der Folk-Szene. zusammen. Ingemann war musikalisch bei Kim LarsensKim Larsen (1945–2018) war ein in Dänemark, Schweden und Norwegen bekannter Musiker, der sowohl als Frontsänger der Band Gasolin’ als auch solistisch in Dänemark große Erfolge errang. Er hatte mit seinen teilweise sehr gesellschaftskritischen Texten einen sichtbaren Einfluss auf das öffentliche Leben in Dänemark. Larsen gilt in Dänemark als einer der bisher größten dänischen Popmusiker. Lied Midt i Natten (Mitten in der Nacht) aus dem gleichnamigen Film (deutscher Titel Kopenhagen – Mitten in der Nacht) dabei und später Keyboardspieler in Larsens Gruppe Bellami (1984–1992). Mitglieder waren neben Kim Larsen, Gitarre und Gesang, unter anderem Hans Fagt,Hans Fagt ist ein dänischer Schlagzeuger, der u. a. mit Kim Larsen & Bellami und der Small Town Bluesband gespielt hat. Schlagzeug, Henning Pold Christensen (* 1951), Bass, Mikkel Håkonsson (* 1967), Keyboard, Peter Ingemann, Keyboard, Thomas Grue (1952–2010), Gitarre und Per Rasmussen, Gitarre. Die Band gab 1986 die LP Forklædt som voksen (Verkleidet als Erwachsener) heraus, die das meistverkaufte dänische Album ist.

Zusammen mit der Gruppe Bellami, Kim Larsen, Erik Clausen, Leif Sylvester und vielen anderen war Ingemann 1985 mit der herumreisenden Show Cirkus Himmelblå (Zirkus Himmelblau) unterwegs – aus dem unter anderem der Himmelblau-Fonds hervorgegangen ist, der Künstler aus dem politisch linken Lager unterstützt und dessen Mitverwalter Ingemann ist. Darüber hinaus wirkte Ingemann in der Larsen-Show Kielgasten (Der Gast aus Kiel) mit, die Ende des Jahres 1989 im Privat Teatret (Privat-Theater) in Kopenhagen Premiere hatte.

Live konnte man Ingemann in den 1980er Jahren nur gelegentlich erleben; in den 1990ern trat er ab und zu mit Niels Skousen auf, aber öfter mit dem Trio Dream CityDream City war eine Rockgruppe, die psychedelische Musik machte, die Ideen von Young Flowers weiterführte und deren Repertoire vermischt mit Cream- und Jimi-Hendrix-Nummern spielte. in der Besetzung mit Claus Clement Pedersen, Søren Berlev (* 1950), das die „Young Flowers der 90er“ genannt wurde. Die Gruppe spielte drei CDs ein, darunter Do the Blues, eine Blues-Rock-Platte von 1993 und Syre (Säure), eine knisternde Live-Aufnahme mit klassischem Psychedelic-Rock. Dream City spielte u. a. beim Gedenkkonzert für Dan Turèll im Konzertsaal des Tivoli in Kopenhagen im Januar 1994 und beim 25-jährigen Jubiläum von Christiania im September 1996.