Ein Scoring-System, kurz auch Score genannt, dient in der Medizin der Klassifizierung von Krankheitsbildern oder Verletzungsmustern sowie der Erstellung von Diagnosen und der Möglichkeit, verschiedene Patientenzustände in einheitlicher Nomenklatur beschreiben zu können. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die statistische Erfassung. Aus manchen Scoring-Systemen lassen sich mittelbar auch Behandlungsstrategien und Prognosen ableiten.
Den Scoring-Systemen ist gemeinsam, dass sie definierte Punktwerte (englisch Scores) zuordnen und über ein Berechnungsverfahren das Ergebnis auf eine feste Skala abbilden.
Scoring-Systeme zur objektiven Beurteilung von Notfallpatienten zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung und unter Berücksichtigung zeitlicher Änderungen nach der Verlaufsuntersuchung werden, insbesondere auch bei Schwerverletzten als Trauma-Scores bezeichnet. Diese können unterteilt werden in anatomische Scores (bezogen auf die Lokalisation von Körperverletzungen) und physiologische Scores (bezogen auf den Schweregrad von Verletzungen).Walied Abdulla: Interdisziplinäre Intensivmedizin. Urban & Fischer, München u. a. 1999, ISBN 3-437-41410-0, S. 466–469.
Im Gegensatz dazu stehen Systeme, die ohne scharfe Punktezuordnung eher beschreibend wirken, wie die Sichtungskategorien in der Katastrophen- und Notfallmedizin.
Kriterien zur Auswahl eines Trauma-Scores ergeben sich aus den Anwendungsmöglichkeiten: Bestimmung der Schwere eines Traumas oder einer Erkrankung und damit der Überlebenschance und Prognose Hilfe bei rascher Selektion und Triage bei mehreren Verletzten oder einem Großschadensereignis Hilfe bei therapeutischen Entscheidungen im Einzelfall Durchführung klinischer Vergleichsstudien und Kosten/Nutzen-Analysen bezüglich der Therapieeffizienz.Walied Abdulla (1999), S. 469.
Verschiedene medizinische Scoring-Systeme:
Abbreviated Injury Scale (AIS): System zur Beschreibung der Letalität von Einzelverletzungen
Acute Physiology And Chronic Health Evaluation (APACHE): System dient zur Prognose der Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten einer Intensivstation
Apgar-Score: Med. Verfahren zur Bewertung von Neugeborenen und Säuglingen
Bishop-Score: System zur Beurteilung der Geburtsreife des Muttermundes
Burch-Wartofsky-Score: System zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit einer thyreotoxischen Krise
Child-Pugh-Score: System zur Klassifikation der Leberzirrhose
Cincinnati Prehospital Stroke Scale: Skala zur prähospitalen Identifikation eines Schlaganfalls
CURB-65 bzw. CRB-65: System zur Risikostratifizierung einer Lungenentzündung
DemTect: Med. Verfahren zum Screening auf Vorliegen einer Demenz
Duke-Score: Med. Verfahren zur ergometrischen Diagnostik der koronaren Herzkrankheit (KHK)
Fischer-Score: Med. Verfahren zur Auswertung der Herztonwehenschreibung (Kardiotokografie) bei Schwangeren
Functional Capacity Index (FCI): Index zur Beschreibung der Langzeitfolgen von Einzelverletzungen
Glasgow Coma Scale (GCS): Abschätzung der Schwere einer Bewusstseinsstörung
Kardialer Risikoindex nach L. Goldman:Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg/New York u. a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 146–148. Index für das chirurgische Risiko postoperativer kardiovaskulärer Komplikationen von Herzkranken
Hasford-Score: Med. Verfahren zur Beurteilung der Risikogruppe bei Leukämie
HAS-BLED-Score: Med. Verfahren zur Abschätzung des Risikos einer Hirnblutung unter Antikoagulation
Injury Severity Score (ISS): anatomisch orientiertes System zur Traumaklassifikation
Innsbrucker Koma Skala (IKS): System zur Traumabewertung nach physiologischen Gesichtspunkten, zieht andere Scoring-Systeme (GCS, RTS) zur Berechnung heran und bezieht sie auf Blutdruck- und Atemfrequenzwerte
Lipton-Score: System zur Einteilung bei Histiozytose-X-Patienten
Mainz Emergency Evaluation Score (MEES), ein physiologisches, dem RAPS ähnliches, Score-System Mannheimer Risikocheckliste, System zur Einschätzung des NarkoserisikosHarald Genzwürker, Jochen Hinkebein: Fallbuch Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Georg Thieme, Stuttgart/New York 2005, ISBN 3-13-139311-4, S. 302 f. Mini-Mental-Status (nach M.F. Folstein): Screening-Verfahren für kognitive Defizite
NACA-Score: Schema zur statistischen Erfassung von Luftfahrtunfällen, mittlerweile auch bei anderen Unfällen und Erkrankungen eingesetzt
PESI: System zur Risikoratifizierung der Mortalität bei nicht massiver Lungenembolie
Psoriasis Area and Severity Index (PASI) Pediatric Glasgow Coma Scale (PGCS): Skala zur Beurteilung von Bewusstseinsstörungen bei Kindern. PHASES-Score: Abschätzung der Rupturwahrscheinlichkeit eines intrakraniellen Aneursmas
Rapid Acute Physiology Score (RAPS): im Rettungswesen und bei der Triage eingesetzter Score (1987 von Kenneth J. Rhee publiziert).Walied Abdulla: Interdisziplinäre Intensivmedizin. 1999, S. 468.
Revised Trauma Score (RTS), aus dem Trauma Score (TS) 1989 abgeleitetes physiologisches Scoring-System RLS Severity Scale: Skala zur Schwereeinschätzung des Restless-Legs-Syndroms
Scoring Atopic Dermatitis (SCORAD) Simplified Acute Physiology Score (SAPS bzw. SAPSII): zur Einschätzung der Erkrankungsschwere von Intensivpatienten sowie die Berechnung des Letalitätsrisikos
Therapeutic Intervention Scoring System (TISS): therapieorientiertes Scoring-System auf Intensivstationen Trauma Score (TS), physiologisch orientierter, 1981 in den USA von H. R. Champion und Mitarbeitern publizierter Trauma-ScoreWalied Abdulla (1999), S. 467 f. Wells-Score: System zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Lungenembolie oder einer tiefen Venenthrombose
Die bekanntesten Scoring-Systeme auf deutschen Intensivstationen sind:(in alphabetischer Reihenfolge) Rheinische Post vom 9. Juli 2010, Seite A7 / Dr. Klaus Dominick Acute Physiology And Chronic Health Evaluation (APACHE) RASS-Score SAPSII Therapeutic Intervention Scoring System (TISS)
Weblinks transplantation-information.de: Was sind eigentlich Score-Systeme?
Einzelnachweise
Kategorie:Diagnostisches Verfahren in der Notfallmedizin