mini|alt=Helen Britton im Halbprofil vor der Galerie Raumwerk in München|Helen Britton (2022)

Helen Britton (* 3. Mai 1966 in Lithgow) ist eine australische Künstlerin, die interdisziplinär arbeitet. Sie ist vor allem für ihre Schmuckkunst bekannt. Daneben zeichnet und malt sie und ist als Installationskünstlerin und als Bildhauerin tätig. Sie lebt und arbeitet in München.

Leben und Werk Britton studierte ab 1984 Malerei und Zeichnung, Grafik, Keramik und Kulturtheorie an der University of Newcastle und später am Sydney College of the Arts. Ab 1990 studierte sie an der Edith Cowan University und ab 1995 an der Curtin University in West-Australien. Während des Studiums absolvierte sie Auslandssemester an der Akademie der bildenden Künste in München, am Sandberg Instituut in Amsterdam und an der San Diego State University. 1999 schloss sie das Studium mit einem Master ab. Anschließend studierte sie an der Kunstakademie in München bei Otto Künzli. Dieses Studium schloss sie 2005 ab.Broschüre zur Ausstellung „Ein Tag am Strand“ der Handwerkskammer für München und Oberbayern, 2011

Nach eigener Aussage entdeckte Britton, die als junge Frau bereits an größeren Installationen, Gemälden und Filmen arbeitete, mit 25 Jahren die Schmuckkunst. Zuvor hatte sie in ihrer künstlerischen Praxis und beim Herumschrauben an Motorrädern und Autos Erfahrungen in der Metallverarbeitung gemacht. Sie hat keine Ausbildung als Juwelierin, sondern eignete sich die benötigten Handwerkstechniken als Autodidaktin an.

2002 gründete sie zusammen mit David Bielander und Yutaka Minegishi eine Werkstatt in München.

Britton erarbeitete sich vor allem mit Schmuckobjekten internationale Anerkennung als zeitgenössische Künstlerin. Sie selbst legt Wert auf die Tatsache, dass sie in vielen Bereichen künstlerisch tätig ist. In ihrer Schmuckkunst arbeitet sie bevorzugt mit Metallen sowie bereits vorhandenen Objekten und Materialien, die sie auf spielerische Art und Weise in Bezug zueinander setzt. Dabei dokumentiert sie ihre Recherchen fotografisch und sieht die Fotografie als Grundstock und Teil ihres Werks. Typisch für Britton ist ihr breit gefächertes Interesse z. B. an Geschichte, Materialien, Kultur. Sie sammelt gern und bezieht ihre Inspiration zum Teil aus ihrem umfangreichen Archiv, das u. a. aus deutschem und tschechischem Glasschmuck, Kostümen, Fotos und Zeichnungen besteht.

2013 stellte sie auf Einladung der Neuen Sammlung eine Retrospektive ihrer Arbeiten im Neuen Museum Nürnberg aus.

2019 bekam Britton eine außerordentliche Professur an der RMIT University in Melbourne. Im Herbst 2020 war sie Jurorin der Sonderschau „Schmuck“ der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

2025 bestritt Britton die zehnte Ausgabe der Reihe Living Treasures: Masters of Australian Craft, einer Initiative des Australian Design Centre. In der dazugehörigen Ausstellung The Story So Far beschäftigte sie sich mit der frühen Inspiration durch ihre Patentante. Die Tante brachte Helen Britton u. a. bei, Collagen herzustellen, Porzellan zu bemalen und Schmuck zu gestalten. Ausgehend von einem Foto-Essay thematisierte Britton die Welt der Frauen auf dem Land sowie Australiens koloniale Vergangenheit. Sie arbeitete dabei mit Malerei, Installationskunst, Zeichnungen, Objekten und Schmuck.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1997: Savage Princess Comes to Town, Crawford Gallery, Sydney 1998: Works in Progress, San Diego State University 1999: Toxic Clouds and Cyberflowers, John Curtin Gallery, Curtin University of Technology, Perth 2001: Two Shinning Stars form the Southern Hemisphere, OONA-Galerie für Schmuck, Berlin 2002: Pink, Galerie Louise Smit, Amsterdam 2004: Crisscrossing, Galerie Hélène Porée, Paris 2005: Second Nature, Galerie Louise Smit, Amsterdam 2006: Urban Paradise Playground, Auckland War Memorial Museum, Neuseeland 2007: Jewellery Machine, Galerie Beatrice Lang, Bern 2008: Chaos and Clean Shapes, Galerie Klimt 02, Barcelona 2008: Exempla, Internationale Handwerksmesse, München 2009: Somewhere Else Completely, Bayerischer Kunstgewerbeverein München 2010: Landscapes, Galerie Marianne Heller, Heidelberg 2013: Helen Britton. The Things I See, Neues Museum, Nürnberg (auf Einladung der Neuen Sammlung) 2017: Interstices, Lawrence Wilson Art Gallery/University of Western Australia, Perth, Australien 2021: Helen Britton – The Dark Garden, Galleria Antonella Villanova, Foiano della Chiana 2023: Stories from Elsewhere, Bibliothek des Pratt Institute 2025: Helen Britton: The Story So Far / Living Treasures: Masters of Australian Craft, Australian Design Centre, Darlinghurst/Sydney

Gruppenausstellungen 2003: Silk purse from a sow’s ears – us Schyssdrägg Angge mache, zusammen mit David Bielander, Galerie Biró, München 2014: Gifts from America: 1948–2013. Modern and contemporary applied arts from the Hermitage Museum Foundation (USA), Eremitage, St. Petersburg 2018: Corpo movimento struttura, zusammen mit Giampaolo Babetto, David Bielander, Monica Cecchi, Peter Chang und Philip Sajet, MAXXI, Rom 2018: Sentimental Journey, zusammen mit Felix Lindner, Galerie Waidspeicher, Erfurt

2020: Refracted Reality, Perth Institute of Contemporary Arts 2025/2026: Von Louise Bourgeois bis Yoko Ono. Schmuck von Künstlerinnen. MAKK, Köln

Werke in Museen (Auswahl) Powerhouse Museum, Sydney, Abb. Metropolitan Museum of Art, New York, Abb. Curtin University of Technology, Perth Art Gallery of Western Australia, Perth Queensland Art Gallery, Brisbane, Abb. Die Neue Sammlung, Staatliches Museum für Angewandte Kunst, München, Abb. Pinakothek der Moderne, München Stedelijk Museum, Amsterdam, Abb. Schmuckmuseum, Pforzheim Auckland War Memorial Museum, Auckland, Neuseeland National Gallery of Victoria, Australien, Abb. Victoria and Albert Museum, London, Abb.

Veröffentlichungen (Auswahl) Helen Britton: Jewellery Life. Eigenverlag, München 2010, ISBN 978-90-815391-2-8. Urban Jewellery Event. In: Deganit Stern Schocken: How Many Is One: Jewellery/Objects/Installations, Arnoldsche 2021, ISBN 978-3-89790-607-5

Literatur Marco Bazzini, Domitilla Dardi (Hrsg.): Helen Britton – The Dark Garden. Giampaolo Prearo Editore, Mailand 2021, ISBN 978-88-7348-150-8 Helen Britton, Lisa Cahill, Robert Cook, Julie Ewington, Barbara Paris Gifford, Toni Greenbaum, Katie Scott, Ted Snell: The Story So Far. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-89790-743-0 Petra Hesse, Lena Hoppe (Museum für Angewandte Kunst Köln): Von Louise Bourgeois bis Yoko Ono. Schmuck von Künstlerinnen. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2025, ISBN 978-3-89790-750-8 Auszeichnungen (Auswahl) 2005: Herbert-Hofmann-Preis 2006: Bayerischer Staatspreis München 2007: Erfurter Stadtgoldschmiedin 2009: Stipendium der Prinzregent-Luitpold-Stiftung 2013: Förderpreis für Schmuck der Landeshauptstadt München 2022: Artiste en résidence an der École nationale supérieure d'art de Limoges

Film Hunter from Elsewhere – A Journey With Helen Britton. Dokumentarfilm, Deutschland, 2021, 97 Min., Regie: Elena Alvarez Lutz

Weblinks

Vorlesung von Helen Britton an der RMIT University Website von Helen Britton Youtube-Video des Münchner Stadtmuseums: Helen Britton über Schmuckkunst von Karl Rothmüller (Teil 1), Besuch in ihrer Werkstatt (Teil 2)

Einzelnachweise

Kategorie:Bildender Künstler (Deutschland) Kategorie:Australier Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Frau