mini|Die St. Katharinenkirche zu Bünsdorf mini|Die Kirche von Nordosten mit der Apsis (links) Die evangelisch-lutherische St.-Katharinen-Kirche zu Bünsdorf wurde Mitte des 13. Jahrhunderts auf einer kleinen Anhöhe im Dorf erbaut. Sie gehört zum Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Ihr Kirchspiel umfasst die Orte Bistensee, Borgstedt, Bünsdorf, Neu Duvenstedt, Groß Wittensee, Holzbunge und Klein Wittensee.
Baugeschichte hochkant|mini|Zeichnung der Bünsdorfer Kirche mit der Westwand von 1862 Die Bünsdorfer Kirche ist ein Feldsteinsaalbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit eingezogener, gewölbter Halbrundapsis.Dehio, Bünsdorf (wie unter Literatur), S. 216. Als sich im Zweiten Nordischen Krieg polnische Soldaten in Bünsdorf einquartierten, verursachten sie 1659 ein Feuer, bei dem die Kirche bis auf die Grundmauern niederbrannte. Dabei gingen auch alle alten Unterlagen mit Ausnahme eines 1621 beginnenden Kirchenrechnungsbuches verloren. Der Wiederaufbau der Kirche wurde rasch in Angriff genommen, wie die Inschrift auf einem Deckenbalken bezeugt: „Gela si [Gelobet sei] Got in der Ho [Höhe] Jorgen Kul 1660“. Dennoch waren die Mauern der Bünsdorfer Kirche 1722 in so desolatem Zustand, dass Einsturzgefahr bestand. Der Bünsdorfer Pfarrer Franziskus Schröder wandte sich in einem Bittschreiben an den dänischen König Friedrich IV. und bekam eine landesweite Kollekte bewilligt, mit der die Kirche gerettet werden konnte.Bünsdorf, Festschrift, S. 14.
1862 fand eine durchgreifende Kirchenrenovierung statt. Der alte Westgiebel aus Feld- und Mauersteinen wurde abgebrochen, ebenso der Glockenstapel, stattdessen wurden die Glocken in einen Glockenstuhl im Dachgeschoss der Kirche übernommen. Der Eingang in die Kirche wurde von der Südwand nach Westen verlegt und es wurde eine neue Westwand im neogotischen Stil aus gelben Ziegeln errichtet. Im 20. Jahrhundert wurde diese nicht mehr als schön empfunden,Vgl. Jessen/Kock, Die Bünsdorfer Kirche, S. 217 („keineswegs eine Zierde“). so dass die Westwand 1976 in reduzierter Kopie aus roten Backsteinen neu ausgeführt wurde. Bei einer Renovierung 1957 wurden der Apsisbogen und das Kircheninnere neu gestaltet und die Wände weiß gestrichen. Zuletzt wurde der Innenraum 2016 für 130.000 Euro saniert und die Farbfassung von 1957 wiederhergestellt.Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 17. September 2016: St Katharina strahlt in frischen Farben (online). Laut Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein ist die Bünsdorfer Kirche ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.Deutsche Stiftung Denkmalschutz, 30. April 2018: Letzte Maßnahmen am Treppenturm der St. Katharinenkirche in Bünsdorf (online).
Erste Erwähnungen Der Ort Bünsdorf wird erstmals in der Visio Godeschalci aus dem Jahr 1190 als Bunestorp erwähnt, war zu diesem Zeitpunkt aber offensichtlich noch nicht Kirchspielsort.Bünsdorf, Festschrift, S. 11f. Die erste Erwähnung der Bünsdorfer Kirche findet sich indirekt in einer Urkunde vom 9. November 1355, die heute im Stadtarchiv Rendsburg aufbewahrt wird.Die Urkunde ist verzeichnet in den RUSH (Regesten und Urkunden von Schleswig-Holstein), Bd. 4 (1341–1375), erschienen 1921–1924. Es geht darin um die Übertragung der Präbende des Rendsburger Heilig-Geist-Hospitals an Christian Zebeke. Als einer der vier Zeugen, welche den Vorgang mit ihrem Siegel beurkunden, erscheint ein „Marquard Kule, Pfarrer von Bünsdorf in der Diözese Schleswig“ (Marquardus Kule, plebanus in Bunsdorpe Slesvicensis dyoecesis). Entsprechend muss es hier zu diesem Zeitpunkt eine Pfarrkirche gegeben haben.Bünsdorf, Festschrift, S. 13f.
Eine noch frühere Erwähnung der Bünsdorfer Kirche liegt derzeit nicht mehr im Original vor: Die handgeschriebene Bünsdorfer Pfarrchronik aus dem 19. Jahrhundert, die im Pastoratsarchiv aufbewahrt wird, erwähnt einen Catalogus vetustus („alten Katalog“) von ca. 1300, der Kornlieferungen an die Bünsdorfer Kirche aufzählt. Dieses in der Pfarrchronik ohne genauen Quellennachweis zitierte Dokument ließ sich heute bislang nicht mehr auffinden.Bünsdorf, Festschrift, S. 13.
Wiederentdecktes Patrozinium mini|hochkant|Vergrößerte Kopie des alten Kirchensiegels als Holzplastik in der Kirche Im Jahr 1999/2000 wurde das Patrozinium der Bünsdorfer Kirche wiederentdeckt:Das Jahr 1999/2000 ist auf der Informationstafel „Die Bünsdorfer Kirche“ am Eingang zum Kirchhof genannt. 1588 stellten die Kirchgeschworenen Oleff Gosch und Jürgen Boen eine Quittung aus, mit der sie den Empfang von 6 Mark als Zinsen aus dem Testament des verstorbenen Hardesvogtes Hans Harding bestätigen. Dieses Dokument ist mit dem damaligen Kirchensiegel der Bünsdorfer Kirche gesiegelt, wobei der Siegelstempel offenbar älter war und noch aus katholischer Zeit stammte. Das spitzovale Siegel trägt die Umschrift S[igillum] Parochiae Bunestorp („Siegel der Pfarrgemeinde Bünsdorf“) und zeigt eine stehende weibliche Person mit Märtyrerkrone, Schwert und Rad. Dies sind die eindeutigen Attribute der heiligen Katharina von Alexandrien. Ihr war die Kirche folglich gewidmet und entsprechend nennt sich die Bünsdorfer Kirche seit dieser Entdeckung wieder „St. Katharinenkirche“.Vgl. Beschreibung auf der Kirchenwebsite, allerdings mit Fehler bei Wiedergabe der Umschrift („ecclesiae“ statt „parochiae“). Das wiederentdeckte Patrozinium bestätigt auch die angenommene Erbauung der Bünsdorfer Kirche in der Mitte des 13. Jahrhunderts, denn der Blick auf andere Kirchen im Norden zeigt, dass das Katharinenpatrozinium besonders in den Jahrzehnten nach 1220 vergeben wurde.Vgl. z. B. Katharinenkirche (Lübeck), erbaut 1225; St. Catharinen (Westensee), erbaut bald nach 1227, erstmals erwähnt 1253; St. Katharinen (Großenbrode), 1230 erstmals erwähnt; Hauptkirche Sankt Katharinen (Hamburg), erstmals 1256 erwähnt; St. Katharinen (Kirchbarkau), 1259 erstmals erwähnt. In der Bünsdorfer Kirche hängt heute eine stark vergrößerte Kopie des Kirchensiegels als Holzplastik.
Ausstattung mini|Inneres der Kirche mit Kanzel und Altar Altar Der einfache architektonische Altar stammt aus dem dritten Viertel des 17. Jahrhunderts, wurde also bald nach dem Kirchenbrand von 1659 errichtet. Über dem Hauptfeld mit einem Kruzifix befindet sich ein kleineres Feld mit dem Christusmonogramm IHS, beide von Säulen flankiert, in einem Giebelfeld darüber ein Dreieck mit Strahlenkranz als angedeutetes Auge Gottes.
Kanzel Die Kanzel aus dem Jahr 1692 stammt von dem Rendsburger Bildschnitzer Hans Pahl und ist im Aufbau mit der Kanzel der Rendsburger Christkirche verwandt. Gedrehte Säulen auf Engelskopfkonsolen gliedern die Kanzel in fünf Felder, in denen farbig gefasste Relieffiguren der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie des heiligen Petrus zu sehen sind.Jessen/Kock, Die Bünsdorfer Kirche, S. 218. Auf dem Schalldeckel steht der lateinische Bibelvers Verbum domini manet in aeternum („Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“, ). Obenauf befindet sich eine Figur des auferstandenen Christus mit der Siegesfahne, welcher auf einem Totenschädel steht und die Schlange zertritt.Vgl. Beschreibung auf der Kirchenwebsite.
Im Dezember 2021 wurden vor der Kanzel vier ca. 60 cm große Evangelistenfiguren aus gebranntem Ton aufgestellt, die von der Bünsdorfer Keramikerin Inke Lerch stammen. Eigentlich hatte sie die Figuren im Auftrag des Hamburger Architekten Oskar Jan Langer für dessen Taufkirche in Wygoda (Polen) hergestellt. Dort wollte man sie jedoch nicht, so dass sie nun in der Bünsdorfer Kirche ihren Platz gefunden haben.Ev.-Luth. Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde, 30. November 2021: Vier neue Evangelisten für die Bünsdorfer KircheInga Lange, 2. Dezember 2021: Vier Evangelisten ziehen bald in Bünsdorf ein
Taufe mini|hochkant|Die Bünsdorfer Tauffünte von 1665 1665 goss der Glockengießer Asmus Clausen aus Husum für die Bünsdorfer Kirche eine bronzene Bechertaufe in Form einer umgekehrten Glocke. Ein Relieffeld zeigt die Taufe Jesu im Jordan; breite Inschriftbänder nennen im oberen Teil Bibelverse und im Mittelteil die an der Aufstellung der Taufe Beteiligten: „Asmus Clausen Glockengießer me fecit [lateinisch: machte mich] Husum 1665, H. [Herr] Johannes Rheinbot D. [Dr. theol.] und Generalsuperintendens, H. Johannes Henricus Schumacher Pastor, Jurgen Benn zu Bunstof Kirchengeschwohrne, Jurgen Borsen Holzvoget und Claus Schleth. Die Bunstorper Knechte: Claus Sicke, Hinirch Sicke, Detlef Sicke, Jurgen Rehme, Jurgen Kuckelhan, J. Jurgen Rehme, Hinrich Speck, Claus Speck, J. Jurgen Benn und die anderen Kirchspiels Knechte [d. h. unverheiratete Bauernsöhne] Detlof Borsen, Peter Sicke, Claus Giese, Claus Kur, Jurgen Kur, Jurgen Gosche, Claus Peter, Claus Benn, Johann Giese, Detlof Hagge, Caus Siert, Jacob Drews. Disse Patronen haben die Taufe zur christlichen Gedechtnis umgießen lassen Anno 1665.“ Das lässt darauf schließen, dass die Kirche zuvor eine mittelalterliche Bronzetaufe besessen hatte, die möglicherweise durch den Kirchenbrand einige Jahre zuvor beschädigt worden war.
Als 1815 die gesprungene größere Bünsdorfer Glocke umgegossen werden sollte, wollte die Gemeinde die wertvolle Taufe von 1665 als Glockengut opfern. Zehn Gemeindemitglieder kauften jedoch die Tauffünfte aus der Glockengießerei, in die sie schon abtransportiert war, zurück. Zu Ehren der zehn Spender wurde ober- und unterhalb der ursprünglichen Inschrift eine weitere eingraviert: „Claus Rathmann, Hans Schmidt, Jürgen Has, Claus Sieh, Jürgen Goos, Wittensee, Jürgen Böhrnsen von Schuledam, Hans Has aus Bistensee Anno 1816. Markes Clausen, Hans Rehm, Detlef Jesse. Diese oben eingegrabnen Namen haben diese Taufe in Folge der im Kircheninventarium eingetragenen obergerichtlichen Resolution vom 16. Juni 1816 der Kirche in Bünstorf geschenkt, aus welcher solche bereits wegtransportiert zur Glockengut bestimmt und nachher von den Gebern wiederum gekauft war.“Jessen/Kock, Die Bünsdorfer Kirche, S. 218. Da die Stützen, vier Evangelistenfiguren, bereits eingeschmolzen waren, wurde das Becken auf ein Steinfundament gestellt. 1862 bekam es dann einen gusseisernen Fuß mit vier Engelsköpfen, so noch auf einer Abbildung in der Bünsdorfer Festschrift (1990),Bünsdorf, Festschrift, S. 17 mit Abb. 3. heute steht es auf einem verfugten Fundament aus Granitsteinen.
Grabplatte des Marquard Rönnow mini|hochkant|Grabplatte des Marquard Rönnow († 1559) An der Nordwand der Kirche vor der Kanzel ist die Grabplatte des dänischen Adligen Marquard Rönnow aufgestellt. Dieser starb 1559 als letzter seines Stammes bei der sogenannten Letzten Fehde, in der die Bauernrepublik Dithmarschen ihre Unabhängigkeit verlor. Die Reliefdarstellung zeigt zwischen zwei ionischen Säulen einen von acht Wappen flankierten bärtigen Ritter in voller Rüstung, doch ohne Helm. Die darunter befindliche Inschrift lautet: „Hier licht begraven dem [sic] edelem erentfestem Markvort Ronnov zu Huitkelle [Hvidkilde auf Fünen], Eller Ronnov Son, so den 13. Juny vor der Heide in Ditmerschen gheschotten [angeschossen] wart, den 15. Juny tho Hessehow [Itzehoe] vorscheiden [verschieden] Anno 1559.“Jessen/Kock, Die Bünsdorfer Kirche, S. 218. Vor ihrer stehenden Anbringung befand sich die Grabplatte an anderen Orten in der Kirche, z. B. bei Publikation der Bünsdorfer Festschrift (1990) liegend unter der Kanzel. Unbekannt ist, wann und warum die Grabplatte überhaupt in die Bünsdorfer Kirche gelangte, also z. B. ob Marquard Rönnow hier Landbesitz hatte oder ob die Grabplatte aus der 1691 abgebrochenen Kirche Kampen bei Rendsburg stammte.Bünsdorf, Festschrift, S. 18.
Glocken