mini|Porträt von Samuel Bernard von Hyacinthe Rigaud, Schloss Versailles Samuel Bernard (* 29. OktoberLalanne, S. 264 oder 28. November 1651Pollitzer, S. 11 in Sancerre; † 18. Januar 1739 in Paris) war ein französischer Kaufmann, Bankier und Sklavenhändler in der Zeit der Könige Ludwig XIV. und Ludwig XV. 1725 wurde er mit dem Titel Comte de Coubert in den Grafenstand erhoben.
Er stammte aus einer protestantischen Familie und begann als Tuchhändler in Paris. Er wurde zum Kaufmann und Bankier und machte Ende des 17. Jahrhunderts ein Vermögen durch den Kauf von Schiffen, die von Korsaren erbeutet wurden, und durch den Sklavenhandel. Im Zuge des Widerrufs des Edikts von Nantes konvertierte er zum Katholizismus. In den 1700er Jahren war er einer der reichsten Männer Europas und wurde zum wichtigsten Bankier des Königreichs. Er war geadelt und mit Ehren überhäuft worden und bemühte sich, seine Kinder in die größten Adelsfamilien Frankreichs zu verheiraten.
Leben Herkunft Samuel Bernard wurde in eine protestantische Familie mit Wurzeln in der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen geboren. Schon in jungen Jahren kam er mit dem Künstlermilieu in Berührung: sein Großvater war Maler im Faubourg Saint-Germain, sein Vater ist der Maler, Kupferstecher und Miniaturist Samuel-Jacques Bernard (1615–1687), der 1648 Gründungsmitglied der Académie royale de peinture et de sculpture war und 1655 zum Professor ernannt wurde; er gehörte laut den apokryphen Erinnerungen der Marquise de Créquy „der Sekte des Arminius an [und] war gezwungen worden, ins Ausland zu gehen.“
Aus der Ehe seiner Eltern, die am 8. Oktober 1645 im Tempel von Charenton geschlossen wurde, gingen neun Kinder hervor; alle wurden in Charenton nach dem reformierten Ritus getauft.
Jugend Die ersten Jahre seines Lebens verliefen in relativer Ruhe, zumal in Frankreich das Edikt von Nantes (1598) den Protestanten die Religionsfreiheit zuerkannte. Im Gegensatz zu seinem Vater und seinem Großvater schien Samuel Bernard jedoch nicht für die Künste zu brennen, er fühlte sich eher zum Handel hingezogen. Da sein Vater für den Adel und die protestantische Großbourgeoisie in Paris arbeitete, war der junge Samuel von der luxuriösen Kleidung, die diese Menschen trugen, fasziniert.Pollitzer, S. 12 Er war von der künstlerischen Seite dieser Industrie ebenso angetan wie von den finanziellen Aussichten, die sie bot.Frankreich verfügte zu dieser Zeit über europaweit berühmte Manufakturen, die Kleidung aus Seide und luxuriösen Stoffen herstellten.
Tuchhändler in Paris Nachdem er drei Jahre lang Lehrling gewesen war, wurde er 1676 im Alter von 25 Jahren zum „Meistergroßhändler für Gold-, Silber- und Seidentücher aus Paris“ ernannt. Er arbeitete einige Jahre in diesem Beruf und erzielte hohe Gewinne – wenn auch nicht im Verhältnis zu seinem späteren Reichtum. Doch sein abenteuerliches Temperament ließ ihn Risiken eingehen und er wurde marchand banquier(Großhändler für verschiedene Waren).
Die politische Lage in Frankreich war zu dieser Zeit angespannt. Die Fronde, die von Ludwig XIV. geführten Kriege – der Devolutionskrieg 1667–1668 und der Holländische Krieg zwischen 1672 und 1678 – und Finanzskandale (insbesondere der Skandal um den Surintendant des Finances Nicolas Fouquet im Jahr 1666) hatten die königliche Staatskasse erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Um den Holland-Feldzug 1672 zu finanzieren, wandte sich Ludwig XIV. an Jean-Baptiste Colbert. Obwohl er Anleihen ablehnte, „die die Zukunft zugunsten der Gegenwart verschlingen“, musste letzterer sich dazu entschließen.
In religiöser Hinsicht schürten die aufeinanderfolgenden Kriege mit den Vereinigten Provinzen in der ersten Hälfte der 1680er Jahre das Misstrauen gegenüber den Protestanten, die in Industrie und Handel stark vertreten waren,Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus und führten dazu, dass der König 1685 das Edikt von Fontainebleau verkündete, mit dem das Edikt von Nantes widerrufen wurde.
Ein durch Handel und Schmuggel erworbenes Vermögen Als das Edikt von Nantes aufgehoben wurde, widerrief er am 17. Dezember 1685 in der Pfarrkirche Saint Michel in Saint Denis den seinen protestantischen Glauben. Im selben Jahr gründete er auf Wunsch von Ludwig XIV.La Compagnie de Guinée, sur les Archives de France die Compagnie de Guinée und weitete seine Interessen auf den Sklavenhandel aus.Er verfügte über eine Flotte von Sklavenschiffen, die in La Rochelle stationiert war. In diesen Jahren expandierten die Geschäfte von Samuel Bernard stark.Pollitzer S. 22
Bis 1695 war er mit Bankgeschäften engagiert. Er wurde von der Regierung beauftragt, den Botschaftern im Ausland ihre Gehälter auszuhändigen. Diese Geschäfte, die in Friedenszeiten aufgrund von Umrechnungsproblemen und der Risiken, die mit dem Transport von Bargeld verbunden sind, schwierig waren, waren in Kriegszeiten noch riskanter.Pollitzer S. 28 Er übernahm die Aufgabe des königlichen Schatzamtes und zahlte die Gehälter von 21 französischen Botschaftern und nahm dabei beträchtliche Provisionen ein.„30 % für Rom, Basel und Livorno, 35 % für Ungarn (über Konstantinopel), 50 % für Polen, Dänemark, Schweden, Holland... Als echter Ersatz für die Staatskasse sichert er die Bezahlung von 21 Botschaftern oder Beamten der öffentlichen Gewalt in Europa. Gleichzeitig übernimmt er die Aufgabe, deutsche Fürsten, deren Unterstützung oder Neutralität man sich auf diese Weise sichert, wie die Kurfürsten von Köln oder Bayern, heimlich mit Subsidien zu versorgen.“ (« 30 % pour Rome, Bâle et Livourne, 35 % pour la Hongrie (par l'intermédiaire de Constantinople), 50 % pour la Pologne, le Danemark, la Suède, la Hollande... Véritablement substitué au Trésor public, il assure la rémunération de vingt-et-un ambassadeurs ou agents de la force publique en Europe. En même temps, il se charge de fournir secrètement des subsides aux princes allemands, dont on s'assure ainsi l'appui ou la neutralité, tels que les électeurs de Cologne ou de Bavière. ») (Saint-Germain, S. 65–66) Als er am französischen Hof immer einflussreicher wurde, gewann er die Anerkennung mehrerer Contrôleurs généraux des finances, darunter auch Michel Chamillart.
Zu dieser Zeit begann er, mit der Beute der königlichen Korsaren zu handeln (d. h. sie aufzukaufen), was insbesondere durch Entscheidungen von Louis II. Phélypeaux de Pontchartrain, der von 1690 bis 1691 Marineminister Ludwigs XIV. war, gefördert wurde, die es erlaubte, die bei der Piraterie beschlagnahmten Waren zum Verkauf anzubieten.Fortuné, S. 66 Im Jahr 1696 wurde er mit der Compagnie des Indes am Ankauf von Waren beteiligt, die auf englischen Schiffen beschlagnahmt worden waren, was ihm beträchtliche Gewinne einbrachte.„Außerdem erwirbt er zwei Schiffe, was ihm beim Weiterverkauf einen Gewinn von etwa 1,5 Millionen Livres beschert. Um die Reedereien aus Saint-Malo, seine Konkurrenten, auszuschließen, beschloss Samuel Bernard, sich das Wohlwollen des Königs, dessen Staatskasse angeschlagen war, zu sichern, indem er ihm 300 000 Livres bot. Es gelang ihm, seine Konkurrenten aus der Indien-Kompanie zu verdrängen.“ (Saint-Germain, S. 13) (« Il se rend en outre acquéreur de deux bateaux, ce qui, à la revente, lui laissera un bénéfice d'environ un million et demi de livres. Afin d'exclure les armateurs de Saint-Malo, ses concurrents, Samuel Bernard décide de s'assurer le bienveillance du roi, dont la trésorerie est mal en point, en lui offrant 300 000 livres. Il a réussi à évincer ses concurrents de la Compagnie des Indes. ») (Saint-Germain, S. 13) Als er jedoch den tatsächlichen Zustand der Finanzen der Kompanie erkannte, beschloss er, ebenso wie sein Geschäftspartner Antoine Crozat, die Kompanie zu verlassen,.
Als Frankreich in den 1690er Jahren regelmäßig unter Hungersnöten litt,In den Jahren 1693, 1697 und vor allem 1698 nutzte Samuel Bernard seine Geschäftsbeziehungen im Ausland, insbesondere zu emigrierten protestantischen Kaufleuten, um Lebensmittel zu importieren, an denen es in Frankreich mangelte. Er importierte unter anderem Weizen,Felix-Hilaire Fortuné bezeichnet ihn als Schöpfer u. a. des Import-Export-Geschäfts und der Staat überließ ihm Schiffe zu günstigen Chartergebühren. Neben seinem Korrespondentennetz im Ausland profitierte er auch von einer bemerkenswerten finanziellen Organisation. Dank des Vertrauens ausländischer Bankiers war er zu dieser Zeit einer der wenigen, die Überweisungen tätigen konnten. Dadurch verkürzte er die Fristen erheblich, was einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten darstellte. Zu dieser Zeit beschäftigte er etwa zehn Personen für seine Geschäfte.
Um die Jahrhundertwende war er im Besitz eines riesigen Vermögens und sein Bankhaus galt als eines der größten des Landes. Innerhalb von zwanzig Jahren erreichte er dank eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes„Man sieht ihn oft dabei, wie er seine ersten Verabredungen um sechs Uhr morgens oder spät in der Nacht trifft.“ (Pollitzer S. 29) eine einflussreiche Position in Regierungskreisen. Dank seines Korrespondentennetzes in Frankreich, Europa und Lateinamerika war er über die Schwankungen der Wechselkurse und Rohstoffpreise stets auf dem Laufenden.
« Banquier des Rois et sauveur de l’État » Nach 1700 wurde er vom Großkaufmann zum Großbankier im Auftrag des königlichen Schatzamtes und finanzierte insbesondere den Spanischen Erbfolgekrieg (1700–1714). Dank des Vertrauens, das er genoss, gelang es ihm, selbst in Ländern, die sich im Krieg mit Frankreich befanden, Kredite aufzunehmen,„Es ist die Persönlichkeit des Bankiers, die allein betrachtet wird, und er wird im Ausland ständig Gelder finden, die ihm die erschöpften oder widerwilligen französischen Ersparnisse nicht liefern können.“ (Pollitzer S. 30) insbesondere in der Schweiz und in Holland. Auf diese Weise versorgte er die königliche Staatskasse mit 200 Millionen Livre. Die enormen Gewinne, die er aus diesen Krediten erzielte,„Alle diese Transaktionen sind zwangsläufig mit vielfältigen Kosten belastet […] Die französische Regierung muss sie ohne Diskussion akzeptieren, da ihre Liquidität zum großen Teil von der Pünktlichkeit Samuel Bernards abhängt.“ (Pollitzer S. 30) machten ihn zu einem mächtigen Mann. Der Duc de Saint-Simon bezeichnete ihn als „den berühmtesten und reichsten Bankier Europas“.
Nachdem er erkannt hatte, dass der Handel nur dann florieren konnte, wenn die Banknoten einen stabilen Wert hatten, und dass diese Bedingung nur durch die Gründung einer königlichen Bank erfüllt werden konnte, setzte sich Samuel Bernard 1706/07 für die Gründung einer solchen Bank ein. Er genoss damals die Unterstützung von Charles Trudaine und Louis Urbain Lefebvre de Caumartin und hatte den Contrôleur général des finances, Nicolas Desmarets, auf seine Seite gezogen. Der König war jedoch mit dem Krieg in den Niederlanden beschäftigt und lehnte das Vorhaben ab. Nach dem Tod Ludwigs XIV. war es der Regent Philippe d’Orléans, der den Schotten John Law bat, eine solche Bank zu gründen.Am 2. Mai 1716 beauftragte ein königliches Edikt den Schotten John Law mit der Gründung einer Privatbank nach dem Vorbild der Bank of England, die den Namen Banque Générale erhielt.
200px|mini|Die Gärten des Schlosses Marly von Pierre-Denis Martin im Jahr 1724
Im Jahr 1708 erwies ihm Ludwig XIV., der sich nur auf seinen Kredit verlassen konnte, die Ehre, ihn in den Gärten von Schloss Marly zu empfangen. Damit der König sich nicht dazu herablassen musste, den Finanzier in Audienz zu empfangen, organisierte Desmarets eine kleine Inszenierung:
Desmarets, dem es nicht gelungen war, Samuel Bernard davon zu überzeugen, dem Schatzamt einen neuen Kredit zu gewähren, hatte den König gebeten, Bernard zu schmeicheln, um dessen Meinung zu ändern. Bernard kehrte verzaubert von seinem Spaziergang mit dem König zurück und gewährte Desmarets den Kredit, den dieser benötigte.