Simon Strick (geboren 1974 in Euskirchen) ist ein deutscher Kultur- und Medienwissenschaftler und freier Autor. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gender- und Rassismustheorien, Populäre Kulturen, Affect Studies sowie Medien- und Kulturanalyse. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Leben und Forschung Simon Strick studierte Amerikanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Berlin und Köln mit dem Abschluss Magister Artium in American Studies 2004 an der Humboldt-Universität zu Berlin und einer Arbeit zum Thema The Performativity of Marginality in American Rap Music. Von 2005 bis 2008 war er an der Humboldt-Universität assoziierter Kollegiat und 2008 Stipendiat im Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“ unter der Leitung von Christina von Braun und Volker Hess sowie von 2009 bis 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er promovierte 2011 mit einer Dissertation über Schmerzdiskurse zwischen 1750 und 1900 in der amerikanischen Kultur, die 2014 als Buch mit dem Titel American Dolorologies erschien.Dr. des. Simon Strick, Dissertationsprojekt: American Dolorogies: Pain Sentimentalism Biopolitics, Humboldt-Universität, Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien Strick argumentiert gegen einen Universalismus des Schmerzes und stellt stattdessen die engen Beziehungen körperlicher Affekte mit Rassen- und Geschlechterpolitik in den Vordergrund. Er knüpft damit an die von Michel Foucault geprägte Idee der Biopolitik an, die heute als Schlüsselkonzept der Kulturwissenschaften und der Kritischen Theorie gilt.Review von René Dietrich, in: Zeitschrift Amerikastudien/American Studies, Band 63.1/2018, Deutsche Gesellschaft für Amerikastudien (englisch)
Ab 2012 war er als Postdoktorand wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung im Projekt „Schädelbasiswissen“, ab November 2014 am Graduiertenkolleg „Automatismen“ der Universität Paderborn.Dr. Simon Strick, Universität Paderborn Als Postdoc Forschender arbeitete er 2020–23 am Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften (ZEM) in Potsdam mit den Forschungsschwerpunkten Gender- und Rassismustheorien, Populäre Kulturen, Affect StudiesAffect Studies sind eine in den 1990er Jahren im anglophonen Raum entstandene Denkrichtung in den Sozial- und Kulturwissenschaften, die „das Verhältnis von materiell-körperlichen Dimensionen mit gesellschaftlich-politischen Kräften und allen Arten von Machtbeziehungen“ betrachtet. Affekte werden dabei als „nicht bewusst wahrgenommene körperliche Reaktionen“ verstanden im Unterschied zu „Emotionen, die als bewusste Gefühlszustände aufgefasst werden“. (Hilge Landweer: Gefühle: Von der Geschlechter- und der Emotionsforschung zu den Affect Studies. In: Beate Kortendiek et al. (Hrsg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung, Band 2, Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-12495-3, S. 1090), Medien- und Kulturanalyse.Simon Strick beim Brandenburgischen Zentrum für Medienwissenschaften Am ZEM verortet war auch sein gemeinsam mit Kat Köppert durchgeführtes und von der Volkswagenstiftung gefördertes Forschungsprojekt Digital Blackface. Rassisierte Effektmuster des Digitalen. Im Sommersemester 2022 übernahm er die Vertretungsprofessur für Kriminologie an der Universität Hamburg.Über den Autor. In: Warum die transfeindliche Debatte einfach nicht verstummt. Gastbeitrag von Simon Strick, Spiegel Kultur, 14. August 2022 Im Wintersemester 2026/27 übernimmt er die Sir Peter Ustinov Gastprofessur am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien.
Von 2018 bis 2019 arbeitete Strick im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Projekts Feeling (Alt)Right: Identity and Affect Politics of Rightwing Extremism Online am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an seinem Buch Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus, das 2021 erschien.Simon Strick erhält Hans-Bausch-Mediapreis, John-F.-Kennedy-Institut, FU Berlin, News vom 26. Mai 2021 Er legte damit eine Untersuchung über den zeitgenössischen Faschismus vor, dessen Medium das Internet ist, und beschreibt „paradigmatische Strategien in diesen digitalen Echokammern“. Strick beobachtete für seine Studie über fünf Jahre Plattformen wie YouTube oder Reddit, Kommentarspalten, Blogs, Twitter und Memes. Nach Strick mobilisieren Botschaften im Netz vor allem Affekte. Schon bei einer kleinen Irritation wie einem ungewohnt erscheinenden Gendersternchen „setzt die alternative Rechte an und bietet schnelle Orientierungen und Verklarungen. […] Kleine Affekte werden abgeschöpft, aufgeschäumt zur valenten und gerichteten Emotion, durch ideologische Konstrukte stabilisiert und als Weltsichten zementiert“.Zitiert von Mary Shnayien: Sichere Räume, reparative Kritik. Überlegungen zum Arbeiten mit verletzendem Material. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft, Transcript Verlag, Jg. 14, Heft 26 (1/2022), S. 56, doi:10.14361/zfmw-2022-140107 Rechtspopulismus könne man nicht begreifen, wenn man nicht bei den Gefühlen beziehungsweise Affekten seiner Unterstützer ansetze.Kulturwissenschaftler über digitalen Rechtsruck. »Faschismus kommt als Schwarmbewegung von unten wieder«. Der Kulturwissenschaftler Simon Strick hat rechte Debatten im Netz untersucht. Interview von Hannah Pilarczyk, Spiegel Kultur, 8. August 2021 Den neuen Faschismus sieht Strick in erster Linie als eine kulturkämpferische Bewegung, er ziele auf die Breite der Gesellschaft und ihre Gefühle ab, schrieb Ingo Arend in Deutschlandfunk Kultur.Ingo Arend: Simon Strick: „Rechte Gefühle“. Wie der „digitale Faschismus“ Emotionen manipuliert, Deutschlandfunk Kultur. 2. August 2021 Das rassistische Fundament des Faschismus sei auch der Kern des digitalen Faschismus, so Strick in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Er werde meist als der „Große Austausch“ aufgerufen, „die Vorstellung, angestammte Bevölkerungsteile verlören ihre numerische und kulturelle Vormachtstellung“, ähnlich dem Kampf um den „Lebensraum“ für das „sogenannte deutsche Volk“ bei den Nationalsozialisten.Arme weiße Männer: Wie man die Mehrheitsgesellschaft als unterdrückte Minderheit inszeniert: der Medienwissenschaftler Simon Strick über den Erfolg rechter Gefühlsformeln, Interview von Govina Göhlsdorf, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung; Frankfurt 26 Sep 2021. S. 38.
Strick ist Autor und Mitglied des freien Berliner Theaterkollektivs Panzerkreuzer Rotkäppchen, das er gemeinsam mit Susann Neuenfeldt und Werner Türk 2009 gründete.
Veröffentlichungen Monografien American Dolorologies. Pain, Sentimentalism, Biopolitics, State University of New York Press, Albany 2014, ISBN 978-1-4384-5021-6. Rechte Gefühle. Affekte und Strategien des digitalen Faschismus, Transcript Verlag, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-8376-5495-0. Faschisierung. Fluchtlinien des Digitalen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2026, ISBN 978-3-518-12870-1
Beiträge in Sammelbänden (Auswahl) Competent Krauts – Following the Cultural Translations of Hip-hop to Germany. In: Wilfried Raussert, John Miller Jones (Hrsg.): Traveling sounds. music, migration, and identity in the U.S. and beyond, LIT Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-1328-4, S. 265–288.Rezension des Bandes von Wolfgang Rathert, in: Lied und populäre Kultur/Song and Popular Culture, 56. Jahrg. (2011), S. 295f. Vorher Nachher – Anmerkungen zur Erzählbarkeit des kosmetischen Selbst. In: Paula-Irene Villa (Hrsg.): Schön normal. Manipulationen am Körper als Technologien des Selbst, Transcript Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-889-6, S. 199–218.In seinem Beitrag Vorher Nachher analysiert Strick die Dramaturgie der Reality-Show „THE SWAN – endlich schön!“, den die Rezensentin Stefanie Duttweiler als „ausgezeichneten Artikel“ bewertete, der zeige, „dass das Leiden nicht nur die Entscheidung einer Operation, sondern auch Kern der operativen Materialisierung von Geschlecht“ darstelle. Rezension in: Normalisierung phantasmatischer Geschlechtskörper? Oder: Warum Schonheitschirurgie (nicht) als symbolische Gewalt gefasst wird, Österreichische Zeitschrift für Soziologie (ÖZS) Sonderheft Symbolische Gewalt, 2011, S. 118, doi:10.1007/s11614-011-0010-6 Schmerz in US-amerikanischen Fotografien von Ex-Sklaven um 1863. In: Klaus Krüger et al. (Hrsg.): Um/Ordnungen. Fotografische Menschenbilder zwischen Konstruktion und Destruktion, Brill Fink, München 2010, ISBN 978-3-7705-4972-6, S. 29–45. Erlösendes Make-up: Männlichkeit und Medialität in Mel Gibsons »The Passion of the Christ«. In: Sven Glawion et al. (Hrsg.): Erlöser. Figurationen männlicher Herrschaft, Transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-89942-733-2, S. 67–80. The Alternative Right, Masculinities, and Ordinary Affect. In: Gabriele Dietze, Julia Roth (Hrsg.): Right-Wing populism and gender. European perspectives and beyond, Transcript Verlag, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-4980-2, S. 207–230.
Auszeichnung 2021: Hans Bausch Mediapreis des SWR für sein Buch Rechte Gefühle.Simon Strick erhält den neu konzipierten Hans Bausch Mediapreis, Chronik der ARD, 2021 Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
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