Der Kreuzhof (historisch Creuzhof) war eine Niederlassung der Templer und Johanniter in Magdeburg im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.

Lage Der Kreuzhof lag in der Altstadt von Magdeburg in der Nähe der St. Sebastianskirche in der späteren Prälatenstraße 32,Gustav Hertel: Straßen- und Häusernamen in Magdeburg, in Vierteljahresschrift des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde des Herzogthums und Erzstifts Magdeburg, 1866, S. 38; Prälatenstraße ohne Nummer, vgl. Templerlexikon, TU Dresden, mit weiteren Nachweisen der heutigen Max-Josef-Metzger-Straße 13. Er bestand aus mehreren Gebäuden, von denen nichts erhalten ist.

Templer Der Hof bestand bereits im 13. Jahrhundert als Ordenskommende des Templerordens. 1262 wurde ein Templer Goswin von Magdeburg erwähnt, der aber möglicherweise nur aus Magdeburg stammte.Ferdinand Wilcke: Geschichte des Ordens der Tempelherren. Zweiter Band. 1860. S. 35; mit Urkundenauszügen von 1262 und 1304 Templerlexikon, ursprünglich TU Dresden; zur Geschichte der Templer in Magdeburg Eine erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahr 1275 überliefert (Acta sunt hec Magdeburg apud sanctum Sebastianum in curia Templariorium).Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 118 Von 1304 liegt eine weitere Erwähnung eines Templerhofes (ad curiam templariorum) in Magdeburg vor.Joe Labonde: Die Templer in Deutschland. Eine Untersuchung zum historisch überkommenen Erbe des Templerordens in Deutschland, Heimbach/Eifel 2010, S. 116, kurz zu Templern in MagdeburgGunther Lehmann, Christian Patzner: Die Templer in Mitteldeutschland. Erfurt 2004 ISBN 3-9808859-1-7 1308 wurden die Ordenshöfe der Templer aufgehoben und die im Erzstift befindlichen Güter eingezogen.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 118 f.

Johanniter Die Magdeburger Kommende gelangte in den Besitz des Johanniterordens. Da die Ordensritter auch als Kreuzherren bezeichnet wurden, ergab sich für ihren Hof der Name Kreuzhof. 1319 hielten die Johanniter aus Sachsen (Mitteldeutschland) ihr erstes Balivialkapitel nach der Übernahme von einigen Besitzungen der Templer in Magdeburg, wahrscheinlich in dem ehemaligen Templerhof ab.Christian Gahlbeck: Lagow (Łagów) oder Sonnenburg (Słońsk). Zur Frage der Residenzbildung in der Ballei Brandenburg der Johanniter von 1312 bis 1527. In: Christian Gahlbeck, Heinz-Dieter Heimann, Dirk Schumann (Hrsg.): Regionalität und Transfergeschichte Ritterordenskommenden der Templer und Johanniter im nordöstlichen Deutschland und in Polen. 2014, S. 302; kurz zum Balivialkapitel und der weiteren Entwicklung dieses Johanniterhofes im Mittelalter; vgl. Gahlbeck, Ordo Templarum, Zeitschrift, 2020 (PDF); dass dies das gleiche Gebäude war, kann nur vermutet werden, ist aber äußerst wahrscheinlich, da die Johanniter einige Höfe der Templer übernommen hatten

Danach wurde dieser Hof für einige Zeit an adlige Besitzer verpfändet.Leopold von Ledebur: Die hohen Dom- und Collegiatstifter (...), in Correspondenzblatt des Gesammtvereines der deutschen Geschichts- & Alterthumsvereine, 14, 1866, S. 52; mit Urkunde von 1372, die Gahlbeck nicht kennt Am 7. November 1372 lösten die Johanniter ihren Hof wieder ein. Die Verpfändung hatte zugunsten des Ritters Henning von Steinforte über 100 Mark brandenburgisches Silber bestanden. Im 16. Jahrhundert gehörte der Kreuzhof zur Kommende Süpplingenburg, während er zuvor von der Johanniterkommende Werben aus verwaltet worden war.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 119

Nach anderen Angaben erwarb der Johanniterorden ihn erst um 1450 zurück und richtete dort eine Priorei ein. Diese unterstand zunächst der Kommende Süpplingenburg, später der Kommende Werben. mini|Blick von Westen in der Zeit um 1876, im Vordergrund der Türkenturm, im Hintergrund die Sebastianskirche, dazwischen der Bereich des ehemaligen Kreuzhofs Zum Hof gehörte auch die in der Nähe der Stadtmauer, im westlichen Teil des Grundstücks, gelegene Kreuzkapelle. Als Prior der Kreuzkapelle ist Moritz Apenburg überliefert. Urkundliche Erwähnungen der Kapelle sind unter anderem aus den Jahren 1522 und 1564 bekannt. An der Stadtmauer befand sich auch ein Wehrturm, wohl der Türkenturm. Er wurde später als Gartenhaus des Anwesens genutzt.

1560 besaß der Komtur Nicolaus von Seggerde den Hof, 1571 Komtur Christoph von Bredow. In der Zeit um 1585 erhielt Hieronymus von Peschwitz den Kreuzhof samt Priorat für 50 Jahre zugeschrieben. Kurz vor seinem Tod 1592 übergab er den Hof für die restliche Zeit des Zeitkaufes für 600 Taler an Hans Lentke, der ihn vor 1614 an seinen Schwager Nikolaus Gericke veräußerte. Gericke war Frühprediger zu St. Sebastian und St. Nikolai. Der Kreuzhof unterstand zunächst der Gerichtsbarkeit der Magdeburger Domvogtei, ab 1628 dann der Möllenvogtei.

Zerstörung 1631 Auch 1631 war noch Nikolaus Gericke Besitzer des Kreuzhofs. Kurz vor der Zerstörung der Stadt im Jahr 1631 wurden als Bewohner des Kreuzhofs neben ihm, seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern, eine Dienstmagd, zwei Korporale, die Frau eines Korporals sowie ein Kind und ein Soldatenjunge genannt. An Räumlichkeiten wurden ein Ordensgemach und ein Kornboden angegeben. Es gab 16 Pferde.

Zum Kreuzhof gehörten darüber hinaus mehrere Buden. In einer lebte Jürgen Paul, Bürger der Magdeburger Altstadt, mit seiner Frau, zwei Kindern und zwei Soldaten und Elias Schrödter, Brauknecht aus der Altstadt, mit seiner Ehefrau. Außerdem bestand eine Wohnung Steuernagels, in der vier Soldaten und eine Soldatenfrau einquartiert waren und die Wohnung von Meister Antonius aus Helmstedt in der Hans Reichardt aus Fermersleben mit Frau und vier Kindern, zwei Soldaten, ein Gefreiter mit Ehefrau und zwei Kindern wohnte. In einer weiteren Bude wohnte eine alte, dort seit langem lebende Frau sowie Jürgen Böhme von Plage (Plaue ?) mit seiner Frau lebten. Weitere Personen waren Gregor Dammen mit Frau und Tochter sowie zwei Gefreiten und der Vikar der St. Sebastianskirche Jürgen Koßmann mit seiner Frau, zwei Soldaten, eine Soldatenfrau samt Kind und ein Mädchen aus der Sudenburg. Insgesamt lebten so kurz vor der Zerstörung 50 Menschen auf dem Kreuzhof.M. Dittmar, Die Bewohner des Neuen Marktes in Magdeburg unmittelbar vor der Zerstörung von 1631. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 28. Jahrgang 1893, Seite 403 f. Bei den Soldaten handelte es sich um Einquartierungen im Rahmen der anhaltenden Belagerung der Stadt. An anderer Stelle werden für 1631 noch die Witwe des dompropstlichen Prokurators Peter Ratmann und die Witwe Ziegemeyer genannt.

Bei der Zerstörung der Stadt wurde auch der Kreuzhof zerstört. Das Gelände lag noch 1668 völlig wüst. In einer auf dem Grundstück errichteten Bude wohnte dann der Arbeitsmann Peter Planke. In erhaltenen Kellergewölben der Totengräber Jakob Hofmann, der Tagelöhner Peter Rese, der Soldat in der brandenburgischen Kompanie von Sparr, Peter Schulze und der Arbeitsmann Hans Teufel.

Wiederaufbau ab 1693 Der spätere Generalleutnant und Stadtkommandant, Oberst Joh. Heinrich von Börstel erhielt 1693 vom Johanniterorden die Genehmigung die wüste Stätte neu zu bebauen. Das Grundstück wurde ihm kostenfrei für 25 Jahre überlassen. Auf dem Grundstück verbliebene Gebäudereste durfte er verwenden. Von Börstel erwarb auch umliegende Grundstücke mit hinzu und errichtete neue Gebäude. Nach seinem Tod im Jahr 1712 gingen die Häuser in den Besitz seines Bruders, Oberforstmeister Kurt von Börstel. Er übergab die noch für etwa zehn Jahre laufenden Rechte am Grundstück an den Möllenvogt Heinrich Wilhelm Rothe. Rothe schloss mit dem Orden einen Vertrag, dass er das neue Haus samt großem Garten auf unbeschränkte Zeit für einen jährlichen Betrag von 30 Talern besitzen kann. Die Zahlung war an die Ordenskomturei Werben zu erbringen.

In der Zeit um 1712 gab es seitens der Deutsch-reformierte Gemeinde auch Überlegungen, den Kreuzhof zu übernehmen und hier ein Predigerhaus einzurichten. Die Gemeinde wandte sich mit einem entsprechenden Anliegen an den Johanniterorden sowie den preußischen König. Letztlich wurde das Vorhaben jedoch nicht auf diesem Grundstück umgesetzt.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 140 f.

1724 besaß dann der Kriegsrat Joh. Christoph Pflüger den Hof. Er war jedoch verschuldet, so dass 1725 im Zuge einer Klage über 2150 Taler dem Gläubiger Landbaumeister Karl Nuglisch das Gebäude zugesprochen wurde. Von seiner Witwe Hedwig Dorothea Nuglisch, geborene von Landsberg erwarb 1740 der Kammerrat Christian Franz Rudolphi und seine Ehefrau Justine Amalie, geborene Schirmer, das Haus für 800 Taler. Der Hofrat und spätere Kriegsrat Joh. Friedrich Oschütz kaufte im Jahr 1753 den Kreuzhof für 1200 Taler. Im Zuge von Ehestreitigkeiten überschrieb Oschütz 1778 seiner Ehefrau Wilhelmine Sidonie, geborene Dietrich, den Kreuzhof. Im Jahr 1779 wurde dann die Tochter, Luise von Kamecke, geborene Oschütz als Besitzerin genannt, von der ihn Frau Leutnant Elisabeth Katharina von Bolstern, geborene Dallajusm, für 1600 Taler erwarb. 1795 kaufte der Oberakzise-Einnehmer und Zollrat Joh. Baptista Isaak von Roux den Kreuzhof für 4500 Taler, 1797 dann der Kammerfiskal Christoph Weyhe für 5500 Taler, 1802 die Frau Oberamtmann Marie Elisabeth Bennecke, geborene Tournier für 7500 Taler. mini|Prälatenstraße 32, wohl im 19. Jahrhundert Im Westen grenzte das Grundstück weiterhin an die Stadtmauer, wo der Türkenturm als Gartenhaus diente.

Freundschaftsklub Im Jahr 1805 wurde der Kreuzhof vom literarischen Klub für 8200 Taler gekauft. Der Klub hatte 150 Mitglieder. Auch zu diesem Zeitpunkt bestand immer noch das Erbzinslehen der Johanniterkommende Werben wofür vom Klub eine jährliche Anerkennungsgebühr in Höhe von 30 Talern zu zahlen war. Der Orden blieb bis 1870 Lehnsherr.Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 120 mini|Roncallihaus, 2026 Später wurde das Haus als Haus Zur Freundschaft geführt. Zum Grundstück gehörte auch ein großer Saal, in dem Veranstaltungen durchgeführt wurden.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 695 Noch in den 1930er Jahren befand sich der Freundschaftsklub im Haus. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg blieb die Fläche in der Zeit der DDR unbebaut. Ab 1994 entstand auf der Fläche ein Teil des Roncallihauses.

Literatur Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg Teil II, Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 118 ff.

Einzelnachweise

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