mini|1959 eröffnetes Verkehrsbauwerk unter dem Südtiroler Platz in Wien, Bestandteil der Unterpflasterstraßenbahn mit der Linie 18: Hier im Jahr 2004 vor dem Komplettumbau zur Verkehrsstation Wien Hauptbahnhof Als U-Straßenbahn, kurz für Unterpflasterstraßenbahn, Untergrundstraßenbahn, unterirdische Straßenbahn oder Tunnelstraßenbahn, werden Straßenbahnen bezeichnet, die sich – auf Teilabschnitten – unterirdisch und dadurch unbehindert von sonstigem Verkehr bewegen. Ursprünglich handelte es sich dabei ausschließlich um in Unterpflasterbauweise hergestellte Tunnel, später kamen aber auch andere Bauweisen hinzu.
Die U-Straßenbahn war in einigen Städten Vorgänger von U-Bahn oder Stadtbahn und ist zudem eng mit der Schnellstraßenbahn verwandt. U-Straßenbahn-Systeme, die Abschnitte enthalten, die als Bauvorleistung für eine spätere vollwertige U-Bahn gebaut wurden, bezeichnet man mitunter als Premetro. Die Begriffe sind allerdings nur schwer voneinander abzugrenzen. Bei der U-Straßenbahn verkehren in der Regel klassische Straßenbahnfahrzeuge, die nur in unbedingt notwendigem Maß, z. B. mit Zugbeeinflussungsanlagen, an den Betrieb in Tunneln angepasst wurden. In Stationen werden daher niedrige Seitenbahnsteige verwendet. Streckenverzweigungen erfolgen meist niveaugleich, wegen der Rücksichtnahme auf die Bebauung werden straßenbahntypisch enge Bogenradien in Kauf genommen. Stellwerks- und Streckenblockanlagen sind nur in unbedingt notwendigem Maß vorhanden. In den täglichen Sprachgebrauch hat die „U-Straßenbahn“ kaum Einzug gehalten.
Geschichte Die weltweit erste Straßenbahn durch einen Tunnel wurde am 1. September 1897 in Boston eröffnet; der Tunnel wurde mehrmals verlängert, hat heute acht unterirdische Stationen und wird von der Green Line befahren. Die erste unterirdische Straßenbahn in Deutschland befuhr den am 18. Dezember 1899 fertiggestellten Spreetunnel bei Berlin. Der Tunnel wurde am 15. Februar 1932 für den Straßenbahnverkehr geschlossen. Mit dem 1916 eröffneten Lindentunnel gab es bis 1951 einen weiteren Straßenbahntunnel in der deutschen Hauptstadt. Am 3. September 1938 wurde auch in Nürnberg eine Unterpflasterstrecke eingeweiht, da die alljährlich stattfindenden Reichsparteitage mit ihren Aufmärschen den Straßenbahnverkehr zu stark beeinträchtigten. Noch heute wird ein Teil von der Linie 7 zur Bayernstraße befahren – allerdings aus Sicherheitsgründen nur noch ohne Fahrgäste. Im Rest befindet sich ein Fahrzeuglager des Nürnberger Feuerwehrmuseums. Seit der Stilllegung des Betriebshofes Nordost am 28. Februar 2001 wird ein anderer Teil wieder als Abstellanlage verwendet.
Während der 1960er Jahre wurden in zahlreichen westdeutschen Städten umfangreiche Tunnelstrecken geplant. Dem allgemeinen Zeitgeist der „autogerechten Stadt“ folgend, sollten Straßenbahnen in Tunnel verlegt werden. Da das in der Wirtschaftswunderzeit hohe Budget dennoch nicht ausreichte, blieben in einigen Städten, vor allem des Ruhrgebiets, unvollendete (U-)Stadtbahnnetze und damit inkompatible Straßenbahnrestnetze zurück. Selbst dort, wo die Umstellung vollständig gelang, beispielsweise in Hannover und Stuttgart, erreichten die neuen Netze nicht die Dichte der alten.
Heutige Situation Deutschsprachige Länder (DACH) Deutschland Augsburg
In Augsburg, wo der Straßenbahnbetrieb bisher rein an der Oberfläche auf Meterspur fährt, wird seit 2012 im Rahmen des Projekts Mobilitätsdrehscheibe Augsburg ein Straßenbahntunnel samt unterirdischem Bahnhof gebaut, der den Hauptbahnhof sowie den Bahnhofsplatz und die Viktoriastraße untertunnelt. Der in Ost-West-Richtung verlaufende Tunnel mit einer Länge von ca. 410 Metern soll 2026 in Betrieb gehen. Im Osten wird der Tunnel durch eine Rampe in der Halderstraße erreicht; das westliche Portal ist an der Rosenaustraße auf Höhe des Sebastian-Buchegger-Platzes geplant. Teil des Projekts ist außerdem eine unterirdische Wendeschleife unter den Rangiergleisen des Bahnhofs.Projekt Augsburg City, abgerufen am 25. September 2013
Bielefeld Der erste Straßenbahntunnel mit der Haltestelle Beckhausstraße wurde 1971 in Betrieb genommen. Stadtbahntriebwagen konnten zunächst nur auf der Linie 3 eingesetzt werden. Die Fertigstellung des Innenstadttunnels im April 1991 war der Startpunkt für die Stadtbahn Bielefeld. Die in den Folgejahren neu entstandenen sechs U-Bahnhöfe wurden mit Hochbahnsteigen versehen und waren für die damaligen Straßenbahnfahrzeuge nicht geeignet. Alle alten Fahrzeuge wurden daher durch neue Stadtbahnwagen ersetzt. Heute ist der überwiegende Teil des Netzes als Stadtbahn ausgebaut, nur wenige Abschnitte liegen noch im Straßenbereich und werden als Straßenbahn wahrgenommen.
Bochum Alle kommunalen Linien in Bochum werden von der Bogestra betrieben. Die Linie U35 ist dabei eine voll ausgebaute Stadtbahnlinie in Normalspur, die lediglich vier Berührungspunkte mit dem Individualverkehr besitzt, ansonsten aber in Tunnellage oder auf dem Mittelstreifen einer breiten Ausfallstraße verläuft. Auf den anderen sechs Linien verkehren klassische Straßenbahnwagen auf Meterspurgleisen, die die Bochumer Innenstadt unterirdisch queren und somit U-Straßenbahnen darstellen. Im täglichen Sprachgebrauch werden allerdings alle sieben Linien als Straßenbahn oder als U-Bahn bezeichnet. Die Bahnsteige der Meterspurlinien auf den Tunnelabschnitten sind alle als Hochbahnsteig ausgelegt, wurden jedoch durch Hochschottern der Gleise praktisch zu niedrigen Bahnsteigen. Die Strecken werden zumeist mit Niederflurfahrzeugen (Variobahn) befahren; die noch vorhandenen Hochflurfahrzeuge des Typs M sind alle älteren Baujahres und kaum mehr im Dienst.
Stadtbahn U35: Bochum-Hustadt – Herne-Schloss Strünkede Straßenbahn 302: Bochum-Langendreer S/Bochum-Laer O-Werk – Gelsenkirchen-Buer Rathaus Straßenbahn 305: Bochum-Höntrop Kirche – Bochum-Langendreer S Straßenbahn 306: Bochum Hauptbahnhof – Herne-Wanne-Eickel Hauptbahnhof Straßenbahn 308: Bochum Schürbankstraße – Hattingen-Mitte S Straßenbahn 310: Bochum-Höntrop Kirche – Witten-Heven Dorf Straßenbahn 318: Bochum Schürbankstraße – Bochum-Dahlhausen S
Bonn In Bonn sind Straßenbahn und Stadtbahn relativ strikt voneinander getrennt. Nach der Eröffnung des Nahverkehrsbahnhofs 1979 wurde die Überlandstraßenbahnlinie H (ab 1987: 64) am Stadthaus in den Tunnel geführt und endete nach 600 m am Hauptbahnhof. Seit 1981 wird der dreigleisige U-Bahnhof Ramersdorf von Stadtbahn und Straßenbahn gemeinsam genutzt, wobei sich beide in Richtung Norden ein Gleis teilen. Am Hauptbahnhof verkehren seit der Einstellung der Linie 64 1994 und der folgenden Bahnsteiganhebung im Regelbetrieb keine Straßenbahnfahrzeuge mehr, für Umleitungen existieren noch kurze für die Straßenbahn-taugliche Notbahnsteige.
Dortmund In Dortmund ging 1967 ein ca. 200 m langer Straßenbahntunnel zur Unterführung des Ruhrschnellwegs im Zuge der Ardey- und Hohen Straße mit der Haltestelle Westfalenhalle in Betrieb, inzwischen umgebaut und in das Stadtbahnnetz (Linie U46) integriert. Zusätzlich wurde 1983 im Vorlaufbetrieb der unterirdisch im Tunnel verlaufende Streckenabschnitt Hörde Bahnhof – Clarenberg, bedient von den Straßenbahnlinien 401 und 406, in Betrieb genommen, welcher heute ebenfalls in das Stadtbahnnetz (Linie U41) integriert ist. Auf den drei Tunnel-Stammstrecken verkehren heute insgesamt sechs Hochflur- (U41/U42/U45/U46/U47/U49) und zwei Niederflur-Stadtbahnlinien (U43/U44), wobei letztere mit einer konventionell straßenbahntypischen Infrastruktur ausgebaut sind und damit auch heute noch eher einer U-Straßenbahn entsprechen.
Düsseldorf Die von der Rheinbahn betriebenen sieben Stadtbahnlinien in und um Düsseldorf verfügen zum größten Teil über eigene Gleiskörper. Lediglich in den östlichen und südlichen Streckenabschnitten der Stadtteile Eller und Holthausen bzw. auf Neusser Stadtgebiet benutzen sie wie die Straßenbahnlinien den Straßenraum gemeinsam mit dem Individualverkehr. In der Innenstadt gibt es ein Tunnelsystem mit an die hochflurigen Stadtbahnwagen angepassten Hochbahnsteigen. Diese sind auch an mehreren oberirdischen Haltepunkten vorhanden.
Lediglich den Straßenbahnvorlaufbetrieb zwischen 1981 und 1988 der Linien 79, 711 und 718 zwischen Kennedydamm und Opernhaus mit den Tunnelstationen Klever Straße und Nordstraße kann man als U-Straßenbahn-Betrieb bezeichnen. Dabei kamen aber bereits Stadtbahnfahrzeuge zum Einsatz, die an den vollausgebauten Hochbahnsteigen hielten.
Die im Februar 2016 eröffnete Wehrhahnlinie trägt U-Straßenbahn-Charakter, da sie über Niederflurbahnsteige verfügt. Sie ist aber Teil des Stadtbahnnetzes und wird mit entsprechenden Fahrzeugen befahren.
Duisburg Die ehemalige Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn verkehrt heute als Stadtbahnlinie U 79 ab der Duisburg/Düsseldorfer Stadtgrenze im Süden Duisburgs weitgehend niveaufrei bis zur Rampe Heerstraße des Innenstadttunnels. Nach mehreren Stationen (u. a. Duisburg Hauptbahnhof) verläuft sie weiter durchgehend in Tunnellage im Ruhrtunnel und endet am Bahnhof Duisburg-Meiderich Süd.
Das Duisburger Straßenbahnnetz hat sich auf nunmehr zwei Linien reduziert. Die Linie 903 benutzt zwischen den Rampen Heerstraße und Meiderich Südbahnhof die gleiche Tunnelstrecke wie die U 79, ansonsten verkehrt sie nur teilweise auf eigenem Gleiskörper nach Norden zum Bahnhof Dinslaken bzw. nach Duisburg-Hüttenheim im Süden.
Die Straßenbahnlinie 901 verläuft ab Duisburg-Obermarxloh über weite Strecken im gleichen Verkehrsraum mit dem Individualverkehr. Zwischen den Rampen Schwanentor und Mülheimer Straße unterquert sie die Duisburger Innenstadt und den Hauptbahnhof in Tunnellage. Über Straßenbahngleise führt die Linie 901 bis zur Rampe am Betriebshof in Mülheim-Broich und weiter durch den Mülheimer Innenstadttunnel nach Mülheim (Ruhr) Hauptbahnhof.
Essen Die Ruhrbahn betreibt das Essener Straßen- und Stadtbahnnetz, das in der Innenstadt seit 1967 über Tunnelstrecken verfügt.
U-Bahn U11: Gelsenkirchen Buerer Str. – E-Karnap – Altenessen – Essen Hbf – Rüttenscheid – Messe/Gruga U-Bahn U17: Karlsplatz – Essen Hbf – Holsterhausen – Margarethenhöhe U-Bahn U18: Berliner Platz – Essen Hbf – Mülheim Rhein-Ruhr-Zentrum – Mülheim an der Ruhr Hbf Straßenbahn 101: Borbeck – Bergeborbeck – Essen Hbf – Rüttenscheid – Holsterhausen – Helenenstraße Straßenbahn 103: Dellwig – Borbeck – Altendorf – Rathaus Essen – Essen Hbf/Hollestraße (– Steele Bf) Straßenbahn 105: Frintrop – Altendorf – Essen Hbf – Bergerhausen – Rellinghausen Straßenbahn 106: Helenenstraße – Holsterhausen – Rüttenscheid – Essen Hbf – Rathaus Essen – Helenenstraße – Bergeborbeck – Borbeck Straßenbahn 107: Gelsenkirchen Hbf – Essen-Katernberg – Zollverein – Stoppenberg – Rathaus Essen – Hollestraße/Essen Hbf (– Rüttenscheid – Bredeney) Straßenbahn 108: Bredeney – Rüttenscheid – Essen Hbf – Rathaus Essen – Altenessen Bf Straßenbahn 109: Frohnhausen – Altendorf – Rathaus Essen – Huttrop – Steele Bf
Durch einen Teil der Tunnelstrecken fuhren eine Zeit lang auch die Duo-Busse als Spurbus. Wegen der vorhandenen Mittelbahnsteige der Tunnelstationen erhielten die Fahrzeuge dazu besondere Türen auf der linken Seite.
Frankfurt am Main