mini|Balleien und Kommenden im Heiligen Römischen Reich

Der Deutsche Orden war ehemals ein Geistlicher Ritterorden und ist heute ausschließlich ein religiöser Orden der römisch-katholischen Kirche. Der Deutschordensstaat war der Vorläufer des Herzogtums Preußen.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein hießen die Ordenskonvente des Ordens Kommenden. In diesen Kommenden lebten sowohl Ritterbrüder als auch Priesterbrüder und Graumäntler oder Servanten. Unter der Leitung eines Oberen, genannt Komtur, fand in diesen Kommenden ein klösterliches Leben mit Chorgebet statt. Erst nach der Reformation löste sich im Deutschen Orden das gemeinschaftliche Leben auf und die Kommenden wurden zu reinen Einkommensquellen der Ritterbrüder des Ordens, welche für gewöhnlich im Militärdienst eines Landesherrn standen.

Kommenden waren in größere Verwaltungseinheiten, den Balleien, zusammengefasst; letztere waren etwa den Provinzen der Dominikaner vergleichbar.

Mit der Umwandlung des Deutschen Ordens in einen Klerikerorden nach dem Ersten Weltkrieg kam es zur Auflösung des Elements in diesem Orden. Damit gingen die Balleien des Ordens in den Provinzen/Prioraten des heutzutage vor allem aus Priesterbrüdern bestehenden Deutschen Ordens auf, deren Prior sich zugleich stets Landkomtur nennt und somit an die Tradition der Ritterbrüder anschließt.

Die Kommenden wurden in Konvente umgewandelt, deren Vorsteher nun Superior und nicht mehr Komtur genannt wird.

Erste Kommenden im Heiligen Land, noch ohne Balleien Kommende von bis Anmerkung BildKommende Montfort1220Gerard Müller: Jerusalem oder Akkon? Bad Münstereifel 1988, S. 3–23.1271Von 1220 bis 1271 Sitz des Hochmeisters. Am 23. Juni 1271 durch die Mamluken unter Sultan Baibars I. erobert.120pxKommende Akkon11911291von 1191 bis 1220 und von 1271 bis 1291 Amtssitz des Hochmeisters; am 18. Mai 1291 durch Truppen des ägyptischen Mamluken-Sultan al-Malik al-Asraf Chalil erobert.120pxKommende Antiochia119812681268 durch die Mamluken unter Sultan Baibars I. erobert.120pxKommende Gaza1153Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955, S. 54.spätestens 11921192 wurde die Stadt Gaza beim Frieden zwischen Richard Löwenherz und Saladin den Arabern übergeben.Kommende JaffaMärz 119812681198 schenkte Heinrich II. von Champagne dem Deutschen Orden Land und Weinberge in Jaffa.Marie-Lousie Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart, S. 59 f. 1268 durch die Mamluken unter Sultan Baibars I. erobert.Kommende JerusalemApril 122911. Juli 1244 Kaiser Friedrich II. schenkte dem Deutschen Orden das Deutsche Hospital sowie Häuser in Jerusalem. 1244 von choresmischen Söldnern erobert.Gerard Müller: Jerusalem oder Akkon? Bad Münstereifel 1988, S. 23. 120pxKommende Rama1196Nur durch ein Schutzprivileg von Papst Coelestin III. vom 21. Dezember 1196 belegt.Marie Louise Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart, S. 60.120pxKommende Sidon12201291Kampflose Übergabe der Stadt am 14. Juli 1291 an die Mamluken unter Sultan al-Malik al-Asraf Chalil.120pxKommende Toron122712661266 durch die Mamluken unter Sultan Baibars I. erobert.120pxKommende Tripolis4. September 12091289Fürst Bohemund IV. von Antiochia schenkte dem Deutschen Orden drei Türme der Stadtmauer.Marie-Louise Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart, S. 78 f. Im Sommer 1289 durch die Mamluken unter Sultan Qalawun erobert.120pxKommende TyrosApril 119519. Mai 12911195 schenkte König Heinrich II. von Jerusalem Land und Gebäude dem Deutschen Orden.Marie-Louise Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart, S. 59. 1291 durch die Mamluken unter Sultan Chalil erobert.

Ballei Armenien Kommende von bis Anmerkung BildKommende Amouda heute türkisch: Hemite Kalesi1211/12Jürgen Sarnowsky: Der Deutsche Orden (= Beck’sche Reihe 2428 C. H. Beck Wissen). C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-53628-1, S. 25, bei Google Books.1375Kurt Forstreuter: Der Deutsche Orden am Mittelmeer. Bonn-Bad Godesberg 1967, S. 119.1266 von den Mamluken unter Sultan Baibars I. erobert und geplündert. 1375 endgültig von den Mamluken unter Sultan Al-Malik al-Aschraf Nasir ad-Din Schaban (II.) ibn Husain erobert.120pxKommende AskalonEs gibt nur eine Quelle zu dieser Kommende; den Schutzbrief von Papst Coelestin V. 1296.Marie-Louise Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart, S. 60.Kommende Cumbetefort (östlich von Tarsus)1212Kurt Forstreuter: Der Deutsche Orden am Mittelmeer. Bonn-Bad Godesberg 1967, S. 213.vermutlich 1375Ein Geschenk König Leons I. von Kleinarmenien an Hermann von Salza. Genaue Lokalisierung nicht mehr möglich. Verlorengegangen durch den Untergang des Königreichs Kleinarmenien.Kommende Düziçi (türkisch: Harunia, Haruniye)22. Januar 1236vermutlich 1375Die Stadt Harunia mit 13 Dörfern war ein Geschenk der Königin Isabella von Kleinarmenien an den Deutschen Orden.Kurt Forstreuter: Der Deutsche Orden am Mittelmeer. Bonn-Bad Godesberg 1967, S. 61f. Verlorengegangen durch den Untergang des Königreichs Kleinarmenien.Kommende Tarsusvermutlich 1097 vermutlich 1375Verlorengegangen durch den Untergang des Königreichs KleinarmenienKommende Zamsivermutlich 1196 unbekanntDie Kommende ist lediglich durch ein Schutzprivileg Papst Cölestin III., welches dieser am 21. Dezember 1196 ausstellte, bekannt.Marie-Louise Favreau: Studien zur Frühgeschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart o. J., S. 60. Die Besitzungen auf Zypern bildeten keine eigene Ballei, sondern gehörten zur Ballei Armenien Kommende von bis Anmerkung BildKommende Clavodie (griechisch: Klavdia Κλαυδιά)Spätestens 1571 bei der osmanischen Eroberung verloren gegangen.Kommende Lefkara (griechisch: Λεύκαρα)1205Benninghoven, Friedrich: Unter Kreuz und Adler: Der Deutsche Orden im Mittelalter. Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz anläßlich des 800jährigen Bestehens des Deutschen Ordens. Mainz 1990, S. 35.Spätestens 1571 bei der osmanischen Eroberung verloren gegangen. Kommende Nikosia (griechisch: Lefkosía Λευκωσία)1209Spätestens 1571 bei der osmanischen Eroberung verloren gegangen.

Ballei Apulien 1483 verstarb Stephan Grube, der letzte Statthalter der Ballei. Als Nachfolger setzte Papst Sixtus IV. einen Kardinal ein. Trotz aller Proteste konnte der Deutsche Orden die Ballei nicht wieder erlangen und ging für den Orden verloren.

Kommende von bis Anmerkung BildSan Leonardo1240um 1483Das Augustinerchorherrenstift S. Leonardo wurde dem Orden 1260 übertragen. Die Kommende wurde ab 1350 Sitz des Landkomturs.Jürgen Sarnowsky: Der Deutsche Orden. C.H. Beck, München 2007, S. 69.120pxBari1209um 14831209 besaß der Deutsche Orden ein Spital in Bari.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955, S. 76–77.120pxBarlettaFrühjahr 1197um 14831197Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart 2005 S. 35. wurde das Hospital des heiligen Thomas zu Barletta gegründet. Das Grab des Hochmeisters Hermann von Salza befand sich in der Kapelle der Kommende. Von 1233 bis 1350 Sitz des Landkomturs.120pxBellovedereum 1483Brindisi1208Hubert Houben: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Hrsg. vom Deutschen Historischen Institut in Rom, Bd. 83, 2003, S. 47. um 1483Die Kirche S. Maria Alamagnorum gehörte zur Ballei. Bis 1233 Sitz des Landkomturs.Klaus Militzer: Die Geschichte des Deutschen Ordens. Stuttgart 2005, S. 35.120pxCorneto (bei Cerignola)1226 1483Die Kommende und das Marienhospital in Corneto wurden im Jahre 1226 zum ersten Mal erwähnt. 1341 wurde der letzte Komtur erwähnt, aber 1440 gab es immer noch drei Mitglieder. Berühmt ist der „Torre Alemanna“. 1482/83 an den Bischof von Siponto verkauft.120pxEboli1212um 1483Bereits 1206 beschenkte König Friedrich II. den Deutschen Orden in Eboli.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955, S. 76.120pxFoggia1230Aniella Humpert: Statistische Auswertung der Urkundenempfänger Friedrichs II. München 2003, S. 359.ca. 1440Seit 1220 ein Hospital des Deutschen Ordens. Um Schenkungen des Grafen von Constia, Racius de Balbano, erweitert.120pxGinosaMai 12701270 wurde dem Deutschen Orden das Benediktinerstift Genusia und die Kirche in Ostuni übergeben.Marian Tumler: Der Deutsche Orden im Werden, Wachsen und Wirken bis 1400 mit einem Abriß der Geschichte des Ordens von 1400 bis zur neuesten Zeit. Wien 1955, S. 78.120pxNardò13. Jh.ca. 1440Trani1237Ab 1237 Sitz eines Priors, ab 1240 Erwähnung eines Komturs.120pxUgentuca. 1483

Ballei Biesen Kommende von bis Anmerkung BildKommende Alden Biesenum 12201797Bistum Lüttich; Name Alden Biesen entstand 1361, nachdem es zur Gründung von Nieuwen Biesen kam. Sitz der Landkomtur bis Mitte des 14. Jh., dann wieder ab 1620. Im Jahr 1797 durch die Franzosen säkularisiert und versteigert.120pxKommende Aschaffenburg17491773Erzbistum Mainz; vorher im Besitz der Deutschordensballei Hessen; Abgewirtschaftet durch Finanzmanipulationen und umgewidmet als KonzertstätteKommende Bekkevoort12801796Bistum Lüttich, 1578 verwüstet, 1585 wurde der Sitz der Komtur nach Diest verlegtKommende Bernissem1237vor 1793Bistum Lüttich; besaß u. a. das Patronat über die Kirche von Montenaken; ging vor 1793 in Konkurs120pxKommende Geleenum 1247nach 1400Bistum Lüttich; von 1247 bis 1341 als Kommende bezeugt, ab 1400 keine Erwähnungen mehrReichsunmittelbare Herrschaft und Kommende Gemertvor 12491797Bistum Lüttich; Gründungszeit unklar, um 1249 findet sich bereits der 2. Komtur; bis 1668 Bestand nicht durchgehend nachweisbar, anschließend gesicherte Herrschaft über die Herrlichkeit Gemert100pxHerrschaft und Kommende Gruitrode14161801Bistum Lüttich; ab 1417 Pfarrrechte; 1568 Neubau der Kommende nach Kriegsverwüstung von 1483120pxRezeptur Holt12811611Bistum Lüttich; Kleinste Kommende der Ballei; 1611 überführt in die Kommende OrdingenKommende Jungen-Biesen15731802Erzbistum Köln, Standort in Köln im Bereich der Severinstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kommende St. Katharina der Kammerballei Koblenz120pxKommende Lüttich (St. André)12551795Bistum Lüttich; Reichste Kommende der Ballei; Sitz des Priors der Ballei Biesen; zw. 1634 und 1657 Neubau der Kommendegebäude;Kommende Neuen-Biesenzw. 1358 und 13611794Bistum Lüttich; in Maastricht gelegen, Priesterkonvent, Noviziatshaus; Mitte des 14. Jh. bis 1620 Sitz der Landkomtur und bis Mitte des 18. Jh. des BalleikapitelsHerrschaft und Kommende Ordingen1611vor 1800Bistum Lüttich; übernahm bei Gründung zusätzlich die Kommende Holt120pxHerrschaft und Kommende Ramersdorf12301803Erzbistum Köln; zunächst Deutschmeistertum, erst 1371 der Ballei Biesen übertragen120pxSiersdorf12191809Erzbistum Köln, 1578 Neubau nach kriegsbedingter Zerstörung;120pxDeutschordenskommende St. Aegidius13211802Bistum Lüttich; Pontstraße in Aachen; bis 16. Jh. Priesterkommende;120pxReichsunmittelbare Herrschaft und Kommende Sint-Pieters-Voeren12441798Bistum Lüttich; die alten Gebäude wurden im 17. Jh. durch eine neue Schlossanlage ersetzt120pxRezeptur Sint Truiden1254vor 1800Bistum Lüttich;Rezeptur Vught1483 (nicht belegt)vor 1800Bistum Lüttich; erste Erwähnung eines Komturs um 1373; übernahmen das Patronatsrecht über die St. Lambertuskirche100px

Kammerballei Böhmen