mini|Luís Cília bei seinem Auftritt beim Festival des politischen Liedes im Palast der Republik in Berlin 1976 Luís Fernando Castelo Branco Cília (* 1. Februar 1943 in Nova Lisboa, Portugiesisch-Westafrika) ist ein portugiesischer Musiker, Liedermacher und Filmkomponist.
Leben Luís Cília wurde in der damaligen portugiesischen Kolonie Angola geboren. 1959 kam er nach Lissabon, um das Liceu abzuschließen. 1960 begann er, Gitarre an der Musikschule von Duarte Costa zu lernen (bei Troufa Real) und gründete die Beatband Golden Boys, mit denen er häufig für Studenten spielte. Er trat auch solo auf, so in Sonntagssendungen des Rádio Renascença und in der Casa dos Estudantes do Império, wo er u. a. Daniel Filipe kennenlernte, der ihn mit kritischen Sängern wie Léo Ferré und Georges Brassens vertraut machte und motivierte, selbst Texte portugiesischer Dichter zu vertonen. Das Schaffen Cílias wurde danach von den frankophonen Chansonniers beeinflusst.Salwa Castelo-Branco: Enciclopédia da música em Portugal no século XX, A–C. 1. Auflage, Temas & Debates, Lissabon 2010 (ISBN 978-989-644-091-6), S. 291ff
Um sich der Einberufung zu den portugiesischen Kolonialkriegen zu entziehen, ging er 1964 nach Paris ins Exil. Er sang dort in Bars und lernte Colette Magny kennen, die ihn in die Musikszene einführte und ihm seine erste Schallplattenaufnahme für Le Chant du Monde vermittelte. In den 16 Stücken auf Portugal-Angola: Chants De Lutte sang er Texte portugiesischer und angolanischer Autoren und befasste sich mit der politischen Lage im Portugal der Estado Novo-Diktatur und deren Kolonialpolitik. Er trat danach in Kulturzentren, Universitäten und kleinen Konzertclubs in mehreren europäischen Ländern auf, häufig zusammen mit Paco Ibáñez. 1966 begann er ein Konzertgitarren-Studium bei Antonio Membrado und studierte Komposition bei Michel Puig und nahm weitere Schallplatten auf, darunter eine mit französischen Jazz- und Chanson-Musikern eingespielte Trilogie mit vertonten portugiesischen Gedichten. Er komponierte 1967 die Filmmusik zu Christian de Chalonges Film Der Sprung, an dem er als Produktionsassistent mitarbeitete, und schlug nun endgültig die Laufbahn als professioneller Musiker und Komponist ein. Ebenfalls 1967 komponierte er Avante, camarada!, seither die Hymne der Kommunistischen Partei Portugals, damals die wichtigste Oppositionskraft gegen das semifaschistische Regime in Portugal. Ab 1967 komponierte er für Film, Theater und Fernsehen, und er trat nun auch auf größeren Festivals auf, darunter das Festival de la Canción de Protesto in Kuba (1967), das I. Festival da Canção Ibérica in Paris (1969) und mehrmals beim Festival des politischen Liedes in der DDR.Biografie auf der persönlichen Website Cílias, abgerufen am 21. August 2022
Nach der Nelkenrevolution 1974 kehrte er endgültig nach Portugal zurück. Noch im gleichen Jahr erschien seine erste Schallplatte in Portugal, O Guerrilheiro bei Arnaldo Trindades Orfeu-Label, wo auch Protestsänger wie José Afonso, Fausto, Vitorino oder Adriano Correia de Oliveira veröffentlichten. Das Titelstück des Albums wurde in abgewandelter Überarbeitung ab 1975 zur Hymne des wichtigsten Gewerkschaftsbundes Portugals, der CGTP-IN. Zudem begann er sich immer stärker der klassischen Gitarre zu widmen und arbeitete regelmäßig mit Pedro Caldeira Cabral zusammen, außerdem führte er hier seine musikalisch-lyrischen Rezitationen in kleinen Theatern und Auditorien fort, wie er sie bereits in Frankreich begonnen hatte, nun zusammen mit Musikern wie Pedro Caldeira Cabral, José Peixoto, José Eduardo, António Ferro u. a.
Die Ernüchterung über den weiteren Verlauf der Revolution, die ihren Idealismus in der Richtungssuche zwischen den ideologischen Fronten des Kalten Kriegs zu verlieren begann, prägte dann sein Werk ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Seine Texte wurden satirischer und zynisch-kritischer. Er widmete sich nun wieder verstärkt dem Kompositionsstudium (bei Jorge Peixinho), dem Gitarrenstudium (von 1978 bis 1983 bei Carlos Menezes) und dem Gesangsstudium (1980 bei Hugo Casais) und verwendete ab 1976 auch elektronische Instrumente, erstmals auf seinem 1976 in mehreren europäischen Ländern verlegten Album Memórias.
Er produzierte Schallplatten anderer Interpreten, komponierte aber vor allem für Theater, Fernsehen, Werbung und Kino, was ab Mitte der 1980er seine wesentliche Betätigung wurde. Bekannt wurde u. a. seine Musik für die Werbekampagne des neuen Telekommunikationsunternehmens Optimus Telecomunicações 1998. Er nahm aber auch weiter Schallplatten auf, darunter Alben, mit denen er sich jeweils einem portugiesischen Schriftsteller und Lyriker widmete, darunter Eugénio de Andrade (O Peso Da Sombra, 1980), Jorge de Sena (Sinais De Sena, 1985) und David Mourão-Ferreira (Penumbra, 1987).
Im weiteren Verlauf trat er nur noch selten als Sänger auf und betätigte sich vor allem als Komponist für Theater, Ballett, Film und Fernsehen und, seltener, für Auftragsarbeiten von Institutionen und Unternehmen.
1994 wurde ihm der portugiesische Freiheitsorden (Ordem da Liberdade) im Offiziersrang verliehen.Datenbank der vergebenen Verdienstorden, Website der portugiesischen Staatspräsidentschaft (nach Suchanfrage "Luís Cília"), abgerufen am 21. August 2022 Im November 2010 strahlte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTP eine Dokumentation über Leben und Werk von Luís Cília aus, mit ihm selbst als Sprecher, und zahlreiche weitere Sendungen von RTP-Fernseh- und Radiosendern beschäftigten sich seither mit Luís Cília.Ergebnis Suchanfrage "Luís Cília", Website der RTP, abgerufen am 21. August 2022
Auszeichnungen 1994: portugiesischer Orden der Freiheit im Offiziersrang 2011: Nominierung Grande Prêmio do Cinema Brasileiro (Brasilien), Kategorie Bester Soundtrack (für José e Pilar) 2014: Nominierung Prémios Sophia, Kategorie Beste Filmmusik (für den Fernseh-Dreiteiler Até Amanhã, Camaradas) 2015: Gewinn Prémios Sophia, Kategorie Beste Filmmusik (für Os Gatos Não Têm Vertigens )
Diskografie (Alben) 1964: Portugal-Angola: Chants De Lutte (Le Chant du Monde) 1967: La Poésie Portugaise De Nos Jours Et De Toujours 1 (Moshé-Naïm) 1969: La Poésie Portugaise De Nos Jours Et De Toujours 2 (Moshé-Naïm) 1971: La Poésie Portugaise De Nos Jours Et De Toujours 3 (Moshé-Naïm) 1973: Meu País (Le Chant du Monde) 1974: O Guerrilheiro (Orfeu) 1974: Contra A Ideia Da Violência, A Violência Da Ideia (Le Chant du Monde) 1975: Resposta (EMI) 1976: Memória (Diapasão) 1978: Transparências (Guilda Da Música) 1980: O Peso Da Sombra (Diapasão) 1981: Marginal (Diapasão) 1983: Contradições (Diapasão) 1985: Sinais De Sena (Diapasão) 1987: Penumbra (Schiu!) 1988: A Regra Do Fogo (Tejo) 1995: Bailados (Strauss) 1996: La Poésie Portugaise De Nos Jours Et De Toujours (Emen, Moshé-Naïm) Compilation 1997: Authentic Portugal, mit Pedro Barroso (Sonoton Recorded Music Library)
Filmografie 1967: Der Sprung (O Salto); Regie: Christian de Chalonge 1973: La dérobade (Fernsehfilm); Regie: Gérard Poitou-Weber 1980: Bárbara; Regie: Alfredo Tropa 1981: Assoa o Nariz e Porta-te Bem (Fernsehfilm); Regie: Monique Rutler 1983: Jogo de Mão; Regie: Monique Rutler 1985: Miguel Bombarda (Fernsehfilm); Regie: Sinde Filipe 1987: Avareza, Luxúria e Morte (Fernsehfilm); Regie: Helder Duarte 1989: Personagem (Fernsehserie) 1992: Uma Outra Ordem (Fernsehfilm); Regie: Luís Filipe Costa 1992: Uma Mulher Livre (Fernsehfilm); Regie: Luís Filipe Costa 1992: Um Crime Perfeito (Fernsehfilm); Regie: Luís Filipe Costa 1993: A Força do Atrito; Regie: Pedro M. Ruivo 1996: Domingo em Cheio (Fernsehserie) 1996: Natal (Fernsehfilm); Regie: Cecília Netto 1997: Mário Viegas... e Tudo (Doku.); Regie: Maria João Rocha 1998: Hotel Bon Séjour (Fernseh-Dreiteiler) 1999: Fuga (Fernsehfilm); Regie: Luís Filipe Costa 1999: Macau, as Duas Faces de Cláudia (Fernseh-Mehrteiler) 2000: Monsanto (Fernsehfilm); Regie: Ruy Guerra 2000: Resistência (Fernsehserie) 2001: Camarate; Regie: Luís Filipe Rocha 2002: A Bomba; Regie: Leonel Vieira 2002: A Jóia de África (Fernsehserie) 2003: A Passagem da Noite; Regie: Luís Filipe Rocha 2005: A Escada (Fernsehfilm); Regie: Jorge Paixão da Costa 2005: Até Amanhã, Camaradas (Fernseh-Dreiteiler); Regie: Joaquim Leitão 2007: Nome de Código: Sintra (Fernsehserie) 2007: Adeus, Até Amanhã; Regie: António Escudeiro 2007: A Invençao (Fernsehfilm); Regie: Jorge Paixão da Costa 2007: Call Girl; Regie: António-Pedro Vasconcelos 2009: A Esperança Está Onde Menos Se Espera; Regie: Joaquim Leitão 2010: José e Pilar (Doku.); Regie: Miguel Gonçalves Mendes 2013: Quarta Divisão; Regie: Joaquim Leitão 2014: Os Gatos Não Têm Vertigens; Regie: António-Pedro Vasconcelos 2017: A Casa; Regie: Rui Simões 2017: Índice Médio de Felicidade; Regie: Joaquim Leitão 2017: Henrique Espírito Santo - Até Amanhã, Henrique! (Doku.); Regie: Miguel Cardoso 2018: Os Dois Irmãos; Regie: Francisco Manso 2019: O Nosso Cônsul em Havana; Regie: Francisco Manso (auch Fernseh-Mehrteiler) 2019: Salgueiro Maia - Rumo à Eternidade (Kurzfilm, Doku.); Regie: Francisco Manso
Weblinks Persönliche Website (portugiesisch)
Luís Cília bei MusicBrainz (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Musiker (Portugal) Kategorie:Liedermacher Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Person des Widerstands gegen die Estado-Novo-Diktatur Kategorie:Träger des Ordens der Freiheit Kategorie:Sänger Kategorie:Portugiese Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Mann