Artemisia ist eine Oper in einem Prolog und drei Akten von Francesco Cavalli (Musik) mit einem Libretto von Nicolò Minato. Sie wurde am 10. Januar 1657 (1656 more Veneto) im Teatro Santi Giovanni e Paolo in Venedig uraufgeführt.
Handlung
Prolog
Der Palast Fortunas
Apollo und die Musen Melpomene und Talia unterhalten sich mit la Fortuna (dem Glück), la Virtù (der Tugend) und la Cortesia (der Güte) über den zu erwartenden Erfolg des neuen Schauspiels über Artemisia von Karien.
Kurzfassung
Der in der Handlung nur am Rande auftauchende historische Hintergrund der Oper ist ein Krieg zwischen Karien mit den Phrygern. Nach dem Mord an ihrem Mann Mausolo (353 v. Chr.) schwor die karische Königin Artemisia, seinen Rächer zu ehelichen. Ihr Hofmeister Indamoro drängt sie zu einer neuen Ehe. Tatsächlich hat sich Artemisia bereits wieder verliebt. Es ist Clitarco, der jedoch als vermeintlich Bürgerlicher nicht als Gatte in Frage kommt. Sie muss daher ihre Gefühle verbergen. Artemisia weiß nicht, dass es sich in Wirklichkeit um Meraspe, den Fürsten des verfeindeten Kappadokien handelt, der an ihren Hof gekommen ist, um ihre Pläne auszukundschaften. Zudem ist er – wenn auch unabsichtlich – der Mörder ihres Mannes. Meraspe erwidert Artemisias Gefühle, kann sich ihr aber aus diesen Gründen nicht offenbaren.
Meraspe hat zwei Gefolgsleute, die seine wahre Identität kennen: Artemia und Ramiro. Artemia liebt Meraspe und leidet darunter, von ihm immer wieder zurückgewiesen zu werden. Ramiro wiederum liebt, ebenfalls unerwidert, Artemia.
Ein weiterer Verehrer Artemisias ist ihr General Alindo, ein Fürst aus Bithynien. Dieser hat in der Heimat seine Verlobte Oronta verlassen. Sie ist ihm als Mann verkleidet unter dem Namen Aldimiro nachgereist, um ihn zurückzugewinnen.
Die Handlung der Oper besteht aus einer Abfolge von vergeblichen Versuchen der Protagonisten, die jeweils verehrte Person für sich zu gewinnen. Dabei greifen sie auf Geschenke, Intrigen, Briefe und andere Mittel zurück. Auflockerung schafft eine komische Nebenhandlung um Orontas Diener Niso und Artemias Vertrauten Eurillo, die die alte Erisbe verspotten, indem sie ihr eine angebliche Verjüngungstinktur verabreichen.
Am Ende werden die wahren Identitäten Meraspes und Orontas aufgedeckt, und die drei Paare Meraspe/Artemisia, Alindo/Oronta und Ramiro/Artemia finden zueinander.
Erster Akt
Platz mit dem Mausoleum
Szene 1. Artemisia, die Königin von Karien, gedenkt ihres Gatten Mausolo, der im Mausoleum seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Sie fordert ihren Vertrauten Eurillo auf, für seinen Seelenfrieden zu beten. Ihr Hofmeister Indamoro rät ihr, mit der Trauer abzuschließen und sich einer neuen Liebesbeziehung zu öffnen. Artemisia gesteht, dass sie sich bereits wieder verliebt habe, doch kein Glück darin zu finden hoffe.
Szene 2. Der Mann, für den Artemisia insgeheim schwärmt, ist Meraspe, ein Fürst aus dem mit Karien verfeindeten Kappadokien, der als Spion unter dem Namen Clitarco an Artemisias Hof gekommen ist. Er erwidert ihre Gefühle insgeheim. Als Artemisia ihm mitteilt, dass sie geschworen habe, denjenigen zu heiraten, der den Tod ihres Mannes räche, entgegnet er, dass dies sinnlos sei. Artemisia ist enttäuscht. Meraspe dagegen weiß nun, dass die Königin ihn liebt. Er kann die Bedingung aber nicht erfüllen, weil er sich dazu selbst töten müsste.
Szene 3. Während Meraspe die Inschrift auf Mausolos Grabmal betrachtet, erscheinen seine Lehnsleute Ramiro und Artemia. Er mahnt die beiden zur Vorsicht, damit seine Tarnung nicht auffliegt. Ramiro liest das Epitaph vor: „Hier starb Mausolo. Seine Gattin Artemisia verlangt, dass sein Mörder Rache und Tod erleide.“ Meraspe gesteht den beiden, dass er selbst Mausolo unabsichtlich in einem Turnierkampf getötet habe. Artemia weist auf die hoffnungslosen Liebesverhältnisse hin, in die sie alle verstrickt sind: Meraspe liebt Artemisia, sie selbst liebt Meraspe, und Ramiro liebt sie.
Szene 4. Oronta, eine Fürstin aus Zypern, trifft mit ihrem Diener Niso ein. Sie hat sich als Soldat verkleidet, um nach einem Bogenschützen zu suchen, in den sie sich verliebt hat, und nennt sich jetzt Aldimiro.
Szene 5. Der Gesuchte ist Alindo, ein Fürst aus Bithynien und General Artemisias. Oronta muss mitansehen, wie er schwärmerisch ein Porträt der Königin betrachtet. Sie erzählt ihm, dass sie und Niso nach einer Schlacht von einem Piraten gefangen genommen wurden, aber mit den anderen Gefangenen fliehen konnten. Darunter sei auch die als Mann verkleidete Oronta gewesen, die nach ihm, Alindo, suche. Alindo entgegnet, dass er Oronta einst geliebt habe, doch nun Artemisia anbete.
Szene 6. Ramiro wirbt vergeblich um Artemia und diese ebenso um Meraspe.
Szene 7. Artemisia ärgert sich darüber, dass Artemia Clitarco/Meraspe schöne Augen macht, und verbietet ihr, mit diesem zu sprechen. Dann entdeckt sie ein Porträt Artemias und nimmt es ihr ab, damit sie es nicht Clitarco geben kann. Sie schenkt ihr als Ausgleich ein Schmuckstück und schickt sie fort.
Szene 8. Alindo, die verkleidete Oronta und Niso treffen auf Artemisia und Meraspe. Alindo erklärt Artemisia seine Liebe, wird aber zu Meraspes und Orontas Erleichterung zurückgewiesen.
Szene 9. Indamoro ermahnt Artemisia, sich wieder zu vermählen, da Krieg drohe und es keinen Thronerben gebe. Er weist auf Gerüchte hin, dass sie nur deshalb eine neue Ehe ablehne, weil sie Clitarco liebe. Artemisia streitet das ab.
Szene 10. Steinmetze treffen ein, um am Mausoleum zu arbeiten. Eurillo nimmt dies zum Anlass, den Pfeil Amors mit einem Meißel zu vergleichen, der das Bild des Geliebten in das Herz einpräge. Artemisia fragt Clitarco/Meraspe nach seiner Meinung, ob sie wieder heiraten solle. Er entgegnet, dass Meraspe, der Fürst von Kappadokien, der ideale Ehemann für sie sei. Den verabscheut Artemisia jedoch. Da erscheint Mausolos Geist und fordert sie auf, noch einmal das Epitaph zu lesen. Dort steht jetzt: „Vergib meinen Feinden.“ Clitarco/Meraspe meint, sie solle diese Worte beherzigen.
Szene 11. Die alte Erisbe jammert über ihre vergangene Schönheit. Niso macht sich über sie lustig, indem er den Geist eines Toten spielt. Erisbe wird wütend und schlägt ihn.
Garten
Szene 12. Alindo bittet Eurillo, der Königin von seiner Liebe zu ihr zu erzählen. Eurillo weigert sich. Oronta/Aldimiro fragt ihn, ob er seine einstige Geliebte Oronta noch immer verachte, obwohl sie ihm weiterhin treu sei. Alindo versteht nicht, warum Aldimiro so besessen davon ist.
Szene 13. Artemia ist in Gedanken an Meraspe versunken („Zeffiretti placidetti“), als Ramiro eintrifft und ihr den Hof macht.
Szene 14. Artemisia versucht, mit ihren Gefühlen für Clitarco ins Reine zu kommen. Kurz darauf erscheint derselbe.
Szene 15. Artemisia schenkt Meraspe/Clitarco eine Blume. Als sie aber Alindo bemerkt, fordert sie ihn auf, die Blume an diesen weiterzureichen. Meraspe ist enttäuscht. Artemisia weist Alindo darauf hin, dass er die Blume nicht als Zeichen ihrer Liebe ansehen solle.
Szene 16. Oronta/Aldimiro gratuliert dem jubilierenden Alindo sarkastisch für seinen Erfolg, bevor sie ihm die Blume entreißt und ihm gesteht, dass sie ihn schon lange liebe. Alindo ist verwirrt. Er befiehlt Niso, ihm die Blume zurückzugeben. Der Diener gehorcht nur widerstrebend.
Szene 17. Artemia klagt über ihre unglückliche Liebe. Ramiro fragt sie, ob sie ihre Meinung über ihn geändert habe. Als sie das verneint, droht er, Meraspes Tarnung aufzudecken und ihn des Mordes an Mausolo anzuklagen. So könne er seinen Rivalen loswerden und ihre Liebe gewinnen. Erschrocken gibt Artemia nach und versichert Ramiro, dass sie seine Liebe jetzt erwidere. Ein geheucheltes Liebesduett unterbricht sie mit dem Vorwand, sie müsse nach dem von Artemisia erhaltenen Juwel suchen, das sie verloren habe.
Szene 18. Auch Meraspe jammert über Liebesschmerz. Artemisia deutet ihm an, dass seine Gefühle womöglich erwidert werden.
Szene 19. Alindo informiert Artemisia darüber, dass seine Truppen zum Kampf gegen die Phrygier bereit seien. Meraspe/Clitarco bittet darum, am Kampf teilnehmen zu dürfen. Artemisia lehnt das ab, weil sie ihn nicht in Gefahr bringen möchte. Als er ihr ein Schmuckstück überreicht, das sie offenbar verloren hat, bittet sie ihn, es zu behalten. Meraspe findet ihr Verhalten verwirrend. Er kann nicht erkennen, ob sie seine Gefühle erwidert.
Szene 20. Niso verspottet noch einmal die alte Erisbe. Sie ruft eine Gruppe Bogenschützen herbei, die sie beschützen sollen.
Ballett der acht Bogenschützen.
Zweiter Akt
Arsenal
Szene 1. Oronta/Aldimiro leidet unter ihrer unerwiderten Liebe zu Alindo. Als dieser erscheint, lässt sie ihn glauben, dass Oronta eingetroffen sei und ihr erzählt habe, wie sehr sie unter seiner Treulosigkeit leide. Alindo lässt sich dadurch nicht beeinflussen. Er schickt sie fort.
Szene 2. Artemisia fragt Alindo nach dem Fortgang des Krieges. Seine Gedanken gelten jedoch ausschließlich seiner Liebe zu ihr.
Szene 3. Artemisia fragt Meraspe/Clitarco, warum er so unglücklich wirkt, obwohl er doch geliebt werde. Meraspe antwortet ausweichend. Indamoro unterbricht das Gespräch und entdeckt das Schmuckstück an Meraspes Arm. Artemisia, die befürchtet, ihr Geheimnis sei aufgedeckt, redet sich heraus: Es handle sich um das Juwel, das sie Artemia gegeben habe. Meraspe habe es wohl als Liebesbeweis angenommen. Meraspe schwört jedoch, er habe es gefunden. Glücklicherweise trifft Artemia in diesem Moment ein, erkennt das Schmuckstück und bestätigt somit seine Angaben. Meraspe ist verwirrt, denn er hat es selbst von Artemisias Hand fallen sehen.
Szene 4. Artemia beklagt Meraspes Gleichgültigkeit ihr gegenüber. Als Ramiro erscheint, gibt sie vor, seine Gefühle jetzt zu erwidern. Ihr plötzlicher Sinneswandel kommt ihm verdächtig vor.
Königliches Waffenlager
Szene 5. Niso will sich bei Erisbe entschuldigen. Sie verlangt jedoch ein Geschenk, sonst werde sie ihn bei der Königin verklagen. Da Niso keine Wertgegenstände besitzt, verspricht er ihr eine Schönheitstinktur, die sie verjüngen könne – in Wirklichkeit handelt es sich um ein schwarzes Haarfärbemittel. Er habe es von einer Zauberin erhalten, der er einst diente. Erisbe bittet ihn, es sogleich anzuwenden. Sie werden von Artemisia unterbrochen.
Szene 6. Indamoro berichtet Artemisia, dass die Schlacht unmittelbar bevorstehe („Di trombe guerriere“). Eurillo führt ihr ein Echo vor, das an dieser Stelle besonders gut hörbar sei („Fortunato, chi piegato“). Artemisia bittet Erisbe, Clitarco heimlich und auf möglichst unverfängliche Weise ein Porträt von ihr zu überreichen.
Szene 7. Erisbe hofft, jetzt endlich Nisos Behandlung genießen zu können. Dieses Mal werden sie von Meraspe/Clitarco unterbrochen.
Szene 8. Erisbe zeigt Meraspe/Clitarco Artemisias Bild mit der Bemerkung, dass sie es nicht für gelungen halte und seine Meinung hören wolle. Meraspe findet, es sei perfekt getroffen, und bittet Erisbe, es ihm geben.
Szene 9. Meraspe betrachtet hingerissen Artemisias Porträt, als dieselbe eintrifft und erklärt, dass sie ihn glücklich machen wolle. Sie werde Artemia auffordern, ihn zu heiraten. Als er widerspricht, behauptet sie, er habe doch gerade deren Bildnis angehimmelt. Meraspe glaubt, sie mache sich über ihn lustig.
Szene 10. Alindo und Artemia kommen. Auf Artemisias Aufforderung erklärt Meraspe/Clitarco, dass er Artemia nicht liebe. Artemia bestätigt Artemisia, dass es sich um ihr Bild handle. Artemisia weist Alindo ein weiteres Mal zurück.
Szene 11. Niso kann jetzt endlich Erisbes Schönheitsbehandlung durchführen und erklärt anschließend, ihr Gesicht habe eine ganz andere Farbe angenommen – es ist jetzt natürlich schwarz. Eurillo macht ihr im Scherz einen Antrag. Niso warnt Erisbe davor, in den nächsten sechs Stunden in den Spiegel zu schauen. Das würde die Wirkung der Tinktur verändern und sie in eine schwarze Frau verwandeln.
Szene 12. Artemia leidet unter Meraspes Zurückweisung und macht Ramiro Hoffnung.