The Holdovers (Deutsch etwa „Die Überbleibsel“) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Alexander Payne aus dem Jahr 2023. Das Drehbuch schrieb David Hemingson. Die Tragikomödie handelt von einem verbitterten Lehrer, der gezwungenermaßen die Weihnachtsferien von 1970 auf 1971 mit einem renitenten Schüler und der afroamerikanischen Schulköchin an einem elitären Internat verbringen muss. Die zentralen Rollen übernahmen Paul Giamatti, Dominic Sessa und Da’Vine Joy Randolph.

Die Uraufführung von The Holdovers erfolgte Ende August 2023, der deutsche Kinostart war am 25. Januar 2024. Die Filmkritik lobte das Werk, das auf der Oscarverleihung 2024 fünf Nominierungen erhielt. Insbesondere die Darsteller wurden mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, darunter zwei Golden Globe Awards und für Da’Vine Joy Randolph der Oscar als beste Nebendarstellerin.

Handlung Dezember 1970: Der alleinstehende Paul Hunham arbeitet als Lehrer für Antike Zivilisationen an der Barton Academy, einem privaten Jungeninternat in Neuengland mit einer Schülerschaft aus großteils wohlhabendem Hause, wo er selbst früher zur Schule ging. Hunhams strenge und pedantische Weise, gerade bei der Notenvergabe, machen ihn sowohl bei Schülern als auch Lehrern überaus unbeliebt.

Einer der vermögenden Spender der Schule versagt ihr weiteres Geld, nachdem Mr. Hunham seinen Sohn in einer wichtigen Prüfung hat durchfallen lassen. Vor deshalb wird Hunham von dem Schuldirektor Dr. Woodrup zu der unliebsamen Aufgabe verdonnert, die Weihnachtsferien auf dem Internatsgelände zu verbringen, um die Schüler zu betreuen, die nicht nach Hause zu ihren Familien reisen konnten, die sogenannten „Holdovers“.

Hunham beaufsichtigt fünf Schüler, denen er mit ausgiebigen Lernstunden und Sportprogrammen bei Minusgraden zusetzt. Nach einigen Tagen erscheint der Vater eines Schülers per Helikopter und bietet an, alle verbliebenen Schüler spontan in den Skiurlaub der Familie mitzunehmen. Nur der 17-jährige rebellische Einzelgägner Angus Tully kann seine Eltern nicht erreichen und muss deshalb als einziger zurückbleiben. Er ist zwar ein guter Schüler, doch aufgrund seines schlechten Benehmens ist er bereits mehrerer Schulen verwiesen worden. Seine Mutter hat kürzlich einen reichen Mann geheiratet und Angus in letzter Minute vertröstet, um stattdessen über Weihnachten ihre Hochzeitsreise anzutreten. Neben Hunham und Angus verbleibt nur die schwarze Chefköchin Mary, deren Sohn Curtis vor kurzem im Vietnamkrieg gefallen ist, in der Schule. Marys Sohn hatte dank der dortigen Arbeit seiner Mutter ebenfalls Barton besuchen können und war ein sehr guter Schüler gewesen, doch nach seinem Abschluss hatte er kein Geld für ein College-Studium, weshalb er zu dem für ihn fatalen Militärdienst eingezogen wurde.

Hunham und Angus geraten mehrfach in Streit, etwa als Angus heimlich ein Hotelzimmer buchen und somit unerlaubt das Schulgelände verlassen möchte. Als Angus vor dem Lehrer davonrennt, fällt er hin und kugelt sich die Schulter aus. Hunham fürchtet, dass er dafür zur Verantwortung gezogen wird, aber Angus deckt ihn im Krankenhaus. Aus Dank lädt Hunham, etwas widerwillig, den Jungen in ein Restaurant ein. Dort treffen sie die Schulsekretärin Lydia Crane, die im Restaurant als Kellnerin aushilft und die beiden zu ihrer Weihnachtsfeier einlädt. Hunham zeigt ein schüchternes Interesse an Lydia, die ihn auch sympathisch findet. Sein Schielen und sein übler Geruch durch die Krankheit Trimethylaminurie machen Hunham aber unsicher, ob überhaupt eine Frau an ihm interessiert sein könnte.

Am Heiligabend besuchen Hunham, Angus und Mary die Weihnachtsfeier von Lydia. Während Angus mit Lydias Nichte Elise flirtet und sie einen Kuss teilen, muss Hunham zu seinem Leidwesen feststellen, dass Lydia bereits vergeben ist. Schließlich erleidet auch noch die betrunkene Mary einen Nervenzusammenbruch über den Tod ihres Sohnes. Danach verlassen sie die Feier verfrüht, worüber Angus seinen Ärger ausdrückt. Der verärgerte Hunham bedauert, dass Angus nicht von seinen Eltern abgeholt worden sei. Daraufhin entgegnet Angus, sein Vater sei tot. Mary kritisiert Hunham für sein kaltschnäuziges Auftreten, was ihn ins Nachdenken bringt. Er organisiert eine kleine Weihnachtsfeier für sich, Angus und Mary, und nach einigem Zögern geht er auf Angus’ Wunsch ein, eine „Exkursion“ nach Boston zu unternehmen.

Während Mary bei ihrer Schwester in Roxbury abgesetzt wird, unternehmen Angus und Hunham einen Besuch im Museum of Fine Arts und gehen danach Eislaufen. Sie treffen zufällig einen Studienkollegen von Hunham aus seiner Zeit in Harvard. Dieser ist nun ein renommierter Professor, weshalb Hunham – der nicht zurückstecken möchte – eine erfolgreichere Karriere vorgibt. Sein vorgeblicher Neffe Angus spielt bei der Lüge mit. Anschließend erklärt Hunham zögernd Angus seine Geschichte: Sein Zimmergenosse in Harvard, der im Gegensatz zu ihm aus einflussreicher Familie kam, habe bei ihm abgeschrieben und ihn dann als Plagiatoren hingestellt. In seiner Wut habe er den Zimmergenossen mit dem Auto angefahren, ihm damit mehrere Rippen gebrochen und sei von Harvard verwiesen worden. Der frühere Schulleiter von Barton habe Wohlwollen gezeigt und ihn trotz fehlenden Universitätsabschlusses als Lehrer nach Barton verpflichtet, wo er bereits Schüler gewesen war.

Während sie sich Little Big Man in einem Bostoner Kino anschauen, möchte Angus sich davonschleichen, wird aber von Hunham ertappt. Angus bittet darum, seinen Vater besuchen zu können – Hunham geht davon aus, dass sie auf einen Friedhof fahren, und begleitet ihn. Angus’ Vater Thomas lebt aber noch und ist in einer psychiatrischen Klinik in Boston untergebracht. Er leidet unter paranoider Schizophrenie, einsetzender Demenz und plötzlichen Gewaltausbrüchen, mit seinem Sohn kann er kaum kommunizieren. Nach dem Besuch vertraut der selbst unter Depressionen leidende Angus Hunham an, dass er fürchte, wie sein Vater zu enden. Seine Mutter vernachlässige ihn, da er sie zu sehr an seinen Vater erinnere, den sie mit ihrer neuen Ehe ganz hinter sich lassen wolle. Hunham versucht ihn zu beruhigen, dass kein Mensch genau wie sein Vater sei. Eine weitere Furcht von Angus ist, dass falls man ihn von Barton verweise, er nach Meinung seiner Mutter und seines Stiefvaters zur strengeren Disziplinierung auf eine Militärschule gehöre – von wo aus neue Soldaten nach Vietnam rekrutiert werden.

Als nach Neujahr die Schule wieder beginnt, wird Hunham in das Büro das Schuldirektors gerufen. Dort warten Angus’ Mutter Judy und sein Stiefvater Stanley, die über den unerlaubten Besuch in der Psychiatrie empört sind. Angus’ Vater hatte als Reaktion auf den Besuch einen schweren Gewaltausbruch gehabt. Die Mutter und der Stiefvater sehen die Schuld für den Vorfall bei Angus und möchten ihn auf die Militärschule schicken. Um Angus davor zu bewahren, verteidigt Hunham ihn und übernimmt die komplette Verantwortung für den Vorfall. Während Hunham gefeuert wird, darf Angus in Barton bleiben. Hunham verlässt Barton, wo er den größeren Teil seines Lebens verbracht hat, und hofft eine schon lange geplante Monografie über Karthago zu vollenden.

Entstehungsgeschichte Vorgeschichte und Drehbuch

The Holdovers ist der neunte Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Alexander Payne. Seit den 1990er-Jahren hatte er einige erfolgreiche und positiv rezipierte Filme inszeniert, oftmals wie The Holdovers im Genre der Tragikomödie. Sein letzter Film vor The Holdovers, Downsizing, war allerdings bei seiner Veröffentlichung 2017 vom Publikum und amerikanischen Kritikern nur durchwachsen aufgenommen worden. Überdies war 2019 ein geplanter Film für Netflix wenige Tage vor Beginn der Dreharbeiten geplatzt. Bei The Holdovers war es daher Paynes Ziel, nach diesen beiden Enttäuschungen an frühere Erfolge anzuknüpfen. Payne kam die Idee zum Film, nachdem er 2011 den französischen Streifen Merlusse von Marcel Pagnol aus dem Jahr 1935 mit ähnlicher Thematik gesehen hatte. Allerdings hatte er keine eigenen Erfahrungen mit dem Internatsleben und wollte deshalb das Drehbuch nicht selbst schreiben, wie er es bei der Mehrzahl seiner früheren Filme getan hatte.

Payne stieß auf ein Drehbuch-Fragment für einen nicht gedrehten Fernseh-Pilotfilm, der in einer Privatschule spielen sollte. Er bat dessen Autor David Hemingson, auf dieser Basis ein Drehbuch für einen Kinofilm zu schreiben.Mike Fleming Jr.: Alexander Payne Taps His ‘Sideways’ Star Paul Giamatti For ‘The Holdovers’: Hot Cannes Package. In: deadline.com, 14. Juni 2021 (abgerufen am 12. August 2022). Hemingson, der bis dahin hauptsächlich für Fernsehserien gearbeitet hatte, verarbeitete in dem Drehbuch seine eigenen Erfahrungen auf der Watkinson School in Hartford Anfang der 1980er Jahre. Das Drehbuch entstand in enger Abstimmung mit Alexander Payne, der eigene Ideen einbrachte, bestimmte Wendungen und Stimmungen für einzelne Szenen vorschlug, aber das konkrete Schreiben Hemingson überließ.

Auf Wunsch von Payne wurde die Geschichte in die 1970er-Jahre verlegt. Künstlerisch sollte sich The Holdovers dabei an den „New Hollywood“-Filmen dieser Zeit orientieren, etwa Klassikern von Hal Ashby (insbesondere Das letzte Kommando von 1973), Bob Rafelson und Robert Altman. Diese Filme thematisierten zwischenmenschliche Beziehungen und komplizierte Lebenssituationen, was auch Payne aufgreifen wollte. Er sehe The Holdovers als „Film über Menschen“. Payne äußerte hierbei auch, dass die häufige Bezeichnung des Films als „gemütlich“ (cozy) ihn etwas überrascht habe. The Holdovers wurde Mitte Juni 2021 als Filmprojekt öffentlich gemacht.

Besetzung Für die Hauptrolle des Geschichtslehrers Paul wurde Paul Giamatti verpflichtet, mit dem Payne bereits an seinem Erfolgsfilm Sideways (2004) zusammengearbeitet hatte und den er sehr schätzt. Laut Payne war Giamatti schon beim Schreiben der Figur Paul die vorgesehene Besetzung gewesen, man verpasste der Figur bewusst Giamattis Vornamen. Schon in Sideways hatte Giamatti einen Lehrer gespielt, der mit dem bisherigen Verlauf seines Lebens nicht glücklich ist.

Für die zweite Hauptrolle des Schülers Angus gab es über 800 Bewerber, allerdings konnte zunächst kein junger Schauspieler gefunden werden, der ganz überzeugte. Schließlich fragte Regisseur Payne bei den Theatergruppen der Schulen, die als Drehorte für The Holdovers fungierten, an. So wurde der Zwölftklässler Dominic Sessa von der Deerfield Academy besetzt, der bis dahin nur in Schultheaterstücken gespielt hatte. Laut Regisseur Payne habe Sessa in den ersten Proben noch zu komplex und etwas übertrieben geschauspielert, sich aber nach schneller Einfindung als Naturtalent gezeigt. Einige der nicht genommenen 800 Bewerber wurden später in Nebenrollen als Schüler besetzt.

Anfang 2022 wurden die Besetzungen von Da’Vine Joy Randolph als Köchin Mary und Carrie Preston als Schulsekretärin Lydia bekannt.Justin Kroll: Da’Vine Joy Randolph Joins Paul Giamatti In Alexander Payne and Miramax’s ‘The Holdovers’. In: deadline.com, 26. Januar 2022 (abgerufen am 12. August 2022).Matt Grobar: ‘The Holdovers’: Carrie Preston Boards Alexander Payne’s Film For Miramax. In: deadline.com, 31. März 2022 (abgerufen am 12. August 2022). Randolph hat als Köchin Mary die dritte große Rolle des Filmes und wurde von Payne dafür angefragt, nachdem er von ihrer Leistung in dem Film Dolemite Is My Name beeindruckt gewesen sei. Laut Randolph halte mit ihrer Figur eine „andere erzählerische Farbe Einzug“ und eine „Zärtlichkeit“, die The Holdovers von anderen „Männer-und-Mentoren-Geschichten“ wie Der Club der toten Dichter oder Good Will Hunting abgrenze.

Dreharbeiten mini|Die Deerfield Academy in Deerfield, Massachusetts, ist einer der Drehorte des Films und war die Schule des Hauptdarstellers Dominic Sessa.