Danone ist ein weltweit tätiges Lebensmittelunternehmen, das 1919 in Barcelona gegründet wurde und seinen Hauptsitz in Paris hat. Es ist an der Euronext notiert und zählt zum Kursindex CAC 40.
Die Danone-Gruppe entstand 1973 aus der Fusion von Gervais-Danone mit der französischen Gruppe Boussois-Souchon-Neuvesel (BSN).M. L. Cohen, updated by David E. Salamie: Danone SA. Seit 1994 nutzt die Gruppe den Namen Danone. Die Gruppe beschäftigt knapp 90.000 Mitarbeiter, ihre Produkte werden in über 120 Ländern konsumiert (Stand: Ende 2025).
Unternehmensgeschichte Entwicklung von Danone bis zur Fusion mit BSN (1919–1973)
1919 führte Isaac Carasso, ein in Barcelona lebender sephardischer Jude, einen Joghurt ein, der durch verdauungsfördernde Milchfermente positiv auf die Gesundheit von Kindern mit Darmerkrankungen wirken sollte. Der Joghurt basierte auf den Arbeiten des Nobelpreisträgers Ilja Iljitsch Metschnikow und wurde in Apotheken, in wiederverwertbaren Porzellangläsern und auf Empfehlung von Ärzten verkauft. Carasso gab seinem Produkt den Namen „Danone“ (katalanisch für „kleiner Daniel“), den Spitznamen seines Sohnes Daniel.
Daniel Carasso gründete nach einem Studium in Marseille und einem Praktikum am Institut Pasteur 1929 die Société Parisienne du Yoghourt Danone in Paris. Damals war Joghurt in Frankreich praktisch unbekannt – wie zehn Jahre zuvor in Spanien. Daniel Carasso setzte auf Werbung und Marketing, um dem Spezialprodukt breite Käuferschichten zu erschließen.
1941 floh er in die Vereinigten Staaten. Ein Jahr zuvor hatte die Deutsche Wehrmacht Frankreich besiegt. In New York setzte er seine geschäftlichen Aktivitäten fort, nun in Partnerschaft mit einem spanischen Geschäftsmann und dessen Sohn. Letzterer sollte mit seinem Gespür für Marketing Dannon, den amerikanisierten Markennamen von Danone, in den USA bekannt machen. Die Geschäftspartner erwarben ein kleines Unternehmen für griechischen Joghurt in der Bronx und starteten im Oktober 1942 die Herstellung von geschmacksneutralem Joghurt. Bis 1949 blieb das Geschäft wenig ertragreich. Erst die Beimischung von Marmelade verhalf dem Joghurt zum Erfolg auf dem amerikanischen Markt. 1959 wurde das Unternehmen von Beatrice Foods gekauft.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Daniel Carasso nach Europa zurück. Er vergrößerte die Geschäfte durch die Errichtung von Produktionsanlagen in weiteren Ländern und durch Fusionen mit anderen Unternehmen der Lebensmittelbranche. Auf diese Weise kam es 1967 zum Zusammenschluss mit dem Käseunternehmen Gervais.Gervais und Danone fusionieren. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Juni 1967. 1973 folgte die Fusion von Gervais-Danone mit dem Glashersteller BSN.
Entwicklung von BSN bis zur Fusion mit Gervais-Danone (1966–1973) Antoine Riboud (1918–2002)Zur Biografie dieses Unternehmers siehe . erbte 1958 La Verrerie Souchon-Neuvesel, ein Unternehmen für Glasherstellung. Bis 1966 konzentrierte es sich auf Flachglas. In jenem Jahr fusionierte La Verrerie Souchon-Neuvesel mit Glaces de Boussois, einem Hersteller von Fensterglas für Gebäude, Spiegel und die Automobilindustrie. Das zusammengeschlossene Unternehmen nannte sich Boussois Souchon-Neuvesel. Ab 1967 nutzte es das Kürzel BSN. Antoine Riboud fungierte als BSN-Präsident.
Nachdem Ribouds Versuch gescheitert war, den deutlich größeren Wettbewerber Saint-Gobain zu übernehmen, baute er das Unternehmen nach 1969 schrittweise in einen Lebensmittelhersteller um. 1970 erwarb BSN die Société anonyme des eaux minérales d’Évian, zusammen mit deren Tochterunternehmen für Babynahrung, sowie die Brauereien Société européenne de brasserie und Brasseries Kronenbourg. Auf den französischen Märkten für Babynahrung, Mineralwässer und Bier wurde BSN so rasch zu einem wichtigen Akteur. Auch im Markt für Flachglas expandierte BSN. Es errichtete 1970 die deutsche Tochter Flachglas AG. 1972 wurde BSN zudem Haupteigentümer der belgischen Glaverbel. Damals beherrschte BSN fast die Hälfte des europäischen Marktes für Flachglas.
Zum Jahresanfang 1973 schlossen sich BSN und Gervais-Danone zusammen. Auf diese Weise entstand der damals größte Nahrungsmittelkonzern Frankreichs.Eine Großfusion in Frankreich. Boussois-Souchon-Neuvesel und Gervais-Danone gehen zusammen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 1972.
Krisenjahre und Fokussierung (1973–1980) Der Flachglas-Bereich geriet infolge des Ölpreisschocks von 1973 in Schwierigkeiten, denn der gesamtwirtschaftliche Abschwung erfasste auch die für Flachglas zentralen Märkte für Neuwagen und Immobilien. Die Produktionskosten wurden zudem durch steigende Preise für Material und Energie belastet. BSN Gervais-Danone reagierte mit Modernisierungen: In Nordfrankreich wurden drei neue Fabriken errichtet; der Maschinenpark der bestehenden europäischen Werke wurde vielfach erneuert. Dennoch wurden ab 1974 mehr als 20 Flachglas-Öfen aufgegeben, die Belegschaft wurde um 30 Prozent reduziert. Die Kosten zur Bewältigung der Krise beliefen sich auf insgesamt 2,5 Mrd. FF. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen setzte BSN Gervais-Danone fortan neue Schwerpunkte. Von nun an waren Flachglas-Aktivitäten lediglich eine Ergänzung für den Lebensmittel- und Getränkebereich.
1973 beteiligte sich BSN Gervais-Danone an Ebamsa (später Font Vella genannt), dem führenden spanischen Mineralwasserabfüller. 1978 folgte eine Beteiligung an der belgischen Brauerei Alken. Im Jahr darauf übernahm BSN Gervais-Danone ein Drittel der Anteile von Mahou (spanische Brauerei) sowie von Wührer (italienische Brauerei), ferner die Anteilsmehrheit der belgischen Brauerei Anglo Belge. Die Lebensmittelsparte wurde ebenfalls durch Zukäufe gestärkt. 1980 übernahm BSN Gervais-Danone den Lebensmittelbereich von Générale occidentale.Sophie Boutillier, Dimitri Uzunidis: L'aventure des entrepreneurs. Studyrama, Levallois-Perret 2006, S. 66, ISBN 2-84472-790-5. Im selben Jahr erwarb BSN Gervais-Danone zwei Unternehmen für Tiefkühlprodukte und Eiscreme. 1980 gründete das Unternehmen mit Ajinomoto ein Joint Venture und fand so den Einstieg in den japanischen Markt. Darüber hinaus übernahm BSN Gervais-Danone 1980 auch zwei Brauereien in Nigeria.
Abbau des Glasbereichs und Ausbau bei Getränken und Lebensmitteln (1980–1989) Die zweite Ölpreiskrise von 1979/1980 beschleunigte die Aufgabe der Flachglas-Aktivitäten. Bis 1982 verkaufte BSN Gervais-Danone seine entsprechenden Tochterfirmen und Bereiche in Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. Im Bestand verblieben neun Glasbehälterfabriken. 1985 veräußerte das Unternehmen sein Glasgefäße- und Glasgeschirrgeschäft.
1981 erwarb BSN Gervais-Danone Dannon, dieses Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt zum größten amerikanischen Joghurt-Hersteller aufgestiegen. 1983 verkürzte BSN Gervais-Danone seinen Namen zu BSN. Ein Jahr später erwarb es die beiden Champagner-Erzeuger Pommery et Greno und Lanson Père & Fils, die bis 1990 zu BSN gehörten. 1986 kaufte BSN den führenden kontinentaleuropäischen Kekshersteller Générale Biscuit (unter anderem mit der Marke LU).Rolf H. Fricke, Gerhard Heidelberg: BSN. Schutzmechanismen gegen feindliche Übernahmeversuche sind entwickelt worden – Gespräch mit Antoine Riboud und Georges Lecallier. Wenn sich die Gelegenheit bietet, wird in der Bundesrepublik weiter zugekauft. In: Handelsblatt, 30. November 1988.Fokussierung von Danone auf das Kerngeschäft. Bekräftigte Führungsrolle im Markt für gesunde Nahrungsmittel. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. Juli 2007. Im Jahr darauf wurde Sonnen Bassermann übernommen. 1988 folgte die vollständige Übernahme der fusionierten belgischen Brauereien Alken und Maes, ferner von HP Foods sowie von Lea & Perrins. 1989 erwarb BSN alle europäischen Nahrungsmittel-Aktivitäten von Nabisco und wurde so zum seinerzeit zweitgrößten Keksproduzenten weltweit. Durch Zukäufe von italienischen Nahrungsmittelherstellern wurde BSN zum damals größten Nahrungsmittelanbieter der Halbinsel.
Forcierte Internationalisierung und Straffung (1990–2007) In der ersten Hälfte der 1990er Jahre verstärkte das Unternehmen seine Internationalisierungsbestrebungen. Osteuropa und Asien standen dabei im Mittelpunkt, aber auch das südliche Afrika und Lateinamerika. So erwarb es Gebäckhersteller in Tschechien und Russland. Zusammen mit einem indischen Partner übernahm das Unternehmen die Nahrungsmittelgeschäfte von Nabisco in der Region Asien-Pazifik; drei Jahre später zahlte es seinen indischen Partner aus. Auch in China wurde das Unternehmen mit Hilfe von Joint Ventures aktiv. 1994 erwarb es 49 Prozent der Anteile von Campineira de Alimentos, dem zweitgrößten brasilianischen Anbieter von Keksen. In Frankreich stärkte das Unternehmen seine Marken- und Produktionsbasis, 1993 beispielsweise durch die Akquisition von Volvic und der Société des Sources du Mont Dore.
1994 entschied sich das Unternehmen, seinen Namen an die wichtigste Marke anzupassen. Es agierte anschließend als Groupe Danone. Im Mai 1996 übernahm Franck Riboud von seinem Vater die Leitung des Unternehmens.Danone: Börse über Gewinnzuwachs erfreut. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Januar 1998. 1996 baute Danone sein Engagement in China aus, es gründete fünf Joint Ventures mit Wahaha.Mike W. Peng: Global strategy. 2. Auflage. South Western Cengage Learning, Mason 2009, S. 187, ISBN 0-324-59099-7. Im selben Jahr startete ebenfalls ein Joint Venture mit Coca-Cola, das bis 2000 dem Vertrieb von Danone-Joghurt und Minute Maid diente.Isabelle Géneau de Lamarlière, Jean-François Staszak: Principes de géographie économique. Cours, documents et travaux dirigés. Bréal, Rosny 2000, S. 151 f, ISBN 2-84291-456-2.
1997 gab Danone bekannt, sich auf drei Kerngeschäftsbereiche konzentrieren zu wollen: Milchprodukte, Kekse und Getränke (insbesondere Wasser und Bier). Sparten und Marken, die nicht zu dieser Ausrichtung passten, wurden nach und nach verkauft. Auch das Glasgeschäft wurde weiter reduziert.Gerresheimer kooperiert mit Groupe Danone. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. August 1998.Danone verkauft Verpackungsgeschäft. In: Handelsblatt, 16. Juni 1999. Im Getränkebereich stärkte Danone das Geschäft mit Wasser, insbesondere in Nordamerika,Danone kauft großen US-Wasserhersteller. In: Handelsblatt, 12. Januar 2000. während es den Großteil seiner Bier-Aktivitäten an Scottish & Newcastle abgab.Danone trennt sich vom Biergeschäft. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2000. Auch im Keksbereich verstärkte sich das Unternehmen durch den Erwerb entsprechender Geschäfte von United Biscuits. 2001 erwarb Danone einen 40-Prozent-Anteil an Stonyfield Farm, dem größten Joghurt-Anbieter der USA. Dieser Anteil wurde 2004 auf 80 Prozent aufgestockt. Das nordamerikanische Wassergeschäft verstärkte Danone 2002 ebenfalls durch eine Zusammenarbeit mit Coca Cola und Suntory.Danone produziert Wasser gemeinsam mit Suntory. In: Handelsblatt, 5. September 2003.
2001 kündigte Danone den Abbau von sechs seiner europäischen Keksfabriken an, in Frankreich führte das zu öffentlichkeitswirksamen Protestkundgebungen. 2002 und 2003 grenzte das Unternehmen seinen Fokus noch weiter ein. Galbani, sein italienischer Käse- und Schinkenproduzent, wurde veräußert,Danone verkauft Galbani. In: Neue Zürcher Zeitung, 28. Februar 2002. ebenso die restlichen Anteile am Glasgeschäft.