Hermann Schwarzweber (* 1. Juni 1884 in Freiburg im Breisgau; † 26. November 1972 ebenda) war ein deutscher Gymnasiallehrer, Heimat- und Bergfreund, Kunstfreund, Skipionier, Hobbyfotograf, Autor und Publizist. Zunächst Leiter der Ortsgruppe Freiburg des Landesvereins Badische Heimat, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg zusätzlich dessen Präsident und Herausgeber seiner Schriften.Hermann Schwarzweber: Lebensblätter eines alten Freiburgers. Freiburger Almanach 1961 Er erlebte vier politische Systeme und zwei Kriege.
Familie Hermann Schwarzweber wurde am 1. Juni 1884 im elterlichen Haus in Freiburg im Breisgau geboren. Er war der älteste Sohn des Hafnermeisters Hermann Schwarzweber, dessen Vorfahren am Ende des 18. Jahrhunderts von Fessenheim-le-Bas im Unterelsass nach Freiburg emigriert waren, und der Maria Schwarzweber geb. Willoth aus Buchheim bei Freiburg. Hermann Schwarzweber wuchs mit seinem jüngeren Bruder Otto (* 1886; † 1944) auf. 1912 heiratete Hermann Schwarzweber Luise Lauer, Tochter eines Pforzheimer Fabrikanten, dessen Vorfahren als wallonische Glaubensflüchtlinge nach Schönau im Odenwald gekommen waren. Mit ihr hatte er die Kinder Annemarie (1913–2007), Hermann (1917–1942) und Eva (geb. 1918). Der einzige Sohn Hermann fiel 1942 an der Ostfront.
Schulische und berufliche Laufbahn
Hermann Schwarzweber besuchte ab 1890 die Freiburger Lessingschule, anschließend das Großherzogliche Gymnasium (später Bertholds-Gymnasium, heute Bertholdgymnasium), wo er 1903 das Abitur ablegte. Seine ersten zwei Studiensemester verbrachte er in Innsbruck, wo er kurz vorher durch eine Ersteigung der Wildspitze seine Liebe zum Alpinismus entdeckt hatte und im Akademischen Alpinen Verein Freunde fürs Leben gewann. 1908 beendete er sein Studium in Freiburg mit dem Staatsexamen in Geschichte und Geographie (Hauptfächer) und Latein (Nebenfach), erweitert 1911 durch das Fach Deutsch. Ebenfalls 1907/1908 promovierte er in Geschichte bei Heinrich Finke über das Thema Die Landstände Vorderösterreichs im 15. Jahrhundert. Im Jahresbericht 1907/1908 des „Großherzogl. Bertholds-Gymnasiums zu Freiburg i. B.“ wird er als „Volontär“ geführt. 1908 wurde er als „Lehramtspraktikant“ nach Pforzheim an die Höhere Mädchenschule (Hildaschule) versetzt. Dort wurde 1911 der „Probekandidat“ zum „Professor“ und damit zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Zum 1. Januar 1914 wurde er auf eigenen Wunsch nach Freiburg versetzt, und zwar auch dort an die Höhere Mädchenschule (später Hindenburgschule, heute Goethe-Gymnasium) mit Lehrerinnenseminar. An dieser Schule unterrichtete Hermann Schwarzweber bis zu seiner Pensionierung 1950. Allerdings holte man ihn in den 1950er-Jahren noch einmal kurzfristig an die Pädagogische Akademie Gengenbach. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg leitete er im Auftrag des badischen Kultusministeriums Skikurse, zu denen sich Lehrer aus ganz Baden anmelden konnten.
Die beiden Weltkriege 1915 kam Hermann Schwarzweber mit einer Kraftfahrerkolonne als Kraftfahrer nach Russisch-Polen.Nachlass Hermann Schwarzweber (Tagebücher, Briefe, Notizen) Im Winter 1915/16 war er Ausbilder in einem „Schneeschuh-Bataillon“ in Immenstadt im Allgäu, 1916 kam er an den Württembergischen Kraftwagenpark Armee-Abteilung GÄDE im badischen Müllheim, wo er eine fotografische Dokumentationsaufgabe hatte und zu verschiedenen Anlässen das benachbarte Elsass mit dem Hartmannsweilerkopf besuchte. Nachdem der Krieg 1917 noch immer nicht beendet war, entschloss sich Schwarzweber, in Colmar und in Beverlo eine Offiziersausbildung zu machen. Anschließend diente er 1917/18 als Leutnant in Nordfrankreich während der Somme-Offensive, wo er eine Zeitlang in Péronne stationiert war und dann von St-Quentin aus auf dem Rückzug seine Kolonne über die belgischen Ardennen bis nach Bonn führte.Hermann SCHWARZWEBER: Von St-Quentin bis Bonn
Im Zweiten Weltkrieg war Hermann Schwarzweber Anfang 1940 während des Sitzkriegs zunächst in Düsseldorf, dann in Brüssel, Antwerpen, Châlons-sur-Marne und schließlich Tours, wo er zusammen mit einem Mitoffizier eine Nachschub-Außenstelle leitete. Dienstreisen führten ihn von dort bis Bordeaux, Nantes und Rennes. Als die Stelle im Oktober 1940 aufgelöst wurde, kam er in ähnlicher Funktion nach Paris an das „Oberquartier“, wo er bis 1943 blieb. Er war im Hotel „Georges V“ untergebracht, das von der Wehrmacht requiriert worden war. 1941 wurde er zum Hauptmann befördert. Das Tagebuch ist apolitisch. Es schildert Alltagsdinge und jeden Morgen die Wetterlage. Die zahlreichen Besteigungen des Eiffelturms wurden minutiös aufgelistet. Der Turm diente als Ersatz für die geliebten Berge. 1943 war Hermann Schwarzweber wieder Zivilist; der offizielle Grund für sein Ausscheiden aus dem Kriegsdienst war „Dienstunfähigkeit“.
Hermann Schwarzweber und die Badische Heimat
Noch in seine Pforzheimer Zeit fiel 1909 die Gründung des Landesvereins Badische Heimat. Hermann Schwarzweber war Gründungsmitglied, doch widmete er sich zunächst mehr der Dokumentation seiner Erstbesteigungen in der Südtiroler Durreck-Gruppe, 1911–1913 der Herausgabe der „Ski-Chronik“ und nach dem Ersten Weltkrieg der Gründung und Leitung einer Ski-Abteilung der Sektion Freiburg des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. 1926 übernahm er aufgrund des Vorschlags von Pfarrer Carl Kistner den Vorsitz der Ortsgruppe Freiburg der Badischen Heimat. Zunächst war es „nur“ die Organisation des Vortragsprogramms im Winterhalbjahr und des Exkursionsprogramms im Sommerhalbjahr. Dann aber, von 1952 bis 1968 kam der Vorsitz des Landesvereins dazu. Dies bedeutete ein Triumvirat in einer Person: Präsident des Gesamtvereins, Herausgeber der Vereinsschriften und weiterhin Leiter der Ortsgruppe Freiburg. So hat ihm der Verein einerseits Einiges abverlangt, doch fand der politisch Unbelastete ein Betätigungsfeld vor, in dem er seine breitgestreuten kulturellen Interessen vom Schwarzwald bis Südtirol, vom Alpinismus bis zum Skilaufen, von der Fotografie bis zur Kunstkritik einbringen konnte und das wie auf ihn zugeschnitten war. Sein Vorgänger als Landesvorsitzender war der Karlsruher Ministerialrat Thoma, sein Nachfolger war 1968 der Oberarchivrat Franz Laubenberger.
Schriften (Auswahl)