Gertrudhospital, Hospital St. Gertrud und ähnlich war eine Bezeichnung für Hospitäler, die der heiligen Gertrud von Nivelles geweiht waren. Sie beherbergten vor allem Reisende und Kranke.

Geschichte Hospitäler mit dem Patrozinium der heiligen Gertrud entstanden im hohen Mittelalter nur wenige, so in Bamberg (1137 erste Erwähnung)Friedrich Hiller: Die Kirchenpatrozinien des Erzbistums Bamberg, 1931, S. 121 und in Passau (1302).

Erst nach der Großen Pest 1348/49 entstanden zahlreiche solcher Herbergen vor allem im Ostseeraum und in angrenzenden Gebieten. Diese lagen meist unmittelbar vor den Städten an einer wichtigen Handelsstraße und waren vor allem für Pilger und andere Reisende sowie für auswärtige Kranke und Arme ausgerichtet.

Sie bestanden häufig bis in das 16. oder 17. Jahrhundert und entwickelten sich danach entweder zu reinen Pilgerherbergen oder zu Armenhäusern, oder sie wurden aufgelöst. Einige wurden danach weiter als Friedhofskapellen genutzt.

Verbreitung mini|Hospitalkapelle Soldin (Myślibórz) Brandenburg und Berlin In der Mark Brandenburg gab es einige Gertrudhospitäler, vor allem in den größeren Städten.Carl Nagel: St. Gertrud und ihre Hospitäler in der Mark Brandenburg, in Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte, 14, 1963, S. 7–69 PDF In einigen westlichen Orten waren sie Leprosorien für Personen mit ansteckenden Krankheiten (sonst geschah dies meist in Georgenhospitälern). Lepra-Museum Münster; mit einigen Orten Hospital St. Gertrud Belzig, zeitweise Leprosorium, Kapelle erhalten Gertraudenhospital Berlin, vor der Stadt Cölln Hospital St. Gertrud Brandenburg, LeprosenhausA. Guttstadt: Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich, 1900, S. 94, mit einigen AngabenGustav Abb, Gottfried Wentz: Das Bistum Brandenburg, Band 1, 1929, S. 173, kurz zwei Urkundennennungen Hospital St. Gertrud Eberswalde St. Gertrud Frankfurt (Oder) Hospital St. Gertrud Jüterbog, Leprosenhaus Hospital St. Gertrud Potsdam, Leprosenhaus Hospital St. Gertrud Rathenow, Leprosenhaus Hospital St. Georg, Treuenbrietzen, Leprosenhaus

Neumark Hospital St. Gertrud Königsberg in der Neumark (Chojna) Gertrudenhospital Soldin (Myślibórz), Kapelle aus dem 15. Jahrhundert erhalten

Mecklenburg-Vorpommern In Mecklenburg und Pommern waren Gertrudenhospitäler meist vor allem Herbergen für Pilger und Reisende.Hellmuth Heyden: Kirchengeschichte Pommern, 1957, S. 172f.; ausführlich ders. Die Hospitäler "St. Georg" und " St. Gertrud" in Pommern, in Blätter für Kirchengeschichte Pommerns, 1939, S. 3–16 (Rostock, Greifswald, Güstrow, Wolgast und andere)

Sachsen-Anhalt Hospitäler St. Gertrud gab es in den altmärkischen Städten Gardelegen, Osterburg, Salzwedel, Seehausen, Stendal, Tangermünde und Werben, sowie in Magdeburg, Lenzen, Egeln, Zerbst und weiteren Städten.

Nordwestdeutsche Städte Auch in Bremen (seit 1336), Hamburg, Lübeck (Gertrudenherberge) und weiteren Städten gab es Gertrudhospitäler, ebenso in Dänemark (Kopenhagen).St. Gertrude's Hospital, Copenhagen, englische Wikipedia

Südöstliche Ostseeküste Gertrudenhospitäler sind auch aus Hinterpommern (Köslin, Rügenwalde, Friedeberg), Danzig, Riga und weiteren östlichen ehemals deutschsprachigen Städten bekannt.

Einzelnachweise

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