Martin Hoffmann (* 1960 in Lünen, Westfalen) ist ein deutscher Kulturmanager und Russland-Lobbyist. Er war langjähriger Geschäftsführer des 2023 aufgelösten Petersburger Dialogs und ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums.30 Jahre Deutsch-Russisches Forum: Neustart der „Putin-Versteher“ – mit weniger Politik und einer Pastorin. In: RND Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 15. August 2023.

Werdegang Martin Hoffmann studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Slawistik und Geschichte, 1986 für ein halbes Jahr in Moskau. Ab 1990 arbeitete Hoffmann als Leiter für Seminar- und Bildungsreisen mit den Länderschwerpunkten Russland und China.Martin Hoffmann auf petersburg-dialog.de. Im Jahr 1992 wechselte Hoffmann zum Verein für deutsch-russische Beziehungen Arge-Ost, wo er die Informationsmesse „Deutsche Kulturtage“ in verschiedenen russischen Regionen organisierte, unter anderem in den Städten Kursk, Nischni Nowgorod und Kaliningrad. Im Jahr 1995 übernahm Hoffmann die Geschäftsführung beim Deutsch-Russischen Forum, ab 2001 wurde er als geschäftsführendes Mitglied in den Vorstand gewählt. Darüber hinaus war Hoffmann bis 2023 Geschäftsführer des Petersburger Dialogs.

Mitte Oktober 2024 berichteten die Tagesschau und Die Zeit über eine gemeinsame Reise von Hoffmann mit dem ehemaligen Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, und dem letzten Vorsitzenden des Petersburger Dialogs, Ronald Pofalla, ins aserbaidschanische Baku. Dort trafen sie sich mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Russlands Wiktor Subkow, dem russischen Sonderbeauftragten für kulturelle Angelegenheiten im Ausland Michail Schwydkoj, dem Vorsitzenden des russischen Präsidialamts für Menschenrechte Waleri Fadejew und dem Botschafter der Russischen Föderation in Aserbaidschan, Michail Ewdokimow. Ziel des konspirativen Treffens war die Wiederbelebung der deutsch-russischen Beziehungen unter dem Banner des Petersburger Dialogs.

Anfang November 2025 trafen sich Martin Hoffmann, Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla und Matthias Platzeck in Abu Dhabi erneut mit Kreml-Vertretern wie Waleri Fadejew und Gazprom-Aufsichtsratschef Viktor Subkow. Es war die vierte Zusammenkunft der Deutschen mit der russischen Seite.Russland-Kontakte erweitert: Platzeck und Pofalla sollen erneut bei Geheimtreffen Kreml-Vertraute getroffen haben bei n-tv vom 3. Dezember 2025.

Martin Hoffmann wohnt in Berlin-Wilmersdorf.Jana Simon, Philip Faigle: „Putin will die Sowjetunion wiederherstellen“. Auf Zeit.de, 29. Juli 2022.

Positionen und Kritik In seiner Funktion als geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums nahm Martin Hoffmann gleich zu Beginn des Russisch-Ukrainischen Krieges im Dezember 2014 eine russlandfreundliche Position ein und wurde deshalb als „Putinversteher“ kritisiert. So lehnte er im ARD-Morgenmagazin die Sanktionen des Westens infolge der russischen Annexion der Krim 2014 als „absolut kontraproduktiv“ ab und bezeichnete sie als „eine Geste … des Überlegenden (sic!) an den Unterlegenden (sic!)“. Stattdessen sollten „positive Räume der Zusammenarbeit“ geschaffen werden. Als Beispiel nannte er den „berühmten Raum von Lissabon nach Wladiwostok, den man ausbauen und den man füllen könnte“.Martin Hoffmann, Deutsch-Russisches Forum, zu den neuen Sanktionsplänen gegen die Krim. ARD-Morgenmagazin, 19. Dezember 2014, tagesschau.de. Hierbei verwendete Hoffmann eine Formulierung des damaligen russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, der 2010 zur Schaffung einer eurasischen Freihandelszone aufrief.Von Lissabon bis Wladiwostok: Putin träumt vom gemeinsamen Markt mit der EU. Spiegel online, 25. November 2010.

Im Zeit-Podcast unter dem Titel Warum denken sie das? / Deutsch-russische Beziehung im Streitgespräch mit dem CDU-Politiker Dieter DombrowskiWarum denken Sie das? (Zeit-Podcast): „Die Russen werden auch in 20 Jahren keine Demokratie haben“. Martin Hoffmann im Streitgespräch mit Dieter Dombrowski, Teil 1, Oktober 2021; Warum denken Sie das? (Zeit-Podcast): „Putin will die Sowjetunion wiederherstellen“ (Martin Hoffmann im Streitgespräch mit Dieter Dombrowski, Teil 2), Juli 2022. nahm Hoffmann im Juli 2022 einen relativistischen Standpunkt ein. Es gebe keine objektive Wahrheit, nur die Narrative zweier Seiten. Seine Auffassung dazu hatte Hoffmann bereits 2015 ausformuliert: „Beide Erzählungen sind in sich absolut kohärent, logisch aufgebaut, sie sind in großen Teilen beweisbar, es gibt jeweils viele Zitate und Wissenschaftler, die angeführt werden.“ Allerdings müsse man aus diesen parallelen Narrativen ausbrechen, um die Kommunikation miteinander wieder aufnehmen zu können. Der Westen solle laut Hoffmann seine Arroganz beiseitelassen und stattdessen an einer „gemeinsamen Erzählung arbeiten, die uns aus dieser Krise herausführt“.Tobias Brunner: Können wir Russland verstehen? Martin Hoffmann im Interview auf web.de, 10. Juli 2015.

Auszeichnungen Im Jahr 2009 wurde Martin Hoffmann der russische Orden der Freundschaft verliehen. Hoffmann bekam die Auszeichnung für seinen „großen Beitrag zur Festigung der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland“.Putin verleiht Martin Hoffmann Orden der Freundschaft. (Memento vom 25. Mai 2011 im Internet Archive).

Literatur Reinhard Bingener, Markus Wehner: Die Moskau-Connection. Das Schröder-Netzwerk und Deutschlands Weg in die Abhängigkeit. Verlag C. H. Beck, München 2023, ISBN 978-3-406-79941-9, S. 157.

Weblinks Können wir Russland verstehen? (Martin Hoffmann im Interview auf web.de vom 10. Juli 2015) Martin Hoffmann zu den neuen Sanktionsplänen gegen die Krim (ARD-Morgenmagazin vom 19. Dezember 2014) Warum denken Sie das? (Zeit-Podcast): „Die Russen werden auch in 20 Jahren keine Demokratie haben.“ (Martin Hoffmann im Streitgespräch mit Dieter Dombrowski, Teil 1) Warum denken Sie das? (Zeit-Podcast): „Putin will die Sowjetunion wiederherstellen.“ (Martin Hoffmann im Streitgespräch mit Dieter Dombrowski, Teil 2) „Agenten“ der Menschenrechte – Warum will Putin Memorial verbieten?

Einzelnachweise

Kategorie:Person (deutsch-russische Beziehungen) Kategorie:Träger des Ordens der Freundschaft Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Mann