Günther Paschen (* 29. August 1880 in Berlin; † 8. November 1943 in Brandenburg-Görden hingerichtet) war ein deutscher Kapitän zur See der Kriegsmarine und NS-Opfer.
Leben
Herkunft Günther Paschen war ein Sohn des späteren Admirals der Kaiserlichen Marine, Karl Paschen, und Emilie, geb. Donner und Tochter des Konteradmirals Johann Otto Donner. Sein Großvater war der Geodät und Astronom Friedrich Paschen.
Werdegang Günther Paschen trat am 12. April 1898 in die Kaiserliche Marine ein. 1908 wurde er Kapitänleutnant.
Später war er bis Juli 1915 Erster Artillerie-Offizier auf der Schwaben und dann bis Juni 1916 in gleicher Position auf der Lützow. Am 27. Januar 1916 wurde er Korvettenkapitän und nahm mit der Lützow an der Skagerrakschlacht teil. Anschließend ging er erneut als Erster Artillerie-Offizier bis April 1917 auf die Baden. Bis November 1917 war er Kommandeur der 2. Abteilung der I. Werft-Division und hatte zeitgleich unterschiedliche Schiffskommandos inne. So war er im August 1917 bis zur Außerdienststellung kurz Kommandant der bereits mit reduzierter Mannschaft ausgestatteten Braunschweig, übernahm dann aber im gleichen Monat bis Oktober 1917 die Schlesien. Anschließend kommandierte er bis Ende 1917 das zur Sundbewachung eingesetzte Kanonenboot Panther, das Flaggschiff der Årøsund-Flottille. Er wurde Kommandeur der Matrosen-Artillerie-Abteilung auf den Baltischen Inseln bis August 1918; danach war er bis Kriegsende Adjutant im Stab des Befehlshabers der Baltischen Gewässer. Am 7. November 1919 wurde er aus der Marine verabschiedet.
Von 1926 bis 1936 war er Lehrer für Englisch und Artilleriekunde an der Marineschule Mürwik und wurde dann in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.
Eine Notiz an Hitler (Führerinformation 1943, Nr. 172) fasste die folgenden Aspekte zusammen. Über seine Mutter war er mit der dänischen Minderheit verbunden und war in dieser aktiv. Im August 1943 hatten ihn zwei dänische Männer als mögliche Untermieter in seinem Flensburger Haus besucht. Dabei hatte Paschen zum Ausdruck gebracht, dass er nicht an einen deutschen Sieg glaube und dass die geheimen Waffen, welche den Endsieg bringen sollten, eine Propaganda-Lüge seien. Ebenso führte er aus, dass Dänemark ungerecht von Deutschland behandelt worden sei und Schleswig Dänemark zurückgegeben werden sollte. Für diese vermeintlichen Äußerungen wurde er denunziert, am 4. September 1943 gemeinsam mit seiner Frau Hilda ohne richterlichen Haftbefehl gefangen genommen und Paschen wegen Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung am 18. Oktober 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
Freisler hatte die Sitzung mit folgenden Worten beendet:
Paschen verfasste einen Abschiedsbrief an seine Frau mit folgenden Worten:
Keiner der ihm bekannten Marineangehörigen, weder Großadmiral Raeder, ein Schulfreund Paschens, und Dönitz noch seine Crewkameraden der Crew 1898, wie Gottfried Hansen, Walter Gladisch oder Werner Tillessen, versuchten seine Hinrichtung zu verhindern. Raeder soll geäußert haben, dass Paschen selber sehen solle, wie er damit fertigwerde. Am 20. Februar 1958 titelte die Flensburger Heimatzeitung: „Von seinen Kameraden verlassen. Kapitän z.S. starb unter dem Beil des Henkers. [...] Paschen, eine Person, die eine Ehrung verdient hätte.“.
Paschen lehnte ein Gnadengesuch bei Hitler ab und so wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Beil hingerichtet. Entgegen seinem letzten Willen wurde er kurz nach der Hinrichtung eingeäschert und die sterblichen Überreste wurden in Brandenburg bestattet.
Paschen war mit einer Engländerin verheiratet.
Nach dem Krieg wurde das Verfahren gegen den Landesgerichtsdirektor Erich Schlemann, welcher für die Todesstrafe gestimmt hatte, eingestellt.
Literatur Marine-Offizier-Verband (Hrsg.): Albert Stoelzel: Ehrenrangliste der Kaiserlich Deutschen Marine. 1914–18. Thormann & Goetsch, Berlin 1930, S. 176. Gerhard Paul: „Ich will nicht irgendwo verscharrt werden!“: Kapitän zur See Günther Paschen (1880–1943); Eine Tragödie in zwei Teilen. In: Stadtarchiv Flensburg (Hrsg.): Verführt. Verfolgt. Verschleppt: Aspekte nationalsozialistischer Herrschaft in Flensburg 1933–1945. Stadtarchiv Flensburg, Flensburg 1996 (Flensburger Beiträge zur Zeitgeschichte; 1), ISBN 3-931913-00-7, S. 253–275. Heinrich Walle: Marineoffiziere im Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime. In: Werner Rahn (Hrsg.) Deutsche Marinen im Wandel. Oldenbourg, Berlin 2005 (Beiträge zur Militärgeschichte; 63), ISBN 3-486-57674-7, S. 485–502, hier: S. 490–492. Werner Rahn: Deutsche Marinen im Wandel. De Gruyter, 2009, S. 490 ff.
Weblinks NS-Opfer Günther Paschen „Ich ging ohne Furcht in den Tod“. shz, 26. Januar 2012.
Fußnoten
Kategorie:Korvettenkapitän (Kaiserliche Marine) Kategorie:Kapitän zur See (Kriegsmarine der Wehrmacht) Kategorie:Linienschiff-Kommandant (Kaiserliche Marine) Kategorie:Kanonenboot-Kommandant (Kaiserliche Marine) Kategorie:Schulschiff-Kommandant (Kaiserliche Marine) Kategorie:Hingerichtete Person (NS-Opfer) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus)