mini|Citroën-Kégresse P15N mit Schneekufen (um 1930)
Unter der Bezeichnung Citroën-Kégresse stellte Citroën zwischen 1921 und 1937 Halbkettenfahrzeuge her, die nachfolgend genannten Typen sind bekannt.
Geschichte Adolphe Kégresse (1879–1943) war ein französischer Ingenieur, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach Russland emigrierte und dort technischer Direktor des Kraftfahrzeugparks des Zaren war. Mit dem Problem des russischen Winters wie auch der Matsch- und Schlammperioden konfrontiert, entwickelte er dort die ersten Halbkettenfahrzeuge, damit der Zar auch unter diesen extremen klimatischen Verhältnissen über brauchbare Kraftfahrzeuge verfügen konnte. Nach der Oktoberrevolution kehrte Kégresse, der sich von Segnungen des Sozialismus nichts erwartete, nach Frankreich zurück und arbeitete bei Citroën, wo er, fußend auf seinen Vorarbeiten in Russland, Halbkettenfahrzeuge entwarf, die üblicherweise von Citroën-Motoren angetrieben wurden. Insgesamt wurden im Hause Citroën von 1921 bis 1937 Halbkettenfahrzeuge der verschiedenen Typen in folgenden Stückzahlen hergestelltVauvillier, S. 4.: Baujahr 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 1936 1937 SummeAnzahl 8 118 317 68 619 4 0 119 276 699 1150 448 915 515 192 173 174 5795
Technik → siehe: Panzerkettenlaufwerk
Die Motoren waren – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die üblichen Standard-PKW-Motoren von Citroën, teilweise in der Leistung gedrosselt. Die Hinterachse war durch ein Kettenlaufwerk ersetzt: Die Antriebsrolle lag anfangs hinten, die Führungsrolle vorne, ferner hatte das Kettenlaufwerk vier Laufrollen. Die Kette selber bestand ursprünglich aus vulkanisierten Blechplatten.Vauvillier, S. 15. Das Fahrwerk erfuhr in den Folgejahren etliche Änderungen.
Während man die Funktionsweise des Kettenlaufwerks im Laufe der Jahre in den Griff bekam, blieben die letztlich – auch für damalige Zeit – zu schwachen Motoren stets ein Mangel der Fahrzeuge.
Typen
P1T __INHALTSVERZEICHNIS__ Nach einigen Prototypen im Jahr 1921 war der Typ P1T der erste in Serie hergestellte Citroën-Kégresse. Ursprünglich lief das Fahrzeug auch unter der Typenbezeichnung „K1“, wobei das K für „Kegresse“ stand. Auf André Citroëns persönlichen Wunsch wurde diese Typenbezeichnung aber schnell in P1T geändertVauvillier, S. 24.. Der P1T hatte den Motor des Citroen B (4 Zylinder, Bohrung × Hub 68 × 100 mm, 1452 cm³ Hubraum, 20 PS), das Getriebe hatte drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang sowie ein Vorgelegegetriebe. Die Spurweite betrug 1,23 m, der Radstand 1,90 m. Das Gewicht des Fahrgestells wird mit 608 kg angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 29 km/h.Vauvillier, S. 135. Die ersten Fahrzeuge dieses Typs hatten teilweise nur drei statt der späteren vier Laufrollen pro Seite.Vauvillier, S. 14. mini|Citroën-Kégresse P1T mit Munitionsanhängern, Lager von Chalons, Raupenfahrgestell noch mit drei Laufrollen
1923 wurden etwa 70 Stück von der französischen Armee als „Voiture liaison tous terrains“ (VLTT, geländegängiges Verbindungsfahrzeug) bestellt.Vauvillier, S. 21. 1924 erschienen zwei Prototypen eines leicht gepanzerten Versorgungsfahrzeuges für die Infanterie,Vauvillier, S. 19. dieses Fahrzeug ging indessen nicht in Serie; seine Rolle übernahm in den 1930er-Jahren der Renault UE Chenillette. Die zwei Prototypen blieben aber bei einem Kavallerieregiment bis 1937 im Dienst. Mindestens elf weitere Fahrzeuge, bestellt und ausgeliefert 1923, dienten als Sanitätsfahrzeuge zum Transport von jeweils zwei liegenden Verwundeten, sie erhielten einen kastenförmigen Aufbau aus Holz.Vauvillier, S. 23. Daneben setzte die französische Armee einige P1T als Flugzeugschlepper ein.Vauvillier, S. 24. Ein P1T ging 1922 an die dänische Armee.https://www.armyvehicles.dk/citroenkegresse.htm
P2T In den Jahren 1924 bis 1925 wurde eine Handvoll dieses Modells gebaut, das sich vom gleichzeitig gebauten P4T dadurch unterschied, dass es einen Vierzylinder-Mors-Motor mit 2815 cm³ Hubraum hatte.https://amicale-citroen.de/wp-content/uploads/2011/02/kegresse-models.v1.jens-moller-nicolaisen.pdf Dem steht die Aussage gegenüber, es habe sich beim Typ P2T lediglich um einen P1T mit verkürztem Radstand gehandelt.Vauvillier, S. 26.
P4T Der 1924 bis 1925 gebaute Typ P4T hatte den gleichen Motor wie der P1T, jedoch auf 18 PS gedrosselt. Das Getriebe hatte wie beim P1T drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang sowie ein Vorgelegegetriebe. Die Spurweite betrug 1,19 m, der Radstand 2,15 m. Das Gewicht des kompletten Fahrzeugs wird mit 1135 kg angegeben, die Höchstgeschwindigkeit mit 29,8 km/h.Vauvillier, S. 135. mini|Citroën-Kégresse P4T als Ackerschlepper
Die französische Armee beschaffte etwa 42 Stück als geländegängige Verbindungsfahrzeuge sowie ferner 16 Stück mit aufmontiertem MG für die französischen Streitkräfte in Syrien.Vauvillier, S. 5. Polen kaufte 135 Chassis, einige weitere P4T gingen an Portugal und Argentinien.Vauvillier, S. 4. Bauern, die einen P4T als Ackerschlepper kauften, erhielten einen Zuschuss von 5500 Franc, gezahlt in drei Jahresraten: So wollte man erreichen, dass im Falle eines Krieges zahlreiche weitere P4T für die französische Armee zur Verfügung standen. 1926 existierten jedoch lediglich 50 derartige zivil registrierte Fahrzeuge.Vauvillier, S. 26.
Einige Fahrzeuge dieses Typs wurden ferner von Citroën 1924/25 für die Croisière Noire genutzt – eine Fahrt, die von Colomb-Bechar in Algerien über Niger und Tschad nach Madagaskar und Südafrika führte und die Zuverlässigkeit von Citroën beweisen sollte.
16 Stück wurden von Schneider mit einer Panzerung von 7 mm Stärke und einem Turm mit Hotchkiss-MG oder einer Kanone Puteaux 37 mm SA 18 ausgestattet. Diese Fahrzeuge hatten ein Gefechtsgewicht von 2,1 Tonnen, waren 1,40 m breit, 3,40 m lang und 2,20 m hoch. Sie blieben in Syrien bis Ende der 1930er-Jahre in Dienst. Ein solches Fahrzeug wurde kürzlich in Afghanistan wiedergefunden.Vauvillier, Blindes S. 88
P6 Ebenfalls mit einem 2,8-Liter-Vierzylinder-Mors-Motor war der Citroën-Kégresse P6 ausgestattet, von dem – wenn überhaupt – nur wenige Stück gebaut wurden. Es handelte sich um eine Spezialanfertigung für die Gesellschaft »Citracit« (Compagnie Transafricaine Citroën), welche die um 1924 bis 1925 gebauten Fahrzeuge für Sahara-Durchquerungen einsetzen wollte.https://amicale-citroen.de/wp-content/uploads/2011/02/kegresse-models.v1.jens-moller-nicolaisen.pdf
P7T mini|Citroën-Kégresse P7T im Februar 1925
Bei dieser Variante erfuhr das Fahrwerk eine Änderung: Die Positionen von Antriebs- und Führungsrolle wurden vertauscht, die Antriebsrolle saß jetzt am vorderen, die Führungsrolle am hinteren Ende des Kettenlaufwerks. Ansonsten war das Fahrzeug im Wesentlichen mit dem P4T identisch, der Radstand stieg allerdings auf 2,35 m, das Gewicht auf 1170 kg.Vauvillier, S. 135.
Die französische Armee erwarb zwischen 1925 und 1927 mindestens 58 Stück dieser Variante, weitere gingen an die portugiesische Armee,Vauvillier, S. 5. zwei Stück 1924 an die dänische Armee.https://www.armyvehicles.dk/citroenkegresse.htm
Um 1925 wurde ein Exemplar gepanzert und erhielt einen Drehturm, der auf der einen Seite mit einer Kanone Puteaux 37 mm SA 18, auf der anderen Seite mit einem Hotchkiss-MG bewaffnet war, ähnlich, wie er auch in den von Frankreich überpanzerten Spähwagen White TBC installiert war. Es blieb bei diesem einen Prototyp.Vauvillier, Blindes, S. 88.
P7bis
Der Citroën-Kégresse P7bis hatte ein völlig neu konstruiertes Kettenlaufwerk und wurde von 1928 bis 1929 in geringen Stückzahlen als Zugmaschine für leichte Feldgeschütze gebaut.
P10
Der Citroën-Kégresse P10 wurde von 1928 bis 1931 als geländegängiger PKW und als Zugmaschine für leichte Feldgeschütze für die französische Armee gebaut.
P14
Der Citroën-Kégresse P14 wurde von 1930 bis 1932 als Zugmaschine für schwere Feldgeschütze für die französische und in geringer Anzahl auch für die polnische und belgische Armee gebaut. Ein Fahrzeug dieses Typs nahm 1931/32 an der Croisière Jaune teil.
P15N
Der Citroën-Kégresse P15N war eine von 1928 bis 1935 gebaute Spezialvariante für das Fahren in tiefem Schnee. Die Österreichische Post schaffte einige Fahrzeuge für den Wintereinsatz als Postbus auf den Straßen über Arlberg und Tauern ein.
P16
mini|Citroën-Kégresse P16
Der Citroën-Kégresse P16, bekannter unter dem Namen des Herstellers des Aufbaus als „AMC“ oder „AMR Schneider P16“, war ein gepanzertes Halbkettenfahrzeug für Aufklärungszwecke, von dem 1928 vier Vorserienfahrzeuge und von 1930 bis 1931 insgesamt 96 Serienfahrzeuge für die französische Armee gebaut wurden.
P17
Der Citroën-Kégresse P17 wurde von 1930 bis 1934 gebaut und diente als Nachfolger des P10 hauptsächlich zum Ziehen leichter Feldgeschütze und deren Munitionsanhänger. Sechs Fahrzeuge dieses Typs nahmen 1931/32 an der Croisière Jaune teil.
P19
mini|Citroën-Kégresse P19, Zivilausführung, im Fahrzeugmuseum Marxzell 2017
Der Citroën-Kégresse P19 wurde von 1930 bis 1935 gebaut. Er diente hauptsächlich als geländegängiges Stabsfahrzeug und als Halbgruppenfahrzeug für motorisierte Kavallerie.
P20 Der Citroën-Kégresse P20 war ein gepanzertes Halbkettenfahrzeug, das als Schützenpanzer eine Halbgruppe unter Panzerschutz transportieren sollte. Es wurde um 1930 als Prototyp gebaut. Die französische Armee erprobte das Fahrzeug, konnte sich aber nicht zum Ankauf einer größeren Serie entschließen. Der Prototyp wurde sodann an die Dominikanische Republik verkauft. Der Motor war identisch mit dem des Citroen 15A „Rosalie“ (6 Zylinder, Bohrung × Hub 75 × 100 mm, 2650 cm³ Hubraum, etwa 50 PS).Vauvillier, Blindés, S. 134.
P21 mini|Citroën-Kégresse P21 während der Croisière Jaune an der Grenze zu Turkestan
Der Citroën-Kégresse P21 war ein nur in wenigen Stücken gebautes Fahrzeug, das dadurch bekannt wurde, dass Fahrzeuge dieses Typs an der Croisière Jaune teilnahmen. Gebaut um 1931, hatten die Fahrzeuge den Sechszylinder-Motor des Citroën 15A Rosalie (Bohrung × Hub 75 × 100 mm, 2650 cm³ Hubraum, 53 PS)https://amicale-citroen.de/wp-content/uploads/2011/02/kegresse-models.v1.jens-moller-nicolaisen.pdf.
P26 Der Citroën-Kégresse P26 war ein als Schützenpanzer anzusprechendes Halbkettenfahrzeug, das ähnlich dem späteren deutschen Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 251 oder dem US-amerikanischen M3 oben offen war. 1931 entstanden zwei Prototypen, das Fahrzeug ging jedoch nicht in Serie. Das Kettenlaufwerk hatte zwei große statt der sonst üblichen vier kleinen Laufrollen. Neun weitere Fahrzeuge, ursprünglich als Citroën-Kégresse P26B bestellt, wurden schließlich als Citroën-Kégresse P104 ausgeliefert.Vauvillier, Blindés, S. 135.
P28 mini|Citroën-Kégresse P28, Rißzeichnung
Der Citroën-Kégresse P28 war ein um 1931 entwickeltes leicht gepanzertes Fahrzeug zur Versorgung der Infanterie auf dem Gefechtsfeld. Citroën baute drei Prototypen, die im Juli 1931 in Vincennes erprobt wurden. Sie hatten den Motor des zeitgleich gebauten Citroën C4 (vier Zylinder, Bohrung × Hub 72 × 100 mm, Hubraum 1628 cm³, 30 PS). Die Höchstgeschwindigkeit betrug 39,5 km/h, die Panzerung 6 mm. Das Fahrzeug wurde abgelehnt, stattdessen beschaffte die französische Armee den zeitgleich entwickelten Renault UE Chenillette.Vauvillier, Blindés, S. 142.