Der Familienname Steinschneider findet sich seit dem 19. Jahrhundert jüdischen Familien in Österreich, Deutschland und Mähren. Einer der bekanntesten Namensträger war der österreichische Bibliograf und Orientalist Moritz Steinschneider. Da die Schreibweise seines Vornamens nicht einheitlich gehandhabt wird, wird er auch häufig verwechselt mit dem Mediziner Moriz Steinschneider (1824–1894), dessen Enkel Hermann Steinschneider als Erik Jan Hanussen bekannt wurde. Die Herkunft vieler Steinscheiders ist mit dem Ort Prossnitz verbunden.

Der Name Steinschneider Steinschneider als Familienname leitet sich von unterschiedlichen Berufen abAlte Berufe: handwerklich: Berufe, die im weitesten Sinne mit der Steinbe- und -verarbeitung zu tun haben wie zum Beispiel Steinhauer, Steinbicker, Steinmetz, Steinbrecher; kunsthandwerklich und künstlerisch: Berufe, die mit der Herstellung von Wappen, Figuren und dergleichen in Edel- und Halbedelsteine zu tun haben (siehe: Glyptik); medizinisch: Christian Hampel sieht in den Steinschneidern die Vorläufer der Urologen, die im Mittelalter nicht grundlos zum fahrenden Volk gehört hätten, „starb doch die eine Hälfte ihrer Kundschaft unmittelbar am Blutverlust und ein Großteil der anderen Hälfte etwas verzögert an der allfälligen Wundinfektion“.Christian Hampel: Stolze Steinschneider

Zum jüdischen Bedeutungshintergrund dieses Namens heißt es in einer Erläuterung des Museum of the Jewish People

Nach derselben Quelle lebten seit dem 19. Jahrhundert jüdische Familien mit dem Nachnamen Steinschneider in Österreich, Deutschland und Mähren. Moritz Steinschneider sei einer der herausragenden Träger dieses Namens gewesen.

Wie es im Einzelfall zu einer Verbindung zwischen einer der oben erwähnten beruflichen Tätigkeiten und dem Namen einer konkreten Person kam, dürfte selten eindeutig zu klären sein. Richard Spence weist in einem Artikel über Hanussen darauf hin, dass in Prossnitz die Rabbiner Daniel Prossnitz der Jüngere und sein Sohn Aaron Daniel Prossnitz den Nachnamen Steinschneider angenommen hätten. Mel Gordon habe in dem Zusammenhang spekuliert, dass dies von Aaron Daniels Praxis abgeleitet gewesen sein könnte, kabbalistische Papieramulette aus geschnitzten Steinblöcken herzustellen.Richard Spence: Erik Jan Hanussen: Hitler’s Jewish Psychic. Spencer bezog sich auf Mel Gordons Buch Erik Jan Hanussen: Hitler’s Jewish Clairvoyant, Feral House, Los Angeles 2001. Diese These ist insoweit fraglich, als sie nicht erklärt, weshalb der Name vom Sohn rückwärts auf den Vater übertragen worden sein sollte, und in einigen genealogischen DarstellungenZum Beispiel auf der Webseite Welcome to Steinschneider.com oder des Jüdischen Museums Hohenems trägt auch bereits der Großvater von Aaron Daniel den Namen Steinschneider. In der Jewish Encyclopedia wie auch in der Jewish Virtual LibraryJewish Virtual Library: Prosstitz wird im Zusammenhang mit dem Rabbiner Daniel der Name Steinschneider jeweils als zweiter Nachname nach Prossnitz aufgeführt.

Eine direkte Verbindung zwischen Beruf und Namen gab es dagegen bei dem von Constantin von Wurzbach vorgestellten Jacob Steinschneider (geboren 1782 in Tarnów, gestorben 1838 in Wien), einem aus einer jüdischen Familie stammenden Graveur, der als Stempel- und Gemmenschneider zu Ansehen gelangte, ein Beruf, den auch schon sein Vater ausgeübt hatte. Auch ein Sohn von Jacob Steinschneider, Johann Steinschneider (geboren 1824 in Wien), erlernte die Kunst, Steine zu gravieren. In einem weiteren Artikel erwähnte von Wurzbach Jacob Steinschneiders Stiefbruder Heinrich Joachim Steinschneider (geboren 1814 in Tarnow), der aber 1838 wegen eines Augenleidens das Gravierhandwerk aufgeben musste und über Paris nach London übersiedelte.Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, S. 159–160

Steinschneider-Familien Auf der Webseite Welcome to Steinschneider.comSofern in den nachfolgenden Abschnitten keine anderen Quellen benannt werden, stammen alle Angaben von dieser Webseite, vom ANU-Family Tree of Rabbi Gabriel Steinschneider oder aus der Hohenems Genealogie, deren Macher ausdrücklich betonen, dass ihre Stammbäume die Nachkommen verschiedener derzeit nicht verbundener Steinschneider-Linien wiedergeben, findet sich folgende Gliederungsübersicht: Steinschneider-Familien aus Tschechien/Österreich – Prossnitz (Prostejov)/Wien Nachkommen des Rabbiners Gabriel Steinschneider Nachkommen von Daniel Steinschneider Nachkommen von Jakob Steinschneider (ungarische Abstammung) Lilly Steinschneider (1891–1975) Nachkommen Karl Steinschneiders Nachkommen von Hermann Steinschneider Paul-Émile Victor (1907–1995) Nachkommen des Isaias Steinschneider Nachkommen von Moriz Steinschneider Erik Jan Hanussen Nachkommen von Selig Steinschneider (Wiener Linie) Nachkommen von Selig Steinschneider (Prostejov/Prossnitz-Linie) Nachkommen eines derzeit unbekannten Steinschneiders Nachkommen von Solomon Steinschneider (englische Abstammung ) Steinschneider-Familien aus Polen Nachkommen von David Steinschneider Nachkommen von Sam Steinsneider Nachkommen aus Ostrowiec und Grabowiec Nachkommen von Wolf Steinschneider Russland Nachkommen von Israel Steinschneider Aus einigen der oben aufgeführten Prossnitz-Linien wurde ein „hypothetischer Stambaum“ erstellt, der die Nachkommen von Rabbi Gabriel Steinschneider, Daniel Steinschneider, Hermann Steinschneider und Selig Steinschneider in den Stammbaum der Descendants of Wolf Steinschneider (Prostejov, Czech Republic Lineage) zusammenführt. In diesem Stammbaum, der weitgehend identisch ist mit dem Family Tree of Rabbi Gabriel Steinschneider auf der Webseite des Museum of the Jewish People, finden sich die meisten bekannten Träger des Namens Steinschneider.

Stammbaum einiger Prossnitz-Linien der Familie Steinschneider Als Stammvater dieser Linie gilt ein um 1700 geborener Wolf Steinschneider, der nach dem Jüdischen Museum Hohenems noch vor 1758 gestorben sei und einen Sohn gehabt hätte: Daniel. Während für den dort nähere Einzelheiten fehlen, erwähnt die Steinschneider-Webseite für Daniel ein Geburtsjahr um 1735.Descendants of Wolf Steinschneider (Prostejov, Czech Republic Lineage) (nachfolgend zitiert als Wolf--Linie) Dort werden noch zwei weitere Nachfahren von Wolf Steinschneider aufgeführt: Rabbi Gabriel Steinschneider (about 1725 - ) und Benjamin Steinschneider (about 1730 - ).

Die Nachkommen von Daniel Steinschneider Bei Daniel und dessen Sohn, dem Rabbi Aaron Steinschneider (1769–1809), handelte es sich vermutlich um die beiden oben schon im Zusammenhang mit Mel Gordon erwähnten Steinschneiders. Arons Enkelin Rosalie Steinschneider (1812–1882) heiratete einen Edward Goldschmidt (1814–1884), wodurch in der Folge der Name Steinschneider aus der Familienhistorie dieses Zweiges der Steinschneider-Familie verschwand – allerdings nur in dem hier erwähnten Stammbaum für die Wolf-Linie, denn Rosalie Steinschneider hatte noch 9 Geschwister, darunter 6 Brüder.Siehe hierzu den Eintrag zu Rosalie Goldschmidt auf geni.com.

Die Nachkommen von Rabbi Gabriel Steinschneider Mit Rabbi Gabriel Steinschneider (1720–1783) und dessen Frau Katel (1720–1789) beginnt auf der Webseite des Museum of the Jewish People der Steinschneider-Stammbaum.Family Tree of Rabbi Gabriel Steinschneider (nachfolgend zitiert als ANU-Stammbaum) Dort sind zwei Nachkommen der beiden aufgeführt: Jakob Steinschneider (1747–1829) und Isak Jitzak Steinschneider (um 1750–1798) Während Jakobs Linie in dem auf Wolf Steinschneider aufbauenden Stammbaum nicht vorkommt, scheint sie in dem ANU-Stammbaum nach der nachfolgenden Generation – vier Frauen, drei Männer – ausgestorben zu sein.

Der Isak Steinschneider und seine Frau Rachel hatten nach dem ANU-Stammbaum neun Kinder – drei Mädchen und sechs Jungen. Im Stammbaum der Wolf-Linie werden davon erwähnt: Markus Steinschneider (1776–) Wilhelm Steinschneider (1779–) Rabbi Jacob Steinschneider (1782–1856) mit Hani Zadek-Weizenkorn (1792–1859) Daniel Steinschneider (1785–) Gerson (Wolf-Linie)/Georg (ANU-Stammbaum) Steinschneider (1787–1850) und seine Frau Amalie Malke Hamburger Juda Steinschneider (1790–) Gutel Steinschneider (1792–) Chomja Steinschneider (1794–) Während der Anu-Stammbaum nur noch die Nachfolgegenerationen von Rabbi Jacob Steinschneider aufführt, sind im Stammbaum der Wolf-Linie auch die zahlreichen Nachkommen von Gerson Steinschneider vertreten.

Die Nachfahren von Gerson (Georg) Steinschneider Georg und seine Frau Amalie hatten zwölf Nachkommen; jedoch nur für zwei von ihnen wurden weitere Nachkommen ermittelt. In allen drei Fällen verschwand der Name Steinschneider relativ schnell.

Die Steinschneider-Husserl-Linie Georg und Amalie Steinschneiders Sohn Sigmund (1822–) war der Vater von Malvina Charlotte Steinschneider (1870–1960), die seit 1887 mit dem ebenfalls aus Prossnitz stammenden Edmund Husserl verheiratet war. Die Kinder des Paares waren: Elisabeth Franziska Carola Husserl (1892–). Ihrer Ehe mit Jakub Rosenberg entstammt der Sohn Wolfgang Husserl Rosenberg (1927–2016), über den die Linie in den USA fortbesteht.Nachruf auf Wolfgang Husserl Rosenberg Gerhart Adolf Husserl (1893–1973) Wolfgang Husserl (1895–1916). Er fiel im Ersten Weltkrieg.

Die Steinschneider-Schnabel-Linie Georg und Amalie Steinschneiders Töchter Fani (1839–) und Hanna (1826-) waren laut dem Stammbaum der Wolf-Linie beide mit einem Adolf Schnabel verheiratet. Nachkommen sind aber nur aus der Ehe von Hanni und Adolf Schnabel überliefert. Ihr Enkel war der Pianist und Komponist Artur Schnabel (1882–1951), der wiederum mit der Altistin Therese Behr-Schnabel (1876–1959) verheiratet war.Schnabels Mutter, Ernestine Schnabel, der es im Gegensatz zu Artur Schnabel und seiner Frau nicht möglich war, in die USA zu emigrieren, „wurde im August 1942 mit dem Transport 37 von Wien aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort am 4. Okt. 1942 an den furchtbaren Haftbedingungen. Nach Österreich und Deutschland kehrte Artur Schnabel bis zu seinem Tod nicht mehr zurück.“Universität Hamburg – Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit: Artur Schnabel Karl Ulrich Schnabel (* 6. August 1909 in Berlin; † 27. August 2001 in Danbury (Connecticut)), der Sohn von Artur und Theres Schnabel, wurde ebenfalls Pianist und KlavierlehrerUniversität Hamburg – Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit: Karl Ulrich Schnabel und verheiratet mit der Pianistin Helen Fogel (1911–1974).Deutsche Biographie: Helen Schnabel Die Tochter der beiden ist die Fotografin Ann Schnabel Mottier (1941–).Deutsche Biographie: Ann Schnabel Mottier Zusammen mit ihrem Mann François Mottier und ihrem 2002 tödlich verunglückten Sohn Claude Mottier (1972–2002)Schnabel Music Foundation: Claude Alain Mottier (1972-2002). Claude Mottier war seit 1999 mit der Künstlerin Erika Zoe Schutzman verheiratet. (İlker Işıkyakar and E. Zoe Schutzman at KYMA International Sound Symposium 2015; (youtube)) leitet sie seit 1997 das musikalische Erbe der Musiker der Familie Schnabel.Schnabel Music Foundation: The History of the Schnabel Music Foundation Ann Schnabel Mottier ist Mitherausgeberin eines Buches über ihren Großvater Artur.Lynn Matheson, Ann Schnabel Mottier (Hrsg.): Artur Schnabel. Musik und der Weg des größten Widerstands, Wolke Verlag, Hofheim 2007, ISBN 978-3-936000-50-4 Der Schauspieler Stefan Schnabel (* 2. Februar 1912 in Berlin; † 11. März 1999 in Rogaro/Tremezzo) war ein weiterer Sohn von Artur und Theres Schnabel. Sein Nachlass befindet sich in der Akademie der Künste (Berlin)Akademie der Künste: Stefan-Schnabel-Archiv

Die Nachfahren des Rabbi Jacob Steinschneider