mini|Lage des Bezirksamts Buchen in Baden (1890) Das Bezirksamt Buchen, zunächst Amt Buchen, dann bis 1813 Justizamt Buchen, war eine von 1807 bis 1939 bestehende Verwaltungseinheit im Norden des Landes Baden mit Sitz in Buchen. Nach einigen Verwaltungsreformen liegt sein Gebiet seit 1973 großenteils im baden-württembergischen Neckar-Odenwald-Kreis.

Lage mini|Karte des Baulands, mit angrenzendem Odenwald Der Amtsbezirk teilte sich in einen nordwestlichen, im Buntsandstein-Odenwald um die Einzugsgebiete der Oberläufe von Mud und Elz gelegenen Teil, der Südosten zählte zum Bauland. Nach der Zuweisung der Gemeinden mehrerer aufgelöster benachbarter Ämter reichte er im Süden punktuell über diese Landschaften hinaus bis zur Jagst.

Geschichte mini|Das Amtshaus in Buchen Das Amt wurde im Sommer 1807 als standesherrlicher Verwaltungsbezirk eingerichtet.General-Ausschreiben über die Eintheilung des Großherzogthums Baden in Bezirke, veröffentlicht am 7. Juli 1807 im Regierungsblatt des Großherzogtums Baden, Jahrgang V., S. 100. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Anlass war, dass das Fürstentum Leiningen 1806 durch die Rheinbundakte mediatisiert und dieser Bereich der badischen Landeshoheit unterstellt worden war. Die Orte hatten vor dem Inkrafttreten des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 unter kirchlicher Landeshoheit von Kurmainz gestanden, die Einwohner waren daher weit überwiegend katholischen Glaubens. Die Stadt Buchen war Sitz einer kurmainzischen Amtsvogtei gewesen, die dem Oberamt Amorbach unterstellt war.Kurmainzischer Hof- und Staats-Kalender: auf d. Jahr 1790, S. 205, digitalisierte Version bei Google Books.

Im Dezember 1807 kam es zu einer ersten Veränderung der Struktur: das Bezirksamt wurde in die drei als Justizämter bezeichneten Ämter Buchen, Mudau und Burken zerlegt.Landesherrliche Verordnung. Weitere Organisation der executiven LandesBehörden. Veröffentlicht am 22. Dezember 1807 im Regierungsblatt des Großherzogtums Baden, Jahrgang V, Heft 44, S. 283f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Zugleich wurde mit den Landvogteien eine neue Oberbehörde als Zwischenebene eingeführt, Buchen wurde der Landvogtei Mosbach zugeordnet. 1813 wurden die Ämter Buchen und Mudau erneut zusammengeführt, Burken blieb als Bezirksamt Osterburken eigenständig. Zuständige Oberbehörde wurde jetzt das neu geschaffene Kriminalamt Tauberbischofsheim.Beilage A: Ämtereinteilung, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt im Juli 1813, S. 138f. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

Sitz der Verwaltung war ab 1844 das nach Plänen von August Moosbrugger erbaute Gebäude in der Amtsstraße. Im Zuge der Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung 1857 wurde Buchen Sitz eines Amtsgerichts.

Abgesehen vom Wechsel einzelner Ortschaften blieb der Umfang des Amtsbezirks ab 1849 im Allgemeinen konstant. Größere Zuwächse brachten allerdings die Zuordnung der Gemeinden der aufgelösten Bezirksämter Walldürn 1872 (teilweise)Entsprechende Verordnung vom 5. Januar 1872, veröffentlicht am 8. Januar 1872 im Gesetzes- und Verordnungsblatt für das Großherzogtum Baden, Heft II, S. 8 und Berichtigung, veröffentlicht ebenda am 30. Januar 1872, Heft V, S. 79. und Adelsheim 1936 (vollständig).Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 26. Juni 1936. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Mit Inkrafttreten der Landkreisordnung vom 24. Juni 1939 wurde das Bezirksamt in den Landkreis Buchen umgewandelt.

Gemeinden und Einwohner 1825 Zum Zeitpunkt seiner Aufteilung im Dezember 1807 umfasste das Amt Buchen diese 33 Orte: Verbleib beim Amt Buchen: Altheim, Buchen, Götzingen, Hainstadt, Hettingen, Hollerbach und Unterneudorf. Zum Amt Burken: Hemsbach, Osterburken, Seckach, Schlierstadt, Seligental, Waidachshof und Zimmern. Zum Amt Mudau: Auerbach, Donebach, Einbach, Hesselbach Langenelz, Limbach, Mörschenhardt, Mudau, Neubrunn, Oberneudorf, Oberscheidental, Rumpfen, Reisenbach, Scheringen, Schloßau, Steinbach, Stürzenhardt, Unterscheidental und Schöllenbach.

Zeitgleich mit der Vereinigung der Justizämter Buchen und Mudau kamen 1813 noch Rinschheim sowie die grundherrschaftlichen Orte Bödigheim mit Faustenhof, Glashof, und Roßhof, Waldhausen sowie Laudenberg hinzu.

Für 1825 wird von diesen 32 Ortschaften und Einwohnerzahlen berichtet:Friedrich Dittenberger: Geographisch-statistische-topographische Beschreibung des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1825, S. 153f.

Als Fürstlich-Leiningensche Orte: Buchen: 2330 Altheim: 989 Auerbach: 119 Dörntal, Kudach und Helmstheim: 42 Dumbach: 329 Einbach: 125 Götzingen: 733 Hettingen: 909 Hollerbach: 148 Langenelz: 251 Limbach: 388 Mörschenhardt: 104 Mudau mit Ünglert: 1148 Neubrunn: 93 Oberneudorf: 131 Oberscheidental: 221 Reisenbach: 241 Rinscheim: 297 Rumpfen: 86 Scheringen: 251 Schloßau: 406 Schöllenbach: 29 Steinbach: 380 Stürzenhardt: 98 Unterneudorf: 137 Unterscheidental: 185 Waldhausen: 363 Als grundherrschaftliche Orte: Bödigheim, mit Faustenhof, Glashof und Roßhof: 618 (Gh: Rüdt von Collenberg-Bödigheim) Hainstadt: 1166 (Gh: Fürstlich Leiningen und Rüdt von Collenberg-Eberstadt je zur Hälfte) Laudenberg: 288 (Gh: Adelsheim-Sennfeld und Oberschloß)

1864 1837 wurde Neubrunn aufgelöst, stattdessen entstand dort Ernsttal als abgesonderte Gemarkung. Schöllenbach, ebenfalls eine abgesonderte Gemarkung, wechselte 1872 zum Bezirksamt Eberbach.Entsprechende Verordnung vom 5. Oktober 1872, veröffentlicht im Staatsanzeiger für das Großherzogtum Baden am 15. Oktober 1872, Heft XXXVII, S. 390. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Im Oktober 1840 wurden ein fehlender Anteil von Hainstadt sowie Hettigenbeuern, außerdem von Adelsheim die Orte des ursprünglichen Justizamtes Burken Buchen zugewiesen, im Gegenzug gingen Waldhausen, Laudenberg, Bödigheim an Adelsheim und Altheim an Walldürn.Entsprechende Verordnung vom 13. Oktober 1840, veröffentlicht am 13. November 1840 im Großherzoglich-Badischen Staats und Regierungsblatt, Heft XXXV,S. 263ff. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Der Austausch mit Adelsheim wurde 1849 rückgängig gemacht, außerdem wechselte Eberstadt von Adelsheim zu Buchen.Entsprechende Verordnung vom 8. September 1849, veröffentlicht am 14. September 1849 im Großherzoglich-Badischen Staats und Regierungsblatt, Heft LVI, S. 443. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

1864 lebten im Amtsbezirk 14.915 Menschen. Sie verteilten sich auf 29 Gemeinden:Beiträge zur Statistik der inneren Verwaltung des Großherzogthums Baden. Zwanzigstes Heft: Die Volkszählung vom Dezember 1864, I. Teil, S. 59. Digitalisierte Version bei Google Books. Auerbach: 117 Einwohner Bödigheim: 915 Einwohner Buchen: 2.280 Einwohner Donebach: 438 Einwohner Eberstadt: 625 Einwohner Einbach: 154 Einwohner Götzingen: 819 Einwohner Hainstadt: 1.174 Einwohner Heidersbach: 485 Einwohner Hettingen: 1.188 Einwohner Hettigenbeuren: 297 Einwohner Hollerbach: 175 Einwohner Langenelz: 293 Einwohner Laudenberg: 309 Einwohner Limbach: 491 Einwohner Mörschenhardt: 289 Einwohner Mudau: 1.247 Einwohner Oberneudorf: 179 Einwohner Oberscheidental: 251 Einwohner Reisenbach: 421 Einwohner Rinschheim: 405 Einwohner Rumpfen: 93 Einwohner Scheringen: 297 Einwohner Schloßau: 633 Einwohner Steinbach: 417 Stürzenhardt: 113 Unterneudorf: 122 Unterscheidental: 249 Waldhausen: 439

1913 mini|Karte der Amtsbezirke Buchen und Adelsheim, 1901 Die zehn 1872 vom Bezirksamt Walldürn zugeteilten Orte waren der Hauptort Walldürn sowie Altheim, Gerolzahn, Glashofen, Gottersdorf, Hornbach, Kaltenbrunn, Reinhardsachsen, Rippberg und Wettersdorf. 1879 wurden Erfeld und Gerichtstetten vom Bezirksamt Tauberbischofsheim sowie Bretzingen, Dornberg, Hardheim, Höpfingen, Rütschdorf, Schweinberg, Vollmersdorf und Waldstetten vom Bezirksamt Wertheim zu Buchen umgesetzt.Entsprechende Verordnung vom 12. Juni 1879, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 20. Juni 1879, S. 310. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek. Reisenbach ging Anfang 1900 zum Bezirksamt Eberbach.Entsprechende Verordnung vom 21. Dezember 1899, veröffentlicht im Badischen Gesetz- und Verordnungsblatt am 30. Dezember 1899, S. 976. Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek.

1910 hatte das Bezirksamt 28.121 Einwohner, davon 1.411 evangelisch, 26.366 römisch-katholisch, 3 altkatholisch, 22 übrige Christen, und 319 Juden. Sie verteilten sich 1913 auf 48 Gemeinden und sechs abgesonderte Gemarkungen:Hof und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden 1913, Statistischer Anhang Digitalisierte Version auf der Website der Badischen Landesbibliothek, S. 371–373. Buchen: 2.205 Einwohner Walldürn: 3.787 Einwohner Altheim: 1.109, davon in Helmstheim 23 und in Kudach 34 Auerbach: 154 Einwohner Bödigheim: 735 Einwohner Bretzingen: 591 Einwohner Dornberg: 138 Einwohner Dumbach: 1.320 Einwohner Eberstadt: 464 Einwohner Einbach: 212 Einwohner Erfeld: 446 Einwohner Gerichtstetten: 741 Einwohner Gerolzahn: 281 Einwohner, davon in Kummershof 10 Glashofen: 230 Einwohner Gottersdorf: 146 Einwohner Götzingen: 862 Einwohner Hainstadt: 1.056 Einwohner Hardheim: 2.156 Einwohner Heidersbach: 521 Einwohner Hettigenbeuren: 321 Einwohner Hettingen: 1.304 Einwohner Hollerbach: 149 Einwohner Höpfingen: 1.500 Einwohner Hornbach: 243 Einwohner Kaltenbrunn: 66 Einwohner Langenelz: 315 Einwohner Laudenberg: 334 Einwohner Limbach: 525 Einwohner Mörschenhardt: 165 Einwohner Mudau: 1.217 Einwohner Oberneudorf: 131 Einwohner Oberscheidental: 304 Einwohner Reinhardsachsen: 163 Einwohner Rinschheim: 341 Einwohner Rippberg: 569 Einwohner Rumpfen: 93 Einwohner Rütschdorf: 91 Einwohner, davon in Breitenau 7 Scheringen: 293 Einwohner Schloßau: 695 Einwohner Schweinberg: 703 Einwohner, davon in Hoffeld 34 Steinbach: 407 Einwohner Stürzenhardt: 125 Einwohner Unterneudorf: 119 Einwohner Unterscheidenthal: 216 Einwohner Vollmersdorf: 89 Einwohner Waldhausen: 391 Einwohner Waldstetten: 705 Einwohner Wettersdorf: 152 Einwohner

Als abgesonderte Gemarkung mit eigener polizeilicher Verwaltung: Ernsttal: 58 Einwohner

1939