Die Schlacht bei Arcis-sur-Aube war eine Schlacht der Befreiungskriege und ereignete sich am 20. und 21. März 1814. Zu diesem Zeitpunkt war Napoleons Lage praktisch aussichtslos, denn er führte einen Mehrfrontenkrieg gegen Russland, Preußen, Großbritannien und Österreich. Bei Arcis-sur-Aube in der Champagne prallte die französische Armee mit 28.000 Mann auf die zahlenmäßig überlegene Böhmische Armee unter Feldmarschall Schwarzenberg mit 80.000 Mann.
Vorgeschichte Nach dem Sechs-Tage-Feldzug vom 10. bis 14. Februar 1814, in dem Napoleon der Schlesischen Armee unter Blücher mit weit unterlegenen Kräften vier Niederlagen in einer Folge beigebracht hatte (Champaubert–Montmirail–Château-Thierry–Vauchamps), zog sich jener nach dem 1. März 1814 nach Norden bis hinter Reims zurück, um sich dort bei Laon am 4. und 5. März mit den Korps unter Bülow und Wintzingerode zu vereinen, die durch Belgien herangezogen waren. In Laon wurde die Schlesische Armee am 9. und 10. März von Napoleon angegriffen, der ihr mit ausgewählten Truppen gefolgt war. Napoleon konnte jedoch keinen entscheidenden Erfolg erringen und wurde zurückgeschlagen. Er ließ daraufhin das Korps Marmont und die Junge Garde unter Mortier als Deckung zurück und zog wieder nach Süden. Seine Absicht war es, Schwarzenbergs Böhmische Armee in ihren einzelnen Truppenteilen anzugreifen und zu schlagen, wie dies im Februar mit der Schlesischen Armee so erfolgreich gelungen war.
Die Bewegungen der französischen Truppen Nach der Rückeroberung von Reims am 13. März 1814 blieb Napoleon drei Tage in Reims, ordnete seine Truppen neu und erholte sich von einer Erkältung. Marschall Ney aber erreichte bereits am 15. März 1814 mit etwa 6.000 Mann, davon 800 Reiter der Ehrengarde, Châlons-en-Champagne, das er sofort besetzen ließ.Houssaye
Am 17. März 1814 marschierte Napoleon mit der „Alten Garde“, zwei Kavallerie-Divisionen und der Reserve-Artillerie von Reims nach Épernay, wo er von den Bewohnern begeistert empfangen wurde.
Zur Morgendämmerung des 18. März 1814 marschierte die „Alte Garde“ weiter nach Fère-Champenoise, das auch Napoleon mit den anderen Truppenteilen am selben Tage um 16 Uhr erreichte. Dort erfuhr Napoleon, dass sich die Böhmische Armee unter Fürst Schwarzenberg bereits auf dem Rückzug nach Troyes befände. Er beschloss sofort, über Aube und Seine hinaus nach Süden vorzustoßen und die Koalitionstruppen zu verfolgen. Marschall Ney führte seine Truppen ebenfalls nach Süden in der Richtung auf Troyes bis . An diesem Tage wurde die französische Reiterei unter Sébastiani weiter im Westen vor Sézanne in eine Auseinandersetzung mit Kosaken des russischen Generals Kaisarow verwickelt. Die Kavallerie Neys stieß mit österreichischen Ulanen des Generals Frimont zusammen.
Am Vormittag des 19. März 1814 rückte die französische Gardekavallerie bis zu dem Dorfe Boulages an der Aube vor. Die Fußtruppen und die Artillerie folgten nach. Die Truppen Marschall Neys gingen über Herbisse und Champfleury nach Plancy vor. Die französischen Pioniere begannen damit, die Brücke bei Plancy so schnell wie möglich wiederherzustellen. Um 15 Uhr am 19. März 1814 überschritt Napoleon mit seiner Kavallerie die Aube bei Plancy und eilte nach . Die Brücke dort wurde von der Nachhut der Württemberger verteidigt, aber die französischen Dragoner und Ulanen fanden eine Furt, bei der sie die Seine durchqueren konnten, fielen den Württembergern in den Rücken und trieben sie in die Flucht. Die Division des Reitergenerals Letort eroberte bereits in der Dunkelheit einen wertvollen russischen Ponton-Zug, der von herunter kam.Damitz, III.Teil
Um 19 Uhr an diesem Tage befanden sich alle Korps der Böhmischen Armee auf dem Rückzuge auf oder hinter Troyes mit zwei Ausnahmen: die Kosaken Kaisarows und die Nachhut des Korps Wrede, die noch bei Arcis-sur-Aube stand und Plancy beobachtete.
Napoleon kehrte noch in der Nacht mit der Gardekavallerie nach Plancy zu seinen Fußtruppen zurück. Nur die Kavallerie-Divisionen unter Letort und Berckheim blieben bei Mery-sur-Seine.
Napoleon überdachte in der Nacht in Plancy seine Strategie und schrieb am nächsten Morgen des 20. März 1814 an seinen Kriegsminister in Paris, er werde sich über nach Osten bewegen. Es ist anzunehmen, dass Napoleon nicht erwartete, auf diesem Wege auf Koalitionstruppen zu stoßen.
Am Morgen des 20. März 1814 gab Napoleons Generalstab die Tagesbefehle heraus und wies alle Truppenteile an, sich nach Osten zu bewegen: Ney, Letort und Sebastiani, der am Vortage Kaisarows Kosaken bei über die Aube getrieben und bis zu dem hierbei in Flammen aufgehenden Dorf weiter verfolgt hatte, sollten am Südufer der Aube weiter auf Arcis-sur-Aube vorrücken und vor der Stadt Positionen einnehmen. Die Ehrengarde, die Alte Garde und die Reserve-Artillerie sollten am Nordufer der Aube Arcis-sur-Aube passieren und weiter auf Vitry marschieren. Marschall MacDonald, der mit zwei Korps noch bei stand, wurde angewiesen, unverzüglich nachzufolgen. Die Korps unter Marmont und Mortier sollten über Châlons-en-Champagne nachrücken.
Die Bewegungen der Koalitionstruppen Über die Absichten seines Gegners befand sich Napoleon im Irrtum. Der österreichische Oberkommandierende der Koalitionstruppen, Fürst Schwarzenberg, hatte am Nachmittag des 17. März 1814 erste Nachrichten davon erhalten, dass Napoleon mit seinen Truppen Reims eingenommen und das kleine Korps unter Saint-Priest aufgerieben hatte. Diese Nachricht löste im Hauptquartier der Koalitionstruppen Bestürzung hervor, besagte sie doch, dass Napoleons Truppen in der Schlacht bei Laon keineswegs entscheidend geschlagen worden waren und dessen Truppen viel näher waren als erwartet. Schwarzenberg ordnete sofort den Rückzug des Gros der Böhmischen Armee in Positionen östlich von Troyes an. Am 18. März 1814 trafen Nachrichten vom Heranrücken der französischen Streitmacht ein. Am Abend dieses Tages fuhr Zar Alexander von seinem Quartier in Troyes zu Schwarzenberg, der sich in Arcis-sur-Aube befand und von einem schweren Gichtanfall ans Bett gefesselt war. Alexander traf um 18 Uhr im Hauptquartier Schwarzenbergs ein und brachte seine Besorgnis über die Gefahren zum Ausdruck, die von den herannahenden französischen Truppen und Napoleons Führung ausgingen. Schwarzenberg stimmte dem Zaren zu, und als dieser um 20 Uhr wieder abfuhr, gingen auch weitere Befehle Schwarzenbergs hinaus, die einen beschleunigten Rückzug hinter Troyes anordneten, um zu verhindern, dass sich Napoleon mit einem kühnen Stoß nach Süden zwischen die Korps der Böhmischen Armee schieben konnte.insbesondere Sporschill und Damitz, aber auch Bogdanowitsch Am nächsten Tage aber, dem 19. März 1814, erkannte Schwarzenberg, dass die Böhmische Armee den herannahenden französischen Truppen weit überlegen sein musste, insbesondere wusste Schwarzenberg, dass sich MacDonald mit seinen zwei Korps noch in einiger Entfernung befand. Im Bewusstsein der deutlichen Überlegenheit seiner Armee befahl Schwarzenberg seinen Truppen am 19. März um 15 Uhr, sich südlich von Arcis-sur-Aube in Erwartung eines Gefechtes in Stellung zu bringen.
Topografie des Gefechtsfeldes Östlich ihrer Einmündung in die Seine mäandert die Aube in einem weiten, flachen Tal von Ost nach West, an beiden Ufern durch breite Sumpfgebiete und viele Nebenarme begleitet. Arcis-sur-Aube liegt am Südufer der Aube. Am nördlichen Ortsausgang befand sich eine Brücke über den Hauptarm des Flusses, der sich nach Norden ein etwa ein Kilometer langer Damm durch das Sumpfgebiet anschloss. Dieser Damm selbst enthielt fünf weitere kleine Brücken über Nebenarme der Aube. Im Süden steigt das Tal langsam zu einem Höhenzug an, hinter dem sich weites flaches Land erstreckt.
Besondere Bedeutung kam dem Fluss Barbuise zu, der westlich Arcis-sur-Aube zwischen Seine und Aube von Süden nach Norden fließt, dann aber bis zu seiner Mündung in die Aube wenig südlich der Aube nach Westen fließt. Ihn begleitete ein breiter Streifen sumpfiges und sehr tiefgründiges Gelände, das von Artillerie und Kavallerie nicht und von Fußtruppen nur mit großer Mühe passiert werden konnte. Dieses Gewässer trennte die feindlichen Truppen westlich von Arcis und verhinderte dort Gefechtshandlungen.
Ereignisse am 20. März 1814 mini|200px|Plan der Schlacht aus dem Atlas zu Alison's History of Europe Um 9 Uhr morgens erließ Schwarzenberg den Tagesbefehl, in dem er anordnete, Arcis-sur-Aube zu räumen, indem er des Weiteren aber seinen Truppen die Positionen für einen Angriff auf die französischen Truppen anwies. Hierbei bewies er die Klugheit, das Gros seiner Truppen hinter den südlichen Anhöhen aufzustellen, wo sie von der Stadt aus nicht gesehen werden konnten.
Napoleon hatte seinen Truppen befohlen, sich von Plancy aus nach Osten zu bewegen und Arcis-sur-Aube einzunehmen. Er verzichtete damit darauf, auf weitere Truppen, insbesondere das Korps Macdonald, zu warten, das dann auch in der folgenden Schlacht mit Ausnahme einer Division nicht zum Einsatz kam. Die Infanterie unter Marschall Ney marschierte am Nordufer, die Reiterei unter Sébastiani rückte am Südufer vor und nahm Arcis-sur-Aube ohne Widerstand ein. Die Infanterie setzte auf das Südufer über, besetzte die Stadt und bezog weitere Stellungen südlich davon.
Napoleon traf um 13 Uhr in Arcis-sur-Aube ein. Dort berichteten ihm seine Marschälle, sie hätten starke Kontingente feindlicher Truppen beobachtet und vermuteten die Hauptarmee Schwarzenbergs in unmittelbarer Nähe. Napoleon ignorierte diese Mitteilung, da die Koalitionstruppen von Arcis-sur-Aube aus nicht zu sehen waren, mit der Ausnahme herumschwärmender Kavallerie.
Um 14 Uhr begann die Schlacht mit einer aus der Situation heraus entstehenden Kavallerie-Attacke der Koalitionstruppen auf deren linkem, westlichen Flügel. Die vorgerückten französischen Reiter waren der feindlichen Übermacht nicht gewachsen, wurden in die Stadt zurückgetrieben, rissen dabei die Infanteristen mit, unter denen sich Panik ausbreitete. Es soll Napoleon selbst gewesen sein, der sich an der Brücke von Arcis-sur-Aube mit gezogenem Degen den Fliehenden entgegenstellte und wieder Ordnung schuf. Dann konnte die Garde-Artillerie in Stellung gebracht werden, die die angreifende Reiterei unter Beschuss nahm. Weitere Infanterie wurde über die Brücke herangeführt, der es gelang, die feindliche Kavallerie zurückzuschlagen und Arcis-sur-Aube zu behaupten.
Zur gleichen Zeit griffen Koalitionstruppen von Osten das vor Arcis-sur-Aube gelegene Dorf Grand-Torcy (heute ) an und vertrieben die dort sitzenden Truppen des Marschall Ney. Wieder soll es Napoleon selbst gewesen sein, der unter Gefahr für sein eigenes Leben seine Truppen zurückführte, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen. In der Folge entwickelte sich ein zäher, blutiger Kampf um dieses Dorf, der bis tief in die Nacht dauerte. Da sowohl Arcis-sur-Aube als auch Grand-Torcy in Brand geschossen wurden, gaben die brennenden Häuser die Beleuchtung dazu ab.
Gegen 21 Uhr sammelten sich die französischen Reiter Sébastianis nochmals, um die Niederlage vom Nachmittag wett zu machen. 2.000 Kavalleristen ritten die russischen Kosaken, die bereits abgesessen waren, nieder und ebenso ein bayerisches Reiterregiment, das zu Hilfe eilte. Nur langsam gelang es den Koalitionstruppen, ihre Kavallerie nochmals in ein nächtliches Gefecht zu führen. Schließlich gelang es, Sébastianis Reiter auf Arcis-sur-Aube zurückzutreiben.
Nach dem Bericht einiger Quellen waren am Ende dieses Tages die Verluste der Koalitionstruppen größer als die der Franzosen.
Ereignisse am 21. März 1814 mini|305px|Die Brücke über die Aube heute