Melchnau (in der berndeutschen Mundart Mäuchnou [mæuxnou]) ist eine mittelgrosse politische Gemeinde im Verwaltungskreis Oberaargau des Kantons Bern in der Schweiz. Melchnau ist auch der Name der örtlichen, reformierten Kirchgemeinde und der Burgergemeinde.

Geographie Melchnau liegt im Oberaargau im Schweizer Mittelland und grenzt an den Kanton Luzern. Das Dorf ist mehrheitlich im Tal des Dorfbachs, dem linken Nebenfluss der Rot (Murg), gelegen. Die Gemeinde ist 10,28 km² gross, knapp ein Drittel der Gemeindefläche, 3,19 km² ist bewaldet. 2014 waren 57,4 % der Gemeindefläche landwirtschaftliche Nutzfläche.

Die Nachbargemeinden sind Langenthal (Ortsteil Untersteckholz), Busswil bei Melchnau, Madiswil, Reisiswil, Gondiswil, Grossdietwil und Altbüron.

Das Dorf umfasst neben dem eigentlichen Dorf die Weiler/Höfe Gibel/Staldacker, Lauperen, Äschere, Widen, Ischerhubel und Bodmen/Blenggen.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung Melchnaus von 1850 bis 2018Jahr185018601870188018881900191019201930194119501960197019801990200020102018201920202023Einwohner147814801547157914911347134413711323144415291511149514431504166915401517148917881542

Bevölkerungszusammensetzung Ende 2018 lebten in Melchnau 751 Männer und 766 Frauen. Davon verfügten 1290 über das Schweizer Bürgerrecht. Stand 2019 gehörten 62 % der Einwohner (947 Personen) der evangelisch-reformierten Landeskirche und 13,2 % (202 Personen) der römisch-katholischen Landeskirche an. Für 24,8 % (379 Personen) wurde als Konfession «andere» angegeben. Der Bevölkerungsanteil der 0–19-Jährigen betrug 21,3 %, 56 % waren 20–64-jährig, und 22,7 % waren älter als 65 Jahre.

Geschichte Die älteste urkundliche Erwähnung Melchnaus stammt aus dem Jahr 1100.Eintrag im «Liber Heremi» (Signatur KAE, A.CB.2), Stiftsarchiv des Klosters Einsiedeln, abgerufen am 10. Januar 2010. Im 12. Jahrhundert gehörte das Dorf den Freiherren von Langenstein, die 1194 als Stifter des Klosters St. Urban in Erscheinung traten und bald darauf ausstarben. Ihren Sitz hatte die Adelsfamilie auf dem Schlossberg, der seit dem 10./11. Jahrhundert bewohnt war. alt=|mini|Burghof mit Schutzbau auf der Burgruine Grünenberg, Melchnau Ihre Haupterben, die Freiherren von Grünenberg mit ihrem 1248 erstmals urkundlich erwähnten Stammsitz Grünenberg auf dem Schlossberg, prägten im 13. und 14. Jahrhundert die Geschichte des östlichen Oberaargaus. In der Mitte des 15. Jahrhunderts, in zwei Schritten von 1444 und 1480, fielen die Herrschaften Grünenberg und Langenstein an Bern.

Neuzeit mini|Luftbild aus 3000 m von Walter Mittelholzer (1923)Nach der Reformation (1528) wirkte der Pfarrer als Vertreter der bernischen Obrigkeit; er konnte aber nicht verhindern, dass sich die Melchnauer im Bauernkrieg (1653) auf die Seite der Luzerner und Emmentaler Aufständischen stellten. Ein Melchnauer Rädelsführer wurde schliesslich in Aarwangen hingerichtet, andere entkamen ins Elsass.

Im Dorf selbst verschärften sich später Konflikte zwischen den Erblehenbauern und den Taunern, die sich um den freien Weidgang des Kleinviehs drehten. Die Heimarbeit in der Leinwandfabrikation, meistens im Dienste eines Verlegers, verschaffte den Taunern ein zusätzliches Einkommen. Diese frühe Industrie geriet jedoch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in eine Krise. Da sich gleichzeitig Melchnaus Einwohnerzahl von 730 auf beinahe 1500 verdoppelte, verarmte ein grosser Teil der Bevölkerung.

Zur herausragenden Persönlichkeit im Dorf wurde Jakob Käser (1806–1878), der als bildungseifriger Modernisierer viele Anstösse zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung gab. Er initiierte um 1831 einen Leseverein, später einen Landwirtschaftlichen Verein und eine Gesellschaft für Forst- und Obstbaumzucht. Um den Armen des Dorfes neuen Verdienst zu verschaffen – auch als Alternative zur Auswanderung –, entstand 1852 die Gemeinnützige Industrie-Gesellschaft. Auf diese Weise fasste die Strohflechterei in Melchnau Fuss, später die Produktion von Kokosmatten und . Mit der Gründung der Käserei (1843) hatte auch die Milchwirtschaft einen Aufschwung genommen.

1924 gründete Emil Reinhard (1880–1969) die Teppichfabrik Melchnau AG, den führenden Industriebetrieb im Dorf (sie wurde 1986 von der Möbelstoffweberei Langenthal übernommen). Der Fabrikant Reinhard war zusammen mit Bauern und Gewerbetreibenden auch an der Gründung der Spar- und Leihkasse Melchnau (1941) beteiligt. Andererseits formierte sich auch in Melchnau die Arbeiterbewegung. So entwickelte sich das einstige Bauerndorf zu einer wirtschaftlich vielseitigen Gemeinde.

Die Landwirtschaft behielt jedoch einen hohen Stellenwert, vor allem während der beiden Weltkriege: Bereits 1917 entstand eine Landwirtschaftliche Genossenschaft.

Güterzusammenlegung mini|Denkmal zur Güterzusammenlegung von 1944 bis 1952 auf dem Guger In der ganzen Schweiz wurde ab 1940 im Rahmen des Plans Wahlen der Ackerbau rationalisiert. Melchnau war eine der ersten Hügelgemeinden, welche sich diesem Unterfangen stellten, allerdings auch, um den von den Grenzen heimkehrenden Soldaten Arbeit zu beschaffen. Diesem Zweck diente die in den Jahren 1944–1952 durchgeführte Güterzusammenlegung in Melchnau. 1944 wurde eine Flurgenossenschaft gegründet, welche zum einen das Ackerland aufwertete und zum andern die weit verstreuten Parzellen zusammenlegte und neu verteilte. Mit einem Gesamtbudget von 1'706'000 Franken wurde der Dorfbach unterhalb des Dorfs korrigiert bzw. kanalisiert, wurden Riede mit Drainagen entwässert, damit die Flächen als Ackerland genutzt werden konnten, und verschiedene Wege umgelegt bzw. neu gebaut. Mit Ausnahme des Dorfbachs wurden alle Gewässer der Gemeinde praktisch über ihre ganze Länge eingedolt. Ausserdem gingen die Wässermatten unterhalb des Dorfbaches am Dorfbach und der Rot verloren. Während die 169 Landwirtschaftsbetriebe vor der Güterzusammenlegung durchschnittlich 4,7 Parzellen Land besassen (793 Landwirtschaftsparzellen insgesamt), konnte dank der Zusammenlegung der Schnitt auf 1,7 Parzellen pro Betrieb (375 Landwirtschaftsparzellen insgesamt) gesenkt werden. Während der Arbeiten wechselten 2'800 Obstbäume ihren Besitzer, und drei Bauernfamilien siedelten aus dem Dorf auf den Bodmen aus. Innert dreier Jahre wurden in der Käsereigenossenschaft 200'000 kg Milch mehr verarbeitet, und es konnten 10 Wagons Getreide mehr abgeliefert werden. Melchnau profitierte von kantonalen und eidgenössischen Subventionen im Umfang von 75 % und konnte im Rahmen der Güterzusammenlegung den Rasen und Sportplatz beim Schulhaus anlegen. In den Jahren 1940/41 beherbergte Melchnau ein Kontingent von rund 400 polnischen Soldaten, die in der Schweiz interniert worden waren und als Bau- und Landarbeiter beschäftigt wurden. Die Polen schenkten dem Dorf einen Brunnen, dessen Skulptur eine Melchnauerin darstellt, die einem Soldaten Wasser spendet.mini|hochkant|Der Polenbrunnen in Melchnau1975 wurden in Melchnau die Querfeldein-Weltmeisterschaften der Radfahrer ausgetragen.

Wirtschaft Verkehr mini|Stationsgebäude im 1981 Die Strasse nach Langenthal war bereits 1838 angelegt worden; 1843–1845 folgte die Strasse nach Altbüron, 1861/62 jene nach Gondiswil. Seit 1885 verkehrte zweimal täglich eine Pferdepost nach Langenthal; sie wurde 1917 durch eine elektrische Schmalspurbahn, die Langenthal-Melchnau-Bahn, abgelöst. Der Personenverkehr auf der Teilstrecke St. Urban Ziegelei–Melchnau wurde 1982 eingestellt und durch einen direkten Busbetrieb nach Langenthal ersetzt. Mit der Buslinie konnte die Fahrzeit von 23 auf 14 Minuten verkürzt und das Dorf besser erschlossen werden. Noch bis 2012 wurde die Bahnstrecke für Güterverkehr und für gelegentliche Nostalgie-Sonderfahrten genutzt, bevor nach Ablauf der Konzession die Strecke 2016 rückgebaut worden war.

Landwirtschaft Melchnau ist von der Landwirtschaft, insbesondere vom Ackerbau und der Milchviehhaltung, geprägt. Heute gibt es im Dorf noch 35 Landwirtschaftsbetriebe. Wie in allen andern Orten auch, ist die Zahl der Landwirte seit langem rückläufig. Beteiligten sich 1944 noch 169 Landwirte an der Güterzusammenlegung, so waren es 1955 noch 128 hauptberufliche Landwirte, 1965 noch 104 und 1972 noch 84 Landwirtschaftsbetriebe. Seit 1843 existiert in Melchnau eine Käsereigenossenschaft, welche jährlich ca. 3,5 Mio. Kilogramm Milch zu Emmentaler AOP und eigenen Käse- und Molkereispezialitäten verkäst und verarbeitet.

Wässermatten alt=|mini|Blick in die Wässermatten Melchnau, eine Landschaft von nationaler Bedeutung Mehrere Familienbetriebe bewirtschaften die Melchnauer Wässermatten im Rottal, welche mit über 12 Hektar die grössten zusammenhängenden, noch bewirtschafteten Wässermatten im Kanton Bern bilden. Die Wässermatten gehören zum Bundesinventar schützenswerter Landschaften und Naturdenkmäler nationaler Bedeutung und sind durch die kantonale Überbauungsordnung seit 2018 besonders geschützt.

Energie und Kommunikation Ab 1904 wurde die Gemeinde vom Elektrizitätswerk Wynau (an dessen Kapital sie sich 1903 beteiligt hatte) mit Strom versorgt. Bis dahin war der Dorfbach, mit dessen Wasserkraft eine Sägerei, eine Mühle und eine Ölpresse betrieben wurden, die einzige Quelle mechanischer Energie gewesen.

Nachdem eine Telegrafenverbindung bereits um 1872 hergestellt worden war, erhielt Melchnau 1898 auch Anschluss ans Telefonnetz. 1977 nahm die Fernsehgenossenschaft Melchnau eine Gemeinschaftsantenne in Betrieb, die 1986 an die Langenthaler Anlage angeschlossen wurde.

Energiestadt Melchnau Im März 2018 wurde die Gemeinde für ihren Einsatz für die effiziente Energienutzung, die Förderung erneuerbarer Energie und ihren Einsatz für den Klimaschutz mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnet. Die Gemeinde verdankt die Auszeichnung unter anderem den drei privaten Wärmeverbünden, welche mit Holzschnitzelheizungen 25 % des Wärmebedarfs der Gemeinde sicherstellen. Ausserdem fördert die Gemeinde mit einem Teil der Konzessionsabgaben Produktionsanlagen für erneuerbare Energien.

Wappen mini|hochkant|Wappen von Melchnau Blasonierung: In Silber ein grüner schwebender Sechsberg (1:2:3 Berge)

Das Gemeindewappen entspricht demjenigen der Freiherren von Grünenberg, das in zahlreichen Wappendarstellungen und Siegeln belegt ist.Plüss, 1904, S. 180. Damit ist das Melchnauer Wappen eines der ältesten in der Region: Bereits 1280 wurde der Sechsberg unten freischwebend auf einem St. Urbaner Backsteinornament dargestellt. Der Sechsberg fand in der Gemeinde mehrmals Verwendung, auf der Glocke von 1620 oder der Abendmahlskanne von 1696. Erst am 27. Januar 1945 genehmigte der Gemeinderat die heutige Blasonierung, bis zu diesem Zeitpunkt verwendete die Gemeinde kein offizielles Wappen. Das Wappen der Gemeinde Eriswil, ein schwebender grüner Sechsberg auf rotem Grund, zeigt die alte Zugehörigkeit zum Besitz der Grünenberger.

Einwohnergemeinde Politik und Wahlen Oberstes Organ der Einwohnergemeinde ist die Gemeindeversammlung, die in der Regel zweimal jährlich stattfindet und vom Gemeindepräsidenten geleitet wird. Der Gemeinderat als Exekutive besteht aus der Gemeinderatspräsidentin und vier weiteren Mitgliedern, die ehrenamtlich tätig sind und ihrerseits je einer oder mehreren Kommissionen vorstehen. Die Gemeindeverwaltung wird vom hauptberuflichen Gemeindeschreiber geleitet.

Zurzeit sind drei politische Parteien aktiv und im Gemeinderat vertreten, nämlich die Schweizerische Volkspartei, die Sozialdemokratische Partei sowie die Evangelische Volkspartei. Der Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen: 2 Sitze SVP, 1 Sitz SP, 1 Sitz EVP, 1 Sitz parteilos (Liste SVP).

Melchnau wählt mehrheitlich rechts-bürgerlich, wie die Auswertung der Wähleranteile der verschiedenen Parteien ergibt.