Pornografiekonsum von Jugendlichen bezeichnet die Verwendung von Pornografie durch Jugendliche. Der Konsum ist seit 1715 Thema politischer und öffentlicher Auseinandersetzungen. Seit 1973 ist der Konsum von Pornografie durch Jugendliche Thema wissenschaftlicher Untersuchungen, insbesondere seit der Verfügbarkeit des Internets. Aufgrund des Jugendschutzes ist der Pornografiekonsum von Jugendlichen stärker gesetzlich reguliert als bei Erwachsenen.

Definition und Klassifikation Wissenschaftliche Studien zum Pornografiekonsum Jugendlicher verwenden verschiedene Definitionen von Pornografie, einheitliche Definitionen werden gefordert. Je nach Studie werden auch Begriffe wie beispielsweise X-Rated oder Erotik verwendet oder wird keine Definition vorgenommen. Der Begriff werde uneinheitlich verwendet, sei gesellschaftlich umkämpft und von moralischen Wertungen abhängig. Juristischen Definitionen im deutschsprachigen Raum ist gemeinsam, dass Pornografie die Darstellung sexueller Akte in aufreizender Form in den Vordergrund stellt und andere menschliche Bezüge weitgehend ausklammert.

Auf EU-Ebene wird Pornografie zu den schädlichsten audiovisuellen Inhalten für Minderjährige gezählt. In Deutschland werden pornografische Inhalte als entwicklungsbeeinträchtigende sowie jugendgefährdende Medien bezeichnet und erhalten keine Altersfreigabe. In Österreich sind nach dem Pornografiegesetz pornografische Inhalte ab 16 Jahren zugelassen, auf Länderebene bestehen nach den Jugendschutzgesetzen in Österreich teils abweichende Regelungen. In der Schweiz ist Pornografie generell ab 16 Jahren zugelassen.

Demografie

Forschungen über jugendlichen Pornografiekonsum untersuchten Jugendliche im Alter von 10 bis im Durchschnitt 24 Jahren (teils abweichend zu 12–32 Jahren). Die gewählte Altersspanne wird begründet mit der Besorgnis über die Auswirkungen des Konsums insbesondere in diesem Altersbereich. Der Schwerpunkt der Studien liegt auf der Altersgruppe von 13 bis 18 Jahren. Unterschieden wird zwischen dem absichtsvollen Konsum (z. B. durch eigenständige Suche) und ungewolltem Kontakt (z. B. durch Werbung im Internet oder Spam-E-Mails). Je nach Studie und untersuchter Gruppe haben zwischen 7 % und 98 % der untersuchten Jugendlichen bereits pornografische Inhalte gesehen. Als Gründe für diese Spannbreite werden methodische Unterschiede der Studien, technologische Veränderungen insbesondere durch das Internet sowie der kulturelle Kontext genannt, in dem die Erhebungen stattfanden.

Das Alter des ersten Konsums liegt bei heterosexuellen Jugendlichen zwischen 6 und 19 Jahren, mit einem Durchschnittsalter von 11 Jahren für Jungen und 12 Jahren für Mädchen. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass das Alter des Erstkontakts zu pornografischen Inhalten sinkt und männliche Jugendliche früher und häufiger als weibliche Jugendliche Pornografie konsumieren.Nicola Döring: Jugendsexualität im Internetzeitalter. In: Ethik und Unterricht. Band 2/23. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Friedrich Verlag, 2023. . (PDF).

Neben der Masturbationshäufigkeit ist der Pornografiekonsum die einzige sexuelle Variable, bei der die Forschung übereinstimmend deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen festgestellt hat. Bei männlichen Jugendlichen ist die Motivation zum Konsum von Pornografie häufiger Neugierde, der Wunsch nach sexueller Erregung und Unterhaltung. Bei Jungen wird häufiger das gemeinsame Anschauen von Pornografie beobachtet. Während Jungen Pornografie im Allgemeinen kritisch gegenüberstehen, sind Mädchen von Pornografie häufiger abgestoßen: Sie finden sie oft dumm, eklig und haben zu ihr eher negative Einstellungen. Andererseits wird Pornografie von Jugendlichen auch als normal, als Teil des täglichen Lebens und natürlicher Aspekt der Sexualität angesehen.

Bei autistischen männlichen Jugendlichen wird weniger Pornografiekonsum als bei neurotypischen Jugendlichen beobachtet (ASD 41,5 % gegenüber neurotypisch 75,9 %), auch die Häufigkeit von Masturbation zu Pornografie ist geringer (ASD 39 % vs. neurotypisch 75,9 %). Bei weiblichen Jugendlichen fand man diesen Unterschied nicht.

Die Studienlage zum Pornografiekonsum von LGBTQ-Jugendlichen ist uneinheitlich. Bőthe verweist auf Studien, die teils fünf- bis sechsfach höhere Prävalenzen von erwünschtem bzw. unerwünschtem Kontakt zu Pornografie bei LBGTQ-Jugendlichen ergaben, wie auch auf andere Erhebungen, bei denen keine signifikanten Unterschiede zu heterosexuellen Jugendlichen beobachtet werden konnten. Als Ursache werden auch hier große soziokulturelle Unterschiede je nach Land der Untersuchung sowie methodologische Unterschiede genannt.

Inhalte Der Zugang Jugendlicher zu Pornografie hat sich mit der technologischen Entwicklung gewandelt. Während 2013 neben Internetpornografie noch das Fernsehen oder DVD-Shops genannt wurden, werden in aktuelleren Studien überwiegend Internet-Angebote thematisiert. Die Untersuchung der von Jugendlichen konsumierten Inhalte beschränkt sich im überwiegenden Teil der Studien auf die allgemeine Nutzung von „Pornografie“, weiter auf problematisierte Aspekte wie Gewaltdarstellungen in den konsumierten Medien, den freiwilligen oder unfreiwilligen Konsum sowie die damit verbundenen Emotionen. Selbst in Bezug auf LGBTQ-Jugendliche wurden in nur zwei von 11 Studien Fragestellungen nach der Art der konsumierten Inhalte gestellt.

Jugendliche beiderlei Geschlechts konsumieren auch als gewaltsam wahrgenommene pornografische Inhalte. Inwieweit dabei Gewaltpornografie oder konsensuelles Handeln dargestellt wird, bleibt in der Regel unklar. So ergab eine Studie Anteile von 29 % der männlichen und 16 % der weiblichen Befragten, die Gewaltpornografie konsumiert hatten, Konsensualität wurde nicht abgefragt, selbst Bücher und Comics wurden gewertet. Bei ähnlicher Fragestellung bezogen auf physische Gewalt in pornografischen Videos konsumierten demnach nur 3 % der Jugendlichen entsprechende Medien.

Die meisten Jugendlichen sahen sich „normale“ Pornografie an und nur wenige bizarre, groteske und abartige Inhalte. „Normale“ Pornografie wurde positiv oder akzeptabel bewertet und zur Masturbation verwendet. Bizarre Inhalte werden meist in „Peer“-Gruppen zur Unterhaltung verwendet und wurden als abseitig, gelegentlich und verstörend beschrieben. Zu den Vorlieben von männlichen Jugendlichen gehören „normaler“ Sex zwischen Mann und Frau, der natürlich und echt wirkt, in verschiedenen Stellungen, darunter Oralsex, und Sex zwischen zwei Frauen, die z. B. ein schönes Gesicht, große Brüste, einen „richtigen“ Hintern haben, ob blond oder Latina. Dagegen interessiert die Masturbation einer einzelnen Frau die meisten nicht. Manche Frauen konsumieren auch zusätzlich lesbische Pornografie. Manche männliche Jugendliche fühlen sich von dem Mann im Film gestört. Den Jungen zufolge soll der Mann nicht „eklig“ aussehen, nicht übergewichtig sein und keinen behaarten Hintern haben. Der heterosexuelle Analverkehr gehört wie Schwulenpornos zu den akzeptierten Handlungen. Gruppensex wird von wenigen Jugendlichen abgelehnt. Dreier und Vierer wurden nur akzeptiert, wenn ein Mann und mehrere Frauen beteiligt sind. Manche Jugendliche betrachten Pornografie als homosexuell, wenn zwei Männer mitmachen. Nicht erregend fanden die heterosexuellen Jungen Schwulenpornos sowie ungewöhnliche oder paraphile Inhalte wie Kot- oder Urinspiele, BDSM, anale oder vaginale Einführung von Gegenständen, Deepthroating, Fisting, Fetische (wie Fußfetische), Sex mit Tieren, Vergewaltigungen, Gang Bangs, Animationen von Sex zwischen Monstern oder gewalttätige Darstellungen. Diese Inhalte wurden meist sehr ablehnend beschrieben. Jungen mit mittlerer Pornografieerfahrung haben häufiger extreme Pornos gesehen als Jungen mit geringer Erfahrung. Kinderpornografie (über Sexting hinaus) hatten die meisten Jugendlichen nicht gesehen, sondern nur davon gehört. Kinderpornografie wurde massiv verurteilt. Die Jugendlichen in diesem Interview hatten zu einem früheren Zeitpunkt häufiger Pornografie konsumiert. Als Gründe für die Verringerung der Verwendung wurde genannt, dass sie eine Freundin hatten, geringere Langeweile, verlorenes Interesse an Pornografie und sexuelle Erfahrungen als Fantasie verwenden. Der Konsum wurde aber nicht beendet, sondern wurde deutlich seltener. In den USA waren die häufigsten Formen von Pornografie bei städtischen, einkommensschwachen, schwarzen und hispanischen Jugendlichen Darstellungen heterosexuellen Geschlechtsverkehrs, in selteneren Fällen auch extremere Formen der Pornografie wie Demütigung, Bestialität, Fesselspiele und Bukkake.

Ein Umbrella Review gab zu diesem Aspekt der Arten von Pornografie, die Jugendliche verwenden, an: „Es braucht mehr Forschung über die Arten von Pornografie, die Jugendliche verwenden, anstatt dass man auf Spekulationen und Meinungen baut. Es sei davon auszugehen, dass Jugendliche keine passiven ‚Dummköpfe‘ oder ‚Opfer‘ sind, sondern kritisch zu den sozialen Normen (wie der gesellschaftlichen Erwartung, Pornografie zu missbilligen) und Darstellungen in Pornografie stehen, die frauenfeindlich, rassistisch, homophob, transphob oder gewalttätig, nicht einvernehmlich sind, die einen Mangel an Liebe oder Intimität haben, den Schönheitsidealen folgen, wenig vernachlässigte Gruppen zeigen und oberflächliche Darstellungen zeigen, die sich nur auf sexuelle Handlungen und Genitalien beziehen“. Viele junge Menschen vertraten die Ansicht, dass Pornografie nur für Männer gemacht sei und das sexuelle Vergnügen von cisgender heterosexuellen Männern priorisiere. Pornografie positioniere Frauen dazu, die sexuellen Bedürfnisse der Männer zu befriedigen, und fetischisiere Lesben, Transgender und nichtbinäre Personen für die Betrachtung durch heterosexuelle Männer. Laut ihnen hält Pornografie männliche Dominanz und die Unterdrückung der Frauen aufrecht. Manche Frauen waren der Meinung, dass Darstellerinnen zu bestimmen Handlungen gezwungen werden, und andere kritisierten, dass Kinder leichten Zugang zu Pornografie haben und dass Pornos nicht gesund, schädlich und gefährlich seien. Manche Jugendliche neigen zur Überschätzung der eigenen Fähigkeit, Pornografie kritisch zu bewerten, und zum Ignorieren ethischer Bedenken gegenüber der Pornografieindustrie, während andere Jugendliche den Produktionsbedingungen kritisch gegenüberstanden. Männer setzten sich weniger kritisch mit Pornografie auseinander als Frauen und zögerten, darüber zu sprechen, wie sich die Auswirkungen von Pornografie je nach Geschlecht unterscheiden. Prädiktoren Als Prädiktoren (vorhersagende Eigenschaften) werden Eigenschaften bezeichnet, die eine erhöhte Verwendung von Pornografie vorhersagen. Hier wird nur gewollter Konsum von Pornografie betrachtet. Die vorhersagenden Eigenschaften ändern sich, wenn sich der Zugang zu Pornografie ändert (z. B. durch beschränkten Zugang) oder wenn sich der kulturelle Kontext ändert (z. B. wo die Verwendung gesellschaftlich normal ist oder nicht).

Demografische Faktoren