Die Bahnstrecke Buchloe–Lindau ist eine zweigleisige, weitgehend nicht elektrifizierte Hauptbahn in Bayern. Sie führt durch das Allgäu von Buchloe über Kaufbeuren und Kempten (Allgäu) nach Lindau im Bodensee. Zusammen mit der anschließenden Bahnstrecke München–Buchloe wird sie als Allgäubahn bezeichnet.
Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen die Strecke zwischen 1847 und 1854 als Teil der Ludwig-Süd-Nord-Bahn in Betrieb. Der Abschnitt Hergatz–Lindau wurde zwischen 2018 und 2021 im Rahmen des Projektes Ausbaustrecke München–Lindau elektrifiziert.
Geschichte
Bau und Eröffnung Die Strecke von Buchloe nach Lindau entstand im Zuge der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hof über Augsburg und Kempten nach Lindau. Die ersten 20,3 Kilometer von Buchloe nach Kaufbeuren wurden am 1. September 1847 dem Verkehr übergeben. Es folgten die 42,52 Kilometer über die König-Ludwig-Brücke (später ersetzt durch die Oberen Illerbrücken) zum ehemaligen Kopfbahnhof Kempten am 1. April 1852. Die 21,66 Kilometer nach Immenstadt kamen am 1. Mai 1853 hinzu. Weitere 16,85 Kilometer bis Oberstaufen wurden am 1. September 1853 eingeweiht und die nächsten 49,8 Kilometer bis in den Lindauer Vorort Aeschach am 12. Oktober 1853. Der letzte 1,8 Kilometer lange Abschnitt von Aeschach über den Bodenseedamm bis zum Endbahnhof Lindau auf der Insel Lindau ging schließlich am 1. März 1854 in Betrieb. Die ursprünglich eingleisige Strecke wurde bis 1907 zweigleisig ausgebaut.
Seit 1945 Mit Einführung der Diesellokomotiven der Baureihe V 200 konnten Mitte der 1960er Jahre die Fahrtzeiten zwischen München und Lindau um circa 30 Minuten gesenkt werden, zuvor war die Strecke eine Domäne der Dampflokomotiven. So leisteten die ehemaligen bayerischen S 3/6 (spätere Baureihe 18) hier viele Jahrzehnte hochwertige, auch internationale Schnellzugdienste. Noch Ende 1967 war sie im Schnellzug-Dienst eingesetzt.
Nur kurz währte der Einsatz des Schienen-Straßen-Omnibusses, der vom 23. Mai 1954 bis zum 31. Mai 1958 von Augsburg her kommend zwischen Pforzen und Biessenhofen und dann weiter bis Roßhaupten auf der Schiene fuhr, um dann Füssen auf der Straße zu erreichen.
Aufgrund des anspruchsvollen Profils wurde vom Bundesbahn-Zentralamt fast jede Diesellokbaureihe auf der Strecke getestet. So auch die Einzelgängerin V 320 001, die während ihrer anschließenden Betriebszeit die einzige sechsachsige Diesellokomotive der Deutschen Bundesbahn war.
Am 9. Februar 1971 entgleiste in der Aitranger Kurve westlich des Bahnhofs Aitrang der TEE Bavaria; wenig später fuhr ein Nahverkehrszug in die Trümmer. Beim Eisenbahnunfall von Aitrang starben 28 Menschen, 42 weitere wurden verletzt.
Ab 1975 beabsichtigte die Deutsche Bundesbahn, die Verbindung zwischen München und Lindau zu elektrifizieren, was nicht realisiert wurde. Schon damals wurde die Verlagerung des Lindauer Bahnhofs auf das Festland angedacht, die sinnvoll werde, wenn ein neuer Eisenbahntunnel durch die Alpen entstehe. So stand die geplante Splügenbahn im Hintergrund der Elektrifizierung und deren Zeitplan. Insbesondere die Schweiz wollte die Strecke München–Memmingen–Lindau als wichtige Zulaufstrecke für diese nicht realisierte Alpentransversale nutzen.
Seit 1994 mini|links|alex in Lindau (Bodensee) Von Ende 2003 bis zum 13. Dezember 2020 fuhren die Züge des alex (zunächst Allgäu-Express, von Ende 2007 bis 2010 Arriva-Länderbahn-Express) auf der Strecke.
Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 wurde der ehemalige Bahnhof Heimenkirch als Haltepunkt wieder eröffnet.
Ab Anfang 2011 wurden einzelne Abschnitte der Strecke für bogenschnellen Betrieb ertüchtigt, die mit bis zu 160 km/h befahren werden können. Der Neigetechnikbetrieb ist seit dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember 2011 in den Fahrplan integriert. Die Fahrtzeit verkürzte sich damit von Augsburg nach Lindau um 25 Minuten (von 2:32 h auf 2:07).
Beginnend mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2014 lösten auf den Linien München–Füssen und in der Hauptverkehrszeit München–Kempten insgesamt sieben Züge mit neuen Diesellokomotiven der Baureihe 245 und Doppelstockwagen die bisherigen Züge mit Lokomotiven der Baureihe 218 und n-Wagen ab.Deutsche Bahn (Hrsg.): Presseinformationen Regional 021/2013 DB Regio Allgäu-Schwaben: Zufriedene Kunden und umweltfreundliche Lokomotiven, 15. Februar 2013 (im DB-Internetarchiv nicht mehr vorhanden, hier wiedergegeben (abgerufen am 23. März 2014))Neue Loks für das Allgäu. In: Schwäbische Zeitung, 14. Februar 2014, abgerufen am 23. März 2014.
Der zuletzt nur mit 30 km/h befahrbare Oberstaufener Tunnel wurde 2016 saniert und auf 160 Meter verlängert. Dafür war die Strecke zwischen Immenstadt und Oberstaufen vom 3. April bis 6. Dezember 2016 gesperrt. Im Rahmen der Baumaßnahmen wurde der Haltepunkt Oberstaufen wieder zum Bahnhof ausgebaut, das heißt, er verfügt heute wieder über Weichen.
Im Februar 2008 unterzeichneten Deutschland und die Schweiz eine Absichtserklärung mit dem Inhalt, die Strecke München–Lindau auszubauen und das bisher nicht elektrifizierte Teilstück zwischen Geltendorf und Lindau zu elektrifizieren. Elektrifiziert und ausgebaut wurde schließlich die alternative Verbindung über Memmingen. Auf der Strecke Buchloe–Lindau wurde nur der 23 Kilometer lange Abschnitt Hergatz–Lindau mit Oberleitungen überspannt. Im Dezember 2020 nahm die Deutsche Bahn den elektrischen Betrieb im Abschnitt Hergatz–Lindau-Aeschach Abzw auf. In der Folge entfielen die internationalen Verbindungen über Kempten zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020. Während der Bauphase wurden jedoch ab Dezember 2019 die Fernzüge komplett über die Strecke Buchloe–Lindau mit Halt in Kempten geführt. Der verbliebene Abschnitt Lindau-Aeschach Abzw–Lindau-Insel wurde bis Dezember 2021 elektrifiziert.
Die Haltepunkte Hergensweiler, Schlachters, Weißensberg, Lindau-Aeschach und Oberreitnau sollten bis 2022 wieder eingerichtet werden. Aufgrund der Finanzierungsfrage zwischen Bund und Land verzögern sich die Reaktivierungen auf weitere Jahre.Projekte im Bahnknoten Lindau. (PDF, 2,4 MB, Seite 6 von 17), bauprojekte.deutschebahn.com, Februar 2017. Abgerufen am 11. Dezember 2021.Susi Donner: „Frechheit uns gegenüber“ - Der Bürgermeister von Hergensweiler regt sich in der Bürgerversammlung über das „Hü und Hott“ in Sachen Wiedereröffnung von fünf früheren Bahnhalten im Landkreis Lindau auf. In: Der Westallgäuer vom 31. August 2022. S. 25. Im September 2022 erwartete die Bayerische Staatsregierung erste Planungsergebnisse für 2024. Im Oktober 2023 bestätigte darüber hinaus eine von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft durchgeführte Kosten-Nutzen-Untersuchung die Wirtschaftlichkeit von Haltepunkten in Aitrang und Kempten-Ludwigshöhe.
Zukunftsaussichten In Zusammenhang mit dem Ausbau und der Elektrifizierung der Bahnstrecke Kempten (Allgäu)–Neu-Ulm wird erwogen auch den Abschnitt Kempten (Allgäu)–Immenstadt der Bahnstrecke Buchloe–Lindau sowie die Bahnstrecke Immenstadt–Oberstdorf zu elektrifizieren. Dies würde den durchgängigen Einsatz elektrisch angetriebener Züge zwischen Ulm und Oberstdorf ermöglichen. Daneben werden mögliche Ausbauten zur Verkürzung der Reisezeit sowie die Einrichtung zusätzlicher Haltepunkte untersucht. Das Gutachten zur Dekarbonisierung des Schienenpersonennahverkehrs in Schwaben und dem westlichen Oberbayern im Auftrag des Freistaat Bayern wurde im Februar 2025 vorgestellt. Demnach sollen die Streckenabschnitte Buchloe–Biessenhofen und Kempten (Allgäu)–Immenstadt elektrifiziert werden. In Immenstadt soll ein Unterwerk zur Bahnstromversorgung errichtet werden. Auf den übrigen Streckenabschnitten sollen Akkumulatortriebwagen verkehren, deren Batterien zwischen Buchloe und Biessenhofen, Kempten und Immenstadt sowie zwischen Hergatz und Lindau aufgeladen werden. Der Freistaat möchte die DB InfraGO noch im Jahr 2025 mit der Planung des Infrastrukturausbaus beauftragen.
Streckenbeschreibung Verlauf Die Strecke beginnt im Bahnhof Buchloe, den sie Richtung Süden ins weite Wertachtal hinein verlässt. Am Südende des Bahnhofs zweigt die Bahnstrecke Buchloe–Memmingen in Richtung Westen ab. Bis kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Pforzen verläuft die Strecke in einer leichten Steigung geradlinig. Bevor sie Kaufbeuren erreicht, verläuft die Bahnstrecke noch in einer leichten Rechts- und dann wieder einer Linkskurve. Nach Biessenhofen geht es geradeaus mit einer kleinen Steigung weiter. Im Bahnhof Biessenhofen zweigt die Bahnstrecke Biessenhofen–Marktoberdorf ab. Die Linienführung folgt nun der Kirnach bis Aitrang, wo sie den Talgrund verlässt.
In starken Steigungen und in kurvigem Verlauf führt die Strecke weiter ab Aitrang u. a. durch die gleichnamige Kurve nach Günzach. Zwischen Biessenhofen und Günzach werden 100 Höhenmeter zurückgelegt, bis östlich von Günzach mit 820 Metern Meereshöhe der höchste Punkt zwischen München und Lindau erreicht wird. Geradlinig mit einigen kleineren Kurven verläuft die Bahnstrecke wieder talabwärts teils entlang der Leubas zum Kemptener Hauptbahnhof. Dort zweigen die Strecken nach Pfronten und nach Neu-Ulm ab. Von Kempten verläuft die Strecke im Illertal in leichten Kurven zum 30 Meter höher gelegenen Bahnhof Martinszell. Vor Martinszell verläuft die Strecke am Niedersonthofener See entlang. Nach einer Rechtskurve wird der Bahnhof Immenstadt erreicht. In Immenstadt zweigt die Bahnstrecke nach Oberstdorf in Gegenrichtung von der Bahnstrecke ab.
Nach einer weiteren Rechtskurve wird der Große Alpsee am nördlichen und östlichen Rand umfahren. Weitgehend geradlinig verläuft die Strecke durch das Konstanzer Tal in einer größeren Steigung bis zur Wasserscheide zwischen Donau und Rhein östlich von Oberstaufen. Kurz vor dem Bahnhof Oberstaufen führt die Strecke in einer Rechtskurve durch den Oberstaufener Tunnel. Bis zum ehemaligen Bahnhof Harbatshofen führt sie talabwärts entlang der Oberen Argen. Kurz vor Harbatshofen überquert die Strecke die Obere Argen in einer Linkskurve.
Durch mehrere Kurven wird nach sechs Kilometern über den Rentershofener Bahndamm der Bahnhof Röthenbach (Allgäu) erreicht. Die nach einer Rechts- und einer Linkskurve talabwärts führende Strecke führt geradlinig weiter bis Heimenkirch. Von dort verläuft sie vorerst geradlinig weiter, ab dem aufgelassenen Haltepunkt Opfenbach verläuft die Strecke in einem größeren Bogen zum Bahnhof Hergatz. Der Bogen dient dazu, den Höhenunterschied zwischen Heimenkirch und Hergatz von rund 100 Metern zu überwinden. In Hergatz zweigt die Bahnstrecke Kißlegg–Hergatz ab.
Geradlinig führt die Strecke weiter entlang des weiten Leiblachtals bis kurz vor dem ehemaligen Haltepunkt Rehlings, ab dort verläuft die Strecke wieder in zwei Bögen, um den Höhenunterschied von Lindau bis Hergatz von rund 150 Metern zu überwinden. Im Lindauer Stadtteil Aeschach mündet die Bahnstrecke Friedrichshafen–Lindau in die Bahnstrecke Buchloe–Lindau ein. Der auf der Insel Lindau liegende Bahnhof Lindau-Insel wird über den Eisenbahndamm erreicht.
Betriebsstellen Buchloe mini|Das 2014 abgerissene Empfangsgebäude des Bahnhofs Buchloe von der Gleisseite (2012)
Der am 1. September 1847 mit der Ludwig-Süd-Nord-Bahn eröffnete Bahnhof Buchloe bildet heute einen Eisenbahnknoten der Bahnstrecken Augsburg–Buchloe und Buchloe–Memmingen und Buchloe–Lindau. Er besitzt fünf Bahnsteiggleise an zwei Mittelbahnsteigen und einem Hausbahnsteig. Die Bahnsteige sind über eine Unterführung miteinander verbunden. Das erste Bahnhofsgebäude wurde 1873 abgetragen und auf der anderen Straßenseite als Bahnhofshotel wieder errichtet. Das zweite Empfangsgebäude von 1873 wurde 1967 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Dieser wiederum wurde 2014 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der im Oktober 2015 eingeweiht wurde. Die Kosten für das neue Gebäude betrugen circa 2 Millionen Euro. Außerdem ist vorgesehen, auf dem Bahnhofsvorplatz einen Zentralen Omnibusbahnhof einzurichten.