Alois Dörr (* 14. Januar 1911 in Höpfingen; † 18. Juni 1990 ebenda) war „Kommandoführer“ des Frauenlagers Helmbrechts des KZ Flossenbürg.
mini|Alois Dörr Leben und Wirken Der am 14. Januar 1911 geborene Kommandoführer Alois Dörr trat zum 1. Dezember 1932 – und damit noch vor der „Machtergreifung“ – der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.405.064).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/6581016 Der aus dem badischen Dorf Höpfingen stammende Dörr meldete sich als 22-jähriger freiwillig zur SS. Im Herbst 1940 teilte man ihn der Wachmannschaft des Konzentrationslagers Flossenbürg zu, vier Jahre später baute er als „Kommandoführer“ das KZ-Außenlager Helmbrechts für weibliche Häftlinge aufhttps://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf.
Die Insassinnen des Lagers arbeiten unter teils unwürdigen Bedingungen für die dortige Zweigstelle der Nürnberger Rüstungsfirma Neumayer.https://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf Der verheiratete Dörr begann in Helmbrechts ein Verhältnis mit der SS-Oberaufseherin Herta Haase, die als die brutalste in der Wachmannschaft galt; beide führten ein grausames Regime.https://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf In den letzten Kriegstagen führte er einen Todesmarsch aus Helmbrechts an.https://wwv.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/volary_death_march/index.asp Als der Krieg vorbei war, warf Dörr seine SS-Uniform weg. Die Amerikaner hielten ihn für einen einfachen Soldaten und ließen ihn nach nur einem Jahr Gefangenschaft frei. Dörr übernahm den elterlichen Hof und galt als angesehener Bürger und Gemeinderat.
Eine frühere Gefangene erkannte den einstigen Kommandoführer des Frauenlagers Helmbrechts Anfang der 1960er Jahre auf einem Foto in der Lokalzeitung dessen badisch-fränkischer Heimat, auf dem er bei einem Festumzug als Kommandant der Feuerwehr zu sehen war.https://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf Nach seiner Verhaftung im Jahr 1962 starteten Höpfinger Bürger eine Unterschriftenaktion und sammelten mehr als 50.000 DM als Kaution.https://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf Der Bürgermeister erklärte: „Mit einer Verurteilung widerfährt niemanden Gerechtigkeit“. Dörr habe „zum Wohle des Vaterlandes“ nur seine Pflicht getan.https://kugelbergverlag.de/my_keywords/alois-doerr
Unter der Leitung Oskar Rauchs, der sich dem Vorwurf der Öffentlichkeit entgegenstemmte, die deutsche Justiz der Nachkriegszeit sei halbblind gegen die Verbrechen der Nazi-Schergen, trugen die Ermittler von 1962 bis 1969 Indizien zusammen, machten Zeugen im Ausland ausfindig und klagten Dörr schließlich an. Ab dem 20. März 1969 musste sich Dörr vor dem Schwurgericht in Hof wegen Mordes in 217 Fällen verantworten.https://www.np-coburg.de/inhalt.laenderspiegel-der-kz-leiter-vieh-haette-er-besser-behandelt.8e71c649-44c9-4e5b-b9b1-828ea5636779.html Das Medieninteresse war groß; sogar das sowjetische Fernsehen und New Yorker Zeitungen schickten Berichterstatter.Der Mörder aus dem Frauenlager in: Nordbayerischer Kurier vom 31. Juli 2019, S. 4.
Beim von Dörr befohlenen Todesmarsch waren 59 gefangene Frauen auf seinen Befehl oder durch ihn selbst erschossen worden, 157 weitere an Entkräftung gestorben. In der Anklageschrift hieß es: „Dörr sah in den Häftlingen keine vollwertigen Menschen. Er erblickte in ihnen nicht nur Staatsfeinde, Saboteure, Volksschädlinge, Asoziale oder Kriminelle, sondern betrachtete sie als Geschöpfe, denen kaum mehr Menschenwert zuzusprechen war“Der Mörder aus dem Frauenlager in: Nordbayerischer Kurier vom 31. Juli 2019, S. 4.. Wegen fünffachen gemeinschaftlich begangenen Mordes wurde er am 31. Juli 1969 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, kam 1979 jedoch aufgrund einer Begnadigung durch den bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel frei.Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus, S. 84. Alois Dörr starb am 18. Juni 1990 in Höpfingen in Baden-Württemberg als freier Mannhttps://www.fgv-oberkotzau.de/pics/Boehmerwald2019/M-KZ-Au%C3%9Fenlager_Helmbrechts.pdf, aufgerufen am 2. Dezember 2022.
Literatur Peter Engelbrecht: Der Krieg ist aus. Frühjahr 1945 in Oberfranken. Weißenstadt 2015. Wolfgang Proske: Alois Dörr, KZ-Kommandant von Helmbrechts. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter, Helfer, Trittbrettfahrer, Bd. 20. NS-Belastete aus Oberfranken. Kugelberg Verlag, Gerstetten 2025. ISBN 978-3-945893-28-9, S. 63–72. Klaus Rauh: Helmbrechts – Außenlager des KZ Flossenbürg, Münchberg, 1994. Online https://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/de/geschichte/aussenlager/helmbrechts, aufgerufen am 3. August 2022.
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