Die Liste der Stolpersteine in Bad Soden-Salmünster enthält die Stolpersteine, die in der südosthessischen Stadt Bad Soden-Salmünster verlegt worden sind. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig konzipiert und verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers.

Die erste Verlegung von 15 Stolpersteinen war am 8. November 2018.Stolpersteine in Salmünster verlegt

Verlegte Stolpersteine In Bad Soden-Salmünster wurden bisher 16 Stolpersteine an vier Adressen verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegort Name, Leben 120px HIER WOHNTEKAROLINE 'LINA'DRESSELJG. 1901DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ Franziskanergasse 6 , geborene Korn (1901–1943/45), genannt Lina 120px HIER WOHNTEALEXANDER GRÜNEBAUMJG. 1880UNFREIWILLIG VERZOGEN1935 FRANKFURT A. M.'SCHUTZHAFT' 1938BUCHENWALDDEPORTIERTSCHICKSAL UNBEKANNT Frankfurter Straße 10 wurde am 6. Juni 1880 in Wächtersbach geboren. Seine Eltern waren Isak und Sara Grünebaum. In erster Ehe war er mit Emma, geborene Oppenheimer, verheiratet.Jüdische Grabstätte Oppenheimer, Meyer mit Angabe Schwiegersohn, abgerufen am 2. August 2022 Mit ihr hatte er zumindest eine Tochter, Martha (geboren 1907). In zweiter Ehe heiratete er die 1893 geborene Emilie Hess. Das Paar hatte zwei Söhne, Isidor (geboren 1913) und Manfred Jakob (geboren 1927). Grünebaum war Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde. Grünebaum und seine Frau wurden in Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung 1935 zum Umzug nach Frankfurt am Main gezwungen. Im Jahr 1938 wurde er während der Novemberpogrome in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald deportiert. Das Ehepaar Grünebaum plante eine Ausreise nach Südafrika, zu der es nicht kam. Alexander Grünebaums Schicksal ist unbekannt, er wurde für tot erklärt. Auch seine Frau und seine Söhne überlebten die Shoah nicht.The Central Database of Shoah Victims' Names: Alex Gruenebaum, abgerufen am 1. August 2022 120px HIER WOHNTEEMILIE GRÜNEBAUMGEB. HESSJG. 1893UNFREIWILLIG VERZOGEN1935 FRANKFURT A. M.FLUCHT HOLLANDSCHICKSAL UNBEKANNT Frankfurter Straße 10 , geborene Hess, wurde am 25. September 1893 in Ortenberg geboren. Ihre Eltern waren Herman und Sabine Hess. Sie heiratete Alexander Grünebaum, das Paar hatte den 1913 geborenen Sohn Isidor und den 1927 geborenen Manfred Jakob. 1935 wurde das Paar in Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung gezwungen nach Frankfurt am Main umzuziehen. Grünebaums Ehemann wurde 1938 in das KZ Buchenwald deportiert. Sie selber emigrierte in die Niederlande. Ursprünglich wollte das Ehepaar nach Südafrika emigrieren. Ihren jüngsten Sohn schickte sie mit einem Kindertransport in die Niederlande. Emilie Grünebaums weiteres Schicksal ist unbekannt, sie hat wie ihr Mann und ihre Söhne die Shoah nicht überlebt.The Central Database of Shoah Victims' Names: Emilie Gruenebaum, abgerufen am 1. August 2022 120px HIER WOHNTEISIDOR GRÜNEBAUMJG. 1913UNFREIWILLIG VERZOGEN1937 FRANKFURT A. M.'SCHUTZHAFT' 1938BUCHENWALDDEPORTIERTMAJDANEKERMORDET 6.9.1942 Frankfurter Straße 10 wurde am 31. August 1913 in Salmünster geboren. Seine Eltern waren Alexander Grünebaum und Emilie, geborene Hess. Er hatte einen deutlich jüngeren Bruder, Manfred Jakob, geboren 1927. Grünebaum wurde Kaufmann. Im Jahr 1937 wurde er in Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung gezwungen nach Frankfurt am Main umzuziehen, seine Eltern waren bereits zwei Jahre zuvor dorthin gezogen. Er wurde ebenso wie sein Vater während der Novemberpogrome 1938 in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald deportiert, wo zumindest Isidor am 10. November registriert wurde. Am 30. November desselben Jahres wurde er wieder freigelassen. Er wurde später erneut verhaftet und in das KZ Maidanek deportiert. Isidor Grünebaum wurde dort am 6. September 1942 ermordet.The Central Database of Shoah Victims' Names: Isidor Grünebaum, abgerufen am 1. August 2022

Seine Eltern und sein Bruder haben die Shoah ebenfalls nicht überlebt. 120px HIER WOHNTEJULIUS GRÜNEBAUMJG. 1905FLUCHT 1935SÜDAFRIKA Frankfurter Straße 10 wurde 1905 geboren. Im Jahr 1935 gelang ihm die rechtzeitige Flucht nach Südafrika. 120px HIER WOHNTEMANFRED JAKOBGRÜNEBAUMJG. 1927KINDERTRANSPORT 1939HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1943SOBIBORERMORDET 21.5.1943 Frankfurter Straße 10 wurde am 30. Mai 1927 in Salmünster geboren. Seine Eltern waren Alexander Grünebaum und Emilie, geborene Hess. Er hatte einen deutlich älteren Bruder, den 1913 geborenen Isidor. Die Familie wurde 1935 in Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung gezwungen nach Frankfurt am Main umzuziehen. Während der Reichspogromnacht wurden sein Vater und sein Bruder in „Schutzhaft“ genommen und in das KZ Buchenwald deportiert. Die Familie plante die Flucht nach Südafrika, wo sich bereits Familienmitglieder befanden. Manfred Jakob wurde aber erstmal mit einem Kindertransport in die vermeintliche Sicherheit in die Niederlande geschickt, wo er am 5. Januar 1939 ankam. In der Folge kam er 1940 im Waisenhaus für Jungen in Amsterdam unter, ab März 1943 lebte er in der Uiterwaardenstraat in Amsterdam. Am 18. März 1943 wurde er in das Durchgangslager Westerbork deportiert und von dort am 18. Mai desselben Jahres in das Vernichtungslager Sobibor überstellt. Manfred Jakob Grünebaum wurde dort am 21. Mai 1943 ermordet.Joods Monuments: Manfred Jakob Grünebaum, abgerufen am 1. August 2022The Central Database of Shoah Victims' Names: Manfred Jakob Grünebaum, abgerufen am 1. August 2022

Seine Eltern und sein Bruder wurden ebenfalls Opfer der Shoah. 120px HIER WOHNTEMARTHA GRÜNEBAUMJG. 1907FLUCHT 1933PALÄSTINA1938 USA Frankfurter Straße 10 wurde am 21. November 1907 in Salmünster geboren. Ihre Eltern waren Alexander Grünebaum und Emma, geborene Oppenheimer. Ihr Vater heiratete ein weiteres Mal, Emilie Hess. Sie hatte zumindest zwei Halbbrüder – Isidor und Manfred Jakob. Grünebaum flüchtete 1933 nach Palästina, von dort 1938 in die USA. Sie war verheiratet mit Baruch Ellin, das Paar hatte zwei Söhne, Isidore und Seymore, und die Tochter Esther. Die Familie hatte in den USA eine Farm, des Weiteren war Ellin sehr in ihrer jüdischen Gemeinde engagiert. Ihr Mann starb 1985, Martha Ellin am 4. September 1996.Nachruf auf Martha Ellin, abgerufen am 2. August 2022

Ihr Vater, ihre Stiefmutter und zumindest zwei ihrer Geschwister wurden Opfer der Shoah. 120px HIER WOHNTEPAULINA GRÜNEBAUMGEB. STRAUSSJG. 1879UNFREIWILLIG VERZOGEN1937 FULDADEPORTIERT 1941ŁODZ/LITZMANNSTADTERMORDET Frankfurter Straße 9 , geborene Strauss, wurde am 7. März 1873 in Schöllkrippen geboren. Sie heiratete Moses Grünebaum, das Paar hatte zumindest eine Tochter. Moses Grünebaum starb 1929 in Salmünster.Alemannia Judaica: Salmünster mit Bad Soden (Stadt Bad Soden – Salmünster, Main-Kinzig-Kreis) Jüdische Geschichte / Synagoge, abgerufen am 2. August 2022 Paula Grünebaum lebte danach zeitweise in Fulda. Am 20. Oktober 1941 wurde sie von Frankfurt am Main in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Paula Grünebaum hat die Shoah nicht überlebt.The Central Database of Shoah Victims' Names: Paola Gruenebaum, Gedenkblatt eingereicht von ihrer Enkeltochter Susie Greenwood, geborene Weinberg, wohnhaft in London, abgerufen am 2. August 2022

Ihre Enkeltochter kam 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England, auch ihrer Tochter und deren Mann gelang noch die Flucht dorthin und konnten überleben.Großes Glück gehabt, abgerufen am 2. August 2022 120px HIER WOHNTEAUGUSTE KORNGEB. GOLDSCHMIDTJG. 1866UNFREIWILLIG VERZOGENFRANKFURT A. M.FLUCHT 1939 HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 11.12.1942 Franziskanergasse 6 , geborene Goldschmidt, genannt Gustl oder Gustel, wurde am 13. April 1866 in Gelnhausen, im Main-Kinzig-Kreis gelegen, geboren. Sie heiratete den Sattlermeister Jakob Korn aus Romsthal. Das Paar wohnte in Salmünster und hatte eine Tochter, Lina, geboren am 8. März 1901 ebendort, später verheiratete Dressel. Das Ehepaar musste in Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung den Heimatort verlassen und nach Frankfurt am Main umziehen. Auguste Korn und ihrem Mann gelang 1939 gelang die Flucht nach Holland, nicht ahnend, dass sie dort nicht lange in Sicherheit sein würden. Nach dem Überfall des NS-Regime auf die Niederlande konnten sie nicht noch einmal flüchten. Sie wurden aufgespürt, verhaftet und im Durchgangslager Westerbork interniert. Sie wurden schließlich in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Auguste Korn und ihr Mann wurden unmittelbar nach der Ankunft am 11. Dezember 1942 in einer Gaskammer ermordet.Georg-Wilhelm Hanna: Die Geschichte der Juden in Bad Soden-Salmünster, Website von Bad Soden-Salmünster, abgerufen am 1. August 2022The Central Database of Shoah Victims' Names: Gustel Korn, In Memoriam Nederlands Oorlogsslachtoffers, abgerufen am 2. August 2022The Central Database of Shoah Victims' Names: Gustel Korn, Gedenkbuch des Bundesarchivs, abgerufen am 2. August 2022

Im Jahr darauf wurde auch ihre Tochter nach Auschwitz deportiert und ermordet. 120px HIER WOHNTEJAKOB KORNJG. 1871UNFREIWILLIG VERZOGENFRANKFURT A. M.FLUCHT 1939 HOLLANDINTERNIERT WESTERBORKDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 11.12.1942 Franziskanergasse 6 wurde am 28. Juli 1871 in Romsthal geboren. Er wurde Sattlermeister und heiratete Auguste Goldschmidt aus Gelnhausen. Das Paar wohnte in Salmünster und hatte eine Tochter, Lina, geboren am 8. März 1901 ebendort, später verheiratete Dressel. Korn kämpfte im Ersten Weltkrieg. Er war Jude und Gegner des NS-Regimes. Im Juni 1933 musste er sich wegen „Verbreitung von Greuelmärchen“ vor dem Sondergericht beim Landgericht Kassel verantworten und wurde zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. In Folge der nationalsozialistischen Judenverfolgung musste das Ehepaar den Heimatort verlassen und nach Frankfurt am Main ziehen. 1939 gelang Jakob Korn und seiner Frau die Flucht nach Holland, nicht ahnend, dass sie dort nicht lange in Sicherheit sein würden. Nach dem Überfall des NS-Regime auf die Niederlande konnten sie nicht noch einmal flüchten. Sie wurden aufgespürt, verhaftet und im Durchgangslager Westerbork interniert. Jakob Korn und seine Frau wurden schließlich in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und unmittelbar nach der Ankunft am 11. Dezember 1942 in einer Gaskammer ermordet.The Central Database of Shoah Victims' Names: Jakob Korn, In Memoriam Nederlands Oorlogsslachtoffers, abgerufen am 2. August 2022

Im Jahr darauf wurde auch seine Tochter nach Auschwitz deportiert und ermordet. 120px HIER WOHNTEJOSEPH MÜLLERPRIESTERJG. 1894CHRISTLICHER WIDERSTANDSEIT 1943 MEHRFACHVERHAFTET/INHAFTIERTVERURTEILT 28.7.1944ENTHAUPTET 11.9.1944BRANDENBURG-GÖRDEN Klostergasse 5 wurde am mini|hochkant=0.6 19. August 1894 in Salmünster geboren. Er wurde katholischer Priester, Seelsorger und entschiedener Kritiker des Nationalsozialismus. 1944 erzählte er bei einem Krankenbesuch beim Vater des NSDAP-Ortsgruppenleiters einen politischen Witz:

Dieser Witz sollte ihm das Leben kosten. Er wurde angeklagt, vor den Volksgerichtshof in Berlin gestellt und zum Tode verurteilt. Josef Müller wurde am 11. September 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden mittels Fallbeil hingerichtet.