Andreas und/oder Anker (auch Aneker, Ankar, dänisch-friesischer Vorname) Andres, Andresen oder Andersen Schau (* 11. Februar 1813 in Holstein, vielleicht in Kiel; † 26. August 1873 in WiesbadenSterbeeintrag, abgerufen über ancestry.com am 4. August 2020Versorgungsakte Schau, Andreas, Kapitän zur See, 1872–1873; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin (IV. HA, Rep. 7 Offizierswitwenkasse und andere militärische Versorgungsstellen, Nr. 3264).) war ein Marineoffizier, zuletzt Kapitän zur See, im Dienst der Schleswig-Holsteinischen, Preußischen, Norddeutschen und Kaiserlichen Marine. Zuvor war er als ziviler Schiffsführer tätig.
Leben Eintritt in die Schleswig-Holsteinische Marine Andreas Anker Schau war vielleicht ein Bruder des aus Kiel stammenden Schiffbaumeisters Hans Sonne (friesischer Vorname Süne) Schau (1821–1893), der als Mitinhaber der Werft Schau & Oltmanns in Brake und Bremerhaven mit der provisorischen Schleswig-Holsteinischen Regierung zusammenarbeitete. Hans Sonne Schau war Offizier der Reichsflotte unter Konteradmiral Karl Rudolf Brommy bis zu deren Auflösung 1852 gewesen. 1850 wurde Marine-Schiffbaumeister Schau (1851: Schiffs-Bauconstructeur Schow)Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armen und Marine in den Jahren 1848 und 1849, Bd. II. Friedrich Asschenfeldt, Lübeck 1865, S. 88 (Google-Books). vom Oberkommando der Reichsflotte zur Flottenstation Bremerhaven und dann nach Brake versetzt.Dirk Peters: Der Seeschiffbau in Bremerhaven von der Stadtgründung bis zum Ersten Weltkrieg. Stadtarchiv, Bremerhaven 1987, S. 162. 1876 bis 1879 war er Vizepräsident der Geestemünder Handelskammer, 1885 Partner des Reeders Friedrich Busse und viele Jahre lang Beisitzer des Bremerhavener Seeamtes.Hartmut Bickelmann: Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrhunderten. Stadtarchiv, Bremerhaven 2003, S. 240, 292–294 und 436–438 u. ö. (Google-Books; eingeschränkte Vorschau).
Nach einer Aufforderung des Departements des Kriegswesens der Schleswig-Holsteinischen Erhebung vom 27. Januar 1849 an alle zivilen Schiffsführer und Steuerleute trat Andreas Anker Schau am 19. FebruarGerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Marine 1848–1852. Boyens, Heide in Holstein 1978, S. 102. oder 25. Mai 1848 in Kiel 35-jährig als „interimistischer Offizier“ (Auxiliar-Leutnant mit dem Rang eines Seconde-Lieutenants der Armee) in die Schleswig-Holsteinische Marine ein.Staats-Handbuch für die Herzogthümer Schleswig-Holstein. Altonaer Mercur, Altona 1849, S. 317 (Google-Books); Ferdinand Batsch: Aus dem ersten Seekrieg zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark. In Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte 24 (1894), S. 237–334, bes. S. 283f.
mini|Die Schleswig-Holsteinische Flottille um 1850. Gemälde von Lüder Arenhold um 1905. In der Mitte der Raddampfer Bonin, links davon der Kriegsschoner Elbe, rechts von Bonin das Kanonenboot Von der Tann
Mit dem Dampfschiff Bonin, dem Flaggschiff der Schleswig-Holsteinischen Marine, brach Lieutenant Schau am 2. Juni 1849 die dänische Blockade vor Kiel zu einer Erkundungsfahrt nach Eckernförde. Vor Eckernförde kam es zu einem Gefecht mit dem dänischen Kriegsdampfer Hekla.Christian Friedrich Wurm: Schleswig-Holsteins Kriegsmarine 1848, 1849, 1850. In: Germania 1 (1851), bes. S. 378–414 und 382 und 391 (Google-Books). Schon am 11. Mai 1849 hatte ein schleswig-holsteinischer Verband bestehend aus dem Dampfer Bonin mit fünf geschleppten Kanonenbooten das vor Kiel liegende Blockadegeschwader (u. a. Dampfer Hekla) angegriffen.Christian Friedrich Wurm: Schleswig-Holsteins Kriegsmarine 1848, 1849, 1850. In: Germania 1 (1851), bes. S. 390f. Bis in den Spätherbst 1849 kommandierte Schau als Nachfolger von Auxiliarleutnant Eduard Thomas den Kriegsschoner Elbe, der im März 1848 vor dem damals noch dänischen Altona im Handstreich genommen worden war und der Schleswig-Holsteinischen Marine als Schulschiff diente.Ferdinand Batsch: Nordelbisch-Dänisches. In: Marine-Rundschau 12 (1901), S. 888–906, bes. S. 891.
Anker Schau wurde am 8. März 1850 zum Leutnant zur See 2. Klasse befördert.Gesetzblatt für die Herzogthümer Schleswig-Holstein 1850, Nr 13, vom 30. März 1850, S. 116 (Google-Books); Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armen und Marine in den Jahren 1848 und 1849, Bd. I. Friedrich Asschenfeldt, Lübeck 1858, S. 207, 214 und 311 (Google-Books); Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armen und Marine in den Jahren 1848 und 1849, Bd. II. Friedrich Asschenfeldt, Lübeck 1865, S. 242 (Google-Books).
In der Nacht vom 21. zum 22. Juli 1850 hatten die schleswig-holsteinischen Schiffe Bonin und Löwe und einige Kanonenboote unter Lieutenant Schau bei Stein vor dem Kieler Hafen ein Gefecht mit dem dänischen Raddampfer Holger Danske, der sich schließlich zurückzog.Max Wilhelm Fack: Die Schleswig-Holsteinische Armee in den Jahren 1848-51. Jensen, Kiel 1898, S. 28 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel); Ferdinand Batsch: Nordelbisch-Dänisches. In: Marine-Rundschau 12 (1901), S. 888–906, bes. S. 902.
In Holtenau hatten die Leutnants Schau und Nikolaus Christian Wraa (Wraae) 1850 eine Auseinandersetzung mit dem Schleusenwärter des Eider-Kanals Julius Ewers (Ebers), die disziplinarisch als Beleidigung mit einem Verweis geahndet wurde. Für ein Verlassen seiner Station auf dem Dampfschiff Bonin erhielt Schau 1850/51 einen vierzehntägigen Stubenarrest. In einem Kriegsgerichtsverfahren wurde Leutnant Schau der Verlust des Dampfschraubenboots Nr. 1 im Gefecht mit dänischen Kriegsschiffen vor dem Hafen von Neustadt in Holstein am 21. Juli 1850 vorgeworfen.Karl von Kaltenborn: Kriegsschiffe auf neutralem Gebiet. Mit Rücksicht auf das Benehmen Lübeck's gegenüber dem „von der Tann“ im gegenwärtigen Schleswig-Holsteinschen und Dänischen Kriege. Meißner & Schirges, Hamburg 1850, S. 50 u. ö. (Google-Books). Das Schraubenkanonenboot Nr. 1 Von der Tann aus Schaus Flottille war von seinem Kommandanten Auxiliar-Lieutenant Louis August Lange († nach 1909),Gerd Stolz: Die Schleswig-Holsteinische Marine 1848–1852. Boyens, Heide in Holstein 1978, S. 32 Abb. 8; vgl. S. 46, 58, 60–62, 104. der einen Verweis erhielt, aufgegeben und von der Besatzung in Brand gesetzt worden.Ausführlicher Bericht: Die Gegenwart. Eine encyklopädische Darstellung der neuesten Zeitgeschichte für alle Stände, Bd. 6. Brockhaus, Leipzig 1851, S. 480f (Google-Books) u. a.
Am 18. Dezember 1850 war Schau als Kommandant des Dampfschiffs Bonin an einer Erprobung des Brandtauchers (U-Boots) von Wilhelm Bauer in der Kieler Bucht beteiligt und veranlasste nach einem misslungenen Tauchversuch die vorläufige Versenkung dieses „Teufels auf der See“.Alexander Rabitsch (Hrsg.): Wilhelm Bauer: Aus meinem viel-bewegten Leben (1866). Norderstedt 2022, S. 54. Am 30. April 1851 wurde Leutnant Schau „wegen Reduction der Marine der Abschied ertheilt“.Das Offizier-Corps der Schleswig-Holsteinischen Armen und Marine in den Jahren 1848 und 1849, Bd. II. Friedrich Asschenfeldt, Lübeck 1865, S. 243; vgl. S. 89 und 242. (Google-Books).
Ausrüstungs-Direktor und Chef der preußischen Reserve-Flottillendivision in Kiel mini|links|Stationskommando der Marinestation der Ostsee in Kiel
Leutnant Schau wurde in die Preußische Marine übernommen. 1852 bis 1856 war er preußischer Leutnant zur See 2. Klasse, 1857 bis 1864 Leutnant zur See 1. Klasse. Leutnant zur See Schau wurde bis 1859 zur Dienstleistung als Ausrüstungs-Direktor in der 2. Abteilung „für technische Angelegenheiten“ der Marinestation der Ostsee kommandiert.Ranglisten der Königlich Preußischen Marine aus den Jahren 1848 bis 1864. E. S. Mittler, Berlin 1894, passim. Andreas Schau wohnte 1852 mit seiner Ehefrau Alwine († vermutlich um 1898)Versorgungsakte Schau, Kapitän zur See, 1873–1898; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin (IV. HA, Rep. 7 Offizierswitwenkasse und andere militärische Versorgungsstellen, Nr. 3342). in Kiel, Am Wall 103B.Adressbuch der Stadt Kiel … für das Jahr 1852. J. G. Naeck, Kiel 1852, S. 70 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel). Am 25. April 1864 wurde er zum Korvettenkapitän befördert und als Chef der Reserve-Flottillendivision eingesetzt. Während er noch 1865 postalisch nur über das Hafen-Comtoir in der „Schumacherstraße“ zu erreichen war,Adressbuch der Stadt Kiel … für das Jahr 1865. C. F. Mohr, Kiel 1865, S. xlviii (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel). gab er 1867 als Adresse „Dammstraße 466“ anAdressbuch der Stadt Kiel … für das Jahr 1867. C. F. Mohr, Kiel 1867, S. 166f (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel). und 1869 die „Kataster-Nr. 84“ in Kiel-Düsternbrook.Adressbuch der Stadt Kiel … für das Jahr 1869. C. F. Mohr, Kiel 1869, S. 131 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Kiel).
Wegen „des sehr jugendlichen Leutnants Bothwell“ kam es zu dieser Zeit nach einer Mitteilung von Korvettenkapitän Alfred Tesdorpf (1850–1914)Er wirkte als Bibliothekar an der Marine-Akademie. einmal zwischen Vater Arthur von Bothwell, dem Chef der Marinestation der Ostsee der Marine des Norddeutschen Bundes in Kiel von 1867 bis 1869, und Korvettenkapitän Schau zu einer Duellforderung, „die gütlich beizulegen bei dem Starrsinn der beiden würdigen Kommandanten sehr schwer hielt“.Alfred Tesdorpf: Ernstes und Heiteres aus bewegten Lebenserinnerungen eines älteren Seeoffiziers. H. Bohl, Eckardt & Messtorff, Neustrelitz / Hamburg 1906, S. 29 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). 1870 wurde der Abgang des Unterlieutenants zur See v. Bothwell, der auf Preußischer Adler gedient hatte,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee und Marine … für das Jahr 1869. Mittler, Berlin 1860, S. 771 und 775 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). aus der Marine vermerkt.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee und Marine … für das Jahr 1870/71. Mittler, Berlin 1871, S. 934 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Tesdorpf charakterisiert seinen ehemaligen Bootskommandanten so: „Kapitän Schau, mit holsteiner Dialekt auszusprechen, ein famoser, harmloser Herr, elegant im Auftreten und gegen uns (Seekadetten) geradezu väterlich gesonnen … gehörte wohl zu den besten Kennern unserer damaligen Seedergels („Deergel“ = „Kleinkind“, See-Deergels (pl.) hier: kleine Kanonenboote)“.Alfred Tesdorpf: Ernstes und Heiteres aus bewegten Lebenserinnerungen eines älteren Seeoffiziers. H. Bohl, Eckardt & Messtorff, Neustrelitz / Hamburg 1906, S. 28.
Abordnung ins Mittelmeer mini|Die Basilisk auf einer zeitgenössischen Postkarte
1864 hatte Preußen ein kleines Geschwader unter dem Befehl von Korvettenkapitän Gustav Klatt bestehend aus dem Radaviso Preußischer Adler und den beiden Kanonenbooten Basilisk und Blitz ins Mittelmeer geschickt, das deutsche Interessen in Griechenland schützen sollte. Ein Schiff sollte gemäß dem Pariser Frieden von 1856 im Schwarzen Meer in der Sulina-Mündung der Donau stationiert werden.P. K. (= Paul Kuhn): Vor 50 Jahren. Unter Benutzung von Akten des Reichs-Marine-Amts bearbeitet. In Marine-Rundschau 25 (1914), S. 243–252, bes. S. 250 (Google-Books).
Seegefecht vor Helgoland im Deutsch-Dänischen Krieg mini|links|Fregatten Schwarzenberg, Radetzky, Niels Juel und Jylland, Korvette Hejmdal. Im Hintergrund preußische Kanonenboote. Kupferstich des Seegefechts
Unmittelbar vor Beginn des Deutsch-Dänischen Kriegs wurde das Geschwader aus dem Mittelmeer in die Heimat zurückbeordert und vereinigte sich vor Texel mit einem österreichischen Geschwader unter Linienschiffskapitän Wilhelm von Tegetthoff. Am 9. Mai 1864, während des Deutsch-Dänischen Krieges, nahmen Korvettenkapitän Schau mit dem Kanonenboot I. Klasse (Camaeleon-Klasse) Basilisk und Kapitänlieutenant Archibald MacLean (1832–1884) mit dem Kanonenboot Blitz am Seegefecht vor Helgoland teil.