Jinran Kim (kor.: ; * 31. Dezember 1968 in Seoul) ist eine koreanische Künstlerin, die in Berlin und Seoul arbeitet. Ausgebildet als Bildhauerin, tangieren ihre Werke mehrere künstlerische Disziplinen: Malerei, Objekt- und Konzeptkunst, Installationen, Kunst im öffentlichen Raum sowie Medienkunst.
Ihr Markenzeichen sind serielle Arbeiten mit Materialien wie Asche, Seife und Gaze. Zu den Themen, die sie mehrfach behandelt hat, gehören Krieg, Zerstörung, Trauma sowie die Rollen, die Frauen und insbesondere Künstlerinnen zugewiesen werden. Ihre Arbeiten sind vertreten u. a. in den Sammlungen des MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und des Nationalmuseums für moderne und zeitgenössische Kunst in Seoul.
Biographie Aufgewachsen ist Jinran Kim in Seoul als Tochter eines Bankiers. Deutlich jünger als ihre beiden Geschwister, verbrachte sie als Kind sehr viel Zeit allein und beschloss früh, Künstlerin zu werden. Schon als Jugendliche besuchte sie eine Kunst- und Musikschule. 1987, mit 19 Jahren, begann sie ein Studium der Bildhauerei an der Seoul National University, das sie 1993 mit einem Master of Fine Arts abschloss.
1994, im Alter von 26 Jahren, ging sie nach Berlin, um dort an der Universität der Künste zu studierenStudium an der UdK Berlin von 1994 bis 1997 bei Wolfgang Knapp und Monika Murasch. Seither lebt sie in Berlin, unterbrochen von Studien-Studium an der Winchester School of Art im Jahr 1996. und Arbeitsaufenthalten im Ausland.
Seit 2003 reist sie fast jedes Jahr nach Südkorea, um dort Projekte im Bereich Kunst im öffentlichen Raum zu realisieren. Zu diesen Projekten gehören u. a. die Medienfassaden für den Lotte World Tower in Seoul sowie für die Gwangan Brücke in Busan (Korea).
Jinran Kim hat international ausgestellt, u. a. in Paris, Seoul und Tokio. 2022 ist sie auf der Kunstmesse Kiaf in Seoul vertreten. In Deutschland waren ihre Arbeiten u. a. im Bonner Frauenmuseum, dem Kunstmuseum Moritzburg Halle sowie dem HKW Haus der Kulturen der Welt in Berlin zu sehen.
Seit 2019 betreibt sie in Berlin den Project Space KIMGO, zusammen mit dem kanadischen Medienkünstler Baruch Gottlieb.
Werk Die Werke Jinran Kims sind geprägt durch ihre Biographie – durch ihre Herkunft aus Korea, einem bis heute geteilten Land, und auch durch den Wechsel in einen ihr fremden Kulturkreis, den sie als radikale Entwurzelung erlebt. Kims Arbeiten entspringen oft intimen Alltagserfahrungen wie schlafen, waschen, putzen und integrieren Materialien, die in der Kunst kaum Verwendung finden wie Seife, Asche und Gaze.
Seife 1999 begann Jinran Kim ihr Seifenprojekt, eine Serie von Werken in den Bereichen Objekt- und Aktionskunst. Inspiriert wurde das Seifenprojekt durch Kims Erfahrung, Außenseiterin zu sein – eine Erfahrung, die akut wurde durch ihren Umzug nach Berlin:„Ausschlaggebend dafür waren die Schwierigkeiten, mich in einer Fremdsprache auszudrücken und kulturelle Unterschiede zu überwinden. Ich war gezwungen, einen kreativen Ausweg aus meiner Isolation zu finden, und so entstand das Seifenprojekt. Die Schlüsselmerkmale dieser Arbeit sind das Überwinden von Fremdsein und Kontakt mit anderen Menschen. Ich bin anders geworden in Berlin. Und wenn ich in mein Land zurückkehre, muss ich meine Andersartigkeit wieder abwaschen und so werden, wie andere glauben, mich zu kennen. Ich kann mich völlig auslöschen.“Zitat aus der Website der Künstlerin:
„Übung in Vergeblichkeit“ ist eine weitere Arbeit im Rahmen des Seifenprojekts – ein aus über 2500 Stück Seife bestehender Fußboden, den eine Performerin mit einem nassen Tuch wischt. Die Performance wurde zwischen 2001 und 2014 mehrfach gezeigt (in Berlin2011 in der Galerie Su de Coucou, Ausstellungsrezension von: 2014 in der Galerie am Körnerpark, Ausstellungsrezension von: , Tokio auf der Gwangju Biennale in Korea und im Apeldoorn Modern Art Museum in den Niederlanden). Sie thematisiert die Bedeutung von Reinigungsritualen und verweist, so der Berliner Tagesspiegel, dabei auch auf Arbeitsteilungen, die Frauen diskriminieren"Ihre Kunst hat immer auch eine feministische Seite. In ihrer Performance „Exercise in Futility“ (Übung in Vergeblichkeit) reinigt sie einen Fußboden aus Seife. Er schäumt und nutzt sich ab. Putzen ist in Korea immer noch ausschließlich Aufgabe der Frau." .
Kims Seifenprojekt nutzt sehr private Objekte, um kollektive Geschichte(n) und Traumen zu evozieren. Besonders deutlich wird das in einem autobiographischen Werk, dessen Titel auf eine Erzählung von Ingeborg Bachmann namens Das dreißigste Jahr anspielt und „Mein dreißigstes Jahr“ lautet, ausgestellt u. a. in Berlin2009 in der Galerie Pflüger68: Rezension zur Ausstellung von: :
Ganz so, als wären es Kostbarkeiten, präsentiert Kim in einer Schautruhe aus Edelholz nicht nur die von ihr im Laufe eines Jahres genutzten Seifenstücke, sondern auch andere intime Relikte wie Unterwäsche oder abgeschnittene Finger- und Fußnägel.
„Natürlich", so die Künstlerin in einem Interview mit dem Berliner Tip, "ging es da auch um mich, aber ich hatte immer diese zweite Ebene im Kopf, das Wissen darum, dass die Nazis Juden zu Seife verarbeitet hatten.“Zitiert aus einem Interview mit der Künstlerin im Tip Berlin:
Asche Asche ist zentrales Material in einem Werkzyklus, der in den Jahren 2008 bis 2019 entstand. Zu diesem Werkzyklus gehören Gemälde und Zeichnungen aus Asche, wobei Kim die Asche selbst produziert aus verbranntem Holz und anmischt mit Tinte oder Farbpigmenten.
Auch dieser Werkzyklus rekurriert auf Biographisches: darauf, dass Kriege sowohl ihre alte als auch ihre neue Heimat in Schutt und Asche legten. So wie Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg war auch Seoul nach dem Koreakrieg 1953 völlig zerstört.
Unter dem Titel „After the Rain“ – benannt nach zwei Werken von Max Ernst mit den Titeln Europa nach dem Regen I und II – schuf Jinran Kim eine Serie großformatiger Gemälde, die das zerstörte Berlin im Jahr 1945 reinszenieren. Die Gemälde basieren auf historischen Fotos und sind statt mit Farbe mit Asche gemalt, die die Künstlerin durch Verbrennen historischer Möbel aus den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts produzierte. Gezeigt wurden sie in Berlin unter anderem in der Stiftung St. MatthäusRezension der Ausstellung von: am Kulturforum am Potsdamer Platz und in der Galerie am KörnerparkRezension der Ausstellung von: .
Eine weitere Serie namens „Trümmerfrauen“ besteht aus Zeichnungen, in denen die Künstlerin koreanische Gisaeng durch das kriegszerstörte Berlin wandeln lässt. Die Surrealität der deplatzierten Künstlerinnen zeigt ein beinah unwirkliches Fremdsein in der Welt und spielt damit auch auf Erfahrungen von Jinran Kim an.
Die Frage, was Heimat ist, beantwortet Jinran Kim in ihrer Serie „Die letzte Matratze“. Die Serie besteht aus mit Seide und Baumwolle bezogenen Futons, auf denen Kim mit Asche jene Flecken aufgemalt hat, die der Körper und seine Ausdünstungen nach längerer Nutzung hinterlassen.Interview zur Matratzen Serie mit Jinran Kim von „Wenn ich gefragt werde, wo mein Zuhause ist, antworte ich, da wo meine Matratze ist. Das letzte, was ich auf dieser Welt brauchen werde, ist eine Matratze, und diese letzte Matratze wird mein Zuhause sein.“Zitat aus der Website der Künstlerin:
Gaze Vorherrschendes Material jüngerer Werke Kims ist Gaze, ein Material, das die Künstlerin für sich entdeckte, als ihre Mutter 2015 starb:„Meine Mutter war lange krank. Deshalb gab es zu Hause in Seoul immer Gaze. Auch nach dem Tod meiner Mutter standen noch mehrere Kästen mit Mullbinden da, mit denen ich dann mein erstes kleines Bild gemacht habe. Für mich hat Gaze als Material eine metaphorische Qualität. Es geht darum, zu heilen.“Zitiert aus einem Interview mit der Künstlerin:
Die ersten Bilder waren Porträts, u. a. von Arthur Schopenhauer, Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Rosa Luxemburg und Samuel Beckett. Dann kamen Landschaften hinzu, Meere und Wälder, die von fern fotorealistisch wirken und erst von nahem offenbaren, dass sie aus vielen kleinen Stofffädchen zusammengesetzt sind. Die Künstlerin hat für diese Bilder Mullbinden zerrissen, einzelne Fäden herausgezogen und mit Asche eingefärbt, um sie dann auf Papier zu nähen.
Ausstellungen
Solo-Ausstellungen 1999: Heidelberger Kunstverein 2005: Cité International des Arts, Paris 2006: Tokyo Arts and Space (TOKAS) 2007: GLS Campus Berlin 2009: Galerie Pflüger68, Berlin 2011: Gallery Weekend, Berlin 2011: Galerie SudeCouCou, Berlin 2012: Galerie Förster, Berlin 2014: Galerie im Körnerpark, Barlin 2015: St. Matthäus Stiftung, Berlin 2018: Kommunale Galerie Steglitz, Berlin 2019: St. Matthäus Stiftung, Berlin 2020: Galerie Z22, Berlin 2024: Galerie SchindlerLab, Potsdam 2026: Galerie Anna25, Berlin 2026: Galerie Z22, Berlin
Gruppen-Ausstellungen 2016: Moritzburg Kunstmuseum, Halle 2017: Galerie Diskurs, Berlin 2019: Galerie Helle Coppi, Berlin 2019: Korean Culture Center, Berlin 2021: National Museum in Julanamdo, Gwangyang, Korea 2020 Galerie Irrgang, Leipzig
Sammlungen 2001: MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt 2003: Koreanische Botschaft, Schweiz 2017: Nationalmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst in Seoul, Korea
Kunst im öffentlichen Raum Die Projekte im Bereich Kunst im öffentlichen Raum realisiert Jinran Kim gemeinsam mit dem kanadischen Medienkünstler Baruch Gottlieb unter dem Namen KIMGO. 2003: Gwangju neues Rathaus, Gwuangju 2003: Coex Intercontinental Hotel Seoul, Seoul2022 Guro Digital City, Korea 2004: Acrovista Bodengestaltung, Seoul 2004: Gwangju Biennale Themenpark, Gwangju 2006: GLS Campus Berlin Fassadenprojekt, Berlin 2010: Techang Gebäude, Pohwang 2011: GT Tower Medienwand-Kunstwerke, Seoul 2012: Yeosu EXPO Kunstwerk, Korea 2012: POSCO Media Screen Inhalt, Gwuangyang 2014: Busan Gwangan Bridge Medienfassaden-Kunstwerke, Korea 2016: Lotte Tower Media Fassade Art Contents, Korea 2018: Medienprojekt Sulhaewon, Korea 2020: Medienfassade Kunstwerk Sungnyemun, Coex, Korea 2021: Medienfassade Kunstwerk Suwon Hwasung, Korea 2022: Medienkunstwerk AI-Landschaft in Zusammenarbeit mit LG, Seoul, Korea 2022: Medienkunstwerk Guro Digital City, Seoul, Korea
Weblinks
Website von Jinran Kim Website des von Jinran Kim geführten Projektraums KIMGO
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Südkorea) Kategorie:Konzeptkünstler (Deutschland) Kategorie:Objektkünstler (Deutschland) Kategorie:Medienkünstler (Deutschland) Kategorie:Südkoreaner Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Frau