miniatur|Ostfassade des Palazzo Farnese in Piacenza Der Palazzo Farnese ist ein historischer Palast in der Stadt Piacenza in der italienischen Region Emilia-Romagna. Er liegt an der Piazza Cittadella 29 und beherbergt das Stadtmuseum und das Staatsarchiv von Piacenza.

Im Stadtmuseum im Palast gibt es verschiedene Sammlungen: Eine mittelalterliche Abteilung, die aus einer Reihe von Fresken aus verschiedenen Kirchen Piacenzas besteht, das archäologische Museum in der Zitadelle der Viscontis, in dem die Bronzeleber von Piacenza ausgestellt ist, eine Sammlung antiker Waffen, die in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts zusammengestellt wurde, eine Reihe von Kutschen, die Silvestro Brondelli di Brondello 1948 dem Museum schenkte, die Schätze der Farneses, eine Reihe von Werken, die geschaffen wurden, um die Familie Farnese zu feiern, und denen in Piacenza nur ein Teil des Zyklus verblieben ist, das Museum des Risorgimento, die Pinakothek, eine Reihe von Skulputen, und eine Sammlung von Gläsern und Keramiken.

Geschichte Die Ursprünge Auf dem Gelände in den nördlichen Außenbezirken der Stadt, auf dem später der Palast stand, nicht weit entfernt von der Stadtmauer und dem Lauf des Po, stand bereits 1373, in einer Zeit, als die Herrschaft der Viscontis über Piacenza von den mit Amadeus VI. von Savoyen vereinigten, päpstlichen Streitkräften bedroht war, die auch die Gunst eines großen Teils des Adels von Piacenza genossen, eine Festung namens „Cittadella Nuova“ oder „Cittadella di Fodesta“, die im Auftrag von Galeazzo II. Visconti, dem Herzog von Mailand und damals Herr von Piacenza, als Ersatz für ein vorhergehendes Gebäude namens „Cittadella Vegia“ errichtet worden war, die später vollständig verschwunden und nördlich der folgenden Festung, zwischen dem Po und dem Hafenkanal Fodesta verschoben wurde. Die Lage der Festung ermöglichte die Kontrolle über die Stadt, aber erlaubte auch, wenn nötig, einen leichten Zugang zum Po und von da aus nach Mailand, der Hauptstadt des Herzogtums der Viscontis. Ursprünglich war die Zitadelle der Viscontis eine Festung mit vier Türmen an den Ecken und geschützt durch einen Burggraben. An der Hauptfassade nach Süden lag der Bergfried, an dem die Zugbrücke angebracht war, wogegen es auf den anderen Seiten Vorbauten gab, die die Funktion untergeordneter Bergfriede hatten, ein jeder versehen mit einer Zugbrücke.

1404 wurde die Zitadelle von den Milizen Ottobuono de’ Terzis belagert, die sich, nachdem sie Piacenza für den Herzog von Mailand, Giovanni Maria Visconti, erobert hatten, geweigert hatten, die Stadt dem Herrscher zu übergeben, aber nach zwei Wochen Belagerung waren die Terzis gezwungen, sich zurückzuziehen. 1447 war die Zitadelle die letzte Festung, die sich dem neuen Herzog von Mailand, Francesco I. Sforza, nach einem Widerstand unter der Führung von Alberto Scotti aus Piacenza und der Condottieri Taddeo Terzi und Gherardo Dandolo aus Venedig ergab.

miniatur|Der Teil der Zitadelle der Viscontis, der nach dem unvollständigen Bau des Palastes übriggeblieben war Am Ende der Herrschaft Mailands wurde die Zitadelle, die nach der Erfindung der Artillerie jeden militärischen Nutzen verloren hatte, in den Sitz der Stadtverwaltung umgebaut. Von 1525 bis 1545 war sie Sitz der päpstlichen Verwaltung, bis Papst Paul III., ein Mitglied der Familie Farnese, die definitive Trennung der Städte Piacenza und Parma vom Herzogtum Mailand erwirkte und sie zu einem autonomen Herzogtum unter dem Kommando seines Sohnes, Pier Luigi II. Farnese, machte.

Der neue Herzog wählte Piacenza als Hauptstadt des Herzogtums, errichtete seine Residenz in der Zitadelle der Viscontis und ließ gleichzeitig mit dem Bau einer neuen, moderneren Burg im südwestlichen Teil der Stadt beginnen, an einer strategisch günstigen Stelle, die die Kontrolle möglicher Angriffe aus der Nähe von Stradella ermöglichte. Der Baubeginn des neuen Gebäudes war einer der Gründe, die zur Verschwörung unter der Führung des Grafen Giovanni Anguissola, unterstützt vom Gouverneur von Mailand, Ferrante I. Gonzaga, und mit dem Wohlwollen des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Karl V., führten, da er und seine Kumpane es für leichter hielten, den Herzog im Inneren der alten Zitadelle zu schlagen, als in der neuen Burg, wenn deren Bau vollendet wäre. Am 10. September 1547 wurde Herzog Pier Luigi II. Farnese daher in der Zitadelle durch Dolchstiche verwundet und dann von Anguissola durch Durchschneiden der Kehle getötet. Nach dem Attentat wurde die Leiche Farneses vor den Palast geworfen. Das Fenster auf der Westseite des Gebäudes, aus dem die Leiche des Herzogs geworfen wurde, wurde später zugemauert.

Planung und Entwicklung Trotz des Ausgangs der Verschwörung gelang es dem Sohn von Pier Luigi II., Ottavio Farnese, den Herzogtitel zu behalten, und er ging mit dem Kaiser sogar eine enge Verbindung ein: Er ließ sich die Kontrolle über Piacenza zurückgeben und heiratete Margarethe von Parma, die uneheliche Tochter von Karl V. Während der Herzog Parma zur Hauptstadt des Herzogtums machte und sich dort niederließ, entschied sich die Herzogin Margarethe, ihren Wohnsitz nach Piacenza zu verlegen. Da die Notwendigkeit, ein Gebäude mit rein militärischen Funktionen zu errichten, nicht mehr bestand, wurde mit dem Bau eines neuen Palastes auf dem Gelände der Zitadelle begonnen, vor allem im Auftrag von Herzogin Margarethe, mit dem Ziel, dasjenige Gebäude auszulöschen, in dem Pier Luigi II. seinen Tod gefunden hatte, aber auch, um die Herrschaft der Familie Farnese über die Stadt zu bekräftigen, und, um ihre Macht zu zeigen.

miniatur|Fassade des Palazzo Farnese vom Innenhof aus Mit der Projektierung des neuen Gebäudes wurde 1558 der Stadtarchitekt Francesco Paciotto beauftragt, nach dessen Zeugnis der Projektplan des Palastes direkt nach den Direktiven der Herzogin Margarethe erstellt wurde. Das von Paciotto ausgearbeitete Projekt sah die Wiederverwendung der Fundamente der Zitadelle der Viscontis vor. Es waren die Schwierigkeiten die originalen Fundamente zu erhalten, zusammen mit einer Zeit der Abwesenheit des Architekten, die die Familie Farnese davon überzeugten, einen anderen Architekten zu beauftragen: Giacomo Barozzi da Vignola, genannt „Il Vignola“, der schon beim Bau des Palazzo Farnese in Caprarola für die Familie gearbeitet hatte. Das Projekt wurde 1561 überarbeitet und sah, da man die Idee aufgegeben hatte, irgendwelche, bereits vorhandene Gebäudeteile wiederzuverwenden, einen weiten Innenhof in der Mitte, umgeben von vier Gebäudeflügeln ohne eigentliche Hauptfassade, vor. Die große Zahl von Fenstern auf allen vier Seiten war ein Signal für die Vielzahl und Großartigkeit der Innenräume. Schließlich wurde auf der Innenhoffassade gegenüber dem Eingang der Bau eines Theaters im Freien vorgesehen. Das Projekt des Palastes sah auch eine vollständige Umgestaltung der unmittelbaren Umgebung des neuen Gebäudes vor; verschiedene Gebäude sollten abgerissen werden, sodass der neue Palast von der zentralen Piazza Cavalli aus sichtbar sei.

Die herzogliche Kapelle, die im ersten Obergeschoss des Südflügels liegt und im ursprünglichen Projekt Il Vignolas gar nicht vorgesehen war, wurde in den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts von Bauingenieur Lattanzio Papio eingebaut oder von Bernardino Panizzari, genannt „Caramosino“, auch wegen des Auftretens einiger Attribute, die auf den Stil von Il Vignola zurückzuführen sind.

miniatur|Eines der Gemälde aus dem Zyklus über Paul III. (von Sebastiano Ricci) Die Bauarbeiten, die ein erstes Mal nach der Aufgabe der Stadt durch Herzogin Margarethe unterbrochen worden waren, wurden 1589 erneut aufgenommen und bis 1602 unter der Leitung des Sohnes von Il Vignola, Giacinto, fortgeführt, auch dank des Beitrags der Stadt Piacenza; dann wurden sie wegen des Fehlens verfügbarer Mittel unterbrochen. Bis zu diesem Zeitpunkt war etwa die Hälfte dessen realisiert, was im Projekt von Il Vignola vorgesehen war. Insbesondere viele der Dekorationen waren noch nicht angebracht.

Trotz der wirtschaftlichen Not wurden in den beiden folgenden Jahrhunderten mehrere Änderungen und Ergänzungen an dem Palast vorgenommen, aber ohne den Bau der fehlenden Gebäudehälfte wiederaufzunehmen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ der Herzog Ranuccio II. Farnese, der jedes Jahr seine Hofhaltung für ein oder zwei Monate in den Palast verlegte, eine Reihe von Verzierungen im Inneren des Palastes anbringen, zuerst das Appartamento dorato, das seine Gattin, Maria d’Este, bewohnte, das vom Maler Andrea Seghizzi aus Bologna mit Fresken versehen wurde. Später wurden Stuckverzierungen in den Wohnräumen des Herzogs im Erdgeschoss des Gebäudes ausgeführt. In die Stuckrahmen in diesen Wohnräumen wurden die Gemälde der Herrlichkeit Alessandro Farneses eingefügt, die der Maler Giovanni Evangelista Draghi schuf. Ein weiterer Zyklus, der dem Papst Paul III. gewidmet war, wurde dagegen an Sebastiano Ricci vergeben.

Niedergang 1731 starb mit dem Tod des letzten Herzogs Antonio Farnese die männliche Linie der Herrscherfamilie aus: Die Nachfolgerechte auf den Thron des Herzogtums fielen an König Karl III., den Sohn von Philipp V. von Spanien und Elisabetta Farnese, die wiederum die Tochter von Odoardo II. Farnese, dem Bruder von Antonio Farnese, war. Nach dem Polnischen Thronfolgekrieg 1734 bestieg Karl III. den Thron des Königreichs beider Sizilien: Bei seinem Umzug nach Neapel nahm der Herzog von der Residenzen der Familie Farnese im Herzogtum verschiedene Materialien mit, darunter Gemälde, Skulpturen, Bildwirkereien, Möbel und Polster, die nach Neapel geschafft wurden, zum großen Teil in den Königspalast von Capodimonte. Von allen Ausschmückungen im Inneren des Palastes blieben nur einige Stuckarbeiten und Fresken, die nicht transportiert werden konnten, in Piacenza.

Als 1748, nach dem Frieden von Aachen, der Herzogsthron mit Philipp, dem jüngeren Bruder von Karl III., an die Familie Bourbon fiel, kam ein kleiner Teil der Möbel in den Palast von Piacenza zurück, wobei allerdings der größte Teil der Materialien, die umgezogen worden waren, in Neapel verblieb. Während der Herrschaft der Bourbonen wurde der Palazzo Farnese weitgehend aufgegeben, da die herzogliche Familie sich entschied, umgebaute Wohnräume in der Zitadelle der Viscontis zu nutzen, wenn sie sich einmal in Piacenza aufhalten musste.

Während der napoleonischen Besatzung wurde der Palast von französischen Soldaten genutzt. 1803, wenige Monate nach dem Tod des Herzogs Ferdinand, wurde der Palast geplündert und alle Marmordekorationen, Stuckarbeiten, Türen und Vergoldungen nach Frankreich transportiert, ganz zu schweigen von den Elementen von geringerem Wert, wie Fliesen. 1813 wurde der Palast in ein Gefängnis umgebaut und später, mit der Rückkehr der Bourbonen nach der Restauration, wurde das Eigentum an dem Palast zwischen der Stadt Piacenza, die einen kleinen Teil als Kaserne nutzte, und der herzoglichen Regierung aufgeteilt, die 1822 ihren Teil an die Österreicher abgab und nur die Zitadelle der Viscontis behielt. Später, als der Palast am Ende des Zweiten Weltkrieges in Staatsbesitz kam, wurde er zu einem Zufluchtsort für die Vertriebenen nach den Bombardements.

Wiederherstellung 1965 wurde die Gesellschaft für die Restaurierung und Nutzung des Palazzo Farnese gegründet, und zwar auf Initiative des Commendatore Carlo Graviani, dem damaligen Präsidenten der Tourismusgesellschaft der Provinz. Die neue Gesellschaft, zu deren Gründungsmitgliedern die Stadt Piacenza, die Provinz Piacenza und die Handelskammer gehörten, hatte von Anfang an den Zweck der Rettung des Palastes. Präsident der Gesellschaft war der Senator Alberto Spigaroli.