Stefan Bradl (* 29. November 1989 in Augsburg) ist ein ehemaliger deutscher Motorradrennfahrer.
2011 wurde Bradl Weltmeister in der Moto2-Klasse. Vor dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2011 waren seine größten Erfolge der Gewinn der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft 2005 und der spanischen Motorradmeisterschaft 2007 in der 125-cm³-Klasse. Er startete von 2012 bis 2016 in der MotoGP-Klasse. Seine beste Platzierung dort erzielte er 2013 mit dem zweiten Platz beim Großen Preis der USA in Laguna Seca. Bradl war der erste Deutsche, der einen Podestplatz in der 2002 gegründeten MotoGP-Klasse errang. Ab 2018 war er Test- und Ersatzfahrer des Repsol Honda Team.
Karriere Anfänge IDM (2005) Stefan Bradl gewann als KTM-Werkspilot 2005 den Titel in der 125-cm³-Klasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft. Er siegte bei drei der acht ausgetragenen Rennen und hatte im Endklassement einen Zähler Vorsprung vor seinem österreichischen Teamkollegen Michael Ranseder. Parallel bestritt der 15-Jährige bei den Großen Preisen von Katalonien und Deutschland auch seine ersten beiden Weltmeisterschaftsläufe.
Spanische 125-cm³-Meisterschaft (2007) In der Saison 2007 sollte Stefan Bradl für das spanische Repsol-Honda-Team des ehemaligen Grand-Prix-Piloten Alberto Puig auf einer Honda-Werksmaschine antreten. Jedoch erklärte er am 14. Februar 2007 überraschend, im Alter von nur 17 Jahren, seinen Rücktritt vom aktiven Rennsport. Auslöser der Entscheidung war unter anderem die Tatsache, dass Bradl zur Saisonvorbereitung sieben Wochen am Stück in Spanien hätte bleiben sollen. Später entschied er sich jedoch, seine Karriere doch fortzusetzen und unterschrieb einen Vertrag beim Blusens-Aprilia-Team, für das er zuerst nur die spanische 125-cm³-Meisterschaft bestritt. In der spanischen Meisterschaft sicherte sich Bradl mit zwei Siegen und acht Zählern Vorsprung auf seinen britischen Teamkollegen Scott Redding den Titel.
125-cm³-Weltmeisterschaft KTM (2006) In der Saison 2006 bestritt Bradl die komplette 125-cm³-Weltmeisterschaft für das KTM Junior Team, das von Dieter Stappert geleitet wurde. Einzig zählbares Resultat war ein elfter Platz beim Grand Prix von Tschechien in Brünn. Am Ende der Saison wurde er von KTM entlassen, da ein zweites Jahr im Team vertraglich an eine Platzierung unter den ersten 15 in der Weltmeisterschaft gekoppelt war. Stefan Bradl wurde, auch durch Verletzungen bedingt, mit vier Weltmeisterschaftspunkten jedoch nur 26. der Gesamtwertung.
Aprilia (2007) Für das Blusens-Aprilia-Team bestritt er seinen nächsten Auftritt in der WM beim Großen Preis von Katalonien mittels Wildcard. Er hatte zuvor den Lauf in der spanischen Meisterschaft an gleicher Stelle gewonnen. Beim Auftritt belegte er Platz neun. Bei weitern Wildcardeinsätzen in Assen und am Sachsenring, entschied sich das Team Bradl für die letzten sechs Rennen als Stammfahrer in der WM einzusetzen. Sein bestes Ergebnis erzielte er mit Platz sechs beim San Marino-GP. Im WM-Gesamtklassement belegte er, mit nur neun von 17 bestrittenen Rennen, den 18. Platz, er holte dabei in sieben Rennen WM-Punkte.
Kiefer (2008) Im August 2007 unterzeichnete Stefan Bradl einen Kontrakt mit dem deutschen Team Kiefer für die Saison 2008 auf einer Aprilia in der 125-cm³-Weltmeisterschaft. Beim Grand Prix von Katar erreichte er mit dem dritten Rang seinen ersten Podestplatz in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Beim Grand Prix von Deutschland am Sachsenring wurde Bradl Zweiter, beim folgenden Großen Preis von Tschechien feierte er seinen ersten Grand-Prix-Sieg. Bradl wurde damit der erste deutsche Sieger in der Motorradweltmeisterschaft seit Steve Jenkner 2003. Beim Großen Preis von Japan in Motegi gelang Bradl sein zweiter Sieg, beim folgenden Australien-Grand-Prix stellte er im Training mit einer Höchstgeschwindigkeit von 245,9 km/h einen neuen absoluten Geschwindigkeitsrekord für die seit 1949 bestehende Klasse bis 125 cm³ auf.
Moto2-Klasse mini|Bradl auf Suter bei der Dutch TT 2010 Nach der wenig erfolgreichen Saison 2009, die Bradl mit zwei vierten Plätzen als besten Einzelergebnissen an zehnter Stelle der Weltmeisterschaft abschloss, entschied man sich gemeinsam mit dem Kiefer-Team, in die neu gegründete Moto2-Klasse aufzusteigen. Als Fahrwerkslieferant fungierte der Schweizer Hersteller Suter.
Nach Schwierigkeiten in der Saisonvorbereitung schaffte Bradl beim ersten Rennen der Saison in Katar den dritten Startplatz, schied jedoch in der ersten Runde nach einer Kollision mit Alex De Angelis aus. Im Verlauf der Saison zeigte Bradl immer stärkere Leistungen und krönte das Jahr mit seinem ersten Moto2-Sieg im portugiesischen Estoril.
mini|links|Bradl als Dritter auf dem Podium des GP von Frankreich 2011 Das Team entschied sich im Winter, 2011 ein Fahrwerk des deutschen Herstellers Kalex Engineering einzusetzen. Die Testfahrten zur Saison 2011 verliefen vielversprechend für Bradl. Gleich das erste Rennen in Katar entschied der Bayer mit einem Start-Ziel-Sieg überlegen für sich. Im fünften Rennen, dem Grand Prix von Katalonien, sicherte sich Stefan Bradl die fünfte Pole-Position in Folge und fuhr zu seinem dritten Saisonsieg. In der zweiten Saisonhälfte erstarkte Bradls Rivale Marc Márquez und übernahm drei Rennen vor Saisonende erstmals die Führung in der Gesamtwertung. In den beiden folgenden Rennen eroberte Stefan Bradl die Führung zurück und verschaffte sich vor dem finalen Lauf in Valencia ein Polster von 23 Punkten. Da Marquez verletzungsbedingt in Sepang und Valencia nicht antretat, wurde Bradl der zweite Moto2-Weltmeister.
MotoGP-Klasse LCR-Honda (2012–2014) Für die Saison 2012 wurde Stefan Bradl vom italienischen LCR Team des ehemaligen Piloten Lucio Cecchinello unter Vertrag genommen, wo er eine Honda RC213V pilotierte. Mit diesem Motorrad kam er im Jahresverlauf immer besser zurecht und sicherte sich beim Großen Preis von Italien mit dem vierten Platz sein bestes Saisonergebnis. In der Endabrechnung erreichte Bradl mit 135 Punkten den achten Platz.
mini|Sein einziger Podestplatz: Bradl als Zweiter hinter Marc Márquez und vor Valentino Rossi beim Großen Preis der USA 2013 in Laguna Seca mini|links|Bradl auf der LCR-Honda beim Großbritannien-Grand-Prix 2013 2013 startete Bradl erneut auf Honda im LCR-Team. Bei der Dutch TT in Assen qualifizierte er sich zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere mit Platz drei für die erste Startreihe. Die ersten Führungskilometer in der Klasse fuhr er auf dem Sachsenring. Beim Großen Preis der USA in Laguna Seca sicherte er sich nach 26 gefahrenen Grand-Prix-Rennen seine erste Pole-Position in der MotoGP-Klasse. Im Rennen fuhr Bradl die ersten 18 Runden als Führender, bevor er vom späteren Sieger Marc Márquez überholt wurde. Sein zweiter Platz war die erste Platzierung auf dem Siegerpodest in seinem 27. MotoGP-Rennen. Mitte August 2013 wurde sein Vertrag bei LCR-Honda um die Saison 2014 verlängert. Bei einem Sturz im letzten freien Training des Großen Preises von Malaysia brach sich Bradl den rechten Knöchel und musste operiert werden. Deshalb startete er bei den Rennen in Malaysia und Australien nicht.
mini|Bradl (1. v. r.) mit anderen Fahrern bei der Pressekonferenz zum Valencia-Grand-Prix 2014 In der Saison 2014 startete Bradl erneut auf Honda im LCR-Team. Beim Großen Preis von Katar schied er nach einem Sturz in Führung liegend vorzeitig aus. Beim nächsten Rennen, dem Großen Preis von Texas, kam Bradl als Vierter ins Ziel. Die folgenden Rennen verliefen solide, Podestplätze waren jedoch außer Reichweite. Besonders kurios verlief der GP von Deutschland. Kurz vor Rennbeginn hatte es geregnet, die Strecke war zu Rennstart stellenweise noch feucht, andere Stellen waren schon abgetrocknet. Bradl hatte schon nach der Sichtungsrunde auf Slicks gewechselt. Bradl entschied sich daher nicht nach der Aufwärmrunde erneut in die Boxengasse zu kommen und nahm daher das Rennen vom Startgrid auf. Da sich die meisten anderen Fahrer im vorderen Feld für das Gegenteil entschieden hatte, war Bradl von Position drei aus mit seiner Maschine die einzige in den ersten fünf Reihen. So ging er als Führender mit großem Vorsprung in die erste Kurve hinein. Leider führte eine falsche Wahl des Setups dazu, dass die Piloten die aus der Boxengasse gestartet waren, Bradl nach und nach einholten. Unfähig auf dem falschen Setup ernsthafte Gegenwehr zu leisten, wurde er nach hinten durchgereicht, sodass am Ende mit Platz 16 noch nicht mal mehr WM-Punkte zu Buche standen. Im Verlauf der restlichen Saison etablierte sich Bradl weiter im vorderen Feld. Zu Saisonende standen als bestes Ergebnis drei vierte Plätze und WM-Rang neun. Für Geldgeber Honda war dies jedoch zu wenig, sodass diese für 2015 einen anderen Fahrer bei LCR sehen wollten.
Forward und Aprilia (2015–2016) Im Jahr 2015 startete Bradl für das Team Athinà Forward Racing auf einer Yamaha. Die im LCR Honda gezeigten Leistungen hatten dem japanischen Hersteller nicht ausgereicht. LCR-Teamchef Lucio Cecchinello hätte Bradl gern behalten, fand sogar einen privaten Geldgeber, um die Bedingung von Honda für die Weiterverpflichtung zu erfüllen. Allerdings hat Bradl zu diesem Zeitpunkt bereits bei Yamaha unterschrieben. Seinen Platz übernahm der Brite Cal Crutchlow.
Bradl hatte einen Highsider während des Rennens in Assen und stürzte. Dabei brach er sich das rechte Kahnbein. Am Montag nach dem Rennen wurde er operiert. In Folge dieser Verletzung nahm er nicht an seinem Heimrennen in Deutschland teil. Ihn ersetzte Claudio Corti. Aufgrund der Festnahme von Forward-Racing-Teambesitzer Giovanni Cuzari und der ungewissen Zukunft des Teams kündigte Bradl am 29. Juli 2015 seinen Vertrag. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber stand Bradl ab dem 1. August 2015 beim Aprilia Gresini Team unter Vertrag. Sein neues Einsatzmotorrad dort war die Aprilia RS-GP.
Auch 2016 fuhr Bradl im Aprilia-Werksteam. Sein Teamkollege war weiterhin der Spanier Álvaro Bautista. Die Saison verlief für beide Piloten wenig erfolgreich und Aprilia gab mit dem Spanier Aleix Espargaró (von Suzuki) sowie den Briten Sam Lowes (aus der Moto2) frühzeitig die neue Fahrerpaarung für 2017 bekannt.
Da andere, sportlich interessante, Optionen im Feld für Bradl nicht gegeben waren, entschied er sich für 2017 in die Superbike-Weltmeisterschaft zu wechseln. Er trat dort für das Honda-Werksteam an.
Testfahrer des Honda-Werksteams (seit 2018) mini|links|Bradl auf der Repsol Honda beim Großen Preis von Katalonien 2020 mini|Bradl auf der Repsol Honda RC213V beim Großen Preis der Algarve 2021 Ab 2018 war Stefan Bradl bei Honda als Testfahrer unter Vertrag. In dieser Zeit nahm er als Ersatz- oder Wildcardfahrer regelmäßig an MotoGP-Rennen teil. Als Marc Márquez im Jahr 2020 beim Großem Preis von Spanien in Jerez schwer gestürzt war und daraufhin den Rest der Saison ausfiel, war Stefan Bradl als Ersatzfahrer elf Rennen lang im Repsol Honda Team im Einsatz. Am Ende der Saison belegte er den 19. Platz. In den folgenden Saisons bestritt er immer wieder mal Wildcardeinsätze als Testfahrer oder vertrat verletzte Kollegen sowohl aus dem Werks- als auch aus dem Kundenteam. Seinen letzten Einsatz bestritt er mit einer Wildcard beim Großen Preis der Solidarität 2024. Dort hatte er 2005 auch seinen ersten Grand Prix in der WM bestritten. Er ist weiterhin für Honda als Testfahrer aktiv, bestreitet allerdings keine Renneinsätze mehr. Diese Aufgabe übernahmen ab 2025 Aleix Espargaró und Takaaki Nakagami, die neu als Testfahrer verpflichtet worden waren.
Superbike-Weltmeisterschaft (2017)