mini|Signatur von Otto Prael, 1832 Joseph Otto Praël (* 4. März 1793 in Hildesheim; † 31. März 1862 in Göttingen) war ein deutscher Architekt und königlich hannoverscher Baubeamter in Göttingen.
Leben, Ausbildung, Wirken Otto Praël entstammte einer französischen Emigrantenfamilie und war Sohn des Leibchirurgen und Leibarztes des Hildesheimer Fürstbischofs Johann Rudolf Praël und dessen Ehefrau Franziska Marie Anna Praël geb. Gradewald.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 450.
Über Praëls Ausbildung ist nichts bekannt. 1812 erscheint er als Mitglied der Hildesheimer Freimaurerloge Pforte des Himmels, ab 1819 wurde er im Staatshandbuch als Landbauconducteur genannt. Für 1820/1821 ist eine Studienreise nach Wien, Prag und Eisenstadt belegt. Ab 1825Dietrich Lösche: Staatliche Bauverwaltung in Niedersachsen. Vom Ortsbaubeamten im Landbaudistrikt zum Staatlichen Baumanagement (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Band 45). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, ISBN 3-89534-545-8, S. 687. arbeitete er als Landbauverwalter für den unteren Bezirk des Göttingen-Grubenhagenschen Landbaudistrikts mit Sitz zunächst in Hannover, ab 1827 dann in Göttingen. Ab 1827 war Praël als Göttinger UniversitätsbaumeisterChristian Freigang: Architektur und Städtebau von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1866. In: Ernst Böhme, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Anschluss an Preußen. Der Wiederaufstieg als Universitätsstadt (1648–1866). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36197-1, S. 765–812, hier S. 812. (PDF, Digitalisat auf ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 11. Oktober 2025). Nachfolger von Justus Heinrich Müller sowie Klosterbaumeister für Klosterbauten im Fürstentum Göttingen und Grubenhagen, 1830 wurde er Landbauinspektor, und 1831 wurde ihm kommissarisch die Leitung des gesamten städtischen Bauwesens in Göttingen übertragen. Er stieg in dieser Stellung 1844 zum Landbaumeister und Distriktvorstand im Landbaudistrikt Göttingen und 1857 zum Oberlandbaumeister auf. 1861 ging er in den Ruhestand.
Praël war seit 1825 mit Sicherungsmaßnahmen der Burgruine Plesse betraut.Siegfried Dost: Otto Praël und die Burg Plesse. In: Thomas Moritz, Gudrun Keindorf (Redaktion): Das Kleine Plesse-Lesebuch. Festschrift für Karl Heinz Lies anläßlich seines 70. Geburtstages am 31. Mai 1991. Erich Goltz, Göttingen 1991, S. 54–63, hier S. 55 ff. Ein Spätwerk Praëls ist der Erweiterungsbau des Chemischen Labors an der Hospitalstraße in Göttingen. Sein Hauptwerk ist die Universitäts-Aula mit dem Skulpturengiebel von Ernst von Bandel. Von seinen Privatbauten ist nur sein eigenes zweigeschossiges siebenachsiges Wohnhaus mit Säulenportikus bekannt (Weender Landstraße 3); es wurde 1971 abgebrochen.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 451.
Otto Praëls Sohn war der spätere Landbauinspektor und Baurat Hermann Praël.
Bauten mini|Ehemaliges Amt- und Criminalgefangenhaus Göttingen (später Justizvollzugsanstalt Göttingen), 2011 mini|Ehemaliges Obergericht Göttingen (heute Staatsanwaltschaft Göttingen), 2016 1827–1829: Neue Anatomie in Göttingen, Berliner Straße (Fertigstellung nach Entwurf von Justus Heinrich Müller; kriegszerstört 1945)Praël: Kurze Beschreibung des neuen Anatomie-Gebäudes zu Göttingen. In: Notiz-Blatt des Architekten- und Ingenieur-Vereins für das Königreich Hannover, Bd. II, 1852/53, H. 4, Sp. 399–400 und Bl. 53. 1828–1829: Mazerationshaus der Anatomie in Göttingen, Berliner Straße (kriegszerstört 1945) 1830 (Entwurf): eigenes Wohnhaus von Otto Praël in Göttingen, Weender Landstraße 3 (abgebrochen) 1832–1835: Gefängnis (später Justizvollzugsanstalt Göttingen) in Göttingen, Obere-Masch-Straße 9Wolfgang Alexander: Eine Linde und vier Gebäude sind Zeugen für Geschichte des Gerichts. In: Göttinger Monatsblätter, Beilage zum Göttinger Tageblatt, November 1977. 1834–1835: Infanterie-Kaserne (heutiges Amtshaus) in Göttingen, Hiroshimaplatz 3 1835–1837: Aula der Georg-August-Universität in Göttingen, Wilhelmsplatz 1 1847–1850: Wiederaufbau der 1828 abgebrannten Stadtkirche in Moringen 1854–1856: Obergericht Göttingen, Waageplatz 7 (mit Friedrich Doeltz)Günter Krawinkel, Sid Auffarth: Von Laves bis heute. Über staatliche Baukultur. Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1988, ISBN 3-528-08736-6, S. 333. 1855: Schiff der St.-Laurentius-Kirche in Niedernjesa 1858–1860: Zweiter Erweiterungsbau des Chemischen Labors in Göttingen, Hospitalstraße 9 (abgebrochen)
Auszeichnungen Guelphen-Orden 4. Klasse.
Schriften
Kurze Beschreibung des neuen Anatomie-Gebäudes zu Göttingen. In: Notiz-Blatt des Architekten- und Ingenieur-Vereins für das Königreich Hannover, Bd. II, 1852/53, H. 4, Sp. 399–400 und Bl. 53.
Literatur Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 450 f. (PDF, Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 11. Oktober 2025). Dietrich Lösche: Staatliche Bauverwaltung in Niedersachsen. Vom Ortsbaubeamten im Landbaudistrikt zum Staatlichen Baumanagement. (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen, Band 45). Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2004, ISBN 3-89534-545-8, S. 173 f., S. 687.
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