mini|hochkant=1.5|Luftbild Hauingens von Nordosten Hauingen (Alemannisch: Hauige oder Hauge) ist der nördlichste Ortsteil von Lörrach in Baden-Württemberg. Er zählt rund 3000 Einwohner, liegt überwiegend nördlich des Flusses Wiese und erstreckt sich geografisch vom Flussbett der Wiese bis zu den Höhen des Röttler Waldes. Die frühere Arbeitersiedlung Neu-Hauingen (alemannisch: Neui Hüüsli), seit 1893 entstanden, liegt südlich der Wiese. Hauingen wurde erstmals 1102 in der Urkunde des Bischofs Burchard von Basel erwähnt. Eine Besiedlung vor diesem Zeitpunkt gilt als wahrscheinlich. Siedlungsgeschichtlich entwickelte sich der Ort aus einem Straßendorf heraus. Obwohl Hauingen seit 1975 zu Lörrach gehört, hat es eine eigene Ortschaftsverwaltung mit Einwohnermeldeamt und Standesamt.

Geographie Lage und Gliederung mini|Luftbild von südöstlicher Richtung mit dem Ausläufer des Soormatttals Hauingen liegt im Nordwesten des vorderen Wiesentals sowie am Ausgang des Soormatttals und ist Lörrachs nördlichster Ortsteil. Der südliche Teil der Hauinger Gemarkung liegt etwas oberhalb der Talsohle auf etwa 300 Meter Höhe. Der nördliche Teil ist stark bewaldet und hügelreich und gehört zu den südwestlichen Ausläufern des Naturparks Südschwarzwald. Die höchste Stelle befindet sich auf 555 Meter, auf der sogenannten Wegspinne im Röttler Wald. Durch den Ortskern fließt der Soormattbach, der in die Wiese mündet.

Südöstlich von Hauingen, zu einem kleinen Teil auf der Gemarkung von Brombach gelegen, erstreckt sich das 11,65 Hektar große Gewerbegebiet Entenbad an der Bundesstraße 317. Auf dem seit 1986 eröffneten Gelände haben sich bisher 27 Unternehmen angesiedelt. Auf der östlichen Gemarkungsfläche fließt der Heilisaubach südwärts in den Steinenbach, der seinerseits westlich vom Entenbad in die Wiese mündet.

Hauingen grenzt im Süden an Brombach und im Südwesten an Haagen, welche ebenfalls Ortsteile von Lörrach sind. Östlich davon schließen sich Steinen und der zugehörige Ortsteil Hägelberg an. Im Norden grenzt der Ort an Kandern und im Nordwesten an Wittlingen, mit dem Hauingen über die Kreisstraße 6344 verbunden ist.

Wald Die 740 Hektar große Gemarkung Hauingen ist mit 445 Hektar und somit zu rund 60 % mit Wald bedeckt. Ihr Anteil an der Gesamtfläche liegt damit über dem Durchschnitt von Baden-Württemberg (34 %) und dem des Landkreises Lörrach (48 %). Der hohe Waldanteil blieb trotz früher und starker Besiedlung erhalten. Der überwiegende Teil des Waldes (70 %) gehört der Gemeinde, zu 10 % ist das Land Eigentümer, 19 % entfallen auf private Eigentümer und 1 % auf andere Gemeinden wie beispielsweise Weil am Rhein.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 67

Seit den 1970er Jahren hat sich die Funktion des Waldes stark gewandelt. Die wirtschaftliche Nutzung ist in den Hintergrund gerückt und er dient heute eher als Ausgleichs- und Erholungsraum. Nach den Zerstörungen durch den Orkan Lothar im Dezember 1999 war die Erholungsfunktion stark beeinträchtigt. Mittlerweile sind jedoch durch die natürliche Regenerationsfähigkeit kaum noch Schäden sichtbar. Im März 2001 beschloss der Ortschaftsrat, einen Teil des Röttler Waldes als Bannwald (→ Bannwald Röttler Wald) zu erklären. Entlang des Dachsbau- und Rebländerwegs gehören 17 Hektar des Hauinger Waldes und 149 Hektar des angrenzenden Staatswaldes zu den größten Bannwaldflächen in Baden-Württemberg.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 83

Dank des Waldreichtums hatte Hauingen bis 1966 ein in der Gemeindeordnung festgeschriebenes Gabholzrecht. Durch die steigenden Einwohnerzahlen ließ sich dieses Recht jedoch nicht fortführen. Das heißt, dass neue Bürger nicht mehr nachrücken konnten und 2010 nur noch sieben Bürger gabholzberechtigt waren.„Gabholz“ für die letzten „Nutzbürger“. Badische Zeitung, 7. Mai 2010 Mit diesem Rückgang stieg entsprechend der Anteil an frei verkäuflichem geschlagenen Brennholz. Dafür wurden bis in die 1990er Jahre Holzversteigerungen im Wald selbst durchgeführt. Zunehmend erhielt der Anlass volksfestähnlichen Charakter, der Besucher aus dem Umkreis anlockte.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 85/87

Geologie mini|Blick vom Soormatttal nach Hauingen Die Gesteinsbildungen in der Gemarkung Hauingens reichen vom Perm bis zum Quartär und sind damit bis zu 230 Millionen Jahre alt. Gekennzeichnet ist der geologische Aufbau durch eine Flexur (Verschiebung der Gesteinsschichten) des Rheintals, die nord-südlich ausgerichtet ist. Sie hat sich durch das aufsteigende Grundgebirge des Schwarzwalds und den absinkenden Grabenbruch des Rheintals geformt. Die Flexur bildet die westliche Begrenzung der Weitenauer Vorbergzone, zu der auch die Ortschaft Hauingen zählt. Der vorwiegend vorhandene Buntsandstein begünstigte die Bildung der engen Täler Soormatt, Heilisau und Steinenbach. In diesen Bereichen ist der Wald vorherrschend und wird zu den Randgebieten des Wiesentals hin von Feldern abgelöst. Die ständige Absenkung des Rheintals und die Hebung des Grundgebirges sind entlang der Verwerfungszone mit wenigen Millimetern im Jahr messbar.

In der Vorbergzone bis Schopfheim hat sich der vordere Teil des Wiesentals durch Längs- und Querbrüche gebildet. Das Wiesental änderte dort seinen Verlauf mehrfach; davon zeugen Deckenschotter der Nieder- und Hochterrassen. Erst als in den Jahren 1877 bis 1882 die Wiese kanalisiert wurde, blieb das Tal relativ unverändert.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 13

Zur jüngsten geologischen Struktur gehört die Talsohle, die mit Sand und Kies aus dem Holozän gefüllt und rund 600.000 Jahre alt ist. Die Niederterrasse im Dorfkern Hauingens besteht aus würmzeitlichem Schotter. Während das Heilisautal fast ausschließlich aus Buntsandstein und an seinen oberen Hängen aus Lösslehm besteht, gibt es im Soormatttal deutlich mehr Schichten. Der Bereich des Lingertwaldes stammt aus der Trias vor rund 40 Millionen Jahren und besteht aus Oberem Muschelkalk (Hauptmuschelkalk, Bankkalk, Dolomit). In Richtung Rechberg findet man Mittleren Muschelkalk (Mergel, Gips, Dolomit), an den Talhängen Unteren Muschelkalk (Mergel, Mergelkalkstein, Dolomit). Das Gebiet des Rechbergs und der Bereich nördlich davon sind wieder deutlich jünger und bestehen aus altpleistozänem Schotter.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 16/17

Geschichte Erste Zeugnisse mini|Klostergründungsbericht von 1083 Eine ur- und frühgeschichtliche Besiedlung Hauingens lässt sich archäologisch nicht belegen. Ortsnamen mit der Endung -ingen (→ Ortsname) sind jedoch häufig auf alemannische Gründungen des 5. und 6. Jahrhunderts zurückzuführen.

Hauingen wurde 1102 erstmals in einer Urkunde des Bischofs Burkhard von Basel erwähnt als „Houvingin“. Der Bischof setzte Dietrich von Rötteln als Schirmvogt über das rechtsrheinische Gebiet des Klosters St. Alban ein, zu dem auch Hauingen gehörte. Der Historiker Schwarzmaier nimmt an, dass Heinrich IV. den Hauinger Besitz Bischof Burkhard als Reichsgut schenkte, weil er ein treuer Parteigänger war.Otto Wittmann et al., Stadt Lörrach (Hrsg.): Lörrach: Landschaft – Geschichte – Kultur, Verlag Stadt Lörrach, Lörrach 1983, ISBN 3-9800841-0-8, Seite 617. Die Siedlung Rechberg nördlich des Dorfkerns von Hauingen wurde 1368 erstmals urkundlich genannt. In einem ersten Bericht zur Klostergründung im Jahr 1083 fand Hauingen ebenfalls mit dem Satz „Die Kilchen zu Hauingen mit seinen Reben, so in Äckhern, Matten und Wäldern“ Erwähnung.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 125, 129, 130

Ortsname Der erste Herausgeber der St. Galler Urkunden, Trudpert Neugart, deutete Hauingens Ortsnamen „Anninchova“ als Auggen oder Hauigen. Diese Deutung ist möglich, da im Alemannischen die Suffixe -ingen und -inghofen (Schweizerdeutsch: -ikon) als -ige ausgesprochen werden. Andere Wissenschaftler lehnen diese Deutung jedoch ab. Der Historiker Franz Josef Mone korrigierte Neugarts Interpretation und das „Anninchova“ der Urkunden aus dem 8. Jahrhundert auf den Ort Innenkofen in der Nähe von Biengen im Breisgau. Damit bleibt die Basler Urkunde von 1102 der älteste gesicherte Beleg für den Namen.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 20 Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Schreibweise mehrfach. Die heutige setzte sich im 18. Jahrhundert durch und wurde von Johann Peter Hebel in seinem Gedicht Die Wiese in einer der beiden üblichen Dialektformen verwendet:Johann Peter Hebel: Die Wiese. (Wikisource)

In sämtlichen Namensbelegen trägt der Ort niemals die Endung -ing, -hofen oder -ikon. Das wird im Allgemeinen als Beweis dafür angesehen, dass „Anninchova“ nichts mit Hauingen gemein hat. Der Ortsname besteht aus dem Grundwort -ingen und dem Stamm how- bzw. hou- als Bestimmungswort. Da die meisten Ortsnamen mit der Endung -ingen mit einem Personennamen gebildet werden, liegt die Vermutung nahe, dass der Ortsname die Bedeutung bei den Leuten des Howo hat. Damit könnte ein gewisser Howo als Führer einer Alemannenschar den Ort gegründet haben.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 21

Frühe Neuzeit Der Kirchturm in Hauingen wurde 1469 errichtet; die an der Ostseite des Turms eingemeißelte Jahreszahl weist darauf hin. Die Entstehungszeit des Untergeschosses sowie der Rippen des Kreuzgewölbes wird auf das 14. Jahrhundert geschätzt.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 223

Im Jahr 1492 wurde in Hauingen ein Bad urkundlich erwähnt. Die Badquelle, die aus der Ebene unterhalb des Lingert-Hügels (429 Meter) hervortritt, dürfte noch älter sein, da bereits 1458 der Flurname „Badstub“ belegt ist. Die Badeanstalt und das Gasthaus gehörten damals der Kirche und standen zu ihrer Nutznießung zur Verfügung. Besucher konnten die Mineralquelle zur Heilung ihrer Leiden nutzen und im dazugehörigen Gasthaus logieren. Das Hauinger Bad muss vergleichsweise einfach gewesen sein. Landvogt Leutrum berichtete 1736: „Wäre die Beherbergung und Bedienung etwas anständiger, so könnte das Bad bestimmt ein Anziehungspunkt vor allem für Basler Gäste und Besucher werden“.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 348 Das Bad half vor allem bei Rheumatismus und Gliederschmerzen.Landkreis Lörrach (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II, Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X, S. 143

Die 1517 vom Markgrafen Ernst verfasste Landesordnung regelte die örtlichen Pflichten der Vögte. Hauingen hatte im Wechsel mit den Dörfern Haagen und Brombach seine Wiesen zu bewirtschaften und die Erträge abzuführen. Hauingen lieferte auch Holz für Schutzbretter und leistete weitere forstliche Frondienste.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 142 Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Frondienst immer mehr durch Geldabgaben der Gemeinden abgelöst. Markgraf Karl II. führte 1556 die Reformation ein; damit wurde das bis dahin katholische Hauingen protestantisch und auch an den Pfründen beteiligt, die in der Regel aus Weinlieferungen bestanden. Darüber hinaus wurden im Oberamt Rötteln in 55 Orten jährlich über 1200 Pfund an Geldleistungen eingezogen. Allein Hauingen entrichtete 28 Pfund, 3 Schilling und 3 Pfennig an Kirchengefälle.Moehring, Fautz, Heuer: Hauingen, S. 143

Vier Jahre nach Einführung der Reformation, im Jahr 1560, wurde das Pfarrhaus fertiggestellt.

Neuzeit Mit den Kriegen zum Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts – darunter dem Holländischen Krieg und den Erbfolgekriegen, wie dem Pfälzischen, Spanischen, Polnischen und dem Österreichischen Erbfolgekrieg – geriet das Dorf Hauingen zwischen die Fronten der Kriegsparteien.