Die Jelezer Operation (russisch: Елецкая наступательная операция) vom 6. bis 16. Dezember 1941 war eine erfolgreiche Gegenoffensive der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg. Dabei unterstützte die sowjetische Brjansker Front die allgemeine Gegenoffensive der nördlicher stehenden Westfront und konnte mit der 3. Armee Jefremow und mit der 13. Armee Jelez zurückerobern. Dem linken Flügel der sowjetischen 13. Armee gelang es die Offensive weiter auf Liwny und in Richtung Orjol auszubauen. Nachdem aber große Teile der sowjetischen Kavallerie im Hinterland durch deutsche Reserven abgeschnitten wurden, musste die Rote Armee am Ljubowscha-Abschnitt wieder in den Stellungskrieg übergehen.
Vorgeschichte Nach dem Erfolg der Panzergruppe 2 (Generaloberst Guderian) in der Kesselschlacht von Brjansk wurde auch der Vormarsch der deutschen 2. Armee nach Osten fortgesetzt. Die Truppen des Generalobersten von Weichs konnte am 4. November mit dem rechten Flügel seiner Armee die Stadt Kursk einnehmen. Die nächste Hauptaufgabe bestand dann darin, die Südflanke der Panzergruppe 2 während der Schlacht um Tula nach Osten zu decken. Der Herbstregen begann am 27. Oktober, wodurch der deutsche Vormarsch wegen der Schlammperiode stockte.
Als Anfang November die Temperaturen herabsanken und der Boden wieder erhärtete, konnte der deutsche Angriff wieder aufgenommen werden. Die 134. Infanterie-Division rückte nördlich der Sosna vor, während die 45. Infanterie-Division südlich des Flusses vorging. Die Truppen des General der Infanterie Metz versuchten die Eroberung von Jelez. Die dortige Landschaft bestand aus niedrigen Hügeln, flachen Flüssen und enge Schluchten. Der neue Oberbefehlshaber der 2. Armee, General der Panzertruppe Rudolf Schmidt ließ seine Truppen weiter entlang der reparierten Eisenbahnlinien vorrücken, im Raum östlich von Orjol gab es kaum brauchbare Straßen. Den linke Flügel der 2. Armee deckte das Höhere Korpskommando XXXV. mit der 262. und 293. Infanterie-Division. Dieses Armeekorps hatte die Südflanke der Panzergruppe 2 schützen und die Stadt Jefremow zu besetzen. Die Städte Liwny und Jelez waren das Angriffsziel des Höheren Kommando XXXIV., nach Süden strebte das XXXXVIII. Armeekorps (mot.) den Übergang über den Flusses Tim an, im Raum Jelez wurde die Eisenbahnlinie zwischen Orjol und Lipezk überschritten. Das nächste Ziel war Jelez, der wichtigste Knotenpunkt in der Region, die nächste bedeutende Stadt Lipezk lag davon noch weitere 80 Kilometer östlich entfernt. Die Temperatur sank unter −1 Grad und bei den deutschen Truppen machte sich der Mangel an Winterkleidung spürbar bemerkbar. Die deutschen Truppen konnten noch am 22. November Jefremow und am 26. November Liwny besetzen. Der deutsche Vormarsch verlangsamte sich dann pro Tag auf einige Kilometer, da alle mobilen Fahrzeuge für den Nachschub eingesetzt werden mussten.
Anfang Dezember 1941 erreichten die deutschen Truppen Kasaki, einen Ort lag 15 Kilometer westlich von Jelez. Die Divisionen der deutschen 2. Armee waren auf einer Frontlinie von 160 Kilometern bereits zu weit auseinandergezogen, trotzdem musste das XXXIV. Armeekorps zur Unterstützung der letzten Offensive auf Moskau den Angriff wieder aufnehmen. Um die eigene Situation zu wenden, brachte der Befehlshaber der sowjetischen Südwestfront, Marschall Timoschenko neue Streitkräfte in die Schlacht, darunter völlig neu formierte Schützen- und Kavallerie-Verbände. Erst am 3. Dezember erreichten alle Regimenter der deutschen 134. Infanterie-Division ihre Angriffspositionen, der starke Schneefall verhinderte jegliche Kommunikation. Paweletz wurde am 3. Dezember und Jelez am 4. Dezember eingenommen. Während die Schützen-Regimenter 446 und 449 die Stadt Jelez räumten, bildeten die deutsche Avantgarde einen Brückenkopf über der Sosna. Am 4. Dezember ließ General Metz die erschöpfende deutsche Offensive einstellen. Das Höhere Kommando XXXV verteidigte südlich davon eine Frontlinie von mehr als 40 Kilometern. Am rechten Flügel war die Situation beim XXXXVIII. Armeekorps noch ungünstiger: Die Verbände kämpften hier auf einem Gelände, das kaum Straßen aufwies, zudem verhinderten Schneeschauer fast alle Bewegungen, der Fluss Tim konnte westlich von Liwny nicht mehr überquert werden. Im Laufe des 5. Dezember führten die Sowjets einige Aufklärungsangriffe auf Telgino durch, die jedoch mit schweren Verlusten abgewehrt wurden.
Beteiligte Streitkräfte Südwestfront Oberbefehlshaber: S. K. Timoschenko mini|hochkant|Marschall der Sowjetunion Semjon Timoschenko
3. Armee (Generalmajor Jakow Grigorjewitsch Kreiser) 212. Schützen-Division, Oberst Iwan Maximowitsch Schutow 269. Schützen-Division, Oberst Grigori Wassiljewitsch Rewunenkow 137. Schützen-Division, Oberst Iwan Tichonowitsch Grischin 283. Schützen-Division, Oberst Alexander Nikolajewitsch Netschajew 6. Garde-Schützen-Division, Generalmajor Konstantin Iwanowitsch Petrow 52. Kavalleriedivision, Oberst Nikolai Petrowitsch Jakunin
13. Armee (Generalleutnant Awksenti Michailowitsch Gorodnjanski) 132. Schützen-Division, Oberst Andrei Avskentjewitsch Mischenko 307. Schützen-Division, Oberst Grigori Semjonowitsch Lazko 6. Schützen-Division, Oberst Michail Danilowitsch Grischin Mobile Gruppe Moskalenko, Generalmajor Kirill Moskalenko 57. NKWD-Brigade 150. Panzer-Brigade, Oberst Boris Sergejewitsch Bacharow 55. Kavalleriedivision, Oberst Konstantin Wladimirowitsch Fixel 143. Schützen-Division, Oberst Georgi Alexejewitsch Kurnosow 148. Schützen-Division, Oberst Filipp Michailowitsch Tscherokmanow
Gruppe Kostenko (Generalleutnant Fjodor Jakowlewitsch Kostenko) 1. Garde-Schützen-Division, Generalmajor Iwan Nikititsch Russjanow 129. Panzer-Brigade, Oberst Fjodor Georgjewitsch Anikuschkin 34. motorisierte Schützen-Brigade, Oberst Alexander A. Schamnin 121. Schützen-Division, Brig. Kom. Pjotr Maxsimowitsch Sykow 160. Schützen-Division, Oberst Michail Borisowitsch Anaschkin 5. Kavalleriekorps (Generalmajor Wassili Dmitrijewitsch Krjutschonkin) 3. Kavallerie-Division, Generalmajor Michail Fjodorowitsch Malew 14. Kavallerie-Division, Oberst Anatoli Iwanowitsch Belogorski 32. Kavallerie-Division, Oberst Grigori Andrejewitsch Kowaljow
Wehrmacht hochkant|mini|alt=Porträt Rudolf Schmidts als Generaloberst|Rudolf Schmidt nach seiner Beförderung zum Generaloberst (1942)
2. Armee, General der Panzertruppe Rudolf Schmidt
Höh. Kom. XXXV. Armeekorps, General der Artillerie Rudolf Kämpfe 293. Infanterie-Division, Generalleutnant Justin von Obernitz 262. Infanterie-Division, Generalleutnant Edgar Theisen Höh. Kom. XXXIV. Armeekorps, General der Infanterie Hermann Metz 134. Infanterie-Division, Generalleutnant Konrad von Cochenhausen 45. Infanterie-Division, Generalleutnant Fritz Schlieper 95. Infanterie-Division, Generalleutnant Hans-Heinrich Sixt von Arnim XXXXVIII. Armeekorps (mot.), General der Panzertruppe Werner Kempf 9. Panzerdivision, Generalleutnant Alfred Ritter von Hubicki 16. Infanterie-Division (mot.), Generalleutnant Sigfrid Henrici
Verlauf Für die Gegenoffensive konnte die Rote Armee im Raum Jelez etwa 65.000 Mann, 100 Panzer und 245 Kanonen einsetzen, es wurden zwei Stoßgruppen mit jeweils etwa 20.000 Mann gebildet. Die im Abschnitt der 13. Armee angesetzte nördliche Stoßgruppe unter General Moskalenko (143. und 148. Schützen- und 55. Kavallerie-Division) sollte den frontalen Angriff gegen Jelez durchführen. Für den Hauptschlag, der im Süden erfolgen sollte, wurde aus den Reserven der Südwestfront die mobile Stoßgruppe des Generalleutnants Fjodor Kostenko (Hauptquartier in Kastornoje) gebildet, die über mehr als 200 Kanonen und Mörser, 82 Schwadronen und 360 Maschinengewehre verfügte. Diese Stoßgruppe umfasste die 1. Garde-Schützendivision (Generalmajor I. N. Russijanow), das 5. Kavalleriekorps unter Generalmajor W. D. Krjutschonkin (3. Reiter-Divisionen), die 34. motorisierte Brigade (Oberst A. A. Schamnin) und die 129. Panzerbrigade (Oberst F. G. Anikuschkin). Das Oberkommando der Südwestfront setze die 13. Armee (Generalmajor Gorodnjanski) für den Hauptschlag nördlich von Jelez und die 3. Armee (Generalmajor Kreiser) zum Angriff auf Jefremow an: Der Plan sah vor, die deutsche Jelezer-Gruppe anzugreifen um die vorrückenden Truppen der Westfront zu unterstützen, nach dem Durchbruch sollte die Rote Armee über Liwny in den Rücken der deutschen 2. Panzerarmee gelangen. Beide sowjetische Stoßgruppen sollten versuchen die gegenüber liegenden drei deutsche Divisionen (262., 134. und 45. I.D.) zu umfassen und einkesseln.
Erste Phase (6.–10. Dezember) Nachdem die sowjetischen Vorbereitungen für die Offensive abgeschlossen waren, ging die 13. Armee am 6. Dezember um 10 Uhr an ihrer gesamten Front in die Offensive. Die Rückeroberung von Jelez war das primäre Ziel: vier Schützendivisionen griffen die Stellungen des deutschen XXXIV. Armeekorps (26., 134. und 45. I.D.) im Osten der Stadt an. Die 5. Kavalleriedivision und die 302. Schützendivision begannen mit den Angriffen. Die Angriffsgruppe des Generals Moskalenko umfasste 6 Schützenbrigaden, eine Kavalleriedivision sowie eine Panzerbrigade. Das deutsche Oberkommando war sich der operativen Bedeutung von Jelez bewusst, dessen Besitz die Grundlage für mögliche Angriffe auf Sadonsk, Woronesch, Lipezk war. Aus dem Raum Region Maschkowka und Rogatewo sollte der sowjetische Durchbruch in Richtung auf Trosny geführt und bei Nikitzki das Zusammentreffen mit der südlichen Gruppe erreicht werden. Dem Plan zufolge sollte die südliche Stoßgruppe unter General Kostenko aus dem Gebiet von Terbuny, Borki, Nataljewka über Apuchtino und Krugloje mit allgemeiner Richtung Nikitzki gegen die Flanke und den Rücken des im Raum Jelez stehenden deutschen XXIV. Armeekorps vorstoßen. Die Partisanen der Umgebung beteiligten sich aktiv an den Kämpfen und lieferten auch wichtige Angaben, sie korrigierten während des Bombardement das Artilleriefeuer und zeigten der Infanterie geheime Pfade um die feindlichen Befestigungen zu umgehen.
Am 7. Dezember um 7 Uhr ging die Stoßgruppe von General Kostenko in die Offensive. Die Gruppe führte den Hauptschlag in Richtung Nikitzki gegen die Formationen der 13. Armee. Ein Teil der Gruppe – die 34. motorisierte Schützenbrigade – wurde nach Liwny geworfen, um die Reichweite der deutschen Streitkräfte zu erhöhen. Während der Schlacht wurden bis Ende Dezember die Hauptkräfte der deutschen 95. und 45. Infanterie-Division zurückgeworfen, die sowjetischen Truppen drangen im Rücken der deutschen Truppen vor.
Am 8. Dezember befreite der rechte Flügel der sowjetischen 3. Armee Chmelenez und ging auf der Rollbahn Jelez-Jefremow vor. Die deutsche 262. Infanterie-Division wies die ersten Angriffe ab, musste aber durch die anhaltenden Angriffe wichtige Positionen aufzugeben und sich nach Jefremow zurückgehen, wo die Häuser besseren Schutz gegen die Winterstürme boten. Das deutsche Infanterieregiment 446 verfügte nicht über ausreichend Reserven um dauerhaft standzuhalten. Die Munitions- und Treibstoffvorräte waren auf ein Niveau gesunken, bei dem die Granaten rationiert werden mussten. Am Nachmittag setzte die 3. Armee den Angriff fort und bedrohte die deutschen Stellungen nördlich und südlich von Jefremow. Infolge des Rückzugs verlor die 262. Infanterie-Division den Kontakt zu ihrem südlichen Nachbarn, der 134. Infanteriedivision, bei der das IR 445 bei Telgino angegriffen wurde. Die Sowjets kämpften während der Nacht weiter, während der Schneeschauer schlüpften mehrere Einheiten an den deutschen Posten vorbei, nach Westen durch. Generalleutnant Cochenhausen befahl den Rückzug der 134. Infanterie-Division auf Jelez. Obwohl einige isolierten Gruppen geschlagen waren, blieb der Kern der 134. Infanterie-Division aber noch intakt. Am Abend kam Jelez in Reichweite der sowjetischen Artillerie, nach Rücksprache mit seinen Divisionskommandeuren ordnete General Metz die Evakuierung der Stadt für den folgenden Tag an.