Commercial Zone ist ein Album mit Studioaufnahmen der britischen Band Public Image Ltd., welches zwischen 1982 und 1983 aufgenommen wurde, und 1984 vom Gründungsgitarristen der Band, Keith Levene, veröffentlicht wurde. Commercial Zone enthält fünf Songs, die später für das vierte offizielle Studioalbum der Band, This Is What You Want… This Is What You Get (1984), neu aufgenommen wurden. Deshalb wird Commercial Zone oft als frühe/alternative Version dieses Albums angesehen.

Hintergrund Im Mai 1981 zog PiL von London nach New York City. Im Oktober 1981 lief ihr amerikanischer Plattenvertrag mit Warner Brothers aus und wurde nicht verlängert. Im Januar 1982 berichtete die britische Musikpresse, dass PiL in New York mit den Produzenten Adam Kidron und Ken Lockie versucht haben ein neues Album aufzunehmen, sich stattdessen aber getrennt haben. Dies wurde allerdings prompt von der Band in einer Pressemitteilung der folgenden Woche dementiert.

Im Mai 1982 trat Schlagzeuger Martin Atkins der Band erneut bei und PiL begann mit den Aufnahmen für ihr neues Studioalbum für Virgin Records in den Park South Studios in Manhattan, mit Toningenieur Bob Miller als Co-Produzent. Am 29. August 1982 trat der neue Bassist Pete Jones der Band im Studio bei. Diese Besetzung spielte ihr Debütkonzert vier Wochen später (am 28. September 1982 in New York City). In der zweiten Hälfte des Jahres 1982 plante die Band ihr eigenes Plattenlabel (Public Enterprise Productions) zu gründen und seine Veröffentlichungen an Stiff Records USA für den amerikanischen Markt zu lizenzieren. Diese Pläne wurden aber nie umgesetzt.

Anfang November 1982 kündigte PiL die bevorstehende Veröffentlichung einer neuen Single Blue Water und eines sechsspurigen Minialbums You Are Now Entering a Commercial Zone auf ihrem neuen Label an. Dies geschah nicht, und die Band nahm stattdessen weiterhin ein Album in voller länge in den Park South Studios auf.

Im März 1983 wurde der Song This Is Not a Love Song als neue Single der Band vorgesehen. Die Band löste sich allerdings fast vollständig auf, als zuerst Pete Jones und dann Keith Levene die Band verließen. Die Single This Is Not a Love Song (mit Blue Water als 12" Single B-Seite, beide von den Park South Sessions) wurde im Juni 1983 in Japan von Nippon Columbia veröffentlicht. Virgin Records veröffentlichte sie im September 1983 in Großbritannien, wo sie auf Platz 5 der britischen Single-Charts aufstieg.

Die beiden übrig gebliebenen Mitglieder, John Lydon und Schlagzeuger Martin Atkins heuerten Session-Musiker an um Tourverpflichtungen zu erfüllen, und machen so unter dem Namen PiL weiter.

Mitte 1983, in Abwesenheit von PiL entwendete Keith Levene die unfertigen Albumbänder und erstellte seinen eigenen Mix. Danach flog er nach London und präsentierte Richard Branson die Aufnahmen als fertiges neues PiL Album für Virgin Records. John Lydon beschloss die Bänder komplett aufzugeben und das gesamte Album mit Session-Musikern komplett neu einzuspielen. Diese neue Version von Commercial Zone wurde 1984 zu This Is What You Want... This Is What You Get.

Veröffentlichung Nach seinem Ende bei PiL beschloss Keith Levene das Album auf eigene Faust auf dem amerikanischen Markt zu veröffentlichen und registrierte am 30. Januar 1984 das Label „PIL Records Inc.“ für diese einmalige Veröffentlichung. PIL Records, Inc. (registered on 30 January 1984 as a domestic business corporation by Keith Levene [1 Fifth Avenue, New York, NY 10003], dissolved due to inactivity on 26 September 1990).

Die erste limitierte Auflage von 10.000 Platten hat Keith Levene mit 8.500 Dollar aus eigener Tasche bezahlt.John Gentile: Interviews: Keith Levene (P.I.L., The Clash). Punknews.org, 9. Mai 2014. Diese Auflage wurde direkt an Plattenläden in New York City verteilt und stark in den britischen und europäischen Markt importiert. Eine zweite Pressung (mit geänderter Titelliste und einem kürzeren Mix von Bad Night) folgte im August 1984 in einer Auflage von 30.000 Exemplaren, um direkt mit dem neuen offiziell veröffentlichten Album This Is What You Want... This Is What You Get konkurrieren zu können. Virgin Records ergriff umgehend rechtliche Schritte und stoppte den Vertrieb und alle weiteren Neuauflagen von Commercial Zone.

Im Jahr 2014 kündigte Levene Pläne an, die Arbeiten an Commercial Zone erneut aufzunehmen und es endlich fertigzustellen. Diese Version aus 2014 heißt Commercial Zone 2014.Public Image Ltd founder to relaunch ‘lost’ fourth album via crowdfunding. theguardian.com, 22 April 2014. Im Frühjahr 2014 ging Levene nach Prag um Commercial Zone 2014 aufzunehmen, welches über eine Crowdsourcing-Kampagnen-Website bei Indiegogo unterstützt wurde.

Track für Track kommentiert von der Band „Love Song“ / „This Is Not a Love Song“: John Lydon (1982/92/99): „Wir machen keine Liebeslieder, was sollen diese unrealistischen Schrottstücke?“Charles Walston: Johnny Sheds His Rotten Image. In: The Atlanta Journal-Constitution, 4. Dezember 1982. „Es war alles sehr ironisch. Damals hieß es, ich sei ins große Business eingestiegen und ein bürgerlicher Scheißkerl geworden. Also dachte ich, der beste Weg dies anzugehen wäre einen Song herauszubringen, in dem es heißt: ‚Genau das bin ich!‘ Zunge fest in die Wange. Und das hat diesen Unsinn irgentwie gestoppt – also hat es funktioniert.“Neil Spencer: Public Image Limited. In: Volume Three, Mai 1992. „This Is Not A Love Song war eine Art Antwort auf diese ständige Anfrage der Plattenfirma nach diesen HITS. Irgendjemand sagte: ‚Warum schreibst du kein Liebeslied?‘ Ha, sagte ich, Liebeslied – äh, na, das ist kein Liebeslied!“John Lydon liner notes. In: Public Image Ltd., Plastic Box compilation, Virgin Records, 1999. Pete Jones (2000): „Ich spielte einiges aber nicht alles auf ‚Commercial Zone‘ – ‚Love Song‘, ‚Mad Max‘, ‚Miller High Life‘ und ‚Solitaire‘.“Scott Murphy: Pete Jones Interview. In: The Filth And The Fury fanzine, Juni 2000.

„Mad Max“ / „Bad Life“: John Lydon (1984): „Ursprünglich hieß es Bad Life, dann wurde es in Mad Max umbenannt. Es gab zwei Texte für den gleichen Song […] Dieses Bootleg, das derzeit verfügbar ist [Commercial Zone] – und nicht sein sollte! – sind alles Demobänder und es klingt wirklich, wirklich, wirklich schlecht.“Kathi Gelona: John Lydon Interview. In: The Current, Washington DC, Oktober 1984. Pete Jones (1999/2000): „Gleich nachdem ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, bin ich direkt ins Studio gegangen und habe den Basstrack für Mad Max aufgenommen'.“Michaela Staton: fodderstompf.com, originally on Mondoelectra.com, 2000. „Levene hatte bereits einen Basspart eingespielt. Er war verstimmt und aus dem Takt geraten und von einer Note zur nächsten taumelnd.“Pete Jones: Johnny Tales #3. Petejones.Mcmail.com, 1999.

„Solitaire“: Pete Jones (2000): „Atkins und ich haben Solitaire geschrieben, aber nachdem ich gegangen war, haben sie sich keine Mühe gemacht mich in den Credits zu erwähnen.“

„The Slab“ / „The Order of Death“: John Lydon (1999): „Als ich nach Italien ging um den Film Order of Death zu drehen, baten uns die Produzenten Musik dafür zu machen. Also haben Keith und ich irgendwie ins Telefon gesummt, ich war in Rom und er in New York, und so haben wir die Melodie zusammengestellt. Aber die Produzenten haben ihre Meinung geändert und es nicht verwendet.“ Bob Miller (producer, 2006): „Ich erinnere mich, dass ich über Soundtrack-Sachen gesprochen habe. ‚The Slab‘ war definitiv einer dieser Tracks, aber wirklich jeder Track an dem wir arbeiteten, hätte auf diese Beschreibung zutreffen können.“Scott Murphy: Bob Miller Interview. Fodderstompf.com, August 2006.

„Lou Reed Part 1 & 2“ / „Where Are You?“: John Lydon (1999): „Where Are You? handelt von verstorbenen PiL-Mitgliedern. Mehr sage ich nicht.“ Keith Levene (1983/2001): „Ich weiß nicht, was zwischen Jeannette Lee und John passiert ist, als er mit ihr nach Italien ging um diesen Film zu machen, aber sie verließ die Band danach.“Julie Panebianco: The Keith Levene Guide to Being Rotten. In: New Musical Express, 12. November 1983. „John Lydon war vom Filmdreh zurück gekehrt, wo Jeannette ihn mit hinbegleiten wollte. Als John zurück kam, war Jeannette offiziell nicht mehr in der Band. Wir machten diese Melodie Where Are You? und es ging ausschließlich um Jeannette.“Jason Gross: Keith Levene Interview By Jason Gross, Part 4 of 4. In: Perfect Sound Forever, September 2001. Pete Jones (2000): „Wir haben Lou Reed Part 2 erneut aufgenommen, aber diese Version ist nicht auf Commercial Zone.“

„Blue Water“: Keith Levene (1982): „Eine Single wird vor Weihnachten veröffentlicht . Das Album auf P.E.P. [Public Enterprise Productions] wird folgen.“Elma Gibble: The Great PIL-PEP Rally. In: BravEar fanzine, Dezember 1982.Cary Darling: Music Monitor. In: Billboard, 20. November 1982. Pete Jones (1999/2000): „Seit meiner Zeit bei PiL war es einer meiner Lieblingssongs, wegen der absoluten Dunkelheit und der interessanten Taktart. Als die Rede davon war, dass PiL den Soundtrack zu Order of Death machen würde, stellte ich mir den Backingtrack von Blue Water vielleicht als das Hauptthema des Films vor.“ John Lydon (2004): „Es gibt ein paar B-Seiten, von denen ich glaube, dass sie nie wirklich gehört wurden. Dinge wie Blue Water, als wir einen Sprung im Beat verwendeten, fast wie einen 4-4-2-Schritt.“Scott Murphy: John Lydon Interview. Fodderstompf.com, Januar 2004.

„Miller High Life“ / „Miller Hi-Life“: Pete Jones (2000): „Atkins und ich beendeten die Aufnahmen an Miller High Life selbst, wobei ich dem Song drei oder vier Bassparts hinzufügte.“ Martin Atkins (2001): „Bei Tracks wie Miller Hi-Life war Keith Levene nicht einmal dabei! Es waren nur ich, Pete Jones und Bob Miller, unser Tontechniker, welcher damals schon fast Teil der Band war. Daraus entstand Miller Hi-Life – nun ja, es ist auch nur ein Bier. Wir haben 1982 experimentiert, indem wir Drum-Kits durch Synthesizer geschickt haben. Das haben wir gemacht, wir haben experimentiert.“Scott Murphy: Martin Atkins Interview. Fodderstompf.com, Dezember 2001. Bob Miller (producer, 2006): „Miller Hi-Life war ein Song, denn ich gemacht hatte und der nie wirklich einen Namen hatte. Er konnte wegen all den Dingen die ich daran gemacht hatte nicht remixt werden. Ich schätze also Keith hat ihn genutzt und es Miller Hi-Life genannt.“

Verwandte Titel „This Is Not a Love Song“ (Single Remix): Keith Levene (1983/2003/04): „Ich ging ins Studio um Love Song zu remixen, ich sagte ihnen ‚Ich muss es remixen es ist peinlich‘. Martin rief John in LA an und sagte ihm ich sei im Studio […] John rief an und schrie, ich soll sofort das Studio verlassen, richtig? Ich sagte ‚John, ich kann keinen Song herausbringen, der so klingt!‘“ „Ich habe einen Remix von This Is Not A Love Song gemacht, weil sie diesen wirklich schlechten Mix gemacht haben. Martin lief die ganze Nacht im Studio auf und ab, bis er John erreichern konnte. John sagte nur ‚Raus aus meinem Studio!‘ Ich sagte ‚Dein Studio? Verpiss dich und stirb!‘ als die Japaner an diesem Morgen kamen um die Bänder abzuholen,discogs.com The single was first released by Nippon Columbia in Japan in June 1983 to coincide with PIL’s Japanese tour. It contained both mixes, with Levene's mix titled This Is Not A Love Song (Re-Remixed Version) sagte ich zu Martin ‚Scheiß drauf – ich gebe ihnen beide Mixes und lasse sie entscheiden.‘“ „Als die Japaner ankamen, rief John um 5 Uhr morgens aus LA an und schrie 'Raus aus meinem verdammten Studio' Und ich antwortete ‚Es ist nicht dein verdammtes Studio!‘ usw.“Ben Myers: John Lydon – The Sex Pistols, PIL & Anti-Celebrity. Independent Music Press, 2004, S. 131. „Eine Menge Scheiße ist buchstäblich im Zeitraum von 18 Stunden schief gelaufen, was dazu geführt hat, dass ich einfach ‚Fuck it!‘ gesagt habe“Scott Murphy: Keith Levene Interview. Fodderstompf.com, November 2003.