Comisiones Obreras, deutsch Arbeiterkommissionen, in Spanien häufig CC.OO. abgekürzt, ist eine führende spanische Gewerkschaft. Die Arbeiterkommissionen (Comisiones Obreras) entstanden 1958–1962, ohne dass es schon feste organisatorische Strukturen gab. 1976 gründete sich die Gewerkschaftliche Konföderation der Arbeiterkommissionen (Confederación Sindical de Comisiones Obreras). Sie gehört heute zum Europäischen Gewerkschaftsbund und zum Internationalen Gewerkschaftsbund. 2022 hatte die CCOO 1 411 312 Mitglieder und stellte 22 930 Arbeitnehmervertreter in den Unternehmen Spaniens.Lluita obrera, no 249, CCOO de Catalunya, Mayo de 2023, CCOO en dades, Seite 249

Geschichte mini|Ehrung für politische Gefangene des Franquismus im Gefängnis von Carabanchel: Ariza, CCOO; Redondo, UGT; Camacho, CCOO Nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden die bestehenden Gewerkschaften verboten und aufgelöst. Alle in der Wirtschaft tätigen, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wurden zwangsweise Mitglieder der Organización Sindical Española (OSE). Mit dem 1958 erlassenen Gesetz zu den Tarifverträgen war es allerdings nicht mehr das Ministerium für Arbeit welches Löhne und Arbeitsbedingungen bestimmte. Von nun an gab es Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Auch die francotreue Gewerkschaftsorganisation (OSE, „sindicat vertical“) ließ inzwischen den Einfluss unabhängiger Mitglieder zu. Der kommunistischen Partei Spaniens (PCE) nahestehende Vertreter sahen eine Möglichkeit der Einflussnahme. In den Kämpfen um Verbesserung der Arbeitsbedingungen und während spontaner Arbeitsniederlegungen seit dem Ende der 50er Jahre, besonders aber seit dem Beginn der 60er Jahre liegen die Anfänge der CCOO, zunächst anlassbezogen, flexibel und informell.;Holm-Detlev Köhler: Die Gewerkschaften in Spanien. Organisation, Rahmenbedingungen, Herausforderungen, FES, Berlin 2018, S. 4, 5.

Franco-Diktatur

In einer ersten Phase bis 1962 erschienen die Vorläufer der CCOO häufig in Ad-Hoc-Streikkommissionen, teils auch in den staatlichen Syndikaten, in Basisorganisationen der katholischen Kirche und in Gruppen der spanischen Kommunisten (PCE) im Untergrund. In betrieblichen Arbeiterversammlungen wurden Delegierte in ein Betriebskomitee (Arbeiterkommission) gewählt, die die Aufgabe hatte, mit der Betriebsleitung über z. B. Lohnerhöhungen zu verhandeln. Später stellte man in einer weiteren Versammlung die Ergebnisse vor und hatte seinen Wahlauftrag erfüllt und trat zurück. Es herrschte das Prinzip einer direkten Demokratie, die nach Marcelino Camacho „das grundlegende Prinzip der Bewegung“ darstellte.

Ab 1962 wurde versucht, die Organisationsformen weiterzuentwickeln. Es ging um die Institutionalisierung und das Beibehalten der Arbeiterkommissionen. Man suchte auch den Kontakt zu anderen Betrieben, um die Isolierung zu überwinden. 1964 trafen sich im Frühjahr 1964 ca. 600 aktive Gewerkschafter und Betriebsräte zur Beratung über eine kommende Lohnrunde in der Metallindustrie. Sogar zwei Generalversammlungen (Asamblea General) der Arbeiterkommissionen fanden im Juni und Dezember 1967 statt. Das Prinzip der Koordinierung der verschiedenen Forderungen und Kampagnen setzte sich ab 1967 immer weiter durch.

Nach den Erfolgen der zweiten Phasen setzte in einer dritten Phase (1967–1970) die Repression des franquistischen Staates in der Wirtschaftskrise 1966/67 massiv ein. Hatten die Behörden anfänglich geglaubt, die Arbeiterkommissionen in die Strukturen der staatlichen vertikalen Syndikate integrieren zu können, hatten ihnen die Erfolge der Arbeiterkommissionen bei den Syndikatswahlen 1966 und die Weiterentwicklung der Arbeiterkommissionen gezeigt, dass das unmöglich war. Im März 1967 wurden die Arbeiterkommissionen vom Obersten Gerichtshof zur „illegalen Vereinigung“ erklärt und mit aller Härte verfolgt. Viele Gewerkschafter, häufig auch Mitglieder der verbotenen kommunistischen Partei, bezahlten ihr Engagement mit Entlassung, Repression und Gefängnis. Man sah sich in dieser Zeit eher als „sozio- politische Bewegung“ denn als institutionalisierte Gewerkschaft. Schon 1966 hatte man gleichwohl den Gedanken an eine starke einheitliche und demokratische Gewerkschaft für die Zukunft entwickelt.

Ab 1970 beginnt die letzte Phase der Arbeiterkommissionen im Franquismus mit einer massiven Welle von Streiks. Trotz der fortgesetzten staatlichen Repressionen, die schon Ausdruck der Hilflosigkeit des Regimes waren, setzte eine organisatorische Konsolidierung der Arbeiterkommissionen ein. Dafür sorgte das Regime auch mit Gerichtsverfahren. Besonders der Prozess „1001“ in den Jahren 1972/73 gegen zehn führende Mitglieder der Arbeiterkommissionen sorgte im In- und Ausland für Aufsehen und Solidarität. Bekanntheit und Ansehen der Arbeiterkommissionen steigerten sich mit dem Grad der Repression. 1975 im Sterbejahr Francos waren die Arbeiterkommissionen (CCOO) die flexibelste, effektivste und stärkste demokratische Massenorganisation Spaniens.;Holm-Detlev Köhler: Die Gewerkschaften in Spanien. Organisation, Rahmenbedingungen, Herausforderungen. FES, Berlin 2018, S. 5.

Übergangszeit von der Diktatur zur Demokratie (Transición) mini|Beisetzung der ermordeten Arbeiteranwälte von Atocha Während der Transición kämpften die Arbeiterkommissionen mit drei großen Problemen. Zum einen mit den alten Problemen der Repression, der Illegalität und des Übergangs, Fragen, die jetzt, da das Regime schwankte, noch drängender waren. Außerdem musste die Frage nach der organisatorischen Zukunft geklärt werden. Damit verbunden, musste man sich auch neuer Konkurrenz stellen.

Den Arbeiterkommissionen war mittlerweile ein großer Konkurrent aus dem Lager der historischen Gewerkschaften entstanden: die sozialdemokratisch- orientierte UGT, die auch mit massiver organisatorischer und finanzieller Hilfe der FES als zweite große Gewerkschaft neu entstand und nach Francos Tod zügig die Zulassung erhielt. Die Arbeiterkommissionen waren auch in der Transición ein wichtiger Akteur, der spürbar an Bedeutung gewonnen hatte. Auch nach Francos Tod organisierten sie viele Streiks vom November 1975 bis zum März 1977, so dass die tiefe wirtschaftliche, soziale, gesellschaftliche und politische Krise des Regimes deutlich zu Tage trat.

Die Frage der Illegalität und der zukünftigen Organisationsform verknüpften sich in der Vorgeschichte der Nationalen Konferenz der Arbeiterkommissionen am 11. Juli 1976 in Barcelona. Es war eine Richtungskonferenz im Juni 1976 in Madrid geplant gewesen, die aber, anders als die Konferenz der UGT, verboten worden war. Man suchte nach einer Alternative und fand sie in Barcelona. Im Schutz einer Kirche, Sant Medir, tagten Delegierte aus ganz Spanien und trafen eine wichtige Richtungsentscheidung mit dem Beschluss der Gründung einer eigenen Gewerkschaft. Diese Konferenz war der wichtigste Anstoß zur formellen Gründung, die dann im Oktober in Madrid in einer Rechtsanwaltskanzlei erfolgte, die drei Monate später von einem rechtsgerichteten Mordkommando überfallen wurde und fünf Mitglieder der Kanzlei beklagen musste. Im Jahr 1976 hatte man sich auch von Plänen einer Einheitsgewerkschaft verabschieden müssen, hinter denen die Sozialisten den Versuch einer Vereinnahmung der UGT vermuteten.

Der Tod Francos stellte die Hauptfrage, wie der Übergang zur Demokratie gelingen konnte. Die Arbeiterkommissionen leisteten ihren Beitrag in der Lösung programmatischer und organisatorischer Fragen, jedoch gaben sie zusammen mit den anderen mittlerweile existierenden Gewerkschaften durch eine massive Streikwelle dem Demokratisierungsprozess den benötigten Veränderungsdruck. 1976 summierten sich die durch Streiks verlorenen Arbeitsstunden auf 149 Millionen, 1977 noch auf 109 Millionen. Damit wuchs der Druck auf die politischen Akteure, den Reformprozess zu forcieren. Im Frühjahr 1977 wurden Arbeiterkommissionen und die PCE schließlich legalisiert, wie von den anderen demokratischen Kräften gefordert. Ab September 1977 gelang es den Arbeiterkommissionen, besonders viele neue Mitglieder zu gewinnen und in den Betriebskomitees eine wichtige Rolle zu spielen. Bei den Betriebskomitee-Wahlen im Frühjahr 1978 gewannen die Arbeiterkommissionen vor der UGT. Ihre Wähler honorierten offensichtlich ihren Einsatz während der franquistischen Diktatur.

mini|Madrid, 1. Mai 1978, Marcelino Camacho verlässt die Tribüne

Gewerkschaftliche Arbeit im demokratischen Spanien (ab 1980 bis heute) In den 1980er Jahren, besonders in der ersten Hälfte, spiegelt sich in der Entwicklung der Arbeiterkommissionen die schwere Wirtschaftskrise, in der sich Spanien befand. Das wichtigste Ergebnis der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ist sicher die weitgehende gewerkschaftliche Zusammenarbeit der Arbeiterkommissionen und der UGT, also der zwei größten spanischen Gewerkschaften in den Verhandlungen mit Arbeitgebern und den jeweiligen Regierungen, egal von welcher Partei getragen. Weltanschauliche Unterschiede spielten seitdem kaum noch eine Rolle.

Programm und Statute Anfänglich, unter dem Einfluss der PCE, wollten die Arbeiterkommissionen neben der gewerkschaftlichen Arbeit am Aufbau von Demokratie und Sozialismus mitarbeiten. Nach einem Prozess der zunehmenden Unabhängigkeit von jeglichen politischen Parteien lauten die aktuellen Grundsätze von 2021:

„CCOO ist eine pluralistische Gewerkschaft, offen für alle Arbeitnehmer, unabhängig von ihrer Ideologie, Philosophie, politischen oder religiösen Auffassung, unter Achtung der Menschenrechte und demokratischen Normen.“

Die Arbeiterkommissionen wollen für eine gerechtere, demokratischere und partizipativere Gesellschaft kämpfen. mini|Parolen: Gleichheit. Weniger Worte, Mehr Taten. Die Arbeiterkommissionen verstehen sich 2021 als... einheitlich und demokratisch pluralistisch und partizipativ feministisch, für Männer und Frauen autonom und unabhängig von Wirtschaftsmächten, dem Staat und anderen Interessen außerhalb ihrer Ziele sowie von politischen Parteien gesellschaftspolitisch aufgeschlossen internationalistisch multiethnisch und multikulturell

Organisation Verfassungsmäßiger Rahmen Gewerkschaften, ihre Organisation und ihr Wirken werden in der spanischen Verfassung ausdrücklich erwähnt. Der Artikel 7 bestimmt das Recht der spanischen Bürger, sich frei zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen in Gewerkschaften zu organisieren. Die innere Struktur der Gewerkschaften hat demokratisch zu sein. Der Artikel 28 Absatz 1 weist darauf hin, dass der Gesetzgeber per Gesetz in Einheiten und Einrichtungen, die militärischer Disziplin unterliegen, dieses Recht ausgesetzt werden kann. Art. 28 Satz 2 garantiert das Streikrecht.

Dachverband Die Gewerkschaftliche Konföderation der Arbeiterkommissionen (Confederación Sindical de Comisiones Obreras) ist ein gewerkschaftlicher Dachverband, der aus Fachgewerkschaften und territorialen Verbänden besteht:

Mitgliedsgewerkschaften (Föderationen) Die Zahl der Einzelgewerkschaften ist in den letzten Jahren stark verringert worden, indem man Branchen zusammengelegt hat, um in der gewerkschaftlichen Arbeit größere Effektivität zu erzielenccoo.es. Gewerkschaft (CCOO) Öffentliche Dienste Gewerkschaft (CCOO) Habitat (natürlicher Lebensraum) Gewerkschaft (CCOO) Erziehung Gewerkschaft (CCOO) Industrie Gewerkschaft (CCOO) Rentner und Pensionäre Gewerkschaft (CCOO) Gesundheitswesen Gewerkschaft (CCOO) Dienstleistungen

Territoriale Mitgliedsverbände mini|Autonome Regionen Spaniens Es gibt Arbeiterkommissionen von Andalusien, Aragon, Asturien, der Kanaren, von Kantabrien, Katalonien, Kastilien-La Mancha, Kastilien-Leon, Ceuta, des Baskenlandes, der Extremadura, von Galizien, der Balearen, von La Rioja, von Madrid, von Melilla, von Murcia, von Navarra und vom Land Valencia.

Organe Nach Artikel 26 der Statuten der Gewerkschaftlichen Konföderation Arbeiterkommissionen (Confederación Sindical Comisiónes Obreras) gibt es folgende Gremien:

A. Der Konföderale Kongress (Art. 27, Statuten)