mini|hochkant=1.3|Forstweg im Forstenrieder Park mini|hochkant=1.3|Waldeingang beim Forsthaus Oberdill Der Forstenrieder Park ist ein großflächiges Waldgebiet südwestlich von München. Der Staatsforst, aus dem er hauptsächlich besteht, liegt im Landkreis München größtenteils auf gemeindefreiem Gebiet, das eine Fläche von 37,09 km² aufweist. Er bildet zusammen mit dem nahtlos sich nordwestlich anschließenden Forst Kasten und dem Fürstenrieder Wald ein 49,12 km² großes Landschaftsschutzgebiet. Die ehemaligen Hutewälder und das ehemalige Jagdgebiet des Adels und der Wittelsbachischen Landesherren haben eine weit in die Vergangenheit reichende Geschichte und sind heute als ausgedehnter Nadel- und Mischwald von Bedeutung als Rohstoffquelle, Trinkwasserfördergebiet und für das lokale Klima. Ferner hat sich das Gebiet als Rückzugsfläche einiger seltener Pflanzen- und Tierarten etabliert. Es ist Teil des Münchner Grüngürtels. Nicht zuletzt dient der Forstenrieder Park zur Erholung und zu zahlreichen Freizeitaktivitäten der Münchner Stadtbevölkerung.
Geographie und Geologie Lage
Der Forstenrieder Park stößt an die südliche Stadtgrenze von München und dort an die Stadtteile Solln, Forstenried und Fürstenried. Des Weiteren grenzt er an die Gebiete der Orte (im Uhrzeigersinn) Pullach, Baierbrunn, Hohenschäftlarn, Oberdill, Leutstetten, Buchendorf und Neuried. Die Autobahn München–Garmisch-Partenkirchen (A 95) und die direkt neben ihr verlaufende Landstraße München–Starnberg (Staatsstraße 2065) teilen den Park in zwei Teile. Im Osten wird der Wald stellenweise durch die Bundesstraße 11 München–Wolfratshausen begrenzt.
Geologie In der letzten Kaltzeit (Würmeiszeit) transportierten Schmelzwässer des Isar-Loisach-Gletschers gewaltige Mengen abgerundeten Schotters nach Norden, unter anderem in die Münchner Schotterebene, auf welcher der größte Teil des Parks liegt. In dessen nördlichem Teil ist die eiszeitliche Schotterdecke durchschnittlich 20 bis 30 Meter dick und liegt den grundwasserstauenden, voreiszeitlichen Ablagerungen der oberen Süßwassermolasse (Flinz) auf. Im südlichen Teil sind Alt-Moränen und lössbedeckte Schotter der vorletzten Eiszeit (Rißeiszeit) zwischen den würmeiszeitlichen Abflussrinnen liegen geblieben. Diese Bereiche sind von bis zu 5 Kilometer langen und bis zu 10 Meter tief eingeschnittenen Tälern mit Fließerden und Periglazialschottern durchzogen, wie z. B. das Ottertal.
Gliederung Auf das gemeindefreie Gebiet Forstenrieder Park entfallen vier Staatsforstdistrikte, die mit aufsteigenden Römischen Zahlen nummeriert sind. Sie sind auch durch Flurnamen bezeichnet, da sie gleichzeitig Fluren sind. Sie sind wiederum in Abteilungen untergliedert, die nur durch aufsteigende natürliche Zahlen bezeichnet sind und die Flurstücken entsprechen. Die Flurstücksnummern der Flurstücke im Grundbuch sind andere als die Nummern der Abteilungen. An den Grenzen dieser Flurstücke orientieren sich die allermeisten Wege und Geräumte im Gebiet:Der Forstenrieder Park im BayernAtlas Staatsforstdistrikt XII Hirschwiese (im Osten) Staatsforstdistrikt XIII Spitzelsgräben (im Süden) Staatsforstdistrikt XV Heuberg (im Westen) Staatsforstdistrikt XVI Sauschütt (im Norden)
Der Forstenrieder Park umfasste seit der vollständigen Vermessung und Neuvermarkung 1796 diese vier Distrikte, ohne die Pullacher Hölzer. Durch die Ausgliederung aller Privatgrundstücke 1803 erhielt der Forstenrieder Park im Wesentlichen seine heutige Ausdehnung.Alfred Hutterer: Am Brunnen der Baiern. Selbstverlag, Baierbrunn 1985. Hier: „Siedlung Buchenhain“, S. 240. Die Distrikte werden voneinander abgegrenzt durch die in nordost-südwestlicher Richtung verlaufende BAB 95, die in diesem Abschnitt der historischen Chauſsee von Starnberg nach München folgt,Historische Flurkarte im BayernAtlas sowie durch das etwa rechtwinklig dazu verlaufende Ludwigs-Geräumt.
Im Nordosten weist der Forstenrieder Park eine rund 910 m² große Enklave der Stadt München auf, wo sich das Forsthaus Hubertus befindet.
Geräumte Das Waldgebiet ist weiter durch meist parallel und rechtwinklig zueinander verlaufende dauerhaft waldfrei gemachte Schneisen, Geräumte genannt, in rechteckige Abteilungen (Staatsforstreviere) unterteilt. Die Summe der Fläche der Staatsforstreviere beträgt etwa 3.900 Hektar.
In ihrem heutigen Verlauf gehen die Geräumte auf eine Neueinteilung im Jahr 1809 zurück. Sie sind mit Namen aus der bayerischen Königsfamilie oder anderer bedeutender Bayern bezeichnet.
Die Nordwest nach Südost verlaufenen Geräumte sind (von Nordost aus) das Link-Geräumt (die direkte Verbindung von Neuried nach Pullach), das Zyllnhard-Geräumt (nach Karl von Zyllnhard), das Preysing-Geräumt (nach Johann Maximilian IV. von Preysing, s. a. Preysingsäule), das Ludwigs-Geräumt (nach König Ludwig I.), das Hompesch-Geräumt (nach Johann Wilhelm von Hompesch), das Marien-Geräumt (nach Prinzessin Maria Anna), das Friederiken-Geräumt (nach Königin Friederike Karoline Wilhelmine) sowie das Dillis-Geräumt (nach Johann Georg von Dillis) bei Oberdill und das dieses weiter östlich fortsetzende Amalien-Geräumt (nach Prinzessin Amalie Auguste). Die von Nordost nach Südwest verlaufenen Geräumte sind (von Nordwest aus) das Elisen-Geräumt (nach Prinzessin Elisabeth Ludovika), das Max-Joseph-Geräumt (nach König Maximilian I. Joseph), das Karl-Geräumt (nach Prinz Karl), das Theresien-Geräumt (nach Königin Therese), das Karolinen-Geräumt (ebenfalls nach Königin Friederike Karoline Wilhelmine), das Augusten-Geräumt (nach Prinzessin Auguste) und das Charlotten-Geräumt (nach Prinzessin Karoline Charlotte Auguste)https://atlas.bayern.de/?c=685147,5323718&z=15&l=tk&t=ba.
Vereinzelt gibt es zusätzliche Wege parallel zwischen den Geräumten sowie nicht dem Raster folgende Wege wie ein Römerstraße genannter Forstweg, der dem Verlauf der Via Julia zwischen Buchendorf und Buchenhain folgt, das Neurieder Straßl vom Ludwigs-Geräumt nach Neuried, der Neuhauser Weg von Unterdill aus nach Süden, der von diesem abzweigende Warnberger Weg nach Warnberg und der Weg durch das OttertalTK 50, Blatt 7934 – München.
Geschichte 14. bis 18. Jahrhundert 1399 kaufte Herzog Ludwig der Gebartete die Veste Baierbrunn zusammen mit dem Forst. Von dieser Zeit an war der Forstenrieder Park das bevorzugte Jagdgebiet der Wittelsbacher und genoss daher über Jahrhunderte einen besonderen Schutz. Nach der Überlieferung herrschte zwischen 1640 und 1650 eine große Wolfsplage im Forstenrieder Park. Zur Ausübung der Parforcejagd ließ Kurfürst Max Emanuel ab 1687 Schneisen („Geräumte“), Wege und Sternplätze einrichten.
Früher erstreckte sich der Wald weit über seine heutigen Grenzen hinaus, bis zum Schloss Fürstenried, welches seinerzeit Kurfürst Max Emanuel als Jagdschloss mitten in dem damals genannten Hirschjagdpark erbauen ließ. Vorbild der Gesamtanlage war sein Schloss Bouchefort bei Brüssel. Schloss Fürstenried diente zur Unterbringung der Jagdgesellschaften, für Bankette, Feste und Bälle. Max Emanuels Nachfolger Kurfürst Karl Albrecht ließ 1733–1735 vier weitere „Jagdlusthäuser“ im Park errichten, das so genannte gelbe, blaue, rote und grüne Haus. Es war dies die Zeit der großen Parforcejagden. miniatur|Gemälde Parforcejagd am Gelben Haus von Peter Jakob Horemans
Das Gelbe Haus gehörte zu den ab 1733 errichteten Jagdlusthäusern. Diese waren aus Holz und wurden nach ihrem Farbanstrich benannt. Sie dienten der höfischen Jagdgesellschaft zur Verpflegung und wohl auch zur Übernachtung. Das Gelbe Haus, das von Johann Jakob Küchel auf seiner Reise durch München beschrieben wurde, hatte einen der Pagodenburg im Nymphenburger Park vergleichbaren Grundriss und war von acht Pavillons umgeben. Es lag in dem Karree, das heute aus Zyllnhard-, Augusten-, Preysinggeräumt und dem Spitzelbergweg gebildet wird. Diese Stelle liegt heute unscheinbar mitten im Wald, damals führte einer von sternförmig ausgehenden Wegen (Carlsstern) direkt zum Fürstenrieder Schloss. 1746 wurde das Gelbe Haus bereits wieder abgerissen, von ihm sind keine Relikte mehr vorhanden.
19. Jahrhundert Aus Anlass der Ernennung Bayerns zum Königreich fand am 6. Januar 1806 eine Hofjagd mit Napoleon I. im Forstenrieder Park statt. mini|Historische Karte von 1877 Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wandelte sich allmählich die Nutzung des Waldes. Im Jahr 1810 gab es die erste Forsteinrichtung und anstelle der alten Jagdschneisen wurden die Geräumte (zum Behuf der Jagd in den Wald gehauene Wege) angelegt. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden im Park unter König Max II. die großen Zeugjagden mit anschließenden festlichen Hofjagdtafeln in Fürstenried statt. Für diese Jagden wurden auf einem Gelände von etwa 60 Tagewerk Tücher und Netze aufgezogen und das Wild durch nächtliche Feuer, Treiber und Hunde hineingejagt. Von einer nahestehenden Tribüne schossen dann die „Jäger“ das heranstürmende Wild ab. Wegen zu hoher Kostspieligkeit wurden diese Jagden, bei welchen an die 100 Edel- und Damhirsche, 100 Wildschweine, 20 Rehböcke und zahllose Hasen und Füchse fielen, aber wieder abgeschafft.
Für den Schutz vor Wildschäden wurde 1850 ein Zaun errichtet. Der westliche Teil des Parks wurde 1919 wieder ausgezäunt. Da es entlang der Straße zwischen München und Starnberg jedoch häufig zu Verkehrsunfällen durch Wildwechsel kam, wurde später an beiden Seiten dieser Straße ein neuer Zaun errichtet.
Seit 1853, als die Pullacher Privatwaldungen sowie der Buchendorfer Gemeindewald ausgegliedert wurden, existiert der Park in seiner jetzigen Gestalt.
Zwischen 1889 und 1892 vernichteten Nonnenraupen einen erheblichen Teil des Baumbestandes im Osten des Parks. Rund 550.000 Festmeter Holz mussten seinerzeit geschlagen werden. Anschließend wurde dieser Bereich neu aufgeforstet.
20. Jahrhundert Über 500 Jahre lang hatten die Wittelsbacher im Wald, Schlössern und der Landschaft ihre Wurzeln gelegt. Kurz vor dem Ende der Monarchie erlegte König Ludwig III. dann den letzten bayerischen „Königshirsch“. An dieses Ereignis vom 7. Oktober 1918 erinnert eine Gedenksäule. Das „Marterl für den Königshirschen“ wird heute im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München ausgestellt. miniatur|Gasthaus der Schießstätte Hubertus Der Park wurde 1912, 1915, 1920, 1921 und 1926 von Waldbränden heimgesucht, nachdem er auch bereits früher, unter anderem in den Jahren 1747 und 1815, durch Brände mehr oder weniger schwer verwüstet wurde. Viele dieser Brände waren durch unvorsichtiges Handeln entstanden. In der Neuzeit blieb der Wald dank der verbesserten Infrastruktur und der Umsicht seiner Besucher von Bränden verschont.
An der Grenze zum Forstenrieder Ortsteil Unterdill wurde 1924 die Schießstätte Hubertus erbaut, die heute noch regelmäßig für Schießveranstaltungen genutzt wird. 1925 legte man entlang des Ludwigsgeräumts in südost-nordwestlicher Richtung eine Starkstromleitung an.
Am 11. August 1932 wurde im Forstenrieder Park das erste nationalsozialistische Arbeitsdienstlager Oberbayerns eröffnet, das vier Jahre später nach Hermann Gmelin benannt wurde, einem tödlich verunglückten NSDAP-Kreisleiter (nicht zu verwechseln mit dem Romanisten Hermann Gmelin).Freunde des Forstenrieder Parks e. V. (Hrsg.): Der Forstenrieder Park – Von der Jagdgesellschaft zum Erholungsgebiet, MünchenVerlag, München 2012, ISBN 978-3-937090-61-0, S. 108. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 1936 begradigte man die Landstraße von München nach Starnberg und baute sie aus. Seitdem trägt sie den Namen Olympiastraße.