Wernberg ist ein Ortsteil des oberpfälzischen Marktes Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf des Regierungsbezirks Oberpfalz im Freistaat Bayern. Erst im Jahr 1974 ging der historisch gewachsene Markt Wernberg im neuen Markt Wernberg-Köblitz auf. mini|300px|Wernberg (2021)
Geografie Wernberg liegt zentral in der Oberpfalz, 3 Kilometer nördlich des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald und ca. 30 Kilometer westlich der Grenze von Tschechien.
Etymologie Ähnliche bzw. gleiche Namen finden sich in WerdensteinWerdenstein, Burgstall bei Etzelwang, Landkreis Amberg-Sulzbach, Bayern., Werdenberg in der SchweizWerdenberg, Gemeinde Grabs, Kanton St. Gallen, Schweiz., Werdenberg in NiederösterreichWerdenberg bei/in Eitzerstal, Gemeinde Göllersdorf/Hollabrunn, Niederösterreich., Wernberg in KärntenWernberg in Kärnten, Österreich, Partnerschaftsgemeinde zu Wernberg-Köblitz., WerndorfWerndorf, Steiermark, Österreich., WerneckWerneck, Landkreis Schweinfurt, Bayern..
Der Name für Wernberg in der Oberpfalz ist eindeutig ein ehemaliger Burgenname, den nicht nur die unterhalb wachsende Siedlung übernommen hatte, sondern auch die Familie Nothaft „von Wernberg“, deren Namensschreibweise sich später zu „Notthafft von Wernberg“ entwickelte.
Für den Namen des Oberpfälzischen Wernberg finden sich unterschiedliche Schreibweisen: (1280) „Werdenberch“StAAm, Urk. Leuchtenberg Landgrafschaft Nr. 1., (1352) „Werdenberg“StAAm, Urk. Leuchtenberg Landgrafschaft Nr. 41., (1356) „Wernberch“StAAm, Urk. Leuchtenberg, Landgrafschaft Nr. 50., (1381) „Wernberg“StAAm, Urk. Leuchtenberg Landgrafschaft Nr. 136., (1399) „Bernberck“StAAm, Urk. Leuchtenberg Landgrafschaft Nr. 233., (1410) „Wernberg“BayHStAM, Urk. Augsburg Hochstift Nr. 697., (1440) „Wernberg“BayHStAM, Nothaft-Archiv Nr. 398..
Grundwort ist mittelhochdeutsch „berc“ <Berg>. Bestimmungswort wohl „wert“ <wert, kostbar, herrlich>, das dann zur Bezeichnung der Burg diente. Nicht auszuschließen ist aber auch der Imperativ von mittelhochdeutsch „wern, weren“ <schützen, verteidigen>, verbunden mit dem Artikel, sodass sich damit die Bedeutung <schütze die Burg!> ergäbeWolf Armin von Reitzenstein, Lexikon bayerischer Ortsnamen, Herkunft und Bedeutung, Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, München 2006, S. 302..
Die Bezeichnung „Unterwernberg“ für die frühesten Bediensteten-Häuser im Burgumgriff ist als Lagebezeichnung zu verstehen.
Für „Schütthütten“ liegt sowohl die Bezeichnung einfachster Gebäude als auch der Hinweis auf eine Erzlagerstätte zum Weitervertrieb mit der Wurzel „schütten“ für Eisenerzschüttungen nahe.
Geschichte Der Markt Wernberg entwickelte sich im 16. Jahrhundert aus den beiden Siedlungen Unterwernberg und Schütthütten, in den dann sehr bald das Dorf Wohlsbach einbezogen wurde. Die Flurnamen geben Hinweise auf mögliche, abgegangene Vorgängersiedlungen im Umfeld.
Vorgängersiedlungen Zu nennen sind hier die Hannhöfe bei Wernberg, die im ältesten Leuchtenberger Lehenbuch noch 1396/1399 fassbar waren.Georg Völkl, Das älteste Leuchtenberger Lehenbuch, Quellen zur Oberpfälzer Siedlungsgeschichte, in Verhandlungen des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, 96. Band, S. 326. Die Lage dieser Siedlung lässt sich jedoch derzeit nicht mehr verorten. Anders beim Burgstall Moosranken, der in der Vermessungsuraufnahme noch als Flurname erkennbar ist.Nordöstlich von Wohlsbach. am Kötschdorfer Bach.
Ebenfalls ungeklärt ist die Lage von Nassenhard„Item Eberhart Losaner hat zu lehen ……einen hof zu Nazzenharde (Nassenhard, untergegangene Siedlung. Vier Weiher zu Nassenhard werden 1490 der Kirche in Nabburg übergeben).“ Die Zuordnung zu Eberhart Losaner legt den Raum zwischen Wernberg-Losau und Woppenhof nahe. Aus der Namensbezeichnung wäre der Raum des unteren Schilterbachtales denkbar. Vergl. Georg Völkl, Das älteste Leuchtenberger Lehenbuch, Quellen zur Oberpfälzer Siedlungsgeschichte, in Verhandlungen des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, 96. Band, S. 294f. Hans Wagner, Regesten zur Geschichte der Stadt Weiden 1936, S. 121f. Nr. 478..
Der Enzkoßhof, der im ältesten Leuchtenberger Lehenbuch als eingegangene Siedlung bei Wernberg berichtet wirdGeorg Völkl, Das älteste Leuchtenberger Lehenbuch, Quellen zur Oberpfälzer Siedlungsgeschichte, in Verhandlungen des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, 96. Band, S. 294f., lässt sich möglicherweise in den historischen Flurbezeichnungen Enzelshof und Enzelshofholz zwischen Woppenhof und Losau neu verorten.
Unterwernberg Im unmittelbaren Umgriff südlich der Burg Wernberg siedelten sich Bedienstete sowie Wach- und Hilfspersonal an. Noch bei der Teilung der Herrschaft Wernberg im Jahr 1470 wird die Siedlung beschrieben mit 2 Torwärtl, das Amtsmannshaus und ein Erhard Schuester am Berg. Auch eine Taverne ist ausgewiesen, um die es mehrfach Streit gab.BayHStA München, Nothaft-Archiv U 1469 XII. 13;
BayHStA München, Regensburg Hochstift U 1470 I. 23;
StAAm, Gerichtsliteralien Obere und Jüngere Pfalz, Leuchtenberg Nr. 3;
StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, Nr. 4604;
Bettina Mai-Schillok, Quellenforschung zur Baugeschichte der Burg Wernberg, Marktarchiv Wernberg-Köblitz, 1993, S. 7.
Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg 1952–1956, Band 3, S. 148ff.
Oberpfälzer Zeitblatt 1847, S. 628ff, Burgfrieden auf Wernberg 1470.
Langsam entwickelte sich die Siedlung im Vorfeld der Burg, dehnte sich aus und wuchs den Berg hinunter ins Tal. Erstmals wird der Name „Unterwernberg“ genannt: Im Jahr 1530, als die Landgrafen von Leuchtenberg die Herrschaft Wernberg zurückerwarben, waren hier 2 Lehen „bei dem Schloß“ und „6 Lehen sowie 2 Häuslein und neu aufgebaute Güter“.Dieter Bernd: . In: . Reihe I, Heft 39. Komm. für Bayerische Landesgeschichte, München 1977, ISBN 3-7696-9900-9 (Digitalisat)., S. 185;
StAAm, Standbuch Nr. 1194. Unterwernberg wuchs schließlich mit Schütthütten zusammen und bildete den gemeinsamen späteren Markt Wernberg. Im Volksmund scheint sich der Name Unterwernberg lange gehalten haben. Noch im Jahr 1872 taucht er in den Pfarrmatrikeln von St. Emmeram in Oberköblitz auf.Diözesanarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Köblitz, Fiche Nr. 98 (Jahr 1872), 1846–1891.
Bezeichnend ist, dass 1863 bei der statistischen Erfassung des Landes der „Schlossberg“ mit 68 Einwohnern neben „Wolfsbach“ als eigener Ortsteil des Marktes Wernberg ausgewiesen wurde.Joseph Heyberger, Joseph Domenichi, Lodovico Landi, Oberpfalz und Regensburg, Schwaben und Neuburg, Abtheilung 1, Oberpfalz und Regensburg, München 1863;
Joseph Heyberger, Christian Schmitt. v. Wachter, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern - Beschreibung des Regierungsbezirkes Oberpfalz und Regensburg (Bavaria 5), München 1867.
Schütthütten Um 1470 war am östlichen Rand des Dorfes Wohlsbach ein Damm zur Stauung des Schilterbaches aufgeschüttet worden (im Volksmund später der Weiherdamm). Die damals sogenannte „Pader-Thamm-Mühle“ war im Aufbau.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 3, S. 148ff, vom 15. Februar 1470.
StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg Nr. 3. Bald kamen weitere Gebäude dazu.
Zwischen 1470 und 1475 wurde die Taverne, die früher bei der Burg Wernberg lag und um die es „Irrungen“ gegeben hatte, ins Tal verlagert. Sie wird dort anlässlich eines Weiterverkaufs erstmals am 6. April 1475 erwähnt.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 6. April 1475. Sie hatte also schon vorher bestanden. Bereits bei dieser Ersterwähnung im Tal taucht der Name „Tafern genannt die Schithütten“ auf. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Köblitzer Erzschütte für die Zwischenlagerung und zum Weitervertrieb nach Süden, Norden und Osten von Köblitz hierher ans Wirtshaus verlagert wurde.
Als Georg Wispeck, der die Herrschaft Wernberg 1509 von den Ganerben Nothaft erworben hatteStAAm, Staatseigene Urkunden 1182 vom 25. Dezember 1509., transferierte er 1516 das Benefizium der Schlosskapelle in die durch ihn neu erbaute St. Anna-Kapelle im Tal.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg Urk. vom 12. März 1516.
Als dann 1530 die Landgrafen von Leuchtenberg die Herrschaft Wernberg zurückerworben hatten, begannen systematische Fördermaßnahmen, die schließlich zum Markt Wernberg führten. 1560 wurde für Wernberg ein eigenes Wappen verliehen, das für Rechtsgeschäfte der Einwohner von Unterwernberg-Schütthütten mitbenutzt werden konnte,StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 2. August 1560. 1583 wurde nach vorangegangenen Schwierigkeiten in der Besteuerung erlaubt, die anstehende Türkensteuer selbst einzuheben, wobei der Ort in den Belegen erstmalig als Markt bezeichnet wird.StAAm, LG Leuchtenberg 9301. 1592 wurden als letzter Schritt einer vollständigen Marktausprägung landgräfliche Liegenschaften zur Selbstverwaltung übertragen.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 1. Januar 1592. Wernberg gehört damit zu den späten Marktgründungen in Bayern. Als erste „Ratsfreunde zu Unterwernberg“ tauchen Kaspar Reger und Hans Grueber 1561 bei Rechtsgeschäften des Pflegers als Zeugen auf.Richard Hoffmann, Felix Mader, Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, hrsg. im Auftrag des kgl. Bayer. Staatsministeriums des Innern für Kirchen und Schul-Angelegenheiten, neunter Band, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, Bezirksamt Neustadt/WN, Nachdruck, München/Wien 1983, S. 16 vom 11. März 1561. In gleicher Funktion finden sich 1574 Erhard Ainsidl und Erhard Zengl.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 8. Februar 1574. Zum ersten Mal nannte sich im gleichen Jahr Kaspar Reger „Bürgermeister“.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 5, S. 10f. Kaspar Reger stiftete eine Wiese zu St. Sigmund in Pfreimd. Sein Bruder Ottmar war landgräflicher Rat und Rentmeister.
Trotz dieser Selbstverwaltung als Markt Wernberg hielt sich der Name Schütthütten noch lange. Der Name Schütthütt findet sich auf historischen Kartenwerken bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts,Beispiel, Homann’sche Karte von 1759: Schüthütt. in seiner Bekanntheit als Poststation noch bis in die Zeit um 1830.In der geographisch-statistischen Beschreibung des Regenkreises wurde festgehalten: "Wernberg, sonst Schütthütten, Markt an der Naab an der Straße nach Eger, zwischen Pfreimdt und Luhe....." Erst dann setzte sich der Ortsname Wernberg durch.
Markt Wernberg Verkehrsentwicklung
Zur Gegenfinanzierung des breiten Brückenbaus zwischen Unterköblitz und Schütthütten (1589) wurde nach längeren Diskussionen 1594 vom Regensburger Reichstag die Einrichtung einer Zollstelle in Schütthütten-Wernberg bewilligt.Annemarie Krauss, Vierhundert Jahre Brücke in Wernberg-Schütthtten, erschienen in Oberpfälzer Heimat, Weiden 1990, Band 34, S. 78ff;
Die Brücke war so breit, dass "zwei Preßler Fuhrleut", also große Frachtfuhrwerke aus Bresslau, im Gegenverkehr den Naabübergang benutzen konnten.
Die bald darauf eingegangenen Beschwerden umliegender Städte und Märkte über den Ausfall von Zolleinnahmen zeigen, dass der Verkehr über die Brücke sehr schnell zunahm. Im Raum Wernberg-Köblitz verlor sowohl der Flussübergang bei Köblitz als auch bei Luhe schnell an Bedeutung. Die günstige Verkehrslage des Marktes Wernberg mit der Kreuzung der Strecke Regensburg-Eger und Nürnberg-Prag führte dazu, dass die Ansiedlung langsam wuchs. Kleinhandwerker und Gewerbetreibende siedelten sich an.
Mautstation
Die wohl kurz nach der Genehmigung des Zolls (1594) errichtete Wernberger Mautstation befand sich nördlich gegenüber der Marktmühle am damaligen Ortsausgang nach Wohlsbach, im damaligen, heute nicht mehr existierenden Graputh-Wirtshaus.