Unterköblitz ist ein Ortsteil der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf des Regierungsbezirks Oberpfalz im Freistaat Bayern.

Geographie Das Pfarrdorf Unterköblitz liegt knapp 1 Kilometer westlich von Oberköblitz und der Burg Wernberg, unmittelbar an der Westseite der Naab, sowie drei Kilometer nördlich des Autobahnkreuzes Oberpfälzer Wald. Westlich von Unterköblitz schloss sich bei Kettnitzmühle im früheren Neunaigener Forst der ehemalige Leuchtenberger Jagdbogen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an.

Etymologie Zur etymologischen Erläuterung siehe beim Ortsteil Oberköblitz. Der Ort Unterköblitz taucht historisch sowohl als Unterköblitz als auch als Niedernköblitz auf. Die landläufige Bezeichnung des Volksmundes „Sand“ findet sich erstmals 1621 als „ufm Sand“ in den Oberköblitzer Kirchenrechnungen.StAAm, Fürstentum Obere Pfalz, Regierung, Kirchendeputation Rechnungen, St. Emmeram in Köblitz, Rechnungsjahr 1621. Namengebend dürften die reichen rotbraunen Bausandvorkommen gewesen sein. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde z. B. vom Bahnhof Wernberg aus täglich ein mit Sand beladener Güterzug abgefertigt.Nabburger Volksbote, 25. Oktober 1924.

Als im Jahr 1862 die Eisenbahn gebaut wurde, nannte man den Bahnhof nach dem bekannteren Ort Bahnhof Wernberg, obwohl er in Unterköblitz lag.Robert R. Kuhnle, Weiden und sein Jahrhundert der Eisenbahnen, Weiden 1963, S. 75.

Das nach dem Zweiten Weltkrieg an den Sandgruben im Wald 1 km westlich von Unterköblitz entstandene Anwesen Waldfrieden ist aus der einsamen und ehemals ruhigen Lage aus den Wörtern Wald und Frieden abzuleiten.

Geschichte und Entwicklung Die Ortsbezeichnungen und Lagen Oberköblitz und Unterköblitz sprechen für eine weite Streusiedlung zur Landnahmezeit, die erst durch das kirchliche Zentrum in Oberköblitz dörflichen Charakter entwickelte. Durch die Altstraße über Amberg und Sulzbach nach Kemnath und weiter über Saltendorf herunter an die Naab dürfte der Naabübergang und eine Furt bei Unterköblitz seit jeher bekannt gewesen sein. Für eine einfachere Flussüberquerung bei Oberköblitz spricht nicht nur die gerade Streckenführung von Holzhammer über Kettnitzmühle ins Kirchdorf, sondern auch die flacher zum Wasser führende Straße. Gerade bei höheren Wasserständen konnte das entscheidend sein. Nicht zuletzt findet sich 1502 für das Fischwasser an der Naab bei Wernberg die Bezeichnung „Reissendfurt“.StAAm, Hofmark Woppenhof, Urk.3 vom 30. August 1502.

Paulsdorfer und Nothaft

Die Paulsdorfer und Nothaft legten starken Wert auf den Erhalt ihrer Fischrechte. Wohl aus der Zeit des Kaufes der Burg Wernberg 1280 hatte die Familie Paulsdorfer Rechte am Fischwasser zu Köblitz erworben. Fischer gab es zwar auch in Oberköblitz (Haus Nr. 18), aber es dürfte sich beim Paulsdorfer Besitz um den Hof bzw. das Fischwasser in Nieder Köblitz (Unterköblitz, Haus Nr. 12) gehandelt haben.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg U Nr. 1 vom September 1280.

Das zugehörige Fischrecht von Unterköblitz reichte bis zum Fischrecht von Pfreimd bei der Stauanlage bei Iffelsdorf. Zum Vergleich: Das Oberköblitzer Fischrecht umfasste den Ehenbach bis zur Landesgrenze bei Kettnitzmühle und ging hinauf bis zur Naabmühle bei Grünau. Das Unterköblitzer Fischrecht bestand mindestens bis Anfang des 15. Jahrhunderts und wurde in der Flurbereinigung zwischen den Nothaft von Wernberg und Leuchtenbergern am 22. September 1414 bestätigt.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 22. September 1414. Schon am 20. Dezember 1390 hatte der Tännesberger Doberhoz Paulsdorfer an seinen Oheim Gilg den Murher aus Nabburg mit Wissen Heinrich Nothafts von Wernberg sein Fischwasser zu Köblitz um 94 gute ungarische Gulden verkauft.Maximilian Baron de Freyberg, Regesta Rerum Boiearum Authographa, Band X, 1843, S. 278;

Die Nab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten, 15. August 1930, S. 13 und 20. Dezember 1930. Dort wird jedoch abweichend von 94 Gulden gesprochen. Alleine daraus lässt sich überschlagen, dass der Unterköblitzer Fischer etwa einen Zentner Fisch als Ertrag bei der zuständigen Herrschaft abzuliefern hatte. Es dauerte nicht lange, bis dieses Recht in den Händen der Nothaft war.

Ein paar frühe Namen: 1420 wird als Fischer Konrad Insawr urkundlichStAAm, Fürstentum Obere Pfalz, Kloster Ensdorf Urkunden 294 vom 15. Juni 1420., 1475 erscheint Ulrich Vischer, als er die Erbrechtsgerechtigkeit auf der Taferne, genannt Schithütten kaufte.StAAm, Landgrafschaft Leuchtenberg, 6. April 1475. Er war zugleich 1482, längstens bis 1487, zusätzlich nothaftischer Richter zu Luhe.Karl Rothenberger, Markt Luhe Chronik, 1989, S. 277. 1518 kaufte der Niederköblitzer Hans Fridlpaur von der Witwe des verstorbenen Mathes Fischer von Oberköblitz deren Erbrecht auf die Oberköblitzer Hofstätte samt dem Fischwasser am Ehenbach.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 4, S. 76.

Unterköblitz und der Hammer in Diebrunn: Es war wohl eine der Wirtschaftsfördermaßnahmen, als die beiden Brüder Heinrich und Albrecht Nothaft am 9. Februar 1400 ein Gut in Niederköblitz an den Amberger Bürger „Erhart der Stüchs“ verkauften. Dahinter kann sich möglicherweise der seit 1394 in Diebrunn wirtschaftende Hammerherr Erhart Wollentshofer verbergen, der das Amberger Bürgerrecht besaß. Damit wäre ein Hof in Unterköblitz als Versorgungsgut für den Hammerbetrieb anzusehen, zumindest so lange, bis der Steinshof oberhalb Diebrunn durch den Hammermeister erworben wurde.Simbeck, Nabburg und Umgebung – Eine Wanderung durch tausend Jahre – Nabburg zur Jahrtausendfeier, abgedruckt in der Nab-Burg, heimatkundliche Beilage zum Nabburger Volksboten 1930, zitiert nach Gerichts-Urk. 29.

1509 ging dann Unterköblitz (mit Ausnahme eines Hofes) mit der Herrschaft Wernberg an den verschwägerte Familie Wispeck, und von dieser 1530 an die Landgrafen von Leuchtenberg.

Leuchtenberger Zeit

Zwischen Unterköblitz und dem seit 1470 langsam wachsenden Ort Schütthütten bestanden immer enge Beziehungen. Es gab Wechselwirkungen. Dazu gehört die Marktentwicklung von Wernberg (1560–1592), aber auch insbesondere der stabile Brückenneubau zwischen Schütthütten und Wernberg um 1589, für den 1594 ein separater Zoll durchgesetzt werden konnte. Gerade für den Fernverkehr entfiel damit ein erhebliches Risiko, besonders in Hoch- und Schmelzwasserzeiten.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 5, S. 85;

Annemarie Krauß, Vierhundert Jahre Brücke in Wernberg-Schütthütten, erschienen in Oberpfälzer Heimat, Band 34, S. 78ff. Nachdem der Flussübergang bei Oberköblitz mit dem Brückenbau an Bedeutung verloren hatte und sich der Verkehr neu orientierte, entstanden die beiden typischen Knicke in der Straßenführung in Unterköblitz. Man wich kurz nach Kettnitzmühle nach Süden zur neuen Brücke aus. Während des beginnenden Dreißigjährigen Krieges wurde diese Strecke nicht nur Postlinie, sondern auch primär zur Versorgungstrasse für die bei Pilsen und Waidhaus stehenden Mansfelder Truppen. Für Wirte, Handwerker und Kleinhandelstreibende, aber auch für Bauern mit Vorspann- und Transportdiensten konnte das durchaus ein Geschäft sein. Es bestand, nachdem Kriegszeiten waren, jedoch immer das Risiko der Ausraubung. Ein Beispiel ist der Sandmüllner Balthasar Zengler an der Naabbrücke in Unterköblitz, der um 1620 auch das Gasthaus zur Schütthütten betrieb. Er führte um diese Zeit dem Grafen von Mansfeld eine Weinladung nach Pilsen zu und nahm als Rückfracht vier Geschütze der Kurpfalz, dazu 3 Reiswagen, mehrere Hopfensäcke und Geld mit. Am 19. Januar 1619 wurde er jedoch Opfer. Als er in seiner Behausung in Unterköblitz Halt machte, ließ in der Wernberger Pfleger Kürmreuth die Waren abnehmen. Erst die Intervention der Kurpfalz beim Landgrafen erwirkte die Freigabe.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 5, S. 305. Im Juli 1621 fiel Balthasar Zengler erneut auf, als er durch die Plünderung auf der Straße einen Schaden von 3.000 Gulden erlitten hatte. Das entsprach bei einem damals durchschnittlichen Jahreseinkommen von 60 Gulden rund 50 Jahreseinkommen. Es muss sich also um Geschäfte im großen Stil gehandelt haben. Nachdem er vom Landgrafen für sein illegales Tun weitere 3.000 Gulden Strafe bekam, flüchtete er ins „Ausland“ nach Weiden, wurde jedoch spätestens 1630 wieder rehabilitiert.Illumatius Wagner, Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg, Kallmünz 1952–1956, Band 5, S. 318. Letztlich überwogen dann zunehmend mit fortschreitendem Krieg die Risiken, Drangsale und Plünderungen.

Als die Amberger Regierung am 14. Januar 1639 die vorhandenen Haushaltungen für die Zuweisung von Winterquartieren für mehrere Regimenter aufnehmen ließ, wurden für Unterköblitz noch 3 Haushaltungen gemeldet.Verhandlungen des Historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg, Band 84, S. 133f.

Als die Landgrafen von Leuchtenberg 1646 ausstarben, wurde unter den böhmischen Lehen, also zur Herrschaft Wernberg zugehörig, in Niedernköblitz" ein Hof und eine Mühle genannt.Georg Brunner, Geschichte von Leuchtenberg und der ehemaligen Landgrafen von Leuchtenberg, Amberg 1863, S. 31f. Das Amt Nabburg hatte noch am Ende des 18. Jahrhunderts (1793/94) in Unterköblitz 1 Anwesen, das den Zehent zum Kloster Waldsassen reichte, ausgewiesen. Es handelte sich um den 1/1 Hof des „Riesbauern“, der als ganzer Hof zur Hofmark Damelsdorf gehörte.Helmut Reis, Häuserbuch. Die Altanwesen von Wernberg-Köblitz und ihre Besitzer, Pfreimd 1993, S. 187.

Wittelsbacher Zeit

Die Kirche St. Emmeram in Oberköblitz hatte in Unterköblitz über den gesamten Zeitraum der vorliegenden Kirchenrechnungen von 1573 bis ins ausgehende 18. Jahrhundert 2 Höfe in Unterköblitz, die als Lehen ausgegeben wurden und entsprechenden Ertrag abwarfen. Dazu kam die Wiese am Ehenbach.StAAm, Fürstentum Obere Pfalz, Regierung, Kirchendeputation Rechnungen, St. Emmeram in Köblitz.

Gerade in der Wittelsbacher Zeit sind immer wieder Wechselbeziehungen zwischen Personen in Unterköblitz und in Schütthütten feststellbar. Eine dieser Familien waren die Rieder, die von 1658 bis 1773 im Raum Wernberg-Unterköblitz sesshaft war. Der 1658 geborene Conrad Rieder hatte den damaligen Lehrberuf „Arzt“. Er besaß einen Hof in Unterköblitz und betrieb in Schütthütten auf dem Anwesen Haus Nr. 47 am westlichen Ortseingang eine Garküche mit Schank und Braurecht. Seine Stiftung am Ende seines Lebens um 1700 war ein wesentlicher Teil zur Finanzierung der Osterweiterung der Kirche St. Anna in Wernberg. Sein Sohn, ebenfalls Conrad Rieder, führte die Arzt und Garküchentradition seines Vaters fort. Er war es, der mit seiner Stiftung auf dem Wernberger Weg zur Pfarrkirche Oberköblitz, an der damaligen Dreifaltigkeitskapelle einen Kalvarienberg mit Passionsstationen neu errichten und in Unterköblitz „Maria-Hilf-Kästchen“ aufstellen ließ. Sein Vermächtnis und seine Stiftung war es, die 1734/35 zum Neubau der baufälligen Dreifaltigkeitskapelle führte.Fürstentum Obere Pfalz, Regierung, Kirchendeputation Rechnungen Die Familie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, der sich im Hausnamen „Rieder“ in Wernberg bis heute erhalten hat.

Nachdem im Jahr 1729 die Verehrung des Heiligen Nepomuk als leuchtenbergischer Landespatron angeordnet worden war, taucht 1736 erstmals eine St. Nepomuk-Kapelle direkt an der Naabbrücke in Unterköblitz auf. Opfergeldeinnahmen aus dieser Kapelle sind bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nachzuweisen.Fürstentum Obere Pfalz, Regierung, Kirchendeputation Rechnungen Möglicherweise fiel diese Kapelle der Säkularisation zum Opfer, nach dem sie bei der Urvermessung Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr bestand.

Gemeindebildung